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Posts Tagged ‘Musik’

Diana saß im Pyjama auf dem grauen Ecksofa, die Beine angezogen und aß Müsli. Die Sonne fiel durch die breite Fensterfront und erfüllt den Raum mit warmem Licht. Draußen tobten die ersten Schneeflocken durch die Luft, die der winterlich wilde Wind über die Ostsee trieb. Diana hörte, wie er die Bäume zerzauste und sah wie er die Wellen in einem dramatischen Tanz gegen den flachen Strand trieb. Die Möwen hatten Mühe sich gegen den Sturm zu behaupten und segelten in einem Zickzackkurs über dem Wasser.

Im Hintergrund sang Gordon Haskell „How wounderful you are …“, das neue Jahr war noch frisch, erst fünf Tage alt, und trotzdem hinterließ es erste Spuren. Diana war weit fort von zu Hause und der Gedanke in den Alltag zurückzukehren verursachte ihr ein dumpfes Gefühl in der Magengegend.

„Things can happen fast“, sang Gordon und Diana dachte an die Veränderungen, die sich in den letzten Monaten ergeben hatten. Sie hatte das Glück gesehen. Für einen kurzen Moment spürte sie es: zu Hause sein. Ein überwältigendes Gefühl, das sie atemlos machte, um es im nächsten Augenblick wieder zu verlieren. Die Dinge wandelten sich oft schneller, als vorauszusehen. Sie wusste, dass sie dieses Glück nicht behalten konnte. Es gehörte ihr nicht, würde ihr niemals gehören. Das hatte sie nicht daran gehindert es sich anzusehen und es zu begehren. Manchmal will das Herz, was das Herz will, egal um welchen Preis.

Diana wünschte sich glücklich zu sein und doch, genau das war schwer zu bewerkstelligen. Glück, diese flüchtigen Augenblicke, die man oft erst erkannte, wenn sie verflogen waren. Nun in diesem Moment, die Sonne fiel auf ihr Gesicht, die Musik hüllte sie ein, der ungestörte Blick auf das Meer – verspürte sie ein Gefühl des Glück, dass ihr ganzes Sein erfüllte.

Diana wusste, es war besser nicht darüber nachzudenken. Im Augenblick des Nachdenkens bekam das Glück schon wieder Risse, weil sie es festhalten wollte. Sie nahm sich vor, wenn sie es nicht verwahren konnte, so wollte sie zumindest weniger unglücklich sein. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Erinnere dich immer an diesen Tag, wenn du in den nächsten 360 Tagen vor einer Krise stehst. Erinnere dich an das Meer, die Stille, das Glück, das du so erfüllend empfunden hast und glaube fest dran, dass du dich eines Tages wieder so unendlich glücklich fühlen wirst, wie an dem Tag, als du in seine Augen gesehen hast.“

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Die Nacht erstrahlt in deinem Glanz

Deine Musik beglückt meine Stille

Bewegt vom Rhythmus deines Herzens

 

Ein Wort von dir geflüstert

Bringt meine Seele zum Erklingen

Wie Glas bin ich in deiner Hand

 

Die Schwingung deiner Stimme

In meine tiefste Tiefe sinkt

Entlockst mir einen reinen Ton

 

Fasst mich mit zartem Griff

Küsst meinen Rand mit weichen Lippen

Nippst süßen Wein aus meinem Kelch

 

Rühr mich an mit deinem Geist

Der mich mit Leidenschaft befeuert

Die Worte überfließen lässt

 

Rühr mich an mit deinem Körper

Der mein Begehren weckt

Der Liebe fühlbar Form verleiht

 

Rühr mich an mit deiner Seele

Die mich erkennt und hält

Ein Spiegel meiner Wünsche

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Die ev.Familienbildungsstätte Friedberg/Wetteraukreis hatte eine tolle Nacht geplant. Es gab allerhand Aktivitäten, von Malen über Singen, Bauchtanz, Singen, Nähen, Lesung und Schreibwerkstatt, Basteln usw. Für das leibliche Wohl wurde ebenfalls bestens gesorgt.

Das Foto zeigt mich vor der Lesung, …

Lesung 2

… die diesmal nicht nur einen „einfachen“ Hörwert hatte, sondern bei der ich Texte aus meinen Schreibwerkstätten gelesen habe , um die verschiedenen Möglichkeiten von Textimpulsen zu zeigen. Darunter ein Gedicht von Hilde Domin:

Herbstaugen

Presse dich eng
an den Boden.

Die Erde
riecht noch nach Sommer,
und der Körper
riecht noch nach Liebe.

Aber das Gras
ist schon gelb über dir.
Der Wind ist kalt
und voll Distelsamen.

Und der Traum, der dir nachstellt,
schattenfüßig,
dein Traum
hat Herbstaugen.

Ein Text, der aus Assoziationen der Farbe Blau entstand und Eingang in mein Buch „In den Tiefen meiner Lust“ fand.

Blau (Folgend die Worte, die in meinem Text verwendet wurden)

Meer – Himmel – Polareis – Kälte – Tinte – Blaubeeren – blaue Augen – blaue Stunde – Tagblau – Nachtblau

Außerdem ein Song von Billy Paul, der mich zu meinem Text „Misses Jones und Ich“ inspirierte.

Des weiteren ein Text inspiriert von einem Bild, dem ersten Satz eines Buches und einer skurrilen Todesanzeige (man gönnt sich ja sonst nichts.)

Um 21 Uhr versammelte sich dann eine Gruppe von 5 Teilnehmern, und dem netten Herrn von der Wetterauer Zeitung (der einen kleinen Einblick in eine kreative Schreibwerkstatt gewinnen wollte), in einem Seminarraum zu einer Schreibsession. Jeder Teilnehmer konnte drei Texte mit nach Hause nehmen. Ein Rundentext, als Eisbrecher sozusagen, ein Gedicht über die Liebe und ein Text, inspiriert von Farben, unter anderem rosa, blau und grün.

Es war ein toller Abend, auch wenn leider weniger Gäste da waren, als erhofft. Allerdings war dies die erste Kreativ-Nacht der Familienbildungsstätte in dieser Form. Es wäre schön, wenn sie nächstes Jahr wieder stattfindet, dann mit wachsender Resonaz.

Ich habe auf jeden Fall großen Spaß gehabt, nicht nur weil die Zuhörer der Lesung Interesse an meiner Arbeit zeigten, sondern auch und besonders, weil ich anderen den Anstoß zu einem ganz persönlichen Text geben durfte. Das zeigt eine Mail, die ich heute morgen bekam, in der eine der Teilnehmerinnen des Workshops, mir ihren fertiggestellten Text schickte.

Welche größere Belohnung kann es für einen Schreibkursleiter geben?

PS.: Die Themen meiner Kurse sind auf meiner Seite  https://schreibraumeigensinn.wordpress.com/ zu finden. Wer Interesse an einem Kurs hat, sei es bei der Familienbildungsstätte oder auch an anderer Stelle, möge mich sehr gerne ansprechen.

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braun, echt, Lächeln, Musik, Stein

Der Stein hatte die Farbe eines glänzenden Rotbraun von Kastanien. Ich drehte ihn in der Hand hin und her und musste Lächeln. Er war glatt, aber nicht vollständig rund. An einer Seite hatte er eine Vertiefung, in die ich die Spitze meines Daumens legen konnte.

„Der ist echt“, sagte der Verkäufer am Schmuckstand, der aussah als wäre er aus der Flower Power Zeit übrig geblieben.

Im Hintergrund wechselte der donnernde Beat der Musik zu einer sanften Flötenmusik.

„Der ist echt“, widerholte der Verkäufer.

Ich hatte ihn schon beim ersten Mal verstanden und konnte mir vorstellen, was das andeuten sollte. Die Rechtfertigung eines horrenden Preises.

„Und wie viel soll er kosten?“, fragte ich so gleichgültig wie möglich.

„Hundert Pfund“, sagte er.

So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt. Ich zog abschätzend die Augenbrauen hoch.

„So wird kein Geschäft draus“, stellte ich fest. „Da müssen sie mir schon entgegen kommen.“

Ich pokerte hoch. Der Stein war mehr wert, ich kannte mich aus. Er durfte auf keinen Fall in den Händen dieses Dilettanten bleiben.

 

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„Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?“, meine Mutter sah mich mit panischem Blick an.

„Gerade eben noch“, log ich, „dort drüben an dem Karussell.“

Ich deutete auf das altmodische Karussell mit den beiden Kutschen, den eleganten Holzpferden, indischen Elefanten und den drei majestätischen Löwen, die alle bunte Sättel trugen, die mit goldenen Details abgesetzt waren.

Meine Mutter rannte über den Platz, rief laut den Namen meines kleinen Bruders. Ich trottete langsam hinterher.

Selbst Schuld, dachte ich, warum muss er nur so viel reden und ständig igrendwelche Dummheiten machen. Kein Wunder, dass ich froh war, ihn eine Weile los zu sein. Kleiner Blödmann, dachte ich wütend, jetzt will er es mir heimzahlen und versteckt sich, damit Mama sauer auf mich ist. Nur weil er sich ein paar Minuten alleine beschäftigen sollte. Schließlich habe ich auch ein Leben. Wenn ich den in die Finger kriege.

„Wie? So lange!“, hörte ich meine Mutter mit dem Mann vom Karussell sprechen. „In welche Richtung?“

Der Schausteller deutete vom Kirchweihplatz weg, Richtung Wald.

„Er folgte dem Mann freiwillig“, sagte er und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

Meine Mutter drehte sich zu mir um. Sie sah mich an. Ihr Blick ging mir durch und durch. Ich hatte sie enttäuscht, wieder einmal.

 ***

Mein Blick fiel auf das altmodische Karussell. Ich erkannte es sofort, obwohl es zwanzig Jahre her war. Die schön geschnitzten Tiere mit den bunten Sätteln, die prunkvollen Kutschen. Es erklang dieselbe Musik. Einzig die Farben des Karussells verblassten an einigen Stellen und hier und da blätterte der Lack ab.

Sogar der Festplatz sah aus, wie damals. Ich sah zum Wald hinüber. Friedlich lag er da, im Licht der untergehenden Sonne. Niemand ahnte welches Grauen dort lauerte. Niemand hatte mir geglaubt, heute würde es nicht anders sein. Eine Welle der Erinnerung überflutete mich und eine Angst breitete sich in meinem Körper aus, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr verspürt hatte.

„Hier ist der Junge verschwunden?“, ich versuchte das Zittern in meiner Stimme zu unterdrücken.

„Ja“, der uniformierte Dorfpolizist nickte, „wollen sie mit dem Besitzer des Karussells reden, Frau Sommer.“

Ich bemerkte den Mann im Kartenhäuschen neben dem Karussell. Er sah genauso aus, wie vor zwanzig Jahren. Er schien keinen Tag gealtert zu sein. Der Mann hob den Blick und lächelte. Immer stärker breitetet sich die Beklemmung in meinem Bauch und meiner Brust aus. Beruhige dich, redete ich mir zu, du bist erwachsen und musst einen klaren Kopf behalten. Vielleicht konnte ich endlich herausfinden, was mit meinem kleinen Bruder geschehen war.

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Großreinemachen und gute Vorsätze müssen sich nicht ausschließen – können sie aber. Wenn das Reinmachen zu den Vorsätzen gehört, super – wenn nicht – kann auch super sein, muss es aber nicht. Das Großreinemachen gehörte Ende 2015 nicht zu meinen guten Vorsätzen, es schlich sich eher so peu a peu ein.

Drei Tage an der See – Wolken, eisiger Wind, ungestüme Wellen und Einsamkeit.

Eck. Dünen 2

Angenehme Einsamkeit in einer wunderschönen roten Backsteinkirche,

Nicolai Kirche 6

in der es nach Tanne duftete, einem liebvoll eingerichteten Heimatmuseum,

Eckernförde, Museum am Markt 1

das einen Dichter und Philosophen sein eigen nennt, und in gemütlichen Cafes mit aromatischem Kaffee und leckerem Gebäck.

Cafe Heldt innen

Abends saß ich in einem heimeligen Gästezimmer, mit meinem neuen Buch, das ich mir als Reiseandenken gekauft hatte, meinem Laptop, meiner Musik und einem Zeitungsartikel in dem es um: „Neue Visionen deines Lebens“ ging und meinen Gedanken.

Kiel, Unterkunft 7

Seit über zehn Jahre schreibe ich. Es ist ein besonderer Teil meines Lebens. Schreiben macht mich glücklich. Ich schreibe jeden Tag und gerne. Aber es gibt auch andere Sachen, die ich gerne tue und die ich vernachlässigt habe. Eine davon ist Zeit zu haben, ohne Druck im Nacken. Zu lesen und mich in den Stoff zu vertiefen, nähen, häkeln, spazieren gehen, fotografieren, Ideen nachgehen, Notizen machen – einfach mal so – ohne zu wissen wohin es führt.

Natürlich gibt es die Idee zu einem neuen Roman. Notizen, einige Skizzen, Personen, den Ort. Und doch – es ist das erste Mal, seit langem, dass ich es nicht eilig habe. Angenehm. Aufatmen. Es wird geschrieben, wenn es so sein soll. Keine Eile, nichts überstürzen. Leben. Leben um zu schreiben. Es wird Zeit die Dinge anders anzugehen.

Konstantin Paustowski schrieb: „Die Fähigkeit, das Leben als etwas ständig Neues zu empfinden, ist jener fruchtbare Boden, auf dem die Kunst erblüht und reift.“

Ich will nicht schreiben müssen. Ich möchte schreiben wollen. Das kommt wieder. Ich kenne die Phasen. Doch diese Phase ist frei gewählt. Ich will mich ausklinken, will sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Ich will mich nicht quälen, um meine Fähigkeiten als Schriftstellerin unter Beweis zu stellen oder mich abwatschen zu lassen. Ich die meiste Zeit meines Lebens in der Pflicht und gerade jetzt ist es an der Zeit nicht in der Pflicht zu sein oder nur, wenn ich es für richtig halte.

Wenn es Zeit ist, möchte ich schreiben wollen. Bis dahin will ich leben, mich mit dem Strom dahin gleiten lassen und einfach ich sein.

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Hausarrest, Mondlicht, Musik, Schokolade

Mondlicht scheint in mein Zimmer. Ich sitze auf dem Fensterbrett und schaue hinaus in den Garten. Musik dringt durch das offene Fenster zu mir herein. Die Party ist in vollem Gange und ich habe Hausarrest. Schon seit drei Tagen. Ich komme mir vor wie Cinderella, nur dass keine gute Fee erscheinen wird und mich von meinem Leiden befreien wird. Mein Herz blutet. Das Loch lässt sich auch nicht mit Schokolade stopfen. Ich werfe die Tafel aus dem Fenster.

Er ist dort. Jean. Darum bin ich hier. Er hat um meine Hand angehalten. Aber ich bin nur die andere. Das Anhängsel, dass allen Probleme bereitet. Jean war für Samantha vorgesehen und nicht für mich. Ich versuche die Tränen herunterzuschlucken. Ich muss dieses Haus verlassen, koste es was es wolle.

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