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Posts Tagged ‘Nase’

„Wir machen Schluss für heute“, rief Dr.Anders.

Ich hörte, wie die anderen Studenten ihre Werkzeuge einpackten und die Höhle verließen. Langsam wurde es still, ihr Gelächter und das Murmeln der Stimmen verebbte. Ich befand mich im hinteren Teil der Höhhle und wusste, dass mich niemand besonders vermissen würde.

Meine Kommilitonen hielten mich für absonderlich und kümmerten sich nicht weiter um meine Anwesenheit. Manchmal bedauerte ich das, aber heute kam es mir sehr entgegen. Ich hatte einen sensationellen Fund gemacht, den ich mit niemandem teilen musste.

Für einen Moment lauschte ich gespannt in die Stille. Außer meinem Atem und meinem Herzschlag gab es keine weiteren Geräusche. Ich zog die Grubenlampe etwas näher an das Fundstück heran, nahm einen kleinen Spachtel und legte sehr   vorsichtig den Kopf des Tieres frei. Dann entfernte ich den Staub mit einem feinen Pinsel.

Mit angehaltenem Atem betrachtete ich den schmalen Kopf.

Sacht strich ich mit den Fingerspitzen über die Nase, die Stirn des Urzeitwesens. Trotz der vielen Jahrunderte, die das Tier in der Erde geruht hatte, fühlte sich die Haut nicht hart an, eher wie weiches Leder. Erstaunlich, dachte ich. Ich kannte das haptische Erleben von den Schlangen meines Bruders. Genauso fühlte sich ihre Haut an. Weich, geschmeidig, elastisch.

Unter der Haut des Reptils fühlte ich die Muskelbewegung des Reptils. Erschrocken zog ich meine Hand weg. Das Lid des Tieres hob sich und ein leuchtend grünes Auge, mit der schmalen Pupille einer Katze, sah mich an.

Ich wollte aufspringen, stolperte und fiel nach hinten. Jäh kam Leben in das Tier. Es stemmte sich aus dem Boden, stieß sich ab und landete auf meinem Bauch. Interessiert betrachtete es mich, schnüffelte an mir. Ich presste die Lippen zusammen und rührte mich nicht. Panik konnte es vertreiben oder aggressiv machen. Beides wäre kontraproduktiv gewesen.

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„Geht es dir gut?“

Sacht tippte er ihr gegen die Schulter. Die Berührung löste ihre Starre. Mit hasserfülltem Blick sah sie ihn an.

„Geht es dir gut?“, wiederholte er.

Sie holte aus und schlug ihn mit einem harten Schlag auf die Nase. Blut spritze heraus.

„Aua!“, schrie er und presste seine Hände gegen das Riechorgan.

„Du hast sie gebrochen!“

„Sei froh, dass es nur die Nase ist. Viel lieber würde ich dein Herz brechen, so wie du meins gebrochen hast!“

Sie drehte sich um und ging.

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Szene aus der Kindheit von Rowenna (Tag 87/88)

Rowenna und Laurence sitzen auf der niedrigen Natursteinmauer, die das Haus von Laurence Großeltern von der Straße trennt. Zu ihren Füßen liegt ein Bernersennenhund und blinzelt ab und zu in die Sonne. Zwischen den beiden Kindern steht eine Papiertüte mit Kirschen. Rowenna spukt einen abgenagten Kirschkern auf die Straße. Er klackt einmal auf und springt auf den Rasenstreifen auf der anderen Seite.

„Einmal über die Straße!“, ruft sie triumphierend, „das musst du mir erst mal nachmachen.“

„Das gilt nicht. Der Kern ist einmal aufgeditscht!“, widerspricht Laurence.

Er schürzt die Lippen, ruckt mit dem Kopf zurück, dann vor und spukt. Der Kern landet wenige Zentimeter vor dem Randstreifen der gegenüberliegenden Seite.

„Das musst du mir nachmachen!“

Laurence sieht Rowenna mit einem siegessicheren Grinsen an. Sie spukt den nächsten Stein. In einem hohen Bogen fliegt er diesmal direkt auf den Randstreifen.

„Bitte! Ich kann es!“

Laurence will etwas erwidern, als ein Stein durch die Luft saust und ihn an der Schulter trifft.

„Hey, wer war das?!“

Laurence reibt sich die schmerzende Stelle und rutscht von der Mauer. Suchend sieht er sich um. Ein weiterer Stein trifft den schlafenden Hund. Er springt auf und jault.

„Da!“, schreit Rowenna, „in der Hecke!“

Noch ehe Laurence den Attentäter entdeckt hat, ist Rowenna über die Straße gerannt und kriecht durch die Hecke.

„Andy, du blöder Mistkerl“, hört Laurence sie auf der anderen Seite der Hecke schreien. „Feigling!“

Er kriecht ebenfalls hindurch und sieht gerade noch, wie Rowenna dem Rowdy der Klasse mit voller Wucht die Faust auf die Nase schlägt. Sofort quillt Blut heraus und Andy heult auf.

„Du dumme Kuh!“, Andy hält sich die Hände vor die Nase, „das sage ich meinem Vater!“

„Mach doch! Dann kannst du ihm gleich sagen, dass du uns aus dem Hinterhalt angegriffen hast. Bin gespannt was er dazu sagt!“

Die letzten Worte hört Andy schon nicht mehr, so schnell hat er das Weite gesucht. Rowenna lacht und grinst Laurence an.

„Dem hab ich es gegeben! Ein hilfloses Tier mit Steinen zu bewerfen, was für ein Blödmann. Soll sein Vater nur kommen.“

„Darauf kannst du wetten. Das lässt der sich nicht entgehen.“ Auf Laurence kindlich glatter Stirn erschienen ein paar zarte Denkerfalten. „Erinnerst du dich an den Krach den er bei uns geschlagen hat, als mein Bruder und Andy sich geprügelt haben?“

Rowenna lachte.

„Und wie ich mich erinnere! Das war Dorfgespräch.“

Die beiden Kinder kriechen durch die Hecke, zurück auf die Straßenseite. Rowenna kniet sich vor den Hund und krault ihn hinter den Ohren.

„Du lieber Artur, alles gut? Das macht der so schnell nicht wieder. Ich pass auf dich auf“, sie blickt zu Laurence hoch, „und auf dich auch.“

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Ich möchte so gern – von Monica Küchler

Ich möcht mich bekiffen
Ich möcht mich besaufen
Ich möcht über Wiesen laufen
Ich möcht dich verhauen
Ich möcht dir ne Nase drehen
Ich möcht mit dir leben
Ich möcht so gern
Ich will
Ich will so gern
Ne tanzende Puppe sein
Ausm Marionettentheater
Kapp mir nicht die Fäden
Lass mich leben
Lass mich nicht sitzen
Auf den Kirchturmspitzen
Die tun mir weh
Sag nie mehr: geh
– ich will dich haben.

Ich möcht mich vergessen
Ich möcht mich verlaufen
Ich möcht nen milden Regen
Ich möcht dich anschreien
Ich möcht dich schütteln
Ich möcht mit dir leben
Ich möcht so gern
Ich will
Ich will so gern
Ne tanzende Puppe sein
Ausm Marionettentheater
Kapp mir nicht die Fäden
Lass mich leben
Lass mich nicht sitzen
Auf den Kirchturmspitzen
Die tun mir weh
Sag nie mehr: geh
– ich will dich haben.

Ich weiß nicht warum – es hat mich einfach angesprochen 🙂 .

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Sonntag, 12.07.2015

Ein herrlicher Morgen, den ich eigentlich in meinem Lieblingscafé verbringen wollte – mich mal wieder ein bisschen wie Hemingway fühlen. Stattdessen sitze ich auf dem Balkon, was gewiss seinen Reiz hat, bei diesem fantastischen Wetter, mit Kaffee, Büchern und Laptop und pflege meine Erkältung. Eingemummelt, mit laufender Nase und einem Kopf voll Watte.

Dabei hatte ich viel vor. Zwei Texte für Ausschreibungen „erledigen“, eine Charakterstudie erstellen – von einem zugegeben sehr skurrilen Herrn, dem ich bei einer bekannten Supermarktkette begegnete. Solche Gelegenheiten darf sich ein Autor nicht entgehen lassen.

Außerdem wollte ich einen eloquenten, vor Witz sprühenden Text über „das liederliche Leben eines Schriftstellers“ verfassen – im Café wäre das ein Leichtes gewesen – aber mit triefender Nase, gläsernen Augen und im Schlabberlook stellt dies eine schier nicht zu bewältigenden Aufgabe dar.

Dafür singt Marvin Gay „Hey, what`s going on“ – das wüsste ich auch zu gerne.

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Ich ging die langen Regalreihen entlang und ließ meinen Blick über die Bücher schweifen. Es waren große Folianten, in Leder gebunden, mit goldenen Aufschriften, teilweise verblasst.

„Du wirst wissen, welches Buch es ist, wenn du es siehst“, hatte Pater Marcus gesagt.

Ich hasste seine kryptischen Aussprüche und argwöhnte, dass er so etwas nur sagte, um zu sehen, wie ich reagierte. Diesmal gab ich mir keine Blöße und stellte eine undurchdringliche Miene zur Schau. Marcus lächelte, dann nickte er mir zu. Ich war entlassen. Gemächlich machte ich mich auf den Weg in die Bibliothek. Nicht ohne mir vorher noch einen Apfel aus der Klosterküche zu holen. Pater Petronius schallt mich eine Schlemmerin, aber ich zuckte nur mit den Schultern. Fastentage machten mich immer so hungrig.

Ich hatte gut daran getan, meinen knurrenden Magen zu füllen. Seit einer gefühlten Ewigkeit wanderte ich zwischen den Regalen umher und wartete auf die Erleuchtung. Seufzend ließ ich mich auf einem Schemel nieder und stützte den Kopf auf die Hände. In der kühlen Stille zwischen den Büchern konnte ich meinen Träumen nachhängen, ohne getadelt zu werden. Durch ein rundes Fensterchen fielen vorwitzige Sonnenstrahlen auf die rauen Steinplatten. In ihrem Licht schwebten Staubteilchen, wie winzige Feengeschöpfchen.

Meine Augen folgten dem Lichtstrahl. Er streifte einen satt dunkelroten Buchrücken. Sofort richtete sich mein Interesse auf das Buch. Ich stand auf, um es näher in Augenschein zu nehmen. Es war riesig. In der Höhe etwas so lang wie mein Arm, von der Schulter zum Handgelenk und zwei Handbreit. Eine verschnörkelte goldene Schrift zog sich über den Buchrücken. Ich zog es mühsam heraus. Auf den Umschlag waren merkwürdige Zeichen und Symbole geprägt, die ich noch nie gesehen hatte und das Kloster war voller Embleme.

Ich schleppte das Buch zu einem Pult und hievte es hinauf. Andächtig fuhr ich mit den Fingerspitzen über das weiche Leder, ertastete die fremdartigen Zeichen. Ich schlug es auf. In endlosen dicht gedrängten Zeilen lief die Schrift über die Seiten. Ich folgte ihr mit Blicken, vermochte keinen Anfang und kein Ende zu erkennen. Pater Marcus erwartete sicher meine Rückkehr, aber ich konnte mich nicht von dem Buch losreißen. Nachdem ich eine Seite angesehen hatte, musste ich die Nächste anschauen. Eine Seite nach der anderen blätterte ich weiter. Meine Hände fühlten sich an wie Blei, meine Augenlider wurden immer schwerer.

„Sarah! Ich habe nicht gesagt, dass du deine neugierige Nase in das Buch stecken sollst!“, polterte Bruder Marcus.

Er riss mir das Buch weg und schlug es zu. Ich zuckte zusammen, schüttelte mich.

„Wo bin ich? Was ist geschehen?“, stammelte ich.

„Zum Glück nichts. Ich dachte mir schon, dass du nicht widerstehen kannst“, brummte Marcus. Er schien erleichtert. „Komm, du brauchst eine heiße Tasse Melissentee, dann geht es dir gleich wieder besser.“

Ich hätte zu gerne mehr über das geheimnisvolle Buch erfahren. Irgendetwas stimmte nicht damit. Es besaß etwas Magisches, Hypnotisches. Ich wusste, dass im Kloster Dinge aufbewahrt wurden, die böse Dinge anrichten konnten, wenn sie in die falschen Hände gerieten. Doch die waren in geheimen Gängen unter dem Gelände gut gesichert unter Verschluss.

Ich beschloss bis nach dem Tee zu warten, um Bruder Marcus das Geheimnis zu entlocken. Immerhin hatte er mich geschickt, es zu holen, dann war es das Mindeste, dass er mir erzählte, was es damit auf sich hatte.

Der Fokus aus früheren Geschichten sind die langen Regalreihen aus dem Bücherturm und das rote Lederbuch aus meiner Traumgeschichte.

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Eine Sache ging ihr immer wieder durch den Sinn. Wie um alles in der Welt sollte sie an die Schokolade kommen, die sie im Schaufenster liegen sah? Sie stand schon mindestens zehn Minuten vor dem Schaufenster und starrte wie versteinert auf eine haselnussbraune Tafel Schokolade, die wie eine überdimensionale Münze geformt war.
Ihre Arme, die bisher nur schlaff herunterhingen, bewegten sich langsam nach oben. Zwei Hände patschten auf das Glas und ein Kopf, dessen Augen immer größer wurden, näherte sich der Scheibe. Noch konnte sie sich zurückhalten, doch schon bald verlor sie die Beherrschung drückte ihr rundes Gesicht immer fester gegen die Scheibe. Stirn, Nase und Mund bildeten eine senkrechte Linie, Speichel floss ihr aus dem Mundwinkel und tropfte auf ihre kleinen, schwarzen Lackschuhe. Dass sie bereits einen leichten Sonnenbrand im Genick hatte, störte sie nicht. Dass bereits einige Menschen um sie herumstanden, die sie beäugten, wie sie die Schokolade beäugte, störte sie ebenso wenig. Selbst ein kleiner Dackel, der ihr um die Beine tapste und sie mit seinem rauen Fell streifte, vermochte sie nicht von ihrem Blick auf diese leckere, einfach so da liegende Schokolade zu lösen, die sie sich am liebsten in Mund, Nase und Ohren gleichzeitig schieben würde, nur damit alles ihres war und niemand sonst sich daran ergötzen konnte. Da sie aber erst sieben Jahre alt war und nicht genug Taschengeld hatte, stand sie da und bewachte geistesabwesend die Schokolade.

Dieser schöne Text entstand in einer Schreibstunde in meinem Schreibkurs und ich möchte ihn euch, mit Marios Einverständnis, nicht vorenthalten.

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