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Posts Tagged ‘menschlich’

Nun gut. Ich will euch erzählen, wie alles gewesen ist.

Auch wenn böse Zungen anderes verbreiten, das ist der pure Neid. Ich war dabei und nur ich weiß über alle Akteure dieses Dramas bescheid! Ihr mögt einwenden, in den Geschichtsbüchern steht es doch geschrieben. Haarklein und ausführlich. Lasst euch von mir eines besseren belehren! Nur der Augenzeuge ist der Wahrheit am nächsten. Natürlich muss man mir zugute halten, dass jeder seine eigene Sichtweise der Dinge hat, doch die, die in die ganze Sache involviert waren sind lange tot.

In Shakespeares Sommernachtstraum spricht Theseus die weisen Worte: „Wenn alle Akteure tot sind, muss niemand mehr getadelt werden.“ Und so mag es wohl sein. Mein Herr und Meister war ein kluger Mann, der seinen Finger oft auf die wunden Stellen der menschlichen Natur zu legen pflegte, was ihm mehr als einmal Ärger einbrachte. Doch ich will euch nicht länger langweilen.

Sitzt ihr alle bequem? Habt ihr euch mit einem Glas Wein versorgt? Dann lauscht der Geschichte, wie sie sich wirklich zugetragen hat, abseits von trockenen Fakten und Zahlen eines verstaubten Schulbuches.

Es begann im Jahre 1743 anno Domini, an einem stillen Herbstmorgen. Der Nebel hing wie ein Leichentuch über der sanften Landschaft. Im nachhein ein schlechtes Omen, doch davon später mehr…

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„Bringen sie mich auf die andere Seite!“

Leas Stimme duldete keinen Wiederspruch. Aber der Marquis wäre nicht der, der er war, wenn er diese Aufforderung ohne Kommentar hingenommen hätte.

„Und du bist sicher, dass du weißt was du tust?“

Es war keine Frage auf die er eine Antwort von ihr erwartete, dazu kannte er sie zu gut. Aber etwas in ihrer Entschlossenheit und der Loyalität gegenüber ihrem alten Meister rührte ihn. Es war so menschlich. Niemals ein Nein akzeptieren. Es gab eine Zeit, Äonen her, in der er ebenso dachte. Am Ende hatte ihn diese Beharrlichkeit das Leben gekostet, das er bis dahin kannte, und ihn zu dem gemacht, was er war. Das Oberhaupt der grauen Wächter. Niemand hatte mehr Macht als er.

„Nein, ich weiß nicht was mich erwartet“, gab Lea zu, „aber ich habe ein Schuld auf mich geladen, die ich abzahlen muss und auch sie, mit ihren schlauen Sprüchen, können meine Meinung nicht ändern.“

Der Marquis zog erstaunt die Augenbraue hoch. Mit sovielen Informationen hatte er nicht gerechnet. Für einen kurzen, sehr kurzen, Moment überlegte er, ihr die Wahrheit über das zu sagen, was sie auf der anderen Seite erwartete. Seine Neugier hinderte ihn daran.

In den hunderten Jahren seiner Existenz war er vielen Frauen begegnet. Manche hatte er anziehend gefunden, einige waren exotisch und andere hatten ihn belustigt. Lea war die erste Frau, die seine Intelligenz forderte. Davon abgesehen, dass sie einen wohlgeformten geschmeidigen Körper und ein apartes Gesicht hatte, war sie klug und ihre Auffassungsgabe rasant. Es interessierte ihn, wie weit sie bereit war zu gehen. Ein Experiment, das ihn eine Zeitlang seine Langeweile vergessen ließ.

Lea war die erste Frau, die er nicht bezirzen konnte. Das imponierte ihm. Der Marquis betrachtete es als Herausforderung ihren Willen zu untergraben, bis sie sich ihm freiwillig hingab.

„Ich warte.“

„Nun, dann“, der Marquis machte eine einladende Handbewegung, „folge mir.“

Er reichte ihr die Hand. Widerwillig ergriff Lea sie. Entgegen ihrer Erwartung, war sein Griff warm und fest. Ohne die Verbindung zu ihm, wäre es für einen Menschen unmöglich die andere Seite zu betreten.

„Bleib dich bei mir“, befahl der Marquis. „Der Übergang ist nicht ungefährlich. Wenn wir getrennt werden, könntest du verloren gehen und niemand würde dich je wiederfinden. Und das wollen wir doch nicht.“

Lea hörte den spöttischen Unterton in seiner Stimme, aber die innere Unruhe, die sie trotz ihrer Kühnheit verspürte, hielt sie davon ab, etwas zu erwidern.

Der Song zu diesem weiterführenden Text stammt von Jason Derulo „take me to the other side“.

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