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Posts Tagged ‘Müll’

Im Dunkel der Schränke reifen die Sommerkleider. Warten auf einen Sommer, der niemals wiederkommt. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen die Wiesen, Wälder und Gärten sich in leuchtend bunte Farben kleideten, die Luft vom Geschwirr der Vögel flirrte und in Mensch und Tier die Lust zu leben weckte.

Leer und öd ist es. Beton und Eisen überziehen die Welt. Müll, sichtbar und unsichtbar sind die neuen Farben. Lärm und Dissonanzen verstopfen uns die Ohren, verhindern, dass wir denken können.

Nach dem großen Krieg, den dumme, machtgierige Diktatoren anzettelten und dem sie ihre Völker opferten, verfiel das Land bis zur Unkenntlichkeit. Es lag im Todeskampf, getränkt mit Blut. In den Jahrtausenden, in denen es geknechtet und ausgebeutet wurde, hatte es nach der Schlachtung seiner Kinder die Lust am Leben verloren. Könnte ich so viele Tränen weinen, den Schmutz wegzuwaschen, ich weinte sie alle.

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Es ist wie verhext! Die ganzen Wochen lechtze ich nach Urlaub – endlich mal frei, keine festen Termine, keinen Wecker stellen, die Seele baumeln lassen und schreiben. Die Familie ist außer Haus und ich endlich mal wieder allein. Ich sitze vor dem PC, starre meine angefangenen 5 Seiten an und – – – – –

Ich habe schon Wäsche gewaschen, habe eingekauft, getankt, Geschirrspüler ein und ausgeräumt, Müll entsorgt  – – – – –

Verdammte Axt! Dabei habe ich gestern Abend noch die Überleitung für die nächste Szene für den Text geschrieben. Die letzten Wochen habe ich es geschafft fast jeden Tag einen Text oder mehr zu schreiben. Und jetzt? – – – – –

Ich habe das alles schon erlebt und wie sagen wir so schön – das ist nur eine Phase – aber eine echt blöde, blöde Phase. Ich mach mir jetzt einen Kaffee, setzt mich auf den Balkon, lass die Phase Phase sein und lese was. Wer weiß, vielleicht fallen mir heute Nacht vorm Einschlafen die nächsten Zeilen ein – – – – –

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Der Spiegel ist blind. Ich nehme ein feuchtes Handtuch und wische mir ein Stück frei. Was ich sehe, erstaunt mich. Das Gesicht kommt mir bekannt vor. Aber nur entfernt. Es lächelt wie festgefroren. Ich versuche verschiedene Gesichtsausdrücke, aber dieses Eis gewordene Lächeln verschwindet nicht. Als ich die Konturen meines Gesichts abtaste, bemerke ich, dass ich eine Maske trage. Feinstes Porzellan. Es muss lange gedauert haben, sie herzustellen. Sie ist mir so ähnlich, dass sie mich irregeführt hat. Wie lange trage ich diese Maske schon? Ich erinnere mich nicht. Werde ich sie abnehmen können? Und was wird mich hinter der Maske erwarten? Bin ich noch ich, oder habe ich mich in die Maske verwandelt, die ich solange trage?

Erst vorsichtig, dann mit aller Kraft reiße ich an der Maske, aber sie sitzt bombenfest. Und da ist immer noch dieses unheimliche, unveränderte Lächeln.

„Geh weg von mir!“, schreie ich mein Spiegelbild an.

Tränen rinnen hinter der Maske über mein Gesicht. Das Porzellan fühlt sich rau und schmierig an. Plötzlich beginnt die Maske zu schmelzen. Verunstaltet und verzerrt zerläuft sie. Ich kratze mir die Reste von der Haut. Es fühlt sich an, als würde ich die Haut gleich mit herunterziehen. Der Schmerz ist nicht ohne. Tausende Stiche, die ich nicht nur auf meinem Gesicht, sondern auch in meinem Herzen spüre.

Wie konnte es geschehen, dass ich nicht bemerkt habe, wie taub ich geworden bin? Musste ich mein Herz mit einem Panzer umgeben, der sich in Form dieser beklemmenden Maske seinen Weg nach Außen suchte?

Ich konnte die Bosheit der Menschen nicht mehr ertragen. Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung jeglicher Art, Lieblosigkeit und eiskalter Egoismus. Ich musste die Maske tragen, um nicht verletzlich und ängstlich zu wirken. Gleichzeitig haben sich die negativen Gefühle, wie eine Müllhalde in meinem Bauch aufgehäuft und mir Übelkeit bereitet. Ich öffne meinen Mund und speie all den Unrat aus, der sich in mir angesammelt hat. Messerscharf zerkratzt mir der Dreck meine Speiseröhre. Endlich ist alles draußen. Ich fühle mich wund und schwach. Mein Inneres hat sich nach Außen gekehrt.

Ich sehe mein Gesicht im Spiegel. Verquollene Augen, wundgekratzte Wangen, Lippen aufgesprungen, Haare wirr. Der Schmerz wird noch anhalten. Mein Körper muss den Bodensatz des Schmutzes ausschwemmen. Aber ich lebe. Verletzt, aber lebend. Das Atmen fällt immerhin schon etwas leichter. Ich putze den Spiegel blitzblank, um einen guten Blick auf mich zu haben. Die Maske hat mein Leben lange genug bestimmt. Es mag sein, dass es anderen nicht gefällt, dass ich die Maske ablege. Auch das werde ich überleben. Wenn eines Tages die Zeit zum Abschied kommt, will ich sagen: ich bin, die ich bin. Ich brauchte keine Maske, um ein lebenswertes Leben zu haben.

Der Text ist nach der Schreibaufgabe „Masken“  in Schreiberlebentipps entstanden.

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