Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Leben’

Lea saß auf einem umgekippten Baumstamm und sah zu, wie Sam mit einem mächtigen Vorschlaghammer auf die Mauer einschlug. Er hatte das Ding fluchend durch den Wald getragen, bis zu der zugemauerten Höhle.

btr

Auf dem Weg dorthin hatte Lea überlegt umzudrehen und wegzulaufen. Sam hätte sie mit dem Hammer niemals eingeholt. Nun war es zu spät. – Nein, habe ich gesagt, nein! Aber er wollte nicht hören. Erinnerst du dich an das letzte Mal? Habe ich gesagt. Wir sind nur durch einen unglaublichen Zufall dem Sensenmann von der Schippe gesprungen, habe ich gesagt. Warum lasse ich mich nur immer wieder von Sam zu solchen Himmelfahrtskommandos überreden? Weil er dein ältester Freund ist. Selbst Schuld. Dabei habe ich mir geschworen: Keinen Rückfall mehr! –

Lea fröstelte. Sie schaute auf die Uhr. Halb sechs. – Es dauert nicht mehr lange, bis es dunkel wird. – Sie sehnte sich nach der Wärme in ihrem Labor, der Kaffeemaschine in ihrem gemütlichen Büro im Museum. Es war sicher, trocken und völlig ungefährlich, es sei denn, sie schnitt sich in den Finger. Lea liebte ihre Arbeit als Archäologin und Restauratorin. Im Museum und in der Feldforschung. Nur mit Sam, war es jedesmal ein Abenteuer auf Leben und Tod. – Bitte, ich brauch dich. Du bist die einzige, die mir helfen kann. Hat er gesagt. Du kannst mir sagen, ob es wirklich alt ist oder nicht. Diesmal ist es völlig ungefährlich. Es wird nichts Schlimmes passieren. Hat er gesagt. –

Der Hammer krachte gegen die Mauer. Steine polterten.

„Ich bin durch!“ Sam riss Lea aus ihren Gedanken, bevor sie den Teil mit dem Tod näher durchdenken konnte.

Read Full Post »

Der Schreibtisch ist leer. Keine Notizzettelchen, keine Schmierblätter oder Ähnliches. Das Buch ist fertig. Kein Grund die Überreste liegen zu lassen, was geschrieben ist, ist geschrieben und was fehlt, wird nicht hinzugefügt werden. Sollte da noch etwas sein, dann wird es in einem anderen Buch auftauchen oder im Notiznirwana landen.

Pinnwand

Das beunruhigt mich nicht. Ich habe so viele Ideen, dieses Leben wird nicht reichen, aus allen Romane zu machen. Mit einem fertigen Buch haben sich Ideen für weitere ergeben. Ich gebe zu, ich bin nicht die schnellste Schreiberin. Es gibt so viel, das ich tun möchte und mit dem ich mich beschäftige – davon abgesehen, dass ich auch ab und zu mal arbeiten muss und Zeit mit meinem Mann (und Freunden) verbringen möchte.

Die Kinder sind aus dem Haus und ich habe den Zustand erreicht, in dem ich Dinge tun kann, die ich mir schon immer gewünscht habe. Reisen, lernen, Museen besuchen, Fotografieren, mich mit Kunst beschäftigen und welche machen – und Bücher schreiben.

Nach Gesprächen mit sehr fleißigen Kollegen habe ich festgestellt, dass ich trotz mehrerer Bücher immer noch sehr intuitiv schreibe. Es gibt Luft nach oben, bei Planung, Recherche usw. Ich arbeite daran. Schreiben ist meine Leidenschaft und ich werde nicht damit aufhören, solange ich es kann. Und so wird es ein neues Buch geben.

Pinnwand voll

Die Geschichte steht, sie ist schon weit fortgeschritten, ein großer Teil der Recherche ist gemacht, und ich freue mich darauf sie zu Ende zu schreiben. Nach den Erfahrungen mit dem letzten Buch wird es sicher schneller fertig werden. Immerhin, es gibt weitere Romane, Geschichten und Gedichte zu schreiben.

