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Posts Tagged ‘Lachen’

Folgend die Worte aus der letzten Schreibrunde vom Samstag: Zeitreise, gleichmäßig, Eieruhr, Unendlichkeit, Mitternacht, die ich mir selbst eingebrockt habe, da sie in meinem Mindmap standen 😉 .

Hier mein kleiner Text, in dem alle Worte, bis auf Mitternacht, vorkommen:

Zeit ist unendlich, gleichmäßig, monoton. Tick, tack, tick, tack. Zeit kommt nie aus der Puste. Egal wie sehr wir hetzen und jagen, die Zeit läuft nicht mit. Tick, tack, tick, tack.

„Diese blöde Eieruhr macht mich nervös“, schreit Markus, springt auf und wirft die Küchentür geräuschvoll hinter sich zu.

„Und du machst mich nervös“, murmelt Sandra.

Sie starrt auf das brodelnde Wasser, schaut zu wie die Eier von den heißen Blubberblasen hin und her geschubst werden. Die Eieruhr klingelt. Sandra nimmt den Topf vom Herd, gießt das Wasser ab und stellt den Topf auf die Spüle.

Unschlüssig steht sie da, hebt den Blick, schaut aus dem Fenster. Blätter fallen, vom Wind losgerissen, segeln davon. Wie lange ist es her, dass Markus und ich Spaß hatten, denkt sie und erinnert sich an lange Winterabende eingekuschelt in dicke Decken, Küsse, geflüsterte Liebesworte. Davon ist nichts geblieben. Markus lief der Zeit hinterher. Ständig im Stress, immer mit wichtigen Dingen beschäftigt.

„Ich muss up to date sein“, hört sie ihn genervt sagen. „Jetzt ist gleich schon vorbei und ehe ich mich versehe haben die anderen mich ausgebootet und ich stehe auf der Straße. Und wer kauft dir dann deine Klamotten und bezahlt deine Reisen?“

Sandra denkt an die kleine zwei Zimmerwohnung. Gemütlich war es da. Sie hatten wenig Geld, aber sie hatten einander. Mit jedem Schritt auf der Karriereleiter musste die Wohnung größer werden, das Auto schneller, die Kleidung teurer. Was sollten die Kollegen denken, wenn er nicht mithielt?

Sie hatten nicht nur die Zeit verloren, sie hatten sich auch in der Zeit verloren.

Sandra betrachtet die Eieruhr. Ein gelbes Küken, mit rotem Schnabel. Markus hatte sie ihr damals geschenkt. Sie wohnten gerade ein paar Wochen zusammen.

„Hier mein Schatz, damit du nicht immer zu harte oder zu weiche Eier kochst“, hatte er lachend gesagt und sie stürmisch geküsst.

Sandra konnte nicht zählen, wie oft sie versucht hatte Markus zu bremsen, ihn an ihr Gestern zu erinnern und wie das Morgen sein könnte. Irgendwo in einem kleinen Haus, an irgendeinem Strand oder auf irgendeinem Berg. Wieder das haben, was wirklich zählte. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, würde sie sich eine Zeitreise wünschen, zurück an den Anfang.

Sandra öffnet das Fenster, greift sich die Eieruhr und wirft sie in hohem Bogen hinaus. Sie schaut ihr nach. Ein gelbes Küken, das wie ein Komet durch den Garten rast und irgendwo aufschlägt.

Sandra muss lachen. Ein Kükenkomet. Es ist an der Zeit ihrem Stern zu folgen.

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„Leben Sie so intensiv Sie können. Alles andere ist ein Fehler.

Was Sie im Einzelnen tun ist nicht so wichtig, solange sie nur wirklich leben. (!!!)

Was haben Sie gehabt, wenn Sie vom Leben nichts gehabt haben?

Was man verpasst hat, ist dahin.

Täuschen Sie sich nicht. Jede Zeit, von der man das Glück hat, sie noch zu erleben, ist die richtige Zeit.

Leben Sie. (!!!)“

Henry James 1903

Was für Herny James vor über 110 Jahren galt, gilt heute in diesen unruhigen Zeiten umso mehr. Wenn wir die Möglichkeit des Lebens in diesem Moment nicht nutzen, könnten wir es Morgen schon bereuen.

Es gibt diesen schönen Spruch, der uns so leicht über die Lippen geht: Man bereut am Ende seines Lebens das, was man nicht getan hat und nicht das, was man getan hat.

Der Spruch ist nicht nur schön daher gesagt, er ist wahr. Das Jagen nach Geld und Gut, der Ärger über andere Menschen, unötige Hektik nützen uns nichts. Wenn wir am Ende unseres Lebens angekommen sind, egal wann es sei, ist es sicher nicht, das Büro, an das wir uns gerne erinnern. Sondern es sind die schönen Dinge, die wir erlebt und getan haben.

