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Posts Tagged ‘Mechanismus’

Ich halte mich im Schatten. Immer dicht an der Wand entlang, husche ich lautlos weiter. Außer dem Plätschern der wasserspeienden Löwen sind keine Geräusche zu hören. Ab und an schreit ein Nachtvogel im nahen Wald.

Mein Herzschlag beschleunigt sich. Das ich meinen Lebensunterhalt mit Einbruch und Diebstahl bestreite, mag befremdlich erscheinen, ist aber sehr lukrativ, doch in ein Kloster einzubrechen gehört zu den unrühmlichsten Dingen, die ich je für einen Auftraggeber erledigen musste. Ich bin kein gläubiger Mensch, allerdings habe ich auch das, was man einen Ehrenkodex nennen könnte.

Der Einbruch selbst ist diesmal einfach. Das Kloster ist frei zugänglich und das Kirchenportal zu knacken ein Klacks, wie ich bei meiner Recherche feststellte. Doch dann wird es schwierig. In der Krypta gibt es eine besondere Deckplatte, hinter der sich das Kleinod versteckt, an dem meine Auftraggeber interessiert sind.

Laut alten Aufzeichnungen gibt es einen Mechanismus die tonnenschwere Platte von ihrem Platz zu schieben. Den gilt es in der Dunkelheit zu finden.

Ich drücke sacht auf die Klinke der Kirchentür und stemme mich gegen den massiven Türflügel. Sie gibt nach, ist nicht verschlossen. Für einen Moment stutze ich. Dann schiebe ich mich durch den Spalt und schließe sie so leise, wie möglich. Ich halte einen Moment inne und lausche in die Finsternis. Nichts zu hören. Ich schalte meine Taschenlampe an.

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Nur noch ein paar Schritte und ich hole mir zurück, was seit Generationen meiner Familie gehörte. Ich verberge mich im Schatten. Lausche. Es ist still. Der Hausdiener macht seinen Rundgang erst in einer Stunde. Bis dahin bin ich weit fort.

Wolken schieben sich vor den Mond, tauchen den Raum in Dunkelheit. Lautlos gehe ich zu dem Schaukasten auf der anderen Seite des Raumes. Da ist er! In der Dunkelheit kann ich nur seine Form erkennen. Oft stand ich hier, dem Familienschatz zum Greifen nah, ohne ihn erreichen zu können. Mit einem Draht öffne ich das Schloss der Vitrine.

Lächerlich, dass es keine Sicherheitsvorrichtungen gibt. Der Kompass ist mehr wert, als alle anderen Gegenstände in diesem Zimmer, ja in diesem Schloss. Wenn die van Buren wüssten, welcher Zauber dem Kompass innewohnt, könnten sie Königreiche damit erwerben.

Ich bin gekommen, dies zu verhindern. Meine Familie wurde zu Wächtern des Kompasses ernannt, auch wenn ich die letzte unseres Clans bin, werde ich nicht zu lassen, dass böse Menschen den Kompass für ihre abscheulichen Pläne benutzen. Die van Buren werden für den Frevel bezahlen. Durch ihren Verrat Blut klebt an ihren Händen und ich werde ihr Richter sein.

Ich hebe den Kompass aus dem Kasten. Zum Schutz trage ich doppelt genähte Lederhandschuhe trotzdem spüre ich seine Kälte. Vorsichtig wickele ich ihn in ein unbehandeltes Seidentuch und stecke ihn in die Innentasche meiner Jacke. Es wurde aus einem einzigen Faden gewoben. Ich schließe den Deckel der Vitrine.

Da ein Geräusch. Ich halte den Atem an. Lausche. Ich bin nicht mehr allein. Sie sind zu zweit. Bis zur Tür sind es nur zehn lange Schritte. Ich atme einmal tief durch, balle meine Hände zu Fäusten. Jetzt! Ich drehe mich um, hebe die Hände und ziehe die Fäuste ruckartig nach außen. Sie geben den Mechanismus und meine Handgelenke frei. Zwei scharfe Dolche suchen sich den Weg in die Körper der Angreifer. Einer der beiden schreit laut auf. Treffer! Ich laufe los.

„Ich bin verletzt!“, keucht ein Mann, „pack dir den Dieb, Connor und keine Gnade!“

Ich höre schwere Schritte. Sehe die Silhouette eines großen Mannes an mir vorbei hasten. Als es wieder still ist, steige ich aus dem großen Wäscheschrank, in den Connor mich als Kind so oft eingesperrt hat.

Seelenruhig gehe ich in die Bibliothek und öffne die Tür des Geheimgangs. Als sie sich wieder hinter mir schließ, muss ich lächeln. Dies ist erst der Anfang! Ich mache euch van Burens das Ende so schmerzhaft wie möglich.

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