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Posts Tagged ‘Luft’

Und die Erde war wüst und leer. Und es war finster.

Fassungslos blickte ich auf das dunkle Grau in Grau, dass endlos vor mir lag. Ab und an erhellte eine Art Wetterleuchten die grausige Szenerie. Ein Knistern wie von einer Überspannung lag in der stickigen stinkenden Luft. Was war geschehen? Warum? Aber am meisten beschäftigte mich die Frage: Warum war ich hier?

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„Sehen sie denn nicht, dass dort ein Schild „Nicht hinauslehnen“ angebracht ist?“

Sagte eine schnippische Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah in zwei blaue Augen, über denen sich die Brauen zu einer Gewitterfront zusammengezogen hatten.

„Guten Tag, mein Fräulein“, erwiderte ich ruhig und mit einem spöttischen Lächeln, obwohl es mir in den Fingern kribbelte der jungen Dame eine gepfefferte Antwort zu geben, „ich wusste gar nicht, dass die Royal-Railway-Companie adelige Damen als Zugbegleiter einstelllt.“

Sie schnappte sichtbar nach Luft.

„Mir ist klar“, fuhr ich fort und die Ironie tropfte aus meiner Stimme, „sie wollten mich nur warnen, weil ich ihnen im Speisewagen so überaus gut gefallen habe, und es ihnen ein Greul wäre mich aus dem Zug stürzen zu sehen. Zerschmettert auf den Gleisen.“

Ihre Augen funkelten erbost über meine Spitze. Sie war mir beim Diner aufgefallen, da sie mich unverhohlen anstarrte, ja geradezu sezierte, während sich die anderen Anwesenden nach diesem kurzen Moment des Erschreckens wieder ihrem Menü zuwendeten. Ich konnte die Abscheu direkt in ihren Augen lesen. Entweder hatte man ihr keine Manieren beigebracht oder sie besaß eine sensationslüsterne Neugier auf alles was anders war und ergötzte sich daran. Oder beides.

Da ihr keine adäquate Antwort auf meinen Sarkasmus einfiel, drehte sich um und stolzierte hocherhobenen Hauptest davon. Ihr würdevoller Abgang wurde durch ein unerwartetes Ruckeln verhindert, da der Zug um eine Kurve bog und leicht schlingerte.

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So kostbar wie die Luft zum Atmen.

Zu oft nutzlos vergeudet.

Erst geschätzt, wenn sie zu Ende geht.

Unendlich und doch nie einzuholen.

Rinnt sie durch die Finger wie Sand?

Ich halte meine Taschen auf.

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„Henry starb vor zwei Jahren. Heut habe ich ihn das erste Mal gesehen.“

Elly holte tief Luft. Sie fasste Sara am Arm. Sie blieben stehen.

„Das hat aber lange gedauert.“

Sara nickte. Sie sah Elly mit großen Augen an. Elly war ihre beste Freundin und der einzige Mensch, der von ihrem Geheimnis wusste.

„Ich habe ihn gefragt, wo er solange gewesen ist. Aber er wusste es auch nicht.“

„Glaubst du, er war in der Hölle oder im Fegefeuer.“

„Ach, Quatsch. Das gibt es nicht. Es gibt keinen feurigen Ort an dem die Seelen gequält werden. Es gibt nur die Geister und das Licht. Wenn sie dorthin gehen, dann sind sie erlöst.“

Sara kramte in ihrer Handtasche herum, zog zwei Schokoriegel heraus und drückte Elly einen in die Hand.

„Aber wo war Henry dann die ganze Zeit.“

Elly riss das silberne Papier des Schokoriegels auf und biss eine Ecke ab.

„Das ist es, was ich unbedingt herausfinden muss.“

Die beiden setzten ihren Weg fort. Sara pellte ihren Riegel ebenfalls aus.

„Wo gehen wir hin?“, nuschelte Elly mit vollem Mund.

„Zu Madame Breda“, nuschelte Sara zurück.

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Neujahrssegen

Möge das Feuer der Kreativität in dir brennen und mögest du die Glut der Liebe immer wieder hoch auflodern lassen.

Mögest dein Weg so geschmeidig sein, wie ein sanft dahin fließender Fluss und magst du so beharrlich den Stein höhlen, wie ein steter Tropfen, um zu erreichen, was dir wichtig ist.

Mögen deine Sorgen mit dem Wind verwehen und dein Herz so leicht sein, wie eine Sommerbrise, damit du nie beschwert werdest.

Mögest du mit beiden Beinen fest verankert auf der Erde stehen, dann kann dich nichts aus der Bahn werfen.

Ich wünsche dir Liebe heiß, wie Feuer, sanft wie ein Frühlingsregen, leicht wie eine Feder und dauerhaft, wie Felsen.

Allen eine friedliche Zeit und ein erfolgreiches neues Jahr!

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Die Texte entstanden aus einer Aufgabe heraus. Schreibe eine schwarze, weiße, graue Geschichte. 🙂

Grau

Die Welt ist ein Ort aus Grau. Durch Asche verschmutzte Luft schluckt jede Farbe und legt sich als undurchlässige Schicht über Haus, Baum, Tier und Mensch. Der Wechsel zwischen Nacht und Tag findet zwischen Schwarz, dunklem Grau, hellerem Grau statt.

Ich bilde mir manchmal ein, ich sähe ein Stück blauen Himmel. Obwohl ich weiß, dass es nicht möglich, nur ein Déjà-vu aus einer anderen, besseren Welt ist. Ich sehne, ja verzehre mich, nach diesem Blick auf das azurblau eines Sommerhimmels.

Das Blau verfolgt mich bis in meine Träume. In dieser lichtlosen, menschenfeindlichen Umgebung, in der es kein Lächeln, keine süßen Blumendüfte, keine Schönheit zu geben scheint, sind es die Träume, die mich am Leben halten.

Weiß

Vor mir liegt eine Welt aus weißen dicken Flocken, die schläfrig vom Himmel fallen und sich wie eine sanfte Decke auf die kahlen Felder und die blattlosen Bäume legt. Es ist früh am Morgen. Ich stehe am Fenster meiner Kindheit und sehe fasziniert hinaus. Im Licht der Straßenlaterne glitzern die silberweißen Eissterne wie Diamantstaub. Ich halte den Atem an, kann die Stille beinahe fühlen. Sie breitet sich in mir aus, immer weiter, tiefer. Ich bekomme Angst, dass sie mich verschluckt und ich nie wieder ein Wort sprechen kann.

Plötzlich höre ich einen hellen Ton. Dann noch einen. Erst leise, dann lauter. Aus den einzelnen Tönen wird eine wundersame Flötenweise. Ein Märchen aus Melodien.

Suchend schaue ich mich nach dem virtuosen Spieler um. Ich kann ihn nicht entdecken. Eilig schlüpfte ich in meine Winterjacke und Stiefel. Ich öffnete die Haustür. Da steht er. Nur ein paar Armlängen von mir entfernt. Noch nie begegnete mir ein schönerer Mann. Ich blicke ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er sieht aus wie ein Engel oder so, wie ich mir einen Engel vorstelle. Als er meine Verwunderung bemerkt, hält er im Spiel inne und lacht. Es klingt wie Perlen, die auf Marmorboden fallen.

Schwarz

Es war ein Tag im Sonnenschein. Mai. Ich saß im Cafe und las „Stolz und Vorurteil“. Er kam an meinen Tisch und stellte sich vor. Aidan. Sein Lächeln versüßte mir den Tag, die Woche, zehn Jahre. Jeder Tag Sonnenschein. Ab und zu ein Wölkchen, aber sein Lächeln pustete sie immer fort.

„Kommst du Liebes?“
Sara sieht mich fragend an. Ich nicke und stehe auf. Jede Bewegung fühlt sich steif und verkrampft an. Ich trete aus der Haustür. Es ist ein Tag im Sonnenschein.

Die Tür eines Autos öffnet sich vor mir. Ich steige ein. Sie klappt zu.
Die Autotür öffnet sich. Ich steige aus. Sie klappt zu.

Der Kies knirscht unter schwarzen Schuhen. Meinen Schuhen. In ihnen stecken Füße in schwarzen Strümpfen. In einem schwarzen Kleid ein Körper, den tiefste Finsternis ausfüllt. Mein Körper.

Ich bin verloren. Verirrt in der Dunkelheit. Ich finde keinen Gedanken. Kein Gefühl. Ich kann kaum atmen. Schlägt mein Herz? Wo ist der Schmerz, wenn ich ihn brauche?

Ich höre Worte. Der Sarg senkt sich in die Grube. Ich starre hinab. Erdklumpen donnern auf den Deckel. Es hallt in meinen Ohren, wird vom Nichts in mir gefressen. Ich drücke Hände. Mehr Hände. Mehr Worte.

Keine Worte dieser Welt können Aidans Lächeln ersetzen. Kein Mitleid dieser Welt bringt mir Aidan zurück. Mit ihm erlosch mein Licht.

An einem Tag im Sonnenschein.

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Man muss weggehen können

und doch sein wie ein Baum:

als bliebe die Wurzel im Boden,

als zöge die Landschaft und wir ständen fest.

Man muss den Atem anhalten,

bis der Wind nachläßt

und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,

bis das Spiel von Licht und Schatten,

von Grün und Blau,

die alten Muster zeigt

und wir zuhause sind,

wo es auch sei,

und niedersitzen können und uns anlehnen,

als sei es an das Grab

unserer Mutter.

 

Hilde Domin

 

Das erste Mal hörte ich ein Gedicht von Hilde in einem

Seminar. Es ging um Biografie. Das Gedicht hat mich

schwer beeindruckt und darum möchte ich euch heute

dieses Gedicht ans Herz legen.

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