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Posts Tagged ‘Lebensunterhalt’

„Mary Flinn, du bist dumm, wenn du ihn nicht heiratest.“

Mary sah Tante Agatha mit gleichgültigem Gesichtsausdruck an. Dies war der dritte Bewerber in zwei Wochen, den sie ihr vorgestellt hatte. Einer schlimmer, als der andere. Alle Anwärter waren mit einem ansehnlichen Vermögen ausgestattet und bereit Mary zu ehelichen, obwohl diese keinen Penny besaß. Das war einerseits kein Wunder, denn Mary Flinn war eine außerordentliche Schönheit. Andererseits stellte es ein Problem dar, denn sie war ebenfalls klug und eigenwillig. Mit Nachdruck hatte sie ihrer Tante erklärt, dass sie keinen Mann heiraten würde, den sie nicht liebte und respektieren konnte.

Die ersten beiden Brautwerber waren einfältige Schwätzer, viele Jahre älter und so völlig ohne Manieren, dass es Mary eiskalt den Rücken herunterlief. Der dritte machte auf den ersten Blick einen angenehmen Eindruck, aber Mary merkte aus seinen Äußerungen recht schnell, dass er Frauen als notwendiges Übel betrachtete, um zahlreichen Nachwuchs zu bekommen. Als er erwähnte, dass seine Mutter sie auf Herz und Nieren prüfen würde, bevor ein Ehevertrag zustande käme, lehnte sie dankend ab. Dieser entwürdigenden Prozedur würde sie sich niemals unterziehen.

„Du hast noch eine Chance! Entweder willigst du bei dem nächsten Bewerber ein oder du verdienst dir deinen Lebensunterhalt auf der Straße“, sagte Tante Agatha spitz, „meine Gutmütigkeit hat ein Ende!“

Sie drehte sich um, verließ das Zimmer und schloss die Tür mit einem lauten Krachen. Mary zuckte mit keiner Wimper.

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„Ich lebe, um zu schreiben.“

Katherine Mansfield

Ich kann Katherine zu 100 Prozent zu stimmen. Egal, wie gut oder schlecht meine Texte sein mögen, ob sie „veröffentlicht“ werden oder nicht. Schreiben ist das, was ich tun will. Nicht mehr, nicht weniger. Mich darüber freuen einen geneigten Leser zu finden, der meine Texte liest und für ein paar Minuten die Zeit vergisst.

Seid ich meinen neuen Job habe, rotiere ich an allen Fronten. Ich habe nette Kollegen und die Arbeit macht mir Spaß. Trotzdem schmerzt es mich, dass ich sehr viel weniger Zeit zum Schreiben habe und in der Zeit, die ich habe müde oder geistig erschöpft bin. In mir ist eine innere Unruhe und Nervosität, die sich nur vertreiben lässt, wenn ich schreibe oder in anderer Hinsicht kreativ sein kann.

Im Gespräch mit einer Freundin, sagt sie: „Ich wäre dankbar, wenn ich wieder etwas Routine in meinem Leben hätte.“ Eins der Dinge, die man oft verachtet. Routine – laufen im Hamsterrad des Lebens – nein, das will niemand und doch, auch ich bin dankbar für eine gewisse Arbeitsroutine, die sich langsam einstellt. Sie enthebt mich des ständigen Nachdenkens. Wie war das nochmal? Machst du alles richtig? Hast du nichts vergessen?

Ich lebe nicht, um zu arbeiten. Ich lebe, um zu schreiben! Darum habe ich eine Arbeit gewählt, die mir so viel freie Zeit zum Schreiben wie möglich gibt und trotzdem meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Ganze ist ein Teufelskreis. Hab ich Zeit und kann schreiben, muss ich mir Gedanken machen, wie ich den nächsten Monat rumbringe. Hab ich Arbeit, die mir ermöglicht nicht jeden Euro zweimal umzudrehen, habe ich wenig Zeit und mein Kopf ist voll mit „unnützen“ Gedanken.

Doch am Ende des Tages zählt nur eins: Schreiben. Jedes Wort, jeder Satz, vielleicht ein Absatz oder eine Seite lässt mich aufatmen – lässt mich atmen. Luftholen! Aussteigen aus dem Hamsterrad, einsteigen in das Reich meiner Fantasie.

Ich lebe, um zu schreiben! Und schreibe, um zu leben. Das eine bedingt das andere. Ich schreibe, um einem geneigten Leser und mir selbst einen Moment des Luftholens zu verschaffen. Und so wird es bis zum Ende bleiben. Mein Leben ohne Schreiben ist möglich, aber undenkbar.

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Ich halte mich im Schatten. Immer dicht an der Wand entlang, husche ich lautlos weiter. Außer dem Plätschern der wasserspeienden Löwen sind keine Geräusche zu hören. Ab und an schreit ein Nachtvogel im nahen Wald.

Mein Herzschlag beschleunigt sich. Das ich meinen Lebensunterhalt mit Einbruch und Diebstahl bestreite, mag befremdlich erscheinen, ist aber sehr lukrativ, doch in ein Kloster einzubrechen gehört zu den unrühmlichsten Dingen, die ich je für einen Auftraggeber erledigen musste. Ich bin kein gläubiger Mensch, allerdings habe ich auch das, was man einen Ehrenkodex nennen könnte.

Der Einbruch selbst ist diesmal einfach. Das Kloster ist frei zugänglich und das Kirchenportal zu knacken ein Klacks, wie ich bei meiner Recherche feststellte. Doch dann wird es schwierig. In der Krypta gibt es eine besondere Deckplatte, hinter der sich das Kleinod versteckt, an dem meine Auftraggeber interessiert sind.

Laut alten Aufzeichnungen gibt es einen Mechanismus die tonnenschwere Platte von ihrem Platz zu schieben. Den gilt es in der Dunkelheit zu finden.

Ich drücke sacht auf die Klinke der Kirchentür und stemme mich gegen den massiven Türflügel. Sie gibt nach, ist nicht verschlossen. Für einen Moment stutze ich. Dann schiebe ich mich durch den Spalt und schließe sie so leise, wie möglich. Ich halte einen Moment inne und lausche in die Finsternis. Nichts zu hören. Ich schalte meine Taschenlampe an.

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