Erfülle Deine kostbare Lebenszeit mit schönen Dingen. Es gibt nur einen einzigen Moment, in dem Du etwas erleben kannst: Und der ist jetzt!

Lebe, liebe, lache und genieße jede Sekunde!

„Ich will reisen so weit ich kann,

bis zur Freude in meiner Seele,

will meine Grenze weiter ziehen

und fühlen, wie ich wachse;

will leben, dasein, „sein“

und die Wahrheit in mir hören.“

Doris Warshay

 

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Kette, Melodie, Sturz, Traum, lachen, Bonbon

 

Melodien erfüllen die Luft

Ketten aus Tönen perlengeschnürt

Verfangen sich in den blühenden Bäumen

Kinderlachen vermischt mit bunten Bonbonträumen

Sonnenstrahlen stürzen über Wolkenränder

In einen wundervollen Frühlingstag

 

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Zeit rinnt
Durch meine Finger
Meine Seele
Füllt meine Erinnerung

Du und ich
Damals
Heute

Zeit ändert mich
Zeit ändert nicht dich
Will dich halten
Will gehen

Zeit rinnt
Durch mein Leben
Folge dem roten Faden

Muss gehen, laufen, springen
Muss lachen, weinen, singen
Muss lieben, trauern, atmen

Zeit rinnt
Die letzten Jahre
Gehen im Flug
Kann nicht mehr warten

Es wird Zeit
Die Zeit zu nutzen
Ehe es zu spät
Der letzte Schlag verklungen

Herz über Kopf
Ich liebe dich
Kann nicht bleiben
Liebe mich
Lass mich gehen

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Text meines Mitschreibers auf der Rückseite der Postkarte:

„Tom spürte nicht, wie hart der Stuhl war. Auch nicht die Kälte, die von den Bäumen auf ihn herabzufallen schien. Er spürte nur die Wut (der letzten Tage), die sich in seinem Unterbewusstsein eingenistet hatte und nun jede Faser seines Körpers im Griff hatte.“

– Warum hat sie mir nichts gesagt? Zig mal habe ich
nachgefragt, weil ich das Gefühl hatte, irgendetwas stimmt nicht, aber sie hat nichts gesagt. Immer nur: alles Ok. –

Und am Morgen beim Frühstück, Tom biss gerade in sein Brötchen, sagte Franziska so ganz nebenbei: „Ich bin schwanger, das Kind ist nicht von dir.“

Tom war total perplex. Er konnte nicht kauen, nicht schlucken und den Bissen nicht ausspucken. Während Franziskas Worte immer wieder durch seine Gedanken rasten, löste sich der kleine Weizenklumpen in seinem Mund einfach auf.

Tom sprang so heftig vom Stuhl auf, dass er umfiel. Er stapfte mit harten langen Schritten über die Wiese, ratschte mit den Füßen durch Laubhäufchen, die unter seinen Tritten zerstoben.
„Scheiße, Scheiße, Scheiße!“, brüllte Tom die Worte gegen die Bäume.

In seinem Inneren kochte es. Er spürte die Wut wie eine heiße rote Flüssigkeit in sich aufsteigen. Die Welle lief seinen Bauch hinauf, über seine Brust, den Hals bis zu seinem Gesicht. Sie erreichte die Augen und Tom konnte es nicht mehr aufhalten. Tränen rannen über seine Wangen. Regelrechte Tränenströme. Tom konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal geweint hatte, aber er war sich sicher, dass es nie so heftig gewesen war. Der Anfall schüttelte seinen schlanken hochgewachsenen Körper.

„Ich wollte ein Kind mit ihr! Sie wollte ihre Freiheit, Karriere machen! Scheiße, verdammte Scheiße!“, schrie er, „und jetzt kriegt sie ein Kind von einem dahergelaufenen Idioten.“

Franziska hatte ihm erklärt, es wäre nur ein One-night-Stand gewesen, aber sie wollte das Kind behalten. Mit ihm oder ihn, es wäre seine Entscheidung.

Tom dachte an ihre Hochzeit vor drei Jahren. – Der schönste Tag im Leben – ein bitteres Lachen brach aus ihm heraus – so ist es wohl. Seitdem ist es stetig bergab gegangen und erreicht jetzt den Tiefpunkt. – Meine Entscheidung! –

Es war seine Entscheidung und sie fiel nicht zu Gunsten eines gemeinsamen Lebens mit Franziska aus.

