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Posts Tagged ‘Morgenrock’

„Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, was kann ich für dich tun?“

Gil streift sein Jackett ab und wirft es auf eine niedrige Sitzbank. Sein Zimmer ist schlicht, aber geschmackvoll eingerichtet. Ohne Schnörkel und Pomp. Nur die schweren Samtvorhänge mit den goldenen Bordüren verbreiten etwas Glanz. Rosalie blickt sich um, setzt sich dann in einen Sessel in der Nähe des Kamins.

„Und wie ich  sagte, vielleicht kann ich etwas für dich tun.“

„Wie kommst du darauf?“

Er löst seine Krawatte, öffnet die oberen Knöpfe des Leinenhemdes.

„Wenn man Gerüchten glauben schenken darf, hat dich diese ganze Erbangelegenheit verändert.“

Er lacht kurz auf.

„Die gute Misses Morse. Sie macht sich zu viele Gedanken.“

Das glaube ich nicht. – „Warum lehnst du das Erbe nicht ab?“

Unwirsch schüttelt er den Kopf.

„So einen Vorschlag kann nur jemand machen, der deinen Hintergrund hat.“

Rosalie verschränkt ihre Finger krampfhaft ineinander. Sie versucht die aufsteigende Wut zu unterdrücken.

„Welchen Hintergrund habe ich denn?“

„Du hast frei von der Last drohender Verantwortung gelebt“, stößt er hervor und seine eiserne Fassade der Beherrschung bricht zusammen. „Sicher hast du gehört, dass dein Großvater Richard gespielt hat“, Gil geht vor Rosalie in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein, „Mein Vater hat alles versucht ihn abzuhalten. Es hat nichts genützt. Ich weiß nicht erst seit gestern, dass ich ein marodes Anwesen mit einer Unsumme Schulden übernehmen muss. Andrew, der Halbbruder deines Vaters starb vor 18 Jahren, so lange schwebt das Damokles Schwert über mir.“

Traurig schaut Rosalie ihn an. – In seiner Verzweiflung ist er noch schöner. –

„Und was willst du tun?“, fragt sie leise.

Gil zuckt mir den Schultern. Rosalie sieht Tränen in seinen Augen glitzern. Unwillkürlich streckt sie die Hand aus, legt sie sanft auf sein Wange.

„Ich weiß es nicht“, Er legt seine Hand auf ihre, „wenn ich mir nicht in aller Ehre eine Kugel in den Kopf jagen will, muss ich eine Möglichkeit finden, die Schulden zu tilgen. Und zwar schnell. Die Gläubiger haben mir glaubhaft versichert, dass sie nicht länger warten wollen.“

Gil zieht Rosalies Hand an seine Lippen, haucht einen Kuss in ihre Handfläche. Ein Schauer rinnt durch ihren Arm.

„Lass dir von mir helfen“, Rosalies Stimme zittert.

„Das Collier wäre eine Hilfe gewesen.“

„Ich kann dir den Ring geben“, biete sie ihm an und will ihre Hand aus seiner lösen.

Gil hält sie fest.

„Nein. Es wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein. An deiner Hand hat er mehr wert.“ Erneut drückt er seinen Mund in ihre Hand. Gil sinkt auf die Knie, legt seinen Kopf auf Rosalies Oberschenkel. Mit dem freien Arm umschlingt er ihre Taille. „Ich bin müde. So unendlich müde.“

Zärtlich streicht sie durch seine Haare.

„Es tut mir so leid. Wenn ich dir irgendwie helfen kann“, seufzt Rosalie, „lass es mich wissen.“

Wenn die Schulden so hoch sind, weiß ich nicht wie die Hilfe aussehen könnte. –

„Das versucht Anthony auch schon. Er sucht den sagenumwobenen Schatz“, Gils Lippen gleiten auf Rosalies Puls, „es gibt etwas, das mir mehr helfen könnte.“ Gil richtet sich auf. Seine hellen Augen bohren sich in Rosalies. „Du bist wunderschön. Alles an dir.“

Rosalie rührt sich nicht. Gil übt eine unglaubliche Faszination auf sie aus. Seine angenehme Stimme, die zarten Berührungen und auf der anderen Seite die Kälte und Unnahbarkeit. Ihr Verstand und ihr Gefühl krallen sich in einem verworrenen Knäul ineinander.

„Darf ich dich auf den Mund küssen“, fragt Gil.

Sein warmer Atem streift über ihre Haut. Rosalie will sich nicht wehren. Vorsichtig nimmt Gil ihr Gesicht in seine Hände. Sie schließt die Augen. Gil küsst sie. Seine Zärtlichkeit überrascht Rosalie. Sanft verstärkt er den Druck, öffnet ihre Mund. Seine Zunge erkundet ihre feuchte Mundhöhle. Rosalies Atem geht schneller. Hitze läuft ihre Kehle hinunter bis ihren Schoß. Ihre Finger suchen Halt auf seinen Schultern. Gil öffnet den Gürtel ihres Morgenmantels, streift ihn von ihren Schultern. Aufreizend langsam schiebt er das seidenen Nachthemd über ihre Knie hinauf.

Rosalie genießt das erregende Gefühl, dass Gils Hände auf ihren Schenkeln hinterlassen. Sie spreizt ihre Beine. Unter halbgeschlossenen Lidern sieht sie Gils triumphierendes Lächeln. Er packt sie bei den Hüften, zieht sie an die Sesselkante. Ein tiefes Stöhnen entringt sich ihrer Kehle.

„Gil“, nur ein Wispern.

„Ich will dich ganz“, seine Stimme ist rau, geht ihr unter die Haut.

Ein unnachgiebiges Pochen an der Tür. Rosalie zuckt zusammen.

„Gil, wir müssen reden.“

„Es ist alles gesagt, Anthony.“

Rosalie schiebt Gil sanft von sich, wirft sich ihren Morgenrock über.

„Bitte, geh nicht“, flüstert Gil und zieht Rosalie zu sich heran.

Rosalie lächelt. Nickt zustimmend. Erneutes heftiges Klopfen.

„Mach auf! Ich will dir etwas Wichtiges zeigen. Es ist auch in deinem Interesse.“

„Moment!“

Gil schaut Rosalie mit flehendlichem Blick an.

„Bitte warte auf mich.“ Er streicht ihr eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, haucht einen Kuss auf ihre Stirn. „Ich bin gleich zurück.“

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„Rosalie“, Anthonys Stimme reißt sie aus ihren Gedanken, „sie sind noch auf?“

Er nimmt sich einen Stuhl und setzt sich neben sie an den Herd. Rosalie lächelt. Er trägt dicke Wollsocken, hat aber noch Dinnerhose und Hemd an, nur ohne die enge Krawatte. Sein blondes Haar ist zerzauster als sonst.

„Ich konnte nicht schlafen. Mir geht so viel im Kopf herum. Möchten sie auch einen Tee?“

Sie steht auf, füllt das kochende Wasser aus dem Kessel in die Teekanne und holt eine zweite Tasse für Anthony aus dem Küchenschrank.

„Sehr gerne. Darf ich fragen, welche schweren Gedanken ihren Schlaf vertreiben?“

„Oh, diese Familie lässt mir einfach keine Ruhe“, seufzt Rosalie und fragt, „Zucker?“

Anthony nickt und lässt seinen Blick über Rosalies schlanke Figur gleiten, die von dem seidenen Morgenrock sanft umspielt wird. Ihr Haar fällt in weichen Wellen über den Rücken. Vor Anthonys geistigem Auge erscheint das Bild von Rosalie, nackt in seinem Bett, nur geschmückt mit ihrem langen wundervollen Haaren.

Rosalie gießt den Tee ein und reicht Anthony eine Tasse.

„Danke“, er lächelt sie an, „es ist selten, dass ich schlaflose Nächte nicht bedauere.“
Rosalie nippt an ihrem Tee.

„Anthony“, beginnt sie unsicher und sucht nach den richtigen Worten, während er seinen Stuhl näher rückt, „sie sind wirklich ein Lichtblick in dieser unterkühlten Gesellschaft“, sie wird von einem schrillen Aufschrei unterbrochen.

Poltern und Scheppern ist zu hören, dazwischen weitere Schreie. Eine unheimliche Stille tritt ein. Rosalie und Anthony blicken sich für eine Schrecksekunde an, dann springen sie auf und laufen in die große Halle hinaus. Am Fuß der Treppe liegt Lady Edna verdreht wie eine Gliederpuppe in einer Blutlache. Ihr Stock liegt einige Meter weit weg. Die beiden bleiben wie erstarrt vor ihr stehen. Rosalie blick auf. Am oberen Ende der Treppe steht Gil und blickt zu ihnen hinunter. Misses Morse, Mister Smith und die anderen Dienstboten erscheinen wie Geister aus den Schatten. Leise tuschelnd halten sie Abstand. Misses Morse schluchzt gedämpft in den weiten Ärmel ihres Morgenrocks. Rosalie fasst sich als erste.

„Wir müssen einen Arzt rufen. Und den Bestatter.“

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