Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Niete’

Diese Ferien zu buchen, war ein Fehler! Was hatte ich mir nur dabei gedacht. Rucksack-Urlaub in Rumänien. Wandern von Schloss zu Schloss, auf den Spuren von Graf Dracula.

Ich kannte mich mit den Schlössern besser aus, als unser Reiseleiter. Er war eine absolute Niete. Ich sage, war, weil er tot ist. Wer lesen kann ist klar im Vorteil, sag ich immer, und das konnte der nicht. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich in dieser Kerkerzelle sitze und der Rest der Reisegruppe bei Graf Dracula auf dem Teller gelandet ist?

Ich sagte dem Blödmann, diese Burg sollten wir auf keinen Fall betreten. In meinem Reiseführer stand: Gefährliche Ruine! Nicht sicher! Bitte nicht betreten! Ich las es ihm vor. Laut und deutlich.

Er lachte nur und ging einfach los. Er war gerade um die nächste Ecke verschwunden, als ich seine Hilfeschreie hörte. Ich hätte ihm nicht helfen sollen wollen. Denn als ich um die Ecke stürmte, um dem Rindvieh zu helfen, fiel ich Graf Dracula in die schönen Hände. Das habe ich jetzt davon. Er hat mich bis zum Schluss aufgehoben. Na wenigstens werde ich von einem sehr gutaussehenden Mann um die Ecke gebracht. Ich sollte dankbar sein, denn so ein Exemplar habe ich in meinem echten Leben noch nie gesehen.

Read Full Post »

Diese beiden Textskizzen sind sechs Jahre alt. Beim Durchsehen „alter“ Ordner sind sie mir in die Hände gefallen, nebst Anfang einer „Frankfurter Geschichte“ in der es um: Bücher, Schreibkurse, Schreiben usw geht. Ich finde die Fragmente witzig und hoffe, sie bringen euch auch zum Schmunzeln.

Wütend sprang sie auf. Das sollte wohl ein Witz sein! Aber ein ganz schlechter! Was nützte die ganze Schreiberei, das Korrigieren, Kopieren und Einschicken, wenn die Manuskripte immer wieder zurückkamen. Und jetzt der ultimative Schlag! Arnes Text war bei einem Verlag angenommen worden. Dieses unausgegorene Geschreibsel ohne Anfang, Ende und jeglichem tieferen Sinn. Am liebsten hätte sie den Laptop aus dem Fenster gekickt, dem Idioten direkt auf den Kopf.

Er rief sie brühwarm an und brüstete sich damit, dass er mal eben schnell was zusammen geschustert hätte und der Verlag sofort darauf angesprungen wäre.

Na, toll! Sie griff sich die Flasche Weißwein, die ihr Herr Winter geschenkt hatte, und entfernte den Korken. Es war an der Zeit sich die Kante zu geben. Das erste Glas trank sie auf Ex und spürte sofort die belebende Wirkung. Sie musste Kichern und goss sich das Glas wieder voll.

„Nicht wahr Romeo, das ist wenigstens mal ein echter Anlass sich zu betrinken“, nuschelte Julie ihrem Kater zu und kicherte wieder. „Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder weißt du einen besseren Grund? Man reißt sich ein Bein aus, um was Anständiges zustande zu bringen und dann das!“

Sie trank.

„Verdammt, verdammt, verdammt!“

Julie begann zu weinen, das durfte alles nicht wahr sein. Vielleicht träumt sie nur und wenn sie sich genug anstrengte wachte sie auf und alles war wie vorher. Leider war sie nicht so betrunken, dass ihr diese Möglichkeit als wahr erschien. Es klingelte. Marc stand vor der Tür und sah sie erschrocken an.

„Julie was ist los?“

„Der blöde Arne wird einen Text bei einem Verlag veröffentlichen“, schluchzte sie und wollte sich das Glas erneut füllen.

„Halt mehr gibt’s nicht!“ Marc nahm ihr die Flasche aus der Hand. „Ich glaube dir, dass dich das frustriert, aber deswegen musst du dich nicht gleich besaufen.“

Trotzig sah sie Marc an.

„Ich besauf mich so oft ich will.“

Dann fing sie wieder an zu heulen und warf sich in seine starken Arme.

„Ich bin ein Niete.“

„Nein bist du nicht.“

„Bin ich doch!“

„Nein. Du bist zu. Voll wie eine Haubitze.“

Marc bugsierte sie ins Schlafzimmer.

„Aber Marc, was willst du denn im Schlafzimmer.“

Julie kicherte und weinte gleichzeitig.

„Ich nichts, leider. Aber du gehst jetzt ins Bett.“

Marc hievte sie aufs Bett.

„Warum bist du eigentlich vorbei gekommen?“

„Das hat Zeit bis morgen. Schlaf erst deinen Rausch aus.“

„Küsst du mich?“

Julie schlang die Arme um seinen Hals und spitzte die Lippen.

„Nur wenn du nüchtern bist.“

„Spielverderber“, schmollte Julie.

„So bin ich eben.“

Marc deckte sie zu. Julie schlief sofort ein. Er lächelte. Sie sah so ernsthaft aus, aber in ihr steckte auch eine kleine Chaosqueen. Marc beugte sich zu ihr herunter, küsste sie auf die Stirn und dachte, dass es sich sicher lohnen würde die Chaosqueen aus ihr heraus zu kitzeln.

*

„Hallo meine Liebe“, säuselte Arne ölig.

Julie verdrehte die Augen. Was wollte der blöde Schleimer von ihr? Reichte es nicht, dass er jedem erzählte, ob er es hören wollte oder nicht, dass er jetzt einen Verlag gefunden hatte.

„Ich habe mit dem Verleger über dich gesprochen.“

Es klang so gönnerhaft, dass Julie übel wurde.

„Und wer hat dir das erlaubt?“, knurrte sie und hätte ihm am liebsten auf der Stelle den Hals umgedreht. Aber vielleicht sollte ich ihm in einer einsamen Gasse bei Nacht auflauern, schoss es ihr durch den Kopf, auf Mord gibt’s Lebenslänglich, auch wenn ich der Menschheit bestimmt einen Dienst erweise.

„Ich habe es mir selbst erlaubt.“ Arne blähte die Nüstern auf. Es fehlte nur das Wiehern. Blöder Gaul. „Ich als Jungautor habe mir gedacht, ich sollte den weniger Begünstigten unter die Arme greifen. Deine Texte sind ja nicht schlecht. Ich hab ihm eine deiner Kurzgeschichten gemailt.“

„Was?!“, schrie Julie und ballte die Fäuste. Sollte sie zu erst auf seine Nase oder auf sein Auge schlagen? Bevor sie ihrer Wut freien Lauf lassen konnte, hatte ihre Freundin Anna sie weggezogen und redete beruhigend auf sie ein.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: