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Posts Tagged ‘Neugier’

„Sehen sie denn nicht, dass dort ein Schild „Nicht hinauslehnen“ angebracht ist?“

Sagte eine schnippische Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah in zwei blaue Augen, über denen sich die Brauen zu einer Gewitterfront zusammengezogen hatten.

„Guten Tag, mein Fräulein“, erwiderte ich ruhig und mit einem spöttischen Lächeln, obwohl es mir in den Fingern kribbelte der jungen Dame eine gepfefferte Antwort zu geben, „ich wusste gar nicht, dass die Royal-Railway-Companie adelige Damen als Zugbegleiter einstelllt.“

Sie schnappte sichtbar nach Luft.

„Mir ist klar“, fuhr ich fort und die Ironie tropfte aus meiner Stimme, „sie wollten mich nur warnen, weil ich ihnen im Speisewagen so überaus gut gefallen habe, und es ihnen ein Greul wäre mich aus dem Zug stürzen zu sehen. Zerschmettert auf den Gleisen.“

Ihre Augen funkelten erbost über meine Spitze. Sie war mir beim Diner aufgefallen, da sie mich unverhohlen anstarrte, ja geradezu sezierte, während sich die anderen Anwesenden nach diesem kurzen Moment des Erschreckens wieder ihrem Menü zuwendeten. Ich konnte die Abscheu direkt in ihren Augen lesen. Entweder hatte man ihr keine Manieren beigebracht oder sie besaß eine sensationslüsterne Neugier auf alles was anders war und ergötzte sich daran. Oder beides.

Da ihr keine adäquate Antwort auf meinen Sarkasmus einfiel, drehte sich um und stolzierte hocherhobenen Hauptest davon. Ihr würdevoller Abgang wurde durch ein unerwartetes Ruckeln verhindert, da der Zug um eine Kurve bog und leicht schlingerte.

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In einem Artikel über Schriftsteller (von Marcus Johanus) las ich gestern: „Autoren sind anders als andere Menschen. Sie sind z. B. glücklich, wenn sie mit einem Laptop auf den Knien unbeachtet in einer Ecke sitzen können – und das für Stunden.“

Ja, der schreibende Mensch ist anders, als andere Menschen und er ist es gerne. Wer einmal Blut geleckt hat und vom Schreiben infiziert wurde, ist für die „normale“ Welt verdorben. Das Ganze grenzt manchmal an eine Obsession oder sieht für andere so aus – weil sie nicht nachvollziehen können, was im Kopf eines Schriftstellers vor sich geht. Ein „normaler“ Mensch denkt: Der setzt sich hin und schreibt eben mal ein Buch.

Genau das ist es nicht. Keiner von uns setzt sich eben mal so hin und klopft ein Buch in die Tasten seines Laptops. Davon abgesehen, dass ein Schriftsteller unter einer Schreibblockade leidet, wie ein waidwundes Tier – lebt er auf, sobald „es läuft“. Wenn die Ideen aufs Papier zu fließen beginnen. Die Charaktere der Geschichte anfangen zu leben. Denn das tun sie. Ein Schriftsteller lebt mit ihnen, er unterhält sich mit ihnen, lernt sie kennen, liebt sie, hasst sie, leidet mit ihnen oder stößt ihnen ein Messer ins Herz, um danach die ganze Nacht darüber nachzugrübeln, ob er das Richtige getan hat.
Schreiben ist meine große Liebe. Sie lässt mein Herz bluten, wenn ich keine Worte finde. Sie ist mein Heilmittel. Sie sagt, was ich nicht über die Lippen bringe. Sie tröstet mich. Sie inspiriert mich. Sie regt mich an und auf. Sie macht mich stärker.

Ich begann mit dem Schreiben, um mir das Leben schön zu schreiben, weil „das da draußen“ mich frustriert hat. Doch nach den ersten Versuchen, bei denen ich heute die Hände über dem Kopf zusammenschlage, wie die meisten Schreibenden, wurde das Schreiben eine eigenständige Sache. Ich schreibe mir das Leben zwar immer noch schön, aufregend, abenteuerlich usw., aber ich schreibe, weil ich es tun muss. Kein wenn, kein aber.

In meinem Kopf bewegt sich immer eine Geschichte, alles ist Inspiration. Ich beobachte meine Umwelt, Menschen, Beziehungen … nicht mit schadenfroher Neugier, sondern weil es mich interessiert – wie funktionieren die Dinge? Was muss geschehen, damit etwas anderes passiert? Wer sagt was und was passiert dann?
Meine Freundin sagte einmal: Du hast zu allem sofort eine Geschichte. Das war das größte Kompliment, das mir ein/e andere/r Schreiber/in gemacht hat! Ich bin nicht die beste Schreiberin, da bin ich demütig – aber ich glaube, ich bin eine gute Geschichtenerzählerin und ich liebe das Schreiben. Von ganzem Herzen und voller Begeisterung. Ich versuche dem Schreiben mit jeder Zeile besser gerecht zu werden, und dazu zu lernen. Diese Liebe hat mit den Jahren nie nachgelassen, sondern ist immer größer und stärker geworden. Ein Leben ohne das Schreiben kann ich mir nicht mehr vorstellen.

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