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„Refugium für Schriftsteller, ruhige Zimmer, lang oder kurzfristig zu mieten. Gemeinsames Dinner, kein Gesellschaftszwang.“

Ich lese die Zeilen der Annonce ein weiteres Mal. Das ist die Gelegenheit. Endlich raus hier. Keiner der anruft, der plötzlich vor der Tür steht und mir sein Herz ausschütten will. Kein Chef, der Doppelschichten fordert, weil wir uns mit dem Geschäft identifizieren müssen. Ich zögere. Das Geld das mir mein Bruder Frances hinterlassen hat, ist meine einzige Sicherheit. Andererseits, wenn nicht jetzt, wann dann? Ich will endlich meinen Roman schreiben, ohne mich um den ganzen Alltagskram zu kümmern.

No risk, no fun, höre ich meinen Bruder sagen. Das war sein Motto. Nur wer etwas riskiert, muss sich am Ende nicht die Frage stellen, was wäre gewesen wenn … . So lebte er und so starb er, viel zu früh und ließ mich mutterseelenallein zurück.

Ich nehme den Telefonhörer ab und wähle die Nummer unter der Annonce. Frances wäre stolz auf mich. Er glaubte an mein Talent und ich will ihn nicht enttäuschen.

„Hallo, Pension Morgan, mein Name ist Sandy, was kann ich für sie tun?“, fragt eine angenehme Frauenstimme.

„Guten Tag“, mein Herz schlägt eine Spur schneller, „mein Name ist Lea Wynter. Haben sie die Anzeige in der „Post“ aufgegeben? Refugium für Schriftsteller.“

„Ja, da sind sie hier richtig.“

„Ich würde gerne eins ihrer Zimmer mieten und wollte mich nach den Preisen erkundigen.“

Die nette Dame am anderen Ende nennt mir verschiedene Preiskategorien. Bei der günstigsten Variante würde mein Geld für acht Monate reichen. Ich könnte ein halbes Jahr schreiben und die letzten zwei Monate dazu nutzen mir einen neuen Job zu suchen, falls es nicht klappt.

„Danke für die Information. Ich entscheide mich für Kategorie D. Hätten sie etwas frei?“

„Sie haben Glück. Ende der Woche wird ein Zimmer frei. Also … .“

Ich unterbreche Sandy aufgeregt.

„Ich nehme es. Das Zimmer. Kann ich am Montag anreisen?“

Sie hat ein angenehmes Lachen.

„Natürlich. Aber sie müssen nichts überstürzen.“

„Oh, das tue ich nicht“, sage ich, „ich nutze nur die Chance.“

„Das freut mich für sie, Miss Wynter. Würden sie mir ihre E-Mail-Adresse und ihre Telefonnummer durchgeben? Dann schicke ich ihnen die Unterlagen gleich zu.“

„Super.“

Ich gebe Sandy die gewünschten Informationen und verabschiede mich.

Jetzt werde ich einige weniger angenehme Telefonate und Gespräche führen müssen – aber wenn sich eine Tür von alleine öffnet, soll man hindurchgehen. Das mit dem Eintreten klappt nicht immer.

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Eine kleine Szene – ca 19.Jahrhundert.

Roxanne warf einen letzten Blick in den Spiegel. Perfekt, dachte sie, Anthony wird heute sein blaues Wunder erleben. Ihr rotes Haar leuchtete im Schein der Kerzen, wie frisch poliertes Kupfer. Das Kleid aus dunkelgrüner Seide harmonierte mit ihren grünen Augen. Der Schnitt im angesagten Empirestil brachte ihre schlanke Figur hervorragend zur Geltung und gewährte einen geheimnisvollen Ausblick auf ihren vollkommenen Busen. Die cremefarbene Perlenstickerei und die Smaragdohrringe taten ihr Übriges, sie wie eine Prinzessin aussehen zu lassen.

Eitelkeit gehörte nicht zu Roxannes hervorstechenden Eigenschaften, aber an diesem Abend musste sie so schön sein, dass es allen den Atem verschlug, besonders Anthony und seinen Brüdern. Es war viele Jahre her, aber Roxanne hatte die Hänseleien und Demütigungen nicht vergessen, die sie von ihnen erdulden musste.

„Aber die Zeiten ändern sich. Jetzt wirst du sehen, wer zuletzt lacht.“

Roxanne streckte ihrem Spiegelbild die Zunge heraus. Dann setzte sie wieder ein unschuldiges Lächeln auf und verließ ihr Zimmer. Sara wartete sicher schon auf sie.

***

Der Zusammenstoß kam unerwartet. Roxanne flog der Fächer im hohen Bogen aus der Hand.

„Verzeihung, Mylady“, der Mann bückte sich nach ihrem Fächer, „ich ahnte nicht, dass ich nicht der einzige Gast bin, der zu spät auf dem Ball erscheint.“

Er machte eine leichte Verbeugung, als er ihr den Fächer überreichte. In seinen dunklen Augen blitzte der Schalk auf, als er sagte:

„Darf ich mich vorstellen? Simon Hastings, Lord of Calvedon. Und wer seid ihr?”

