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Posts Tagged ‘Mond’

Mit der Nacht und dem Schlaf kam der Traum.

Er fing harmlos an. Ich sah, wie ich im Bett lag und schlief. Ein sanfter Mond hing am Himmel vor meinem Fenster. Eine leichte Brise bewegte die dünnen Vorhänge aus Voile vor dem halbgeöffneten Fenster. Ich betrachtete die Szene aus einer Ecke meines Zimmers. Es war eine Weile still, dann hörte ich die Töne einer Melodie mit dem Wind ins Zimmer wehen. Ich lauschte. Eine gefällige kleine Weise, die mich an etwas erinnerte. Ich versuchte die Erinnerung auszugraben, aber es wollte mich nicht gelingen, das Bild zu erkennen, dass ich damit verband. Dann, ohne dass ich wusste welches der Anlass war, kippte mein Gefühl um. Eine dunkle Ahnung kroch mir den Rücken hinauf und klammerte sich wie eine Krallenhand in meinen Nacken. Ich wollte schreien. Mein schlafendes Ich warnen. Kein Ton kam über meine Lippen.

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„Komm! Wir müssen weiter.“

„Nein! Ich mache keinen Schritt. Seit Stunden stolpern wir durch den Wald. Nachts! Ich mache jetzt eine Pause.“

Danny setzte sich auf einen der großen Steine am Seeufer und streifte die Schuhe und Strümpfe ab. Ihre Füße brannten und Danny hielt sie in das kühle Seewasser. Martin schüttelte den Kopf.

„Immer musst du das letzte Wort haben“, er wollte noch etwas sagen, aber Danny unterbrach ihn.

„Und du musst dich ständig auf solche Himmelfahrtkommandos einlassen.“

Danny planschte mit den Füßen. Hinter den Hügeln stiegt langsam der Mond auf. Sein Licht verwandelte das schwarze Wasser des Sees in pures Silber.

„Ich“, begann Martin.

„Psst! Sag einfach mal nichts“, unterbrach Danny ihn unwirsch.

Sie hörte ihn schnauben. Äste knackten. Dann war es still. Danny wusste, dass Martin sie allein gelassen hatte. Er hasste es, wenn sie ihm widersprach. Es war ihr egal. Danny wollte sich diesmal die Stimmung nicht von ihm kaputt machen lassen.

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„Lerne etwas über das Leben.

Schneide dir mit dem Silbermesser ein großes Stück heraus,

ein großes Stück vom Kuchen.

Lerne, wie die Blätter an den Bäumen wachsen.

Mach die Augen auf (…)

Lerne, wie der Mond im Nachtfrost vor Weihnachten untergeht.

Öffne deine Nase.

Rieche den Schnee.

Lass das Leben zu.“

Sylvia Plath

Ist sie nicht wunderbar!

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von Christine Busta

 

Ich lasse mich von den Gezeiten

deiner Liebe bewegen

wie du dich von meinen.

Welch wundersamer Atem der Ruhe

in der unendlichen Bewegtheit.

 

Oh, dieser gleiche geheimnisvolle

Mond über unseren Tagen und Nächten

dem wir gehorsam sind,

der auch als Unsichtbarer

uns spürbar bleibt wie den Tiefen des Meeres.

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Ein goldgelber Mond hing über der Stadt und spiegelte sich in den Grachten. Die Nacht war warm und aus den offenen Fenstern der alten Häuser drangen Stimmen, Musik und Lachen. Ich blieb in der Mitte einer Brücke stehen und lauschte den Geräuschen der Nacht. Von irgendwo tönte eine helle Glocke herüber, ein Radfahrer überquerte die Brücke, ich hörte einen Hund bellen. Der leicht brackige Geruch von Wasser stieg mir in die Nase.

Ich hatte mich verlaufen. Verirrt. In meinem Leben verirrt. Eine falsche Endscheidung zu viel getroffen und nun stand ich auf der Brücke, in dieser aufregenden Stadt und war allein. Ich seufzte.

„So schlimm?“, sagte eine angenehme Stimme neben mir.

Ich erschrak, machte einen Schritt zur Seite und stolperte. Zwei kräftige Hände hielten mich davon ab zu stürzen.

„Entschuldigung, ich wollte sie nicht erschrecken.“ Er sah auf mich herunter. „Darf ich sie auf einen Kaffee einladen?“

„Jetzt?“, fragte ich völlig perplex.

„Ja“, er lächelte, „in einer Stunde beginnt die Morgendämmerung und für sie mache ich mein Café gerne zwei Stunden früher auf.“

„Warum nicht.“

Eine falsche Entscheidung mehr oder weniger machte inzwischen auch nichts mehr aus.

