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Posts Tagged ‘Motivation’

Ja! Die Hitze macht mich fertig! Nichts gegen Sommer und blauen Himmel. Es ist toll! Aber in dieser schwülen Tropenhitze schreiben, da muss ich passen. Wenn ich nachmittags von der Arbeit nach Hause komme, die Hausarbeit auf mich wartet, die Katze dringend gefüttert werden will, das Essen vorbereitet werden sollte, aber der Kühlschrank nach Inhalten schreit, dann geht mein Text leer aus und mein verwirrtes Monster findet den verdammten Ausgang aus dem riesigen Schloss nicht.

Ich beneide die Hartgesottenen, an denen scheinbar jedes Wetter, jeder miese Umstand, jeder Unbill abprallt und denen trotzaller Widerstände die Worte nur so aus der Feder fließen. Die Autoren, die im Urlaub zwei Bücher schreiben, Texte überarbeiten, diverse Artikel schreiben und trotzdem Erholung dabei finden. Sorry, ich kann da nicht mithalten und es kostet mich Mühe, das auszublenden, um mich nicht von Selbstzweifeln runterziehen zu lassen. So kommt man zu Mediendetox.

Ich liebe das Schreiben! Daran führt kein Weg vorbei. Ich liebe es Geschichten zu erzählen und bin stolz auf jede Seite, die mein Roman wächst. Niemals! Niemals! Niemals, würde ich mit dem Schreiben aufhören, egal wer was sagt oder nicht. Aber ich gebe zu, es fällt mir gerade nicht leicht und das liegt nicht an meinen Charakteren, meinem Plot oder an Ideenlosigkeit. Im Gegenteil. Meine Notizbücher sind voll und es kommt ständig etwas dazu.

Tatsächlich schreibe ich jeden Tag. Mein Pensum liegt im Normalfall bei weit über 1000 Worten (Eine Seite am Tag, ein Roman im Jahr!). Schließlich schreibt sich ein monumentaler Fantasy-Roman von mehreren hundert Seiten nicht im Schlaf, aber es schleppt sich gerade quälend langsam dahin (Kein Wasser, keine Worte?). Da ist die Hitze, die mein Gehirn weichkocht, der Dauerkrach in der Schule, und eben der ganze Alltagskram, der nervt und den kein Schriftsteller brauchen kann.

Nachdem mich mein Monster anflehte, es doch endlich (!!!) aus dem Keller herauszuholen, um ein paar Sonnenstrahlen zu sehen, und mir die Zweifel über den Kopf zu wachsen drohten, erinnerte ich mich an einen aufmunternden Schreibratgeber von Stephan Waldscheidt, Autors kleiner Helfer. Es geht eher weniger um Schreibtechniken, als darum dem Autor mit praktischem Verständnis und Tipps zur Seite zu stehen und ihn zu ermutigen (wenn es sein muss mit einem Tritt in den Allerwertesten).

Ich hatte das Buch schon einmal gelesen, aber Wiederholung schadet nicht, dachte ich mir. Besonders die Abschnitte:

  • Was ist ihnen wichtig und wo wollen sie hin
  • Die Liste der Prioritäten
  • Exkurs: Schreibziele
  • Zeit zum Schreiben finden
  • Und noch mehr Tipps zum Finden von Schreibzeit
  • Schreibzeit besser ausnutzen
  • Schreibzeiten einhalten
  • Selbstzweifel besiegen
  • Motivation und Disziplin
  • Warum schreiben sie…

…haben mir wieder auf die Sprünge geholfen und eine gute Freundin, Testleserin meiner Geschichten, die ich fragte: was ihr denn an meinen Texten besonders gefällt. (Ihre Antwort war sehr aufschlussreich und hat mich veranlasst mich nochmals tiefer mit meinem jetzigen Text auseinander zu setzen.)

Es ist nicht so, dass mir die Theorie fremd ist. Natürlich habe ich im Laufe der Jahre viele praktische Erfahrungen damit gemacht und musste meine Verfahrensweise immer wieder neu überdenken und bei Bedarf anpassen und verändern.

Vor zehn Jahren habe ich hauptsächlich abends geschrieben, wenn die Kinder im Bett waren. Heute mit den Jobs, Haushalt usw. schreibe ich morgens von 6.30 bis 8.00 Uhr, dann gehe ich zur Arbeit. In der Zeit habe ich eine Basis von ca. 500 Worten angelegt, auf die ich später aufbauen kann, um den Rest der Szene zu schreiben.

Der zweite Part folgt dann nachmittags von 16.00 bis 18.00 oder 19.00 Uhr. Oder von 18.00 bis 21.00 Uhr. Danach bin ich meistens „platt“, es sei denn ich bin im Flow, dann geht es nahtlos weiter. Ziel der Planung: Jeden Tag eine Szene fertig schreiben. (Wenn man einen Wunsch verwirklichen will, muss man Ziele haben.)

Desweiteren habe ich mir die Schreibzeiten für die nächsten zwei Wochen fest in meinen Kalender eingetragen und mir eine Deadline gesetzt. Die Schreibzeiten werde ich jetzt auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen und nach Bedarf modifizieren. Das morgendliche Schreiben läuft so gut, dass ich das auf jeden Fall beibehalten werde(s.o.). Durch die Basis habe ich so etwas, vorüber ich während des Vormittags nachdenken kann, wenn Leerlauf entsteht und weiß, wo ich nachmittags anschließen kann.

Inzwischen ist mein armes Monster aus dem Keller entkommen und fragt sich, wie das Ganze weitergehen soll. Gut, dass es sich darüber keine Sorgen machen muss, weil ich auf die nächsten Ereignisse gut vorbereitet bin.

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Schreiben, schreiben, schreiben – den Kopf in Geschichten – nichts ist besser, als von den Musen geküsst zu werden und sich mit Leidenschaft in den Fluss zu werfen. Nicht verzweifelt rudern zu müssen, sondern sich dem Strom zu überlassen, mal hier hin, mal dorthin getrieben werden und alle Eidnrücke aufnehmen.

Schreiben ist meine Leidenschaft. Wie sehr ich es verfluche, wenn ich im ausgetrockeneten Flussbett stehe, so sehr liebe ich es wenn ich mit der Strömung ins Meer gezogen werde.

Kreativität lässt sich nicht zwingen, so wie Liebe sich nicht zwingen lässt – sie kommt herangeflattert und setzt sich nieder, wenn sie will – aber man kann einiges tun, um sie zu locken. Kleine süße Häppchen auslegen und abwarten, den Moment achten und sie sanft halten. Quetschen oder einfangen nicht erwünscht!

Es hat jetzt beinahe ein halbes Jahr gedauert, in dem ich nicht so schreiben konnte, wie ich es mir gewünscht habe. Ich musste andere Formen der Kreativität wiederentdecken, lernen Geduld zu üben und mich auch mit wenigen Sätzen zufrieden zu geben.

Ich habe ein 365 – Tage – Projekt gestartet, einen Fotoblog angelegt: https://schreiberlebensbilderbox.wordpress.com/ und hunderte Blätter Tagebuch geschrieben, mit einem befreundeten Schreiber eine Geschichte ausgedacht, zwei kleine Reisen unternommen, mich mit Schiller, Goethe und Weimar auseinandergesetzt und sehr oft laut Musik gehört. Für alles gibt es eine Zeit.

Jetzt kommt ein neuer Abschnitt. Ich habe Verträge für zwei Bücher unterschrieben. Einen Band mit erotischen Kurzgeschichten und einen erotischen Tagebuchroman. Das bedeutet schreiben, schreiben, schreiben und ist natürlich eine unglaubliche Motivation.

Schreiben ist meine Leidenschaft, egal wie lang oder kurz meine Texte sind – ob sie eine Person liest oder viele – und nichts ist mit dem Flow zu vergleichen, alles andere tritt dahinter zurück.

Ich wünsche euch allen ein wunderbares Wochenende. Lasst euch von den Musen küssen und genießt den Flow!

Eure Caro

 

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Die Motivationen von Kursleitern für kreatives Schreiben sind vielfältig. Doch nicht alle Beweggründe sind hilfreich für den Schreibenden. Als Poesiepädagogin, Kursleiterin und Teilnehmerin von Schreibkursen konnte ich einige Erfahrungen sammeln. Mein Vorbild in meiner Arbeit als Kursleiterin ist meine erste Dozentin Annette. Für sie stand das Schreiben, der zündende Funke, die Inspiration der Teilnehmer immer im Vordergrund.

Folgend möchte ich über einige Gründe von Kursleitern (KL) sprechen und wie sie sich auf den Teilnehmer und den Dozenten auswirken.

