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Posts Tagged ‘Lied’

Schreibe über den Sound, die Farbe, den Geruch/Geschmack von Einsamkeit.

Lullabye

Julies Hände zittern, krampfen sich um das Lenkrad. Sie fährt rechts ran. Der Song erwischt sie eiskalt.

“Goodnight, my angel
Time to close your eyes
And save these questions for another day
I think I know what you’ve been asking me
I think you know what I’ve been trying to say
I promised I would never leave you
And you should always know
Wherever you may go
No matter where you are
I never will be far away
Goodnight, my angel
Now it’s time to sleep
And still so many things I want to say
Remember all the songs you sang for me
When we went sailing on an emerald bay
And like a boat out on the ocean
I’m rocking you to sleep
The water’s dark
And deep inside this ancient heart
You’ll always be a part of me
Goodnight, my angel
Now it’s time to dream
And dream how wonderful your life will be
Someday your child may cry
And if you sing this lullabye
Then in your heart
There will always be a part of me

Someday we’ll all be gone
But lullabyes go on and on…
They never die
That’s how you
And I
Will be …

Die letzten Töne verklingen. Tränen laufen ihr die Wangen herunter, sammeln sich in ihren Mundwinkeln, tropfen auf das T-Shirt. Das Salz wird ihr bitter auf der Zunge. Julie schluckt sie herunter. Hofft, dass die Bitternis den Schmerz überflügelt und endlich heilt.

Er schickte ihr das Lied eines Nachts, als Julies Sehnsucht sie fraß und die Einsamkeit so tiefschwarz war, dass sie dachte, ihr Herz würde brechen. Es beruhigte sie, legte sich, wie seine sanfte Hand, auf ihre Seele.

Doch dann – Dinge geschehen – manche große Lieben dürfen nicht sein. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein ängstliches Herz, Schuld, Verpflichtung. Niemand ist eine Insel. Das Leben geht keine geraden Wege.

„Wir dürfen uns nicht mehr sehen. Sie hat bemerkt, dass etwas anders ist.“

Julie blieb stumm. Sie nickte verständnisvoll. Vor diesem Moment hatte sie sich gefürchtet, gehofft er würde niemals kommen. Sie dachte an die andere Frau, die ältere Rechte hatte, die im Rollstuhl saß und seine Hilfe brauchte. Er hatte sie nicht im Unklaren über seine Situation gelassen. Julie wusste, vorauf sie sich einließ und sie tat es mit ganzem Herzen. Sie wollte ihn und war bereit jede Konsequenz zu tragen.

Julie dachte an den zauberhaften Moment ihrer ersten Begegnung. Sie waren in einem Buchladen zusammengestoßen. Ihr fielen die Bücher aus der Hand. Er hob sie auf. Ihre Blicke begegneten sich. In Julies Brust entzündet sich ein Funke, der ihr Herz in Flammen setzte.

Das Feuer brennt noch immer. Weder Entfernung, Stille, nicht Vernunft änderten etwas daran. Tausend Mal sagte sich Julie, dass es gut war. Besser früher, als später. Doch nichts überdauert länger, als unerfüllte Liebe. Die ungelebten Möglichkeiten, ungetauschten Küsse und Zärtlichkeiten, die unausgesprochenen Liebesschwüre, die nicht durchliebten Nächte, nicht gefühlten Ekstasen. Da war der Traum von etwas anderem. Eine Sehnsucht, die nichts löschen konnte.

Immer wieder sah Julie seine strahlenden Augen, das Lächeln, das ihr Herz im Sturm erobert hatte, vor sich. Sie konnte seine sanfte dunkle Stimme nicht vergessen, seine zärtlichen Lippen und die schönen Hände.

Julie atmete tief durch, wischte sich energisch die Tränen aus dem Gesicht. Er war dort draußen, irgendwo. Sie liebte ihn. Es gab kein Ende ihrer Gefühle.

Unerfüllte Liebe stirbt nicht an Gewohnheiten, Streit und Desillusionierung. Sie mag mit der Zeit ein wenig verblassen, aber am Ende lässt der Gedanke „was wäre gewesen wenn“ einen nicht los.

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Es gibt so Schönes in der Welt

Daran du dich nie satt erquickst

Und das dir immer Treue hält

Und das du immer neu erblickst

Der Blick von einer Alpe Gart

Am grünen Meer ein stiller Pfad

Ein Bach, der über Felsen springt

Ein Vogel, der im Dunkel singt

Ein Kind, das noch im Traume lacht

Ein Sterneglanz der Winternacht

Ein Abendrot im klaren See

Bekränzt von Alm und Firneschnee

Ein Lied am Straßenzaun erlauscht

Ein Gruß mit Wanderern getauscht

Ein Denken an die Kinderzeit

Ein immer waches, zartes Leid

Das nächtelang mit seinem Schmerz

Dir weitet das verengte Herz

Und über Sterne schön und bleich

Dir baut ein fernes Heimwehreich.

                    Hermann Hesse, 1902

 

Die Worte Hermann Hesses sind nun schon 114 Jahre alt und haben nichts von ihrem Zauber und ihrer Wahrheit verloren.