Sänger: Wouter Hamel, Amsterdam

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Hört ihr Leut und lasst euch sagen
Was sich einst hat zu getragen:

In Nachbars Garten sah ein junger Edelmann
Was dann und wann geschehen kann
Ein wunderschönes Kind erblühn
Ihre Wangen zart wie Rosenblätter glühn
Er war arm ohne Gut und Geld
Wollte sein ein gerühmter Held
Ihr Vater war ein vermögend Mann
Der Junge einen tückisch Plan ersann
Der ihm trüge ein des Vaters Reich
Und das schöne Mädchen auch sogleich

In heller Mond beschienener Nacht
Wurd sein Plan zur Tat gemacht
Vor ihrem Altan dort kniet er nieder
Die Nacht wohlriecht nach lila Flieder
Glühenden Eifers freit er um ihre zierlich Hand
Das Fräulein schaut ihn an ganz unverwandt
Ihr unerfahren Herz seine Schönheit rührt
Seine Schmeichelei ihr den Verstand verführt

Im Mondenschein glänzt ihr kostbar Geschmeide
Der schöne Jüngling schwört viel tausend Eide
Dass er sie so glühend innig liebe
Und für sie auch tausend harte Hiebe
Jederzeit und willig könnt ertragen
Würd sie ihm nur einmal sagen
Die berühmten drei Worte
An der glänzenden Pforte

Morgen Nacht zur selben Stund bei Lunas Schein
Beizeiten wiederkehrend wollt er bei ihr sein
Von seiner lauteren Liebe ihr zu singen
Seiner Angebeteten ein Kleinod zu erbringen
Das die reine Wahrheit seiner Worte beweise
Und so schlich der listige Jüngling leise
Hinfort aus ihrem paradiesischen Garten
Das holde Mägdlein wollt geduldig warten
Bis der blendend Herzgeliebte wiederkehrt
Doch es wurde ihm unerbittlich verwehrt

Denn der schlangengleiche junge Mann
Wendet eine böse arglistige Täuschung an
Der Knabe buhlt nicht allein um sie
Auch vor der Schwester fiel er auf die Knie
Als den Vater erreicht die schlimme Kunde
Macht er sich gar zornig auf zur selben Stunde
Den Jüngling mit dem Schwerte zu erstechen
Und sich für die üble Schmach zu rächen
Doch der Missetäter hörts und eilends floh
Das schmachtende Mägdelein wurd nimmer froh
Siechte dahin an gebrochenem Herzen
Bis es starb in Liebesschmerzen

Und die Moral von der Geschicht:

„Liebe tötet“ – immer nicht
Doch des öfteren kommt’s vor
Das Eifer, Neid und Gier
Verschließen uns der Liebe Tür
Drum ihr Jungfern seid bedacht
Wer euch einen Antrag macht
Damit ihr nicht erleidet bittre Schmerzen
An verliebtem Mädchenherzen

Bitte seht mir nach, wenn es hakt 🙂 – es hat einfach Spaß gemacht.

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Küssen

… und die Sonne umfängt die Erde

der Mond küsset das Meer inniglich

was nützen all diese Küsse nur

wenn du nicht küssest mich?

Aus einem Gedicht von P.Shelley *seufz*

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In einer fernen Vergangenheit lebten zwei Menschen, Peewee und Serafina, sie waren auf der Suche nach der wahren Liebe. Peewee hatte sein Leben in den felsigen Klüften mit einigen Gefährten verbracht. Je länger er in der Einöde wohnte, umso intensiver wurde der Wunsch sesshaft zu werden und einen Menschen an seiner Seite zu haben, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen konnte. Serafina hatte versucht sich das Leben im Schutz ihres Clans einzurichten, so gut es ihr möglich war. Aber das war zum Scheitern verurteil. Eines Tages machte sich Serafina auf den Weg, um sich einen neuen Platz in der Welt zu suchen, an dem sie die sein konnte, die sie war und an dem die Grenzen nicht hinter der Dorfmauer aufhörten.

Beide, Peewee und Serafina, suchten das weite Land, den Himmel und den unendlichen Horizont. Auf ihrer langen Wanderung begegneten sie einigen Menschen, die sie am Weiterreisen hindern wollten. Sie boten ihnen Nahrung, Obdach und Sex, aber sie merkten schnell, dass es nicht das war, was sie wirklich suchten und reisten bald weiter. Sie suchten die Person, mit der sie ganz und gar eins sein konnten. Es lauerten Gefahren und Ablenkungen auf ihrem Weg, aber unbeirrt gingen sie weiter.

Auf ihrer Reise von Norden nach Süden und von Süden nach Norden begegneten sie sich eines Tages auf einer wunderbaren Blumenwiese. Die Sonne sendete die letzten Strahlen auf die Welt und Peewee und Serafina erkannten sich. Sie sahen sich in die Augen und ohne Worte wussten sie, dass sie gefunden hatten, wonach sie solange gesucht hatten. Sie schlossen sich in die Arme und spürten, dass sie am Ende ihres Weges angelangt waren.

Während sie sich in den Armen hielten, verging die Zeit. Die Sonne versank am Horizont. Der Mond ging auf und unter. Sterne wanderten über den nächtlichen Himmel. Sternschnuppen fielen. Die Sonne stieg über den Rand der Welt hinauf und zog ihre Bahn, bis zum Abend. So verging Tag für Tag, Nacht für Nacht. Regen fiel, Sonne schien, Schnee hüllte sie ein, Winde wehten. Peewee und Serafina standen auf der Wiese und hielten sich in den Armen.

Zeit um Zeit verging und Peewee und Serafina schlugen Wurzeln in der fruchtbaren Erde des neuen Landes, das sie gefunden hatten. Ihre Wurzeln fasten tief in die Erde. Ranken umschlungen sie unzertrennlich. Eine mächtige Baumkrone wuchs aus ihnen empor, streckte sich in den Himmel und diente ihnen als Schutz. Sie mussten nicht sprechen. Ihre Gefühle waren ihre Verständigung. Mehr brauchte es nicht, um diese große Liebe am Leben zu erhalten. Aus ihnen erwuchs der Weltenbaum, Amrasil, der Baum der Liebenden. Um ihn zu finden, muss man weite Wege gehen. Er ist nicht leicht zu finden, ebenso wie die wahre Liebe. Aber die Suche lohnt sich und so wird es immer sein.

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Das Essen verlief auf angenehme Art und Weise. Meine Gastgeberin und ihre Gäste interessierten sich sehr für mich, aber ich hielt mich soweit es ging bedeckt. Ich erzählte nichts davon, dass ich ein verlorenes Kind war. Lady Shelley schien ein ausgesprochen großes Interesse an der Wissenschaft zu haben, denn die meisten der anwesenden Herren waren Ärzte, Physiker oder Chemiker. Der Einzige, der wohltuend anders war, war John. Er saß neben mir und versuchte mich, so gut es ging, von den hochtrabenden Gesprächen abzulenken. Er flüsterte mir kleine Anekdoten der gelehrten Herren ins Ohr und ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen.

Nach dem Abendessen teilt sich die Gesellschaft. Die Damen werden in den blauen Salon geführt, wo Sherry gereicht werden soll. Unterdessen begeben sich die Herren ins Raucherzimmer, um sich einen Zigarre zu genehmigen und zu fachsimpeln.

Ich trödele etwas herum und es gelingt mir, der langweiligen Damenrunde zu entwischen und in die Bibliothek zu gelangen. Leise schließe ich die Tür hinter mir. In dem großen Kamin brennt ein hell loderndes Feuer, das Buchenholz knistert leise und erfüllt den Raum mit einem angenehmen Duft. Ich schreite die langen Regalreihen entlang und kann kaum glauben, was für Klassiker sich hier verbergen. Jeder Sammler würde sich glücklich schätzen so eine Bibliothek zu besitzen. Ich nehme hier und da eines der kostbaren in weiches Leder gebundenen Bücher in die Hand. Viele sind echte Erstausgaben, aus dem Jahr, in dem sie das erste Mal gedruckt wurden. Wer auch immer diese Bücher gekauft hatte, muss eine Menge dafür ausgegeben haben. Immer weiter wandere ich in dem Regallabyrinth umher. Eins ist sicher, hier wird mich niemand so schnell finden. In der Mitte des Labyrinths steht ein Buchständer von gigantischen Ausmaßen. Darauf liegt ein ungewöhnlich großes Buch. Neugierig trete ich näher und schaue mir den Einband an. Es ist aus dunkelbraunem Leder und mit goldenen Lettern beschrieben. Die Buchstaben sind in Latein und italienisch geschrieben. Ich kann ein paar Brocken und lese etwas über Anatomie und Mensch, und einen Namen. Vor Ehrfurcht bleibt mir die Luft weg. Leonardo Da Vinci. Ich sehe mich ängstlich um, kein Laut ist zu hören. Dann schlage ich das Buch auf. Die Seiten sind aus dickem Pergament. Jede Seite ist mit detaillierten Zeichnungen der menschlichen Anatomie gefüllt. Der Mensch an sich, der Mensch ohne Haut mit Sehnen und Muskeln, nur das Skelett, die inneren Organe, Herz, Nieren usw, Augen, Zunge, Hirn und das von allen Seiten. Faszinierend zu sehen, wie genau Leonardo war, aber ich weiß, wie er zu seinen Zeichnungen kam und das ist keine angenehme Sache. Leichen sezieren, gut muss wohl sein, aber Leichen stehlen, oder frisch getöteten Verbrechern die Haut von den Knochen ziehen, ich weiß nicht, das kann nicht gut gewesen sein. Aber andererseits musste Leonardo so vorgehen, da ihn die Kirche sonst als Ketzer verurteilt hätte und vermutlich wäre er auf dem Scheiterhaufen gelandet. Wenn ich mich nicht irre, haben sie sogar Jagd auf ihn gemacht. Schade, dass die wirklich genialen Geister immer solche Probleme hatten.

