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Posts Tagged ‘Morgenmantel’

Rosalie musste das Dinner allein einnehmen, da die Herren durch Abwesenheit glänzten. Inzwischen ist es kurz nach Zehn. Rosalie hat es sich auf ihrem Bett gemütlich gemacht und brütet über einem alten Buch, das die Geschichte der de Clares im 17.Jahrhundert beschreibt.

Energische Schritte auf der Treppe dringen durch die angelehnte Tür und lassen Rosalie aufhorchen. Eilig schwingt sie sich aus den Kissen, wirft den warmen Morgenmantel über und schlüpft in ihre Pantoffeln. Vorsichtig drückt sie die Tür ein Stück weiter auf. Sie hört Anthonys und Gils gedämpfte Stimmen. Die Worte kann sie nicht verstehen. Plötzlich werden die Stimmen lauter.

„Du wirst sehen, was du davon hast.“ – Anthony – „Und, was willst du tun?“ – Gil. –

Eine Tür fällt krachend ins Schloss. – Das muss Gils Tür sein. Sein Zimmer liegt näher an der Treppe. – Erneutes ein Krachen. – Anthony. –

Rosalie lauscht. Es bleibt still. Sie wartet eine Weile, bevor sie zu Gils Zimmer geht und zaghaft anklopft. Er öffnet nicht. Rosalie macht einen zweiten Versuch. Sie wartet. – Gut. Dann eben nicht. – Sie hat die ersten Schritte gemacht, als die Tür geöffnet wird. Rosalie hält inne.

„Was kann ich für dich tun?“, Gils kühle Stimme ergießt sich über sie.

Sie legt den Kopf in den Nacken und blickt zu ihm auf.

„Die Frage ist wohl eher, was ich für dich tun kann?“

Gil zieht die Augenbrauen hoch. Kurz zögert er, dann gibt er Rosalie den Weg in sein Zimmer frei.

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III.

(Sätze-mit-nicht-mehr-als-sieben-Wörtern-Übung)

Mani knackt sie alle

Mani sah in das Fenster gegenüber. Endlich ging das Licht aus. Er sah auf sein Handy. 22 Uhr 37. Mani wartete geduldig. Das war sein Job. Sitzen und warten. Er sah wieder auf sein Handy. 23 Uhr 4. Fast eine halbe Stunde vergangen. Jetzt dürfte die alte Dame schlafen. Mani schlich zum Haus. Mit Schwung erklomm er den Balkon. Das war die leichteste Übung. Ein Fensterflügel stand offen. Wie in den Nächten davor. Mani hatte alles genau beobachtet. Er fasste durch den Spalt. Vorsichtig drückte er den Griff herunter. Der andere Fensterflügel öffnete sich. Leise drückte Mani ihn herunter. Ein leises Quietschen war zu hören. Mani wartete, lauschte. Er hörte leise Atemzüge. Die schläft fest, dachte er beruhigt. Bedächtig stieg er ein. Nur ja nichts umwerfen. Mani zückte seine kleine Taschenlampe. Ruhig ließ er den Strahl kreisen. Lautlos schlich er ins Wohnzimmer. Hinter dem Bild war der Safe. Ein echter Burgwächter. Damit kannte er sich aus. Er arbeitete seit 20 Jahren dort. Wurde gut bezahlt der Job. Außerdem brachte er einen guten Nebenverdienst. Mani erkannte die reichen Schnösel sofort. Frau Schneider-Möhring war eine davon. Goldbehängt, mit Aktienanteilen und Grundbesitz. Mani hängte den Monet ab. Er holte sein Stethoskop aus der Hosentasche. Langsam drehte er das Zahlenrad. Er hörte es knacken. Vier Mal. Er drehte am Drehkreuz. Der Tresor sprang auf. Mani starrte auf die leeren Fächer.

„Scheiße!“, entfuhr es ihm.

Das Deckenlicht flutete auf.

„Da haben sie recht“, hörte er sie.

Er fuhr herum. Die alte Schneider-Möhring im Morgenmantel. Sie richtete eine Pistole auf ihn.

„Geben sie sich keine Mühe. Die Polizei ist schon im Anmarsch. Einen wie sie erkenn ich sofort.“ Sie grinste spöttisch. „Mein verstorbener Mann war einer von euch.“

Mani blieb der Mund offen stehen. Er hörte das Heulen der Sirenen.

„Du hast noch einen kleinen Vorsprung. Das war der stille Alarm.“ Frau Schneider-Möhring machte eine Handbewegung. „Lauf.“

Mani sah sie verständnislos an.

„Oder willst du auf die Bullen warten?“

Mani begriff endlich. Er rannte wie ein Hase.

Frau Schneider-Möhring schloss den Safe. Sie hängte den Monet zurück. Sie lächelte. Eine Nacht nach ihrem Geschmack.

IV.

(Reizworttext) Siamkatze, Verzweiflung, Schadensbegrenzung

Voller Verzweiflung saß ich vor dem PC. Die Datei war weg! Vor zwei Sekunden war sie noch da und jetzt war sie weg. Leerer Bildschirm und Mister North saß hinter seinem riesigen Teakholzschreibtisch und wartete. Er wartete auf die Anweisungen, die er mir diktiert hatte. Eilig, dringend, am liebsten vorgestern hatte er gesagt. Mister North war ein guter Chef, aber ständig im Stress und an Tagen wie diesen, wenn alles besonders wichtig war, konnte er ziemlich unwirsch werden, wenn etwas nicht klappte. Es gab zwei Möglichkeiten das Problem zu lösen: Mich aus dem 24. Stock stürzen, das würde als Entschuldigung reichen, oder Schadensbegrenzung durch Naturkatastrophe, landesweiten Stromausfall, Bürgerkrieg oder ähnlich einschneidende Ereignisse. Aber wo ich so schnell einen Wirbelsturm herbekommen oder wie ich einen Bürgerkrieg anzetteln konnte, war mir nicht klar. Stromausfall kam da schon eher infrage.

„Julia, wann ist der Brief fertig. Ich warte!“ hörte ich seine tiefe, ungeduldige Stimme durch die Wechselsprechanlage. Oh, Gott, was jetzt, der rettende Einfall musste her, sofort. Aber mein Hirn war so leer wie mein Desktop

„Noch einen Moment, Mister North“, ich versuchte ruhig zu klingen, „ich bin gleich da.“

Er gab keine Antwort. Ich konnte mir sein Gesicht mit der zornigen Stirnfalte gut vorstellen. Wenn nicht gleich etwas passierte, würde er aus seinem Büro stürmen und ich das Donnerwetter meines Lebens kassieren. Eigentlich konnte ich schon mal meine Sachen packen.

„Na, Probleme?“

Adam vom Support lehnte sich lässig an den Tresen und sah zu mir herunter.

„Was ist denn das für eine Frage?“, ich begann gerade hysterisch zu werden. „Gleich kommt Mister North aus dieser Tür und wird mich den Schweinen zum Fraß vorwerfen, weil der Text weg ist!“

Er grinste.

„Was kriege ich, wenn ich dir den Text wieder herstelle.“

„Was du willst!“

Ich sah an seinem Blick, dass diese Äußerung viel zu voreilig gewesen war. Adam schob mich mit meinem Bürostuhl zur Seite.

„OK, ich besorge dir den Text und du gibst mir, was ich will.“

„Ja.“

Jetzt war sowieso alles egal, denn ich hörte, wie Mister North die Klinke seiner Tür herunter drückte. Gleichzeitig summte der Drucker und Adam hielt mir meinen Text entgegen. Erleichtert reichte ich ihn Mister North, der ohne ein weiteres Wort verschwand. Ich drehte mich zu Adam um und erwartete seine Forderung.

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