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Poem 15.4

Wünschelrute Original von Eichendorff

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Fälschung von mir

Heute singe ich ein Lied
Sanft zu träumen mich weit fort
Und zu sehen die Welt mit anderen Augen
Liebe ist das Zauberwort

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Es war der glücklichste Augenblick meines Lebens, und ich wusste es nicht einmal … (Orhan Pamuk) 

… ich denke, ich wusste, dass es die glücklichsten Augenblicke meines Lebens waren. Auch wenn damals noch nicht klar war, dass sich alles so rasant verändern würde. Es waren zwei der schönsten Wochen, die ich mit den Mädchen verbrachte. In dem kleinen Haus in Holland, mit der großen Wiese hinter dem Haus, auf der eine Herde Schafe graste. Der Hof lag einer langen Allee aus Weiden. Ich erinnere mich in allen Einzelheiten an das Haus, an unsere kreativen Stunden und das Buch – die fernen Königreiche – das wir fast zweimal gelesen haben. Es ist als wäre es gestern gewesen und dabei ist es beinahe zehn Jahre her.

Ich erinnere mich an viele Dinge, die wir in unseren Zeelandurlauben erlebten. An das Malerfachgeschäft, mit den vielen Büchern über Malerei. Ich könnte sofort einen Grundriss zeichnen, als wäre ich vor einer halben Stunde dort gewesen. Den Spaß, den wir in dem Spielwarengeschäft hatten, in der man sich eine ganze Tüte mit Spielzeug zusammenstellen konnte und dafür nur 10 Euro bezahlen brauchte, egal wie teuer das Spielzeug war.

Und dann ist da noch „Simply Red“ und „Stars“. Das war in dem Urlaub davor, als ich vergaß das Licht am Auto auszuschalten und „Johann“ (den Namen gaben die Kinder ihm) uns Starthilfe gab. Leider funktionierte das Radio nicht mehr, da es mit einer Pinnummer vor Diebstahl geschützt war und ich sie nicht wusste, um es neu zu starten. Hanna hat dann auf der Rückfahrt aus einem Buch vorgelesen. In diesem Urlaub verlor Isa einen Gummistiefel im Watt, er blieb einfach stecken und wir hörten „Ein Königreich für ein Lama“ gefühlte 150 Mal. Wir konnten zum Schluss die Texte fehlerfrei mitsprechen. „Ich habe den königlichen Groove versaut.“ 😉

„Simply Red“, unerheblich mit welchem Lied, bringt die Erinnerungen an diese unbeschwerte Zeit zurück und ich wünschte mir, ich könnte sie wiederhaben. Alles noch einmal erleben. Diese kostbaren Erinnerungen noch einmal aufsaugen. Die Gefühle intensiver, bewusster erleben und abspeichern, damit sie so tief in meinem Gedächtnis sind, dass ich sie niemals vergessen werde. Es gibt noch viele glückliche Erinnerungen, die im Nachhinein an Bedeutung gewinnen, weil man sie aus deiner anderen Perspektive sieht. Sie sind vergangen und kehren nie wieder, dadurch erhalten sie in meinem Herzen diesen goldenen nostalgischen Schimmer.  

Es sind Momente aus meiner Kindheit, meiner Jugend, Begegnungen mit besonderen Menschen. Der erste Blick in die Augen meines Sohnes, und das erkennen einer alten Seele. Das sanfte Wesen meiner ältesten Tochter, einem glücklichen Sonntagskind, dass die Herzen im Sturm erobert. Den starken Willen meiner zweiten Tochter, einem Feenwesen mit rotgoldenen Locken und der zugewandte, pfiffige, mitfühlende Charakter meiner Jüngsten.

Ich bedauere, dass viele dieser kostbaren Momente von einem silbrigen Schleier umgeben sind, undeutlich geworden. Eingesponnen in einen Kokon. Manchmal gelingt es, den einen oder anderen zu zerrreißen und die Erinnerung zu beleben. Aber immer deutlicher sehe ich die Tage kommen, an denen es das Einzige ist, was bleibt.

Das ist des Menschen Sinn. Wir bemerken das Glück, dass wir jeden Tag genießen erst, wenn es vorbei ist, selbst wenn es riesengroß vor unseren Augen steht. Es ist leichter gesagt, als getan, das Glück des Augenblicks zu schätzen. Gerade in der heutigen hektischen Zeit, in der alles schnell gehen muss, und am besten schon gestern erledigt worden sein sollte. Mir gelingt es kaum, auch wenn ich es weiß und mir immer wieder sage, dass ich achtsam sein will. Das Schreiben ist eine Hilfe wenigstens einen Teil des Glücks zu bannen, so flüchtig es auch sein mag.

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Das Schlimmste, das einem Schriftsteller passieren kann: nicht schreiben zu können. Nicht aus Mangel an Einfällen oder aus Unlust. Das ist es nicht. Nein es ist das Leben, das mich hinderte. Qualvoll 1000 Worte im Kopf zu haben und nicht in Sätze fassen zu können, weil ich mich in meinen Gedankenlabyrinthen verlaufen habe. Mir meiner Unzulänglichkeit bewusst zu sein, mich für nutzlos zu halten.

Ein Künstler ist sich nur zu oft seiner Schwächen bewusst. Im Zustand der Untätigkeit um so mehr. Zu schreiben ist der Himmel, auf Wolken gehen, mit den Vögeln zu fliegen, in die Tiefen der Ozeane zu tauchen.

Schreiben ist lieben. Lieben wie im Rausch des ersten Verliebtseins. Immer wieder lieben. Jede Zeile Liebe, wie beim ersten Mal. Wortemelodien weben, auf Wortteppichen gehen. Lieben.

Tausendmal verliebt sein, wer kann das schon von sich sagen? Ich liebe immer wieder. Ein Paar schöne Augen, ein Lächeln, eine Stimme, die mich betört, Hände mit schönen Fingern, ein Mund, der alles verspricht. Eine Blüte, Blau, Wogen, eine Perle, der Wind, Regentropfen, der Geruch von Erde, frischem Gras, eine Melodie, die sich in dem einen magischen Moment mit meinen Gefühlen verbindet. Es gab eine Geschichte, bei deren Schreibprozess ich nur eine Band hörte. Beinahe vier Wochen lang.

Ich muss lieben, ob glücklich oder unglücklich spielt keine Rolle. Die Musen fragen nicht danach, was ich will. Sie geben und ich muss nehmen. Auch unglückliche Liebe ist Liebe. Die Musen geben dir einen Wink und du wirst aus Tränen Gold spinnen, wenn sie es bestimmen. Ich muss mich nur verlieben und wie von Zauberhand öffnen sich die Schleusen und schütten Worte aus. Segen oder Fluch. Ich frage mich nicht mehr. Es hat lange genug gedauert, es zu akzeptieren. Solange der Fluss nicht unterbrochen wird, ist alles andere unwichtig.

Ich mache mir kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich verliebt bin und meine Musen küsse. Mein Herz schlägt zum Zerspringen. Ich spüre keinen Hunger, keine Zeit, keine Müdigkeit. Aus meinem alles verschlingenden Rausch tauche ich erst wieder auf, wenn das letzte Wort geschrieben ist. Dann erfahre ich das schrecklichste Gefühl der Welt: verlassen zu werden.

Sie verlässt mich. Meine große Liebe geht und das Furchtbare ist, ich bin schuld daran. Ich kann es nicht aufhalten. Ich schreibe und schreibe. Wort für Wort, Blatt für Blatt. Ich liebe mit allem, was ich bin. Meinem Geist, meinem Körper und meiner Seele. Bis zu dem letzten Punkt. An dem mir das Herz bricht. Auf jede große Liebe folgt großes Leid. Immer wieder. Daran kann man sich nicht gewöhnen. Ich habe schon überlegt, mich nicht mehr zu verlieben, aber wer kann sich nicht verlieben? Ich kann mich nicht, nicht verlieben. Es passiert und ich tu`s. Ohne nach den Konsequenzen zu fragen.

Was würde ein Therapeut dazu sagen? Lasst mich überlegen:  – „Wie geht es ihnen damit?“ – „Super!“ – „Wie fühlen sie sich?“ – „Wie die Königin der Welt.“ – „Wie wollen sie damit umgehen?“ – „Ehrlich gesagt: gar nicht.“

Gut, ich leide mit meinen Figuren bis zum Herzzerbrechen, aber ich tanze auch mit ihnen. Ich leide, wenn die Geschichte zu Ende ist, aber ich weiß, Liebe ist unerschöpflich. Ich trauere und verliebe mich wieder, und wieder. Am liebsten bis in alle Ewigkeit. Aber die ist auch uns Schriftstellern nicht beschieden, bei aller Liebe. Bis auf das klitzekleine Bisschen, das in unserer Kunst überlebt. Jedes Wort, das gelesen, jedes Bild, das gesehen, jedes Lied, das gehört wird, bedeutet Liebe und ein kleines Stück Unsterblichkeit.

Wer sich den Musen hingibt, weiß was für ein Wahnsinnsgefühl das ist. Es macht süchtig! Einmal angefangen kann man nicht mehr aufhören. Keine Droge versetzt dich in so abgehobene Gefilde, wie die Kunst – bis auf die Liebe. Liebe füllt alles – Herz, Körper, Verstand.

Und endlich !!! bin ich wieder verliebt. Verliebt in dieses besondere Lächeln, den besonderen Blick, den frühen Morgen, die Stille der Nacht, die Sehnsucht, in die Freude, den Sturm, den heimlichen Kuss. Endlich wieder verliebt in das Schreiben.

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Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

                                             Josef von Eichendorff

Aus diesem Gedicht habe ich pro Zeile zwei Worte geborgt und eine neues Gedicht geschrieben:

„Heute singe ich ein Lied

Sanft zu träumen mich weit fort

Und zu sehen die Welt mit anderen Augen

Liebe ist das Zauberwort“

Das ist eine Schreibanregung aus dem Surrealismus. Probiert es doch auch einmal aus.

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