„Oh, sie scheinen eine vielseitig interessierte junge Dame zu sein!“

Ich schrecke zusammen, und als ich mich umdrehe, fängt der Buchständer an zu wackeln. John kann ihn gerade noch abfangen, bevor er umkippt.

„John haben sie mich erschreckt. Mein Herz ist fast stehen geblieben.“

John lacht und nimmt meine Hand.

„So schnell bleiben Herzen nicht stehen. – Wie kommt es, dass sie aus der ehrenwerten Damengesellschaft geflüchtet sind?“

„Ich hatte keine Lust auf Gespräche über Sticken und Kinder“, sage ich und zwinkere ihm zu, „ich liebe Bücher und musste sie mir unbedingt einmal ansehen. Ich habe recht daran getan. Sie sind wundervoll. Haben sie sich die Bände schon einmal richtig angesehen? – Bestimmt. – Aber wie kommen sie eigentlich hier her? Und wie haben sie mich in dem Labyrinth gefunden?“

„Also erstens habe ich mir die Bücher angesehen, ich habe viele davon gesammelt.“

Ich schaue ihn mit großen Augen an. Wann hat er diese Bücher gesammelt und wo hat er sie aufgetrieben. Er ist kaum dreißig Jahre alt.

„Und“, fährt er fort, „ich kenne die Bibliothek wie meine Westentasche und wer sich für Bücher interessiert, der landet früher oder später bei Leonardo.“

„Donnerwetter, das ist ja ungeheuerlich.“

„Finde ich auch. Was ich besonders bedenklich finde ist, dass ein so schönes Mädchen, wie sie, diese wundervolle Nacht in einer dunklen Bibliothek verbringt. Was halten sie davon, wenn wir zum Strand hinunter gehen?“

„Das wäre wundervoll“, stimme ich begeistert zu.

Wie lange habe ich das Meer nicht mehr gesehen. Eine wilde Sehnsucht beginnt in mir zu schlagen. Das Meer.

„Komm, wir nehmen den Weg durch die Küche. Die anderen müssen nicht mitkriegen, dass wir fort sind.“

Ich kann vor Aufregung nicht sprechen und nicke nur. John sieht mich mit einem zärtlichen Blick an, schnell beugt er sich vor und küsst mich auf die Wange. Auf meinen tadelnden Blick hin sagt er entschuldigend:

„Verzeih, sie sehen so hinreißend aus, ich konnte einfach nicht anders.“

„Na, gut, ihnen sei verziehen. Komm, last uns jetzt ans Meer gehen.“

John lacht leise.

„Dann schnell, bevor sie mich auch noch vermissen.“

„Haben sie mich vermisst?“

„Was denken sie, warum ich sie gesucht habe?“

John öffnet eine geheime Tür in einer der Regalreihen. Der geheime Mechanismus ist, mich wundert gar nichts mehr, hinter Robinson Crusoe versteckt. John führt mich durch einen dunklen engen Gang, dann höre ich ein Klicken, eine weitere Geheimtür springt auf und wir stehen in der Küche. Zum Glück sind die Bediensteten schon fertig mit Aufräumen und niemand sieht wie wir das Haus durch den Dienstboteneingang verlassen. John durchquert den Garten, bis zu einer kleinen schmiedeeisernen Tür, die er mit einem Schlüssel, den aus seiner Jackentasche zaubert, öffnet. Von dort aus führt eine Steintreppe den Hügel hinab zum Strand. Ich ziehe die Schuhe aus und bohre meine Zehen in den warmen Sand. Die Wellen rollen sanft an den Strand. Ein dünner weißer Saum aus Gischt schmückt den feinen Sandstrand, wie eine Spitzenbordüre. Der riesige Mond wirft eine verschwenderische Fülle von Diamantsplittern auf das Wasser. Ich kann mich nicht sattsehen.

„Gefällt es ihnen?“, fragt John.

„Und wie! Danke! Vielen Dank! Es ist wundervoll!“

Ich umarme ihn begeistert und er legt seine Arme mich. Mein Kopf lehnt an seiner Schulter und John vergräbt seine Nase in meinem Haar. Ich spüre seine Wärme, seinen verführerischen Duft, sein Atem streicht sanft über meine Haut und ich habe plötzlich ein völlig zwiespältiges Gefühl. Ich schwanke zwischen Sicherheit, Wehmut, Liebe, Traurigkeit, Nostalgie, Deja-vu, Illusion und Realität. Ich rühre mich nicht vom Fleck und auch John hält mich ganz still in seinen starken Armen. Ich kann durch den teuren Stoff sein Muskelspiel spüren. Am liebsten würde ich die Augen schließen, mich ganz diesem Augenblick und ihm hingeben. Es kostet mich große Anstrengung es nicht zu tun, aber der Gedanke an Raoul, lässt nicht zu, dass ich mich verliere.