„Roxanne Harris, eine gute Freundin von Sara.“

„Es freut mich außerordentlich, dass ich schon jetzt die Ehre habe, die schönste Frau des Abends zutreffen, das erspart mir eine Menge Arbeit und ich kann mich sofort in eure Tanzkarte eintragen.“

Roxanne konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

„Sir, ich kenne euch. Nicht von Angesicht, aber aus den Gazetten. Ihr seid ein Herzensbrecher. Sagt man.“

Sie gingen den Flur entlang. Simon musterte sie unauffällig. Was für ein außergewöhnliches Mädchen, dachte er, und diese Augen.

„Ihr müsst nicht alles glauben, was in der Zeitung steht“, Simon schmunzelte, „leider habe ich über euch noch nichts gelesen.“

„Ich hoffe, dass es nie passieren wird.“

Roxanne blieb an der Treppe stehen und legte ihre schmale Hand auf Simons Arm. Diese kleine Vertraulichkeit gefiel ihm.

„Mylord, darf ich euch um einen Gefallen bitten?“

In Roxannes unergründlichen Augen glitzerte der Schalk.

„Wenn es in meiner Macht steht, tue ich alles für euch.“

„Nicht so voreilig. Ihr müsstet nämlich bereit sein, eurem Freund Anthony einen Streich zu spielen.“

Erstaunt zog Simon die Brauen hoch. Nicht nur rätselhafte Augen, sondern auch Geheimnisse, es wurde immer interessanter.

„Verfügt über mich“, sagte er galant.

„Gut“, Roxanne lächelte, „eigentlich müsst ihr nichts Besonderes tun. Nur das, was ihr immer tut, wenn ihr euch um eine Dame bemüht.“

„Das dürfte mir bei euch nicht schwerfallen“, Simon lachte.

Dieses Feen-Mädchen hatte scheinbar keine Ahnung, was alles dazugehörte, wenn er sich um eine Dame bemühte oder besser, was die Damen von ihm erwarteten. Simons Blick glitt über ihre nackten Schultern, das zarte Dekolleté und die zierlichen Hände, in denen sie den Fächer hielt.

„Allerdings könnte ich dabei ernsthaft in Gefahr geraten getötet zu werden. Lord Brighterton ist ein guter Schütze und sehr leicht erregbar. In welchem Verhältnis steht ihr zu ihm? Seid ihr seine Verlobte?“, fragte er und dachte, bitte sag Nein.

Roxanne lachte schallend.

„Oh, Mylord, Anthony würde mich niemals zur Braut wählen. Seht mich an.“

Simon fiel ein Stein vom Herzen. Er war frei, sich um Roxanne zu bemühen.

„Ich sehe euch an, und obwohl ich mich für intelligent halte, verstehe ich sie nicht so ganz? Wieso könntet ihr nie seine Braut sein?“

„Weil ich ein rothaariger, dicker, sommersprossiger Mops bin. Eine von Anthonys netteren Bezeichnungen für mich.“

Simon schüttelte den Kopf.

„Was immer ihr sein mögt, aber diese Bezeichnung betrachte ich als persönlichen Affront. Soll ich ihn fordern?“

Roxanne forschte in Simons Gesicht nach dem Wahrheitsgehalt dieser Aussage und war froh ein listiges Funkeln in ihnen zu sehen.

„Nun, Mylady, dann wollen wir Sir Anthony einen Denkzettel verpassen.“

Simon reichte ihr den Arm und Roxanne nahm dankbar an. Sie war froh Anthony nicht allein gegenübertreten zu müssen, denn es stimmte, er hatte ein aufbrausendes Temperament. Auch wenn sie keine Kinder mehr waren und er ihr vor der versammelten Gesellschaft keine Szene machen würde, genoss Roxanne Simons bedingungslosen Schutz.

***

Als Roxanne und Simon den blauen Salon betraten, in dem sich die Hausgäste vor dem Ball trafen, um einen kleinen Imbiss zu nehmen, hörte sie gerade noch, wie Anthony zu Sara sagte:

„Oh bitte, doch nicht diesen dicken, sommersprossigen Mops!“

Seine Brüder lachten und Sara machte ein unglückliches Gesicht.

„Aber Anthony, ich muss dich doch sehr bitten! Roxanne ist Mamas Patenkind“, tadelte sie ihren Bruder.

„Immer noch die Liebenswürdigkeit in Person, lieber Anthony“, sagte Roxanne mit ausgesuchter Höflichkeit hinter ihm, „wie ich höre, lässt dein Sarkasmus nichts zu wünschen übrig.“

Schlagartig war es totenstill im Raum. Alle Augen richteten sich auf die schöne junge Frau an Lord Calvedons Arm. Anthony, Ben und Collin drehten sich zu Roxanne