Doch es gibt noch etwas anderes: Den Wind auf der Haut, das Rauschen des Meeres und die Stille hören, das Blau des Himmels sehen, Lieben und Leben. Freude!

Read Full Post »

„Wird Mister James Warner die Nacht hier verbringen?“ fragte Nadine spitz.

Sie legte mir die kostbare Perlenkette um. Im Spiegel konnte ich ihren missbilligenden Blick sehen. Ich hatte bemerkt, dass meine Zofe ebenfalls gewisse Gefühle für Mister Warner hegte. Nun, das war der kleine Unterschied, ich besaß die Mittel und die Verbindungen, um mir diese Liaison zu gönnen.

„Natürlich, wird er die Nacht hier verbringen“, erwiderte ich mit einem wissenden Lächeln, „obwohl ich gedenke, es ihm nicht so leicht zu machen.“

Eine Witwe Mitte Zwanzig zu sein, die einen steinalten reichen Mann überlebte, war keine Kunst. Die Kunst bestand darin, mir das Leben zu nehmen, dass ich wollte, ohne auf die schönen Augen der Männer hereinzufallen, die es auf mein ehrlich verdientes Vermögen abgesehen hatten und mich ein paar Wochen nach der Hochzeit mit einer 16-Jährigen betrogen.

Nadine schnaubte hörbar. Ich ignorierte es geflissentlich und dachte ernsthaft darüber nach eine neue Zofe einzustellen. Leider war gutes Personal rar gesät. Ich drehte mich zu ihr um.

„Liebe Nadine, wenn du deine Stelle nicht an eine andere verlieren möchtest, halte deine Unmutsäußerungen zurück!“, sagte ich ruhig, aber bestimmt, „nicht jeder schöne Mann, ist auch ein guter Liebhaber. Auch wenn Mister Warner dieser Ruf vorauseilt. Er muss sich mein Urteil erst noch verdienen.“

Nadine zog die Augenbrauen zusammen.

„Aber Mylady, sowas gehört sich nicht“, begehrte sie auf.

„Sagt wer?“, ich musste lachen, „die ehrenwerten Herren, die es heimlich mit jedem Rock treiben, und die vertrockneten Damen der Gesellschaft?! Lass sie reden, Nadine. Wenn sie könnten, würden sie dasselbe tun. Ich bin eine ehrbare Witwe. Ich besitze genug Geld, mich nie wieder unter Wert an einen Mann verkaufen zu müssen!“ Ich verbarg meinen Zorn, über den Kuhhandel meines Vaters hinter einem Lächeln. „Ich nehme mir, was mir gefällt. Und ich darf behaupten, ich habe einen exquisiten Geschmack, was die Männer in meinem Boudoir angeht.“

„Und was ist mit der Liebe?“, diesmal klang Nadine kleinlaut.

Ich seufzte.

„Liebes Kind, ich verstehe deine Gedanken. Aber Liebe ist nichts weiter als eine romantische Vorstellung, die Dichter uns eingetrichtert haben. Am Ende zählt, was du bist, hast und geben kannst.“ Ich hielt kurz inne. „Glück ist, wenn du einen Menschen triffst, der dir ebenbürtig ist. Da hält sich Geben und Nehmen etwa die Waage. Und ich gebe zu, die Illusion habe ich in unserer degenerierten Gesellschaft aufgegeben.“

Nadine zuckte mit den Schultern. Sie huschte hinaus, um Mister Warner in den Salon zu geleiten. Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel. James Warner sollte diese Nacht nie wieder vergessen, auch wenn es die erste und letzte Nacht in meinem Bett sein würde. Ich hatte meine unumstößlichen Prinzipien. Verlieben kam in meiner Lebensplanung nicht vor! Nie wieder.

Read Full Post »

„Ich bin glücklich“, sagte er nachdrücklich.

Sein strahlendes offenes Lächeln, das mein Herz jedes Mal höherschlagen ließ, schmolz zu einem pragmatischen Geschäftsgrinsen zusammen. Es erreichte seine Augen nicht ansatzweise.

Ich sah ihn aufmerksam an. Seine ganze Haltung deutete Spannung an. Die Lippen leicht gepresst, die schlanken Finger ineinander verschlungen.