Motivationen sind z. B.:
1. Geld verdienen.
2. Seinem Lebenslauf Skills (Qualifikationen) hinzuzufügen zu können.
3. Kontakte knüpfen.
4. Als Lehrer agieren.
5. Ein Prestigeobjekt vorweisen zu können.
6. Begeisterung für das Schreiben.
7. Hilfestellung für zaghafte Schreiber, Ideengeber/Anreger und Ratgeber für Geübte sein.

Leider wird das Schreiben (von Geschichten, Romanen, Texten, Gedichten …) in unseren Breitengraden oft belächelt: „Ach, jetzt schreibt sie/er auch noch.“ – „Ein Hemingway ist er/sie ja nicht gerade.“ – „Wenn ich wollte, könnte ich auch einen Roman schreiben, das ist doch nicht schwierig.“ – „Wozu besuchst du einen Schreibkurs? Kannst du etwa nicht schreiben?“

Maler, Bildhauer, Sänger, Musiker, Fotografen oder Köche (und andere Kreative) sind Künstler – warum sind Schriftsteller – außer den Bestsellerautoren vielleicht, weniger Künstler? Weil jedes Kind in der Schule schreiben lernt? Ich weiß es nicht. Sich schreibend auszudrücken ist Kunst. Und wie bei allen Künsten, wird der Schreiber durch Üben besser. Und wie bei anderen Künsten auch, ist das Kunstwerk Geschmacksache.
Literarische Kunst kennt, wie z. B.: Malerei und Musik, verschiedenste Stilrichtungen und Möglichkeiten sich auszudrücken. Darum ist es als KL für kreatives Schreiben besonders wichtig kein Kritiker oder Lehrer (siehe 4) zu sein, vielmehr ein Mentor. Er sollte erkennen, wo die besonderen Begabungen des Schreibenden liegen und wie sie herausgestellt werden können und an welchen Punkten gefeilt werden sollte. Rechtschreibung und Grammatik haben natürlich ihren Platz, doch nicht im Moment des Schreibprozesses(!). Das kann zu tiefgreifenden Blockaden führen. Wir sind nicht in der Schule, sondern im „Künstleratelier“.

Jede Schreiberseele braucht ihren eigenen Raum, um sich zu entfalten. Sie hat ihren individuellen Rhythmus und Stil, den es zu respektieren gilt und der nicht durch ein Korsett aus Regeln eingeengt werden soll. Um Handwerk zu vermitteln, braucht der KL Fingerspitzengefühl.
Ein weiterer Beweggrund (siehe 1), den ich als ungeeignet betrachte, einen Kurs zu leiten, ist, damit Geld zu verdienen. Dadurch setzt sich der KL selbst und den Teilnehmer unter Druck.

Gute Arbeit soll angemessen bezahlt werden. Andererseits halte ich es für wichtig, die Beiträge moderat zu halten, um möglichst vielen Interessierten die Gelegenheit zu geben sich die Teilnahme an einem Schreibkurs zu leisten. Wenn der Kursleiter die Beiträge als Anerkennung für seine Organisation und Durchführung betrachtet, nimmt er sich den Druck eine bestimmte Zahl an Teilnehmern zusammenbringen zu müssen und kann auch mit wenigen Besuchern arbeiten.

Zu dieser Einstellung zu gelangen, ist gewiss eine Sache der Begeisterung (siehe 6), die den Schreibkurs als Prestigeobjekt oder Skill (siehe 5 und 2) direkt ausschließt. Ein Prestigeobjekt oder eine vorzeigbare Qualifikation dient nicht dem Schreibenden, sondern dem KL. Wir brauchen keine „Schreibjünger“ oder Vorzeigeobjekte. Wir wollen den Nährboden für eine harmonische Atmosphäre und Gruppendynamik schaffen, in der Ideen und Inspirationen auf fruchtbaren Boden fallen, wachsen und gedeihen. Ein geschützter Raum, in dem sich die Teilnehmer, als Kollegen und Helfer wahrnehmen, im positivsten Sinn, als Freunde (siehe 3) und nicht als Konkurrenten. Durch konstruktives Feedback und Lob können alle wachsen, sich unterstützen und ihr Talent weiter entwickeln.

Die wichtigste Aufgabe eines KL ist es den Teilnehmer an seine Inspiration heranzuführen, ihm Möglichkeiten aufzuzeigen seine kreative Quelle anzuzapfen und bei Bedarf in der Textarbeit behilflich zu sein (siehe 7). Außerdem muss der KL als Betreuer einer Gruppe, die Fähigkeiten der Teilnehmer einschätzen können, und die Stimmungen und Dynamik zwischen den Schreibenden im Auge behalten. In diesen wichtigen Bereichen sind die sozialen Fähigkeiten eines KL gefragt. Ein Schriftsteller hat eine ebenso sensible Künstlerseele, wie Kunstschaffende anderer Genres. Ein KL soll keine „Brechstange“ benutzen, um aufzuzeigen, wo Korrekturbedarf besteht, sondern einen „Bleistift“. Es gibt im Bereich des kreativen Schreibens viele Übungen, mit denen der KL dem Teilnehmer das nötige Handwerkszeug zur Textarbeit entspannt vermitteln kann. (Schöne Beispiele gibt es (z.B.) in dem Buch: Kleiner Autoren-Workshop von Ursula LeGuin. )

Wer sich ernsthaft mit dem kreativen Schreiben auseinandersetzt, das betrifft ebenfalls die therapeutisch/psychologische Seite, die nicht zu unterschätzen ist, weiß, dass durch Druck nichts erreicht wird. Druck und harsche Kritik machen hart, widerwillig und führen zu tiefsitzenden Schreibblockaden.

Die Musen der Antike werden mit Attributen wie fröhlich tanzen, erfreuen, liebevoll, himmlisch usw. belegt. Unsere Aufgabe als Kursleiter ist es die Teilnehmer zum „Singen“ (Schreiben) zu bringen. Dazu kann ich die Bücher von Lutz von Werder (Lehrbuch des kreativen Schreibens, Schreiben als Therapie, Schreib- und Poesietherapie), Jürgen vom Scheidt (Kreatives Schreiben – HyperWriting) und von Julia Cameron (Von der Kunst des Schreibens) empfehlen.

Es ist gut die eigene Motivation von Zeit zu Zeit neu zu überdenken, um die bestmögliche Arbeit für unsere Kursteilnehmer zu leisten und den Spaß an der Kunst für uns und andere zu erhalten.

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Eine gute Frage. Die Frage überhaupt. Nicht zum ersten Mal, dass ich mir darüber Gedanken mache (und ich bin damit sicher nicht allein). Um ehrlich zu sein, geht mir der Gedanke in letzter Zeit häufiger durch den Sinn. Ich könnte einfach aufhören zu schreiben. Doch in den Phasen, in denen ich nicht schreibe, denke ich viel über das Schreiben nach. Was ich schreiben will, wie ich einen Text am besten verpacke. Ich notiere Ideen, von denen ich nicht wenige habe. Und schreibe darüber, warum ich gerade nicht schreiben kann. Seitenweise.

Braucht ein Künstler einen emotionalen Notstand, sei er positiv oder negativ, um kreativ zu sein? Den Eindruck habe ich. Und das ist nicht nur mein Erfahrungswert. Viele Schriftsteller (und andere Kunstschaffende) quälen sich mit ihren dunklen, unerfüllten Sehnsüchten, Ängsten, Unsicherheiten usw.

Graham Green, zum Beispiel, sah seine Schriftstellerei als Möglichkeit, dem Wahnsinn und er Melancholie der menschlichen Existenz zu entgehen. Es war ihm unerklärlich, wie andere Menschen ihr Leben meisterten, ohne durch Schreiben, Komponieren oder Malen (oder andere kreative Tätigkeiten) ihre Ängste lindern zu können.

Es liegt im menschlichen Geist, das Gefühl: da muss noch etwas sein! Wie weit kann ich gehen? Oft habe ich das Gefühl, wir schreiben aus einem Mangel heraus. In unseren Texten kompensieren wir, was wir in unserer „normalen“ Alltäglichkeit vermissen.

Für mich persönlich kann ich das bejahen. Tatsächlich geschehen in meinem Leben kaum aufsehenerregende Dinge – ständiger Ausnahmezustand kann echt anstrengend sein – aber in meinen Tagträumen und meinen Texten geben sie sich die Klinke in die Hand. Bin ich süchtig nach Abenteuer? Zu Hause ist es sicher und in meinen Geschichten kann mir nichts passieren – für den Fall der Fälle gibt es immer einen Twist, der mich aus dem Feuer rettet, das ich selber gelegt habe.

Wie viel (selbst erzeugtes) Chaos und Emotionen brauche ich, um schreiben zu können? Was ist das Loch in meinem Herzen, dass ich durch das Schreiben zu stopfen versuche und was passiert, wenn es sich schließt? Ist Schreiben dann noch möglich?

Warum schreibe ich? Weil ich auf der Suche bin. Weil ich mir das Leben schön/aufregend schreibe. Andererseits habe ich in der letzten Zeit das Empfinden, angekommen zu sein. In mir. In meinem Leben, meinen Wünschen. Klar, es ist nicht alles perfekt, aber ich bin angenehm zufrieden.

Zufriedenheit ist kein Motor. Das Motto: ich schreibe mir das Leben schön, tritt zunehmend in den Hintergrund. Wie viel Loch ist noch in meinem Herzen? Ich habe es immer als wünschenswert angesehen diesen ausgeglichenen, entspannten Zustand zu erreichen. Allerdings empfinde ich ihn für meine Kreativität als hemmend.

Ist das nur eine der vielen Phasen? Ich kenne zwei Schreiberinnen, die nicht mehr schreiben, obwohl sie vor Jahren sehr häufig geschrieben haben. Ehrlich gesagt habe ich leichte Panik. Was wäre, wenn ich nicht mehr schreiben würde? Was passiert dann mit mir? Darüber nachzudenken empfinde ich schon als Sakrileg. Das darf – das kann unmöglich – sein. Es ist das, was ich kann, will, was mich begeistert, mich erfüllt. Ich will nicht glauben, dass es anders sein könnte!

Muss ich meine Schreibmotivation neu definieren? Wenn ja, wie? Was motiviert mehr, als ein Loch im Herzen, das man stopfen will? Dafür gibt es Mittel aller Art und Stärke, Rauschmittel, Sex, Geld, Arbeit … Kunst. Jeder Mensch hat da seine eigene Präferenz. Mein Mittel war/ist Schreiben.

George R.R. Martin sagte in einem Interview: „Im Kopf gibt es eine perfekte Geschichte, die der Schriftsteller aufzuschreiben versucht. Wie ein Übersetzer.“ Ich denke, da spricht er uns aus dem Herzen. In unserer Vorstellungskraft ist alles da. Der Ort, die Personen, das Geschehen. Und dann sind wir dran. Vorstellungskraft in Worte verwandeln. Das ist nicht so einfach, wie sich das manche Leute vorstellen. Bücher schreiben. Eine Geschichte über Hunderte Seiten am Laufen zu halten. Um was geht es in der Geschichte? Die Figuren zu schaffen, die leben, sie zu bewegen, ihnen eine Seele einzuhauchen, die den Leser zu sich zieht und mit der er sich bestenfalls identifizieren kann. Einen guten Einstieg in die Geschichte zu finden, Spannung aufzubauen, zu halten, und ein sinnvolles Ende zu finden.

Das kann man sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Dazu gehört Konzentration, Durchhaltevermögen, Ideen, ein „Auge“ für die Figuren, Zeit, Ruhe, Inspiration, Mut über den eigenen Schatten zu springen und: Handwerk. Schreiben ist eine ebenso anspruchsvolle Kunst, wie andere Künste auch. Harte Arbeit. Trotzdem scheint Schreiben in den Augen anderer, eine der geringeren Künste zu sein. Dazu kann ich nur sagen: schreibt erst mal ein Buch – dann sprechen wir weiter.

Welche Motivation mich am Ende auch antreibt zu schreiben – ich kehre immer wieder an meinen Schreibtisch zurück. Schreiben ist mein Mittel Löcher in meinem Herzen zu stopfen. Mir die Welt zu erklären, meine Ängste im Griff zu haben, Abenteuer zu erleben, den Flow zu spüren, dem Wahnsinn etwas entgegenzusetzen, meinen Geist beweglich zu halten.

Was hinausdrängt, kann niemand für längere Zeit aufhalten. Der Ausdruck sucht sich einen Weg. Immer wieder. Wie Tropfen den Stein aushöhlen, bis der Damm bricht. Deswegen schreibe ich: um den reißenden Strom zu sehen. Wie Seite um Seite sich füllt, die Geschichte wächst, vom ersten Satz bis zum Schlusspunkt. Bilder meiner Fantasie Schwarz auf Weiß. Pure Lust.

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236 Seiten, die mich mehr als beeindruckt haben. Ich war schon von der „Unerträglichen Leichtigkeit des Seins“ begeistert, aber Milan Kundera hat die Geschichte in meinen Augen noch getoppt. Die Feinheit der Figuren, die Umgebung, die sich der Stimmung des Abschieds so harmonisch anpasst. Ein Buch, bei dem alles stimmt. Charaktere, Sprache, Set, das Warum und die Verquickung der Schicksale völlig fremder Menschen miteinander.

Ich muss sagen, dass ich vielleicht nicht ganz objektiv in dieser Beurteilung bin. Bevor ich „Abschiedswalzer“ las, kämpfte ich mich durch den ersten Band von „Shades of Grey“.(Soviel quer gelesen, wie bei diesem Buch, habe ich noch nie.) Dagegen kam mir „Abschiedswalzer“ wie ein Diamant unter einem Haufen Kohle vor. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Unüberbrückbar.

Milan Kundera ist ein wunderbarer Autor, der es meisterhaft versteht durch Handlung und Dialog seine Personen „erscheinen“ zu lassen. Sie sind real. Man kann verstehen, warum sie so handeln, wie sie es tun. Nichts ist überflüssig. Alles hat seinen Sinn. Es gibt keine sinnlosen Handlungsfetzen, die nirgendwo hinführen und nur als Seitenfüller dienen. Er ist ganz dem Fortgang seiner Geschichte verpflichtet. Dabei hält er das Interesse an den Figuren und die Spannung, bis zum Schluss aufrecht. Er jongliert so geschickt, dass man den Atem anhält. Am liebsten möchte man immer weiter lesen, gleichzeitig das Nahen der letzten Seite hinaus zögern. Aber das würde bedeuten, sich Zeit mit dem Lesen zu lassen und das ist unmöglich, denn man muss wissen, wie alles endet.

Milan Kundera schrieb seinen Roman 1972, also vor vierzig Jahren. Vielleicht entspricht seine Sprache nicht mehr ganz dem heutigen Slang, aber das ist gut so. Seine Wortwahl, seine Beobachtungsgabe ist fantastisch und ich kann seine Bücher wirklich jedem ans Herz legen.

Neben all den trivialen Romanen, die ihre Berechtigung haben (ich lese schließlich auch welche und ich fürchte, ich schreibe sie auch), sollte man unbedingt versuchen sich auf die Klassiker einzulassen. Liest man ihre Bücher mit offenem Herzen und Verstand, kann man für sich als Schriftsteller unheimlich viel lernen. Besonders die Liebe zu den Figuren und die Frage nach der Motivation für ihr Handeln.

Ich gebe zu, Romane wie „Shades of Grey“ spornen mich mächtig an, meine Texte besser zu schreiben. Mir wirklich Gedanken zu machen, ob ich den Leser nicht an der Nase herumführe und ihm etwas verspreche, dass ich am Ende nicht halten kann oder will. Immer wieder klar vor Augen zu haben, wohin die Geschichte führen soll. Trivial ist toll, wenn es gut geschrieben ist, aber wirklich, wirklich ziemlich blöd, wenn es schlecht geschrieben ist.

„Abschiedswalzer“ hingegen ist nicht nur ein Buch mit einer tollen Geschichte, sondern auch ein Lehrbuch. Es gibt so viele Bücher über kreatives Schreiben, meine Regale sind voll davon, auch gute(!), aber im Endeffekt kann man nur lernen in dem man selbst schreibt und viel liest. Dabei sollte man bei seinem Lesestoff gute Literatur wählen. Milan Kundera gehört eindeutig dazu. Wer also lernen möchte, wie man gut und spannend schreibt, sollte Milan Kundera (und andere Klassiker) lesen. Ich werde den „Abschiedswalzer“ jedenfalls nicht sehr weit weglegen. Er schreit danach noch ein zweites Mal und drittes Mal gelesen zu werden. Mein größter Wunsch wäre es, so gut zu schreiben, wie Milan Kundera. Ich bin mir nicht sicher, ob es gute Feen gibt, die einem diese Wünsche erfüllen können, aber auf jeden Fall arbeite ich daran, mich immer weiter zu verbessern.

Lieber Milan Kundera, ich danke ihnen für so wunderbare Literatur und die Begeisterung, die diese immer wieder in mir weckt. Und auch wenn ich fast in Ehrfurcht erstarre, motiviert es mich doch, nicht aufzugeben und mich im Schreiben zu üben und mein bestes zu geben. Danke!

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