„Wo bist du nur so lange gewesen“, flüstert John und drückt mir einen Kuss auf die Locken.

„Ich weiß es nicht“, antworte ich leise.

„Solange habe ich auf dich gewartet und nun muss ich feststellen, dass dir ein anderer Mann begegnet ist, der dein Herz für sich eingenommen hat.“

„John“, versuche ich eine Erklärung, aber er unterbricht mich und legt mir einen Finger auf die Lippen.

„Psst! Sag nichts. Lass uns einfach hier stehen und den Augenblick genießen. Heute ist heute und morgen ist morgen.“

Ich schließe meine Arme noch fester um ihn und schmiege mich an ihn. Die Zeit hat plötzlich ihre Bedeutung verloren. Immer höher steigt der Mond und wird immer kleiner.

„Wir müssen langsam zurückgehen“, flüstert John und drückt einen Kuss auf meine Stirn.

„Müssen wir wirklich? Können wir nicht hier am Strand bleiben?“

„Du zitterst schon. Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn du krank wirst.“

„John.“

„Ja?“

„Ich habe Angst in dem großen Zimmer, ganz allein in einem fremden Haus.“

„Musst du nicht. Ich sagte dir doch, dass du dich auf mich verlassen kannst. Außerdem schlafe ich in dem Zimmer neben an, wenn du mich rufst, werde ich sofort zu deiner Hilfe eilen.“

„Höre ich da etwas Spott in deiner Stimme?“, frage ich und sehe zu ihm auf.

Ein Lächeln liegt auf seinem schönen Gesicht. Johns Augen sind dunkel, wie das nächtliche Meer und halten meinem Blick stand.

„Nein“, sagt er zärtlich, „nur ein ganz kleines Bisschen. Aber ich schwöre dir, dass ich mein Leben dafür geben werde, dich zu beschützen.“

„So etwas darfst du nicht sagen“, erwidere ich erschrocken.

„Es ist mein Leben und ich gebe es, wem ich will.“

Ich sehe ihn ängstlich an.

„Hab keine Angst, Noelle, alles wird gut.“

Er fasst in mein Haar, zieht meinen Kopf in den Nacken und küsst mich unendlich sanft. Schwer atmend lehne ich meinen Kopf an seine Brust. Ich muss zugeben, dass mich dieser Kuss durcheinander bringt. John nimmt meine Hand.

„Komm, lass uns gehen.“

Schweigend gehen wir zurück zum Haus. Dort ist inzwischen alles still. Scheinbar hat sich die Gesellschaft schon in ihre Gemächer zurückgezogen. Wir schleichen die Treppe hinauf und John begleitet mich zu meinem Zimmer.

„Schließ deine Tür und sollte etwas sein, klopf einfach an die Wand hinter deinem Spiegeltisch. Dort liegt mein Zimmer. Ich nicke und sehe ihn mit großen Augen an. Die kleinen Lampen in den Gängen geben nur wenig Licht, aber ich kann in seinen Augen lesen und was ich sehe macht mich verlegen.

„Du bist wunderschön“, flüstert John, „dieser andere Mann – ich hoffe, er ist dich wert.“

Er zieht meine Hände an seine Lippen, ohne meinen Blick loszulassen und drück zärtliche Küsse auf meine Handflächen. Zögernd gehe ich in mein Zimmer und verschließe die Tür hinter mir, so wie John es mir geraten hat. Verwirrt von diesem Haus, seinen Bewohnern und besonders von diesem außergewöhnlichen Mann, ziehe ich mir das Nachthemd über, dass Jenny mir auf dem Bett bereitgelegt hat. Im Kamin verglühen langsam die Holzscheite. Ich nehme einen Kienspan, entzünde ihn an der Glut und zünde mir ein paar Kerzen an. Ich bin zwar erschöpft, aber in meinem Kopf rasen die Gedanken kreuz und quer. Dieses Haus ist geschmackvoll eingerichtet, seine Bewohner sind in teure Stoffe gehüllt, die Speisen sind auserlesen und doch, etwas stimmt nicht. Dabei ist es noch nicht einmal die antiquierte Art zu leben, sondern die geheimnisvolle Aura, die alles hier umweht, wie ein undurchdringlicher Nebel. Ich kann mich nur schrittweise vortasten. Wenn ich den Blick auf das nächste Bild werfen kann, dann ist das Vorherige schon wieder so verschwommen, dass nichts von allem zu einem Ganzen wird. Wie ein Puzzelspiel von dem man ein paar passende Teile zusammensteckt und sobald man einige weitere findet, jemand kommt und die Ersten böswillig wieder auseinanderreißt. Nichts erscheint vollständig, nur winzige Teilstücke sind zu entziffern.

Um wenigstens etwas Ruhe zu finden, hole ich die Notizbücher von Herrn Grimm aus meinem Rucksack und blättere darin herum. Aber auch mit ihnen stimmt hier etwas nicht. Die Buchstaben ähneln willkürlich hingeworfenen Kritzeln und ergeben keinen Sinn, geschweige denn ein vernünftiges Wort. Ich will die Bücher gerade wieder weglegen, als auf einer Seite Linien erscheinen, wie vor Kurzem, als das Buch mir Raouls Gesicht zeigte. Gebannt blicke ich auf die Seite, als vor meinen Augen eine schreckliche schmerzverzerrte Fratze erscheint. Ein Gesicht mit weit aufgerissenem Maul, scharfe Zähne blitzen daraus hervor, die Haare hängen wirr in dem gequälten Gesicht. Einzig seine Augen haben etwas Menschliches. Ich kann meinen Blick nicht von dem Gesicht abwenden. Hin und her gerissen von Mitleid und Grauen. Langsam verschwimmen die Linien wieder und nur ein grauer Schleier bleibt auf der Seite zurück. Ich klappe das Buch zu und verpacke die Bücher hastig in meinem Rucksack.

„Geh!“, höre ich eine warnende Stimme.

Ängstlich sehe ich mich um. Vermutlich werde ich jetzt verrückt.

„Geh, Noelle. Verlier keine Zeit.“

Atemlos springe ich auf. Es ist Raouls Stimme, also habe ich mich doch nicht geirrt. Hastig packe ich meine Sachen, ziehe mir bequeme Reisekleidung an und lösche alle Lichter. Dann öffne ich vorsichtig meine Zimmertür, versichere mich besorgt, ob auch niemand meine Flucht bemerken wird, und husche den Gang entlang zur Treppe. Die Eingangshalle ist leer. So lautlos wie möglich schleiche ich die Treppe hinunter, als ich plötzlich ein lautes Schreien höre. Mein Herz krampft sich zusammen. Das ist der Schrei eines Menschen, dem etwas Schreckliches angetan wird. Ich bin schon fast an der Tür, als wieder ein Schrei durch das Haus hallt. Es sind nur noch ein paar Schritte und ich bin frei.

„Lauf fort Noelle!“, höre ich wieder eine besorgte Stimme aus den Schatten.

„John“, durchzuckt es mich.

Für einen Moment zögere ich, dann stelle ich meinen Koffer neben die Tür, und gehe dem Schreien nach. Ich gelange zu einer Tür, die mich rohe Steinstufen hinab, in einen dunklen Kellergang, führt. Das Klischee aus einem Horrorfilm. Tu genau das, was kein normal denkender Mensch tun würde. Ich kann nicht anders. Mein Verstand schimpft wie ein Rohrspatz, um mich von diesem Wahnsinn abzuhalten, aber mein Herz sagt mir, dass ich meine Augen nicht vor dem Unglück eines anderen verschließen darf.

Die Schreie werden immer lauter. Mein Herz zerspringt fast vor Angst. Ich muss weiter gehen. Welche Kreatur hat es verdient solche Schmerzen zu erdulden? Jäh bricht das Schreien ab. Abrupt bleibe ich stehen. Was ist passiert? Ich befürchte, dass der Gefolterte entweder bewusstlos oder tot ist. Ich lausche in die Dunkelheit. Nicht weit entfernt höre ich Schritte und Stimmen. Ich raffe all meinen Mut zusammen und taste mich weiter an den rauen Wänden entlang. Da sehe ich einen Schimmer Licht. Die Stimmen werden lauter. Ich halte den Atem an und versuche einen Blick auf den Raum vor mir zu erhaschen.

Der Anblick, der sich mir bietet, lässt mich an meinem Verstand zweifeln. Unter dem englischen Landhaus erstreckt sich eine Art Krypta. An den marmornen Säulen hängen Fackeln, die der unterirdischen Gruft ein gespenstisches Aussehen geben. An den Wänden stehen Sarkophage, die auf ihren Deckeln Reliefe der Menschen tragen, die in ihnen bestattet wurden. In der Mitte des Raumes, unter einer Art Baldachin, steht ein Holzgestell, auf dem eine Kreatur festgeschnallt ist. Halb Mensch, halb Bestie. Lady Shelley und drei der Männer, die ich beim Dinner gesehen habe, stehen vor dem Holzgestell und streiten sich. Der Baldachin ist mir Symbolen bestickt, die mir nicht fremd sind. Ich habe sie auf einigen Seiten von Leonardos Buch gesehen. Lady Shelley trägt Handschuhe und hat ein Skalpell in der Hand.

„Sie Dummkopf“, schreit sie einen der Männer an, „sehen sie was sie angerichtet haben! Statt sich zu verwandeln, ist er ein Hybride. Halb Mensch, halb Monster. So war das nicht gedacht.“

Sie schlägt den Mann mit der flachen Hand ins Gesicht. Der gibt nur ein leises Stöhnen von sich, ohne Mary etwas entgegenzusetzen.

„Wir brauchen noch einen Katalysator. Er ist einfach zu sehr Mensch, als dass er sich freiwillig verwandeln würde“, wirft ein anderer Mann ein.

„Was soll denn das heißen? Wir haben alles so gemacht, wie Leonardo es beschrieben hat. Wir haben ihn infiziert und haben ihn einem hohen Stresspegel ausgesetzt. Das Adrenalin müsste bewirken, dass der Virus sich rasend schnelle vermehrt und die Verwandlung in Gang setzt.“

Lady Shelley ballt die Fäuste und nähert sich dem Mann, der ängstlich zurückweicht.

„Ja, aber“, stammelt er, „er ist stark. Sein Wille ist ungebrochen. Alles in ihm wehrt sich dagegen sich zu verwandeln.“

„Und was jetzt?“, Lady Shelleys Stimme schnappt über, „tun sie was, verdammt!“

Dann versetzt sie dem Mann einen heftigen Stoß gegen die Brust, die ihn taumeln lässt. Im letzten Moment kann er sich an einer Säule festhalten.

„Holen sie das Mädchen“, schlägt der erste Mann vor, „um sie zu beschützen, wird John sich verwandeln.“

Ich presse die Hände vor meinen Mund, um nicht zu schreien. Es ist John. Das Gesicht in meinem Buch, ich sehe wieder die Augen des Monsters vor mir. Es sind seine Augen. Flehende Augen. Oh, John, wie kann ich dir nur helfen? Fieberhaft überlege ich, was ich tun kann.

„Gute Idee! Los, machen sie schon!“, befiehlt Lady Shelley gereizt, „sie sind allesamt Stümper. Wenn das nicht klappt, dann Gnade ihnen Gott“, ein böses Lachen hallt durch die Krypta, „Gott, es gibt keinen Gott!“

Die drei Männer setzen sich hastig in Bewegung und ein wilder Schreck durchzuckt mein Gehirn. Sie suchen mich. Die Lady ist eine Art Frankenstein, besessen von Leonardos Forschungen. Aber das Leonardo solche perversen Forschungen angestrebt hat, ist mir neu. Allerdings war er, der Meister der Erfindung, wohl selten in der Lage, seine Erfindungen auch zu verwirklichen. Ein Genie auf dem Papier. Ich stehe hinter einer Säule und halte den Atem an. Was jetzt. Die drei Männer hasten an mir vorbei. Mir bleiben nur wenige Minuten, bis sie unverrichteter Dinge zurückkehren werden. Lady Shelley ist allein. Ich muss die Gelegenheit ergreifen und John helfen. Ich taste mich nach vorne, nehme eine Fackel aus ihrem Halter und trete hinter meiner Säule hervor.

„Sie sind ein kranker Mensch, Lady Shelley.“

Ich versuche meiner Stimme einen festen Klang zu geben, kann aber nicht verhindern, dass sie zittert. Mary fährt herum und ein teuflisches Lächeln spielt um ihre Lippen.

„Ich würde mich eher als Genie bezeichnen“, erwidert sie gelassen, „denn sehen sie, eigentlich wollte ich sie verwandeln, immerhin ist mir John lieb und teuer. Aber er hat mir sein Leben für ihrs gegeben.“

Bei diesen Worten geht mir ein Stich durchs Herz und Tränen treten mir in die Augen. Jetzt bloß nicht weinen, ermahne ich mich.

„Und welch glückliche Fügung! Dadurch werde ich tatsächlich erreichen, dass Leonardos Forschungen wahr werden. Ihren Willen hätte ich vielleicht nicht brechen können, aber John liebt sie und er wird alles tun, um sie zu verteidigen.“

Ich bin wie gelähmt. Der Plan ist tatsächlich perfide und gleichzeitig brillant. Meine Liebe gilt Raoul und hätte, statt mich zu schwächen, gestärkt. Johns Liebe zu mir wird ihn dazu bringen, alles zu tun mich vor dem Übel zu beschützen, dass mir Lady Shelley zu gedacht hat.

„Warum?“, ich bin verzweifelt.

„Forschung, meine Liebe. Ich werde das Leben neu erschaffen. Eine bessere, stärkere Kreatur hervorbringen.“

„Das ist ein Sakrileg!“

„Nein, Herzchen, das ist Genie.“

Sie nähert sich mir, als plötzlich ein Stöhnen zu hören ist.

„Lass sie!“

Johns Bewusstsein ist zurückgekehrt. Er atmet schwer. Mary fährt herum und mit ein paar Schritten ist sie neben ihm.

„Dann lass los und verwandele dich.“

„Nein, John, bitte nicht!“, rufe ich voller Angst.

„Ich muss es tun, sie wird dich sonst töten.“

Seine Augen sind auf mich gerichtet und ich sehe in seine Seele. Reine Liebe strömt mir entgegen.

„Nein!“, höre ich mich schreien.

Ich stürze auf ihn zu, werfe mich auf John und lege schützend meine Arme um ihn. Das darf nicht sein.

„Ihr seid so niedlich, aber die Verwandlung wird stattfinden. Er hat sich schon entschieden, sieh hin!“

Ein hysterisches Lachen erfüllt den Raum. Grauen erfüllt mich.

„Lancelot, wo bist du?“, flüstere ich.

„Hier, meine Herrin. Du hast mich gerufen.“

Lancelot tritt aus den Schatten. Er trägt einen Kampfanzug aus Leder, mit silbernen Nieten beschlagen, die in den flackernden Flammen der Fackeln aufblitzen. In seiner Hand hält er ein Schwert mit einem großen Namen: Flammenzunge.

„Oh, Verstärkung“, höhnt Lady Shelley, „du armer Junge. Liebst du sie etwa auch? Sie wird dich heute in den Abgrund  stoßen.“

Lancelot ignoriert ihre Tirade und tritt neben mich. Mitleidig blickt er auf John, der sich in Schmerzen windet und immer mehr zu der Bestie mutiert, die Mary aus ihm machen will.

„Bitte, hilf ihm“, flehe ich Lancelot an, „er wollte mich beschützen.“

Wortlos nickt Lancelot. Er steckt ihm einen Ring an den Finger.

„Nein!“

Lady Shelley schreit wie eine Furie und stürzt auf Lancelot zu. Aber es ist zu spät. Lancelot hat an dem Ring gedreht und John löst sich vor unseren Augen in Luft auf.

„Das wirst du büßen!“, tob Mary und stößt einen schrillen Ruf aus.

Plötzlich sind schnelle Schritte zuhören und Männer mit Masken bevölkern den Raum.

„Lauf“, flüstert Lancelot mir zu, „ich komme nach!“

Er hebt sein Schwert, und als die Maskierten angreifen, stürzt Lancelot der Menge entgegen. Ich kann nichts tun, um ihm zu helfen. Also gehorche ich seinem Rat und laufe dem Ausgang entgegen, aber Lady Shelley stellt sich mir in den Weg.

„Das hast du dir so gedacht?! Aber mir entkommst du nicht.“

Was ich sehe lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Für den Bruchteil einer Sekunde schließt sie die Augen und als sie sie wieder öffnet, sind sie rot wie Blut. Mary öffnet ihren Mund und entblößt zwei spitze Eckzähne.

„Sie sind ein Vampir! Nein, das ist unmöglich.“

„Nichts ist unmöglich“, lacht sie kalt und kommt näher, „John sah dich in seinen Träumen und ich habe dich gerufen. Und wie du siehst hat mein Plan funktioniert.“

„Nur fast!“, stoße ich hervor.

Ich reiße eine Fackel aus ihrer Halterung und senke sie ihr mit einer schnellen Bewegung entgegen. Ehe Lady Shelley sich in Sicherheit bringen kann, hat ihr kostbares Kleid Feuer gefangen. Ihr gellender Schrei lässt die Maskierten innehalten. Als sie sehen, wie ihre Gebieterin in Flammen steht, strecken sie die Waffen und verschwinden in der Dunkelheit, aus der sie kamen. Immer höher lodert das Feuer, immer schriller dröhnt das Geschrei durch die Krypta. Es ist nicht auszuhalten und ich presse mir verzweifelt die Hände auf die Ohren. Lancelot packt mich am Arm und zieht mich hastig hinter sich her.

„Raus hier“, keucht er.

Vor dem Haus steht die Kutsche, angespannt und bereit loszufahren.

„Lancelot“, stammele ich.

„Frag nicht, geh“, sein eindringlicher Blick mahnt mich zur Eile, „schnell. Sieh nicht zurück!“

Ich umarme ihn, dann steige ich ein und Lancelot gibt dem Kutscher ein Zeichen. Ein leises Schnalzen und das Pferd setzt sich in Bewegung. Das Letzte, was ich von Lancelot sehe, ist das Aufblitzen von Flammenzunge im Licht der ersten Sonnenstrahlen.

Die Kutsche fährt auf den kleinen Platz vor dem Bahnhof. Die Morgensonne scheint warm und in dem kleinen Cafe sitzen die alten Männer, rauchen und trinken Kaffee. Der junge Kutscher reicht mir die Hand und hilft mir auszusteigen. Er stellt mir meinen Koffer und meinen Rucksack auf die Eingangstufen zum Bahnhof, lüpft zum Abschied das Hütchen und fährt davon.

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