„Ich bin glücklich“, widerholte er.

Es klang trotzig.

Ich überlegte, was ich darauf sagen sollte. Die beiden zusammenzusehen hatte mir einen Stich versetzt. Ich versteckte es. Wer war ich, dass ich ihm sagen durfte, was ich sah? Ich kannte ihn und kannte ihn nicht, aber ich spürte die Spannung und das Machtgefälle zwischen den beiden, dass nicht zu seinen Gunsten ausfiel.

Eine Erfahrung, die ich nur allzu gut kannte. Hatte ich mich in meiner Ehe nicht ebenfalls oft genug angepasst, um den Frieden zu wahren und nicht aufs Spiel zu setzen, was ich als mein Leben oder meine Zukunft betrachtete? Ich wusste nur zu gut, wie es sich anfühlte, wenn aus Liebe Nett sein, aus Leidenschaft Gewohnheit wurde, gepaart mit Bequemlichkeit und der Sicherheit eines goldenen Käfigs.

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, hörte ich den Satz, den mir meine Mutter immer wieder vorgebetet hatte und erkannte erst spät, dass ich selbst lieber Taube, als Spatz sein wollte.

Ich fing seinen dunklen Blick auf, der mir unter anderen Umständen eine Gänsehaut über den Körper gejagt hätte.

„Sag mir was du denkst!“, forderte er mich auf.

Vermutlich sah er die Gedanken auf meiner Stirn geschrieben, wie dunkle Wolken, die Vorboten eines Gewitters.

Ich zuckte mit den Schultern.

„Was soll ich dir sagen? Du sagst, du bist glücklich.“

„Aber du glaubst mir nicht.“

Es war eine Feststellung, keine Frage. Ich schwieg. Wie konnte ich das ernstlich glauben? Seine Küsse, seine Berührungen, das, was er mir anvertraut hatte – er und ich – es kam mir vor, als hätte es niemals jemand anderen gegeben – nur er und ich. Aber ich war meiner selbst nicht sicher. Liebe ist ein Januskopf. Man sieht was man sehen möchte und das Herz sagte mir, du liebst ihn, du hältst es aus, auch wenn er gebunden ist und du ihn niemals für dich haben kannst – und dann…?

„Ich werde nicht an deinem Kartenhaus rütteln“, sagte ich ruhig, „aber ich glaube dir nicht, das ist wahr.“

An seinem Blick konnte ich erkennen, dass er ärgerlich war. Es erstaunte mich immer wieder, wie gut wir uns lesen konnten. Obwohl wir so wenig übereinander wussten, war da ein geheimes Verständnis, dass uns ein Gespür für die Stimmungen des anderen gab.

„Dann kannst du mir auch sagen, wie du darauf kommst!“, seine Stimme klang gereizt, „glaubst du, ich lüge dich an?“

„Nein. Es ist keine Lüge, sondern dass, was du glauben willst“, ich hielt inne. Einfach den Mund halten, ermahnte ich mich und dachte, würdest du dir die Wahrheit eingestehen, könntest du so nicht mehr leben. Die Sehnsucht nach der Welt hinter dem Horizont würde dich auffressen und das Gefühl machte einen kaputt. „Ich habe wirklich genug gesagt. Du willst kämpfen, dann tu es. Du bist glücklich. Gut.“

„Was hast du dagegen einzuwenden?“, fragte er und beugte sich etwas vor.

Mein Herz schlug schneller. Wenn er mir so nah war, fiel er mir schwer klar zu denken. Sein Duft benebelte mir das Hirn und ich wollte nur eins, mit ihm ins Bett gehen und jedes Tabu brechen.

„Wenn man um eine Beziehung kämpfen muss, läuft was schief“, rutschte es mir heraus.

Verdammt! Sei endlich still, schalt ich mich.

„Aber sie ist nett!“, warf er dazwischen.

Ich atmete tief durch. Ja, nett, dachte ich, aber Liebe? Liebe ist nicht nett. Liebe ist alles. Konnte er wirklich lieben? War ich es, die mehr in ihm sah, als da war? Konnte er eine einzige Frau lieben, leidenschaftlich, mit Haut und Haar. Konnte er eine Frau entdecken, ihre Höhen und Tiefen erforschen, ohne oberflächlich verliebt zu sein und gleich zur nächsten verführerisch winkenden Blüte zu gaukeln, wie ein betrunkener Schmetterling in der Sommersonne, geblendet und unfähig die Schönheit einer tiefen innigen Liebe zu erkennen, die freiwillig gab und den anderen so nahm, wie er wahr und dadurch ein Universum an Leidenschaft öffnen konnte?

Ich gab mir einen Ruck und lächelte.

„Ja, sie ist nett“, sagte ich, aber sie behandelt dich, wie einen ungezogenen Jungen, der sich zu weit von der schützenden Mutter entfernt hat und dem sie die Leviten lesen muss, damit er wieder in der vorgegebenen Spur geht. In meiner Fantasie hatte sie ihm ein Gängelband angelegt, an dem sie ihn jederzeit zurückzerren konnte.

Andererseits, das eine bedingte das andere. Zu einer Beziehung gehören zwei, einer, der es tut und einer, der es geschehen lässt. Eine Erkenntnis, die ich gerade erst selbst gemacht hatte. Und ich war diejenige, die es mit sich machen ließ. Deswegen verstand ich es so gut, wenn er von Freiheit sprach.

Wer war ich, dass ich vorwegnehmen durfte, was er vielleicht irgendwann erkennen würde? Und wenn er es nie erkannte, dann war es auch nicht an mir, die Karte aus dem Stapel zu ziehen. Es lag in seiner Verantwortung seine Verstrickungen zu erkennen und wenn er die Fesseln nicht abwerfen wollte, war dies ebenfalls seine Entscheidung. Egal, wie sehr ich ihn liebte, es war nicht mein Leben, es war seins.

„Ja, sie ist nett. Wir haben uns was aufgebaut, das will ich nicht verlieren“, wiederholte er sein Argument.

Ich nickte. Wer weiß, was morgen ist, dachte ich, Carpe diem, lagen mir die Worte auf der Zunge. Ich schluckte sie herunter.

“Sei glücklich”, sagte ich, beugte mich zu ihm herunter und küsste ihn sanft auf den Mund. Ich liebe dich, mehr als du je wissen wirst, dachte ich und sagte, „Ich werde dein Kartenhaus nicht stürzen.“

Erstaunt sah er mich an. Ich wendete mich ab und ging schnellen Schrittes davon. Meine Tränen sollte er nicht sehen.

Read Full Post »

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…

R.M.Rilke

Read Full Post »

Das folgende Gedicht, liegt nun seit Tagen auf meinem Schreibtisch. Wenn ich es lese sehe ich mich in eine laue Sommernacht versetzt. Leider fern von dem Geliebten, der Melancholie preisgegeben.

Mitternacht

 

Die Sterne sanft wie Blumen und so nah;

Die Hügel Schattennetze, trägt gewebt;

Kein Einzelblatt, kein Halm, weil alles da

Als Eines lebt.

Kein Mondstrahl schneidet Luft; ein Saphirblau

Erschimmert und erlöscht dann unbewusst.

Und Spitzes sticht in dieser Nacht so lau

Nur in der Brust.

 

Dorothy Parker

Read Full Post »

Die Frage ist gestellt

Ohne Worte steht sie im Raum

Ist es Illusion

Ist es Wirklichkeit

 

Zerbrech ich die Welt

Zerbricht sie mich

Fürchte das Beste

Und das Schlimmste

 

Stürzt der Himmel ein

Stürze ich in den Himmel

Rette ich meine Haut

Verbrenn ich mir die Flügel

 

Dreh ich um

Geh ich weiter

Ich drehe mich im Kreis

Stillstand gibt es nicht

 

Guter Rat ist zu teuer

Vom Leben zu wenig übrig

Zeit spielt eine Rolle

Niemand kennt das Morgen

 

Keine Götter

Nicht Schicksal oder Zufall

Lassen Würfel fallen

Die Knochen brechen

 

C`est la vie

That`s life

Asi es la vida

So spielt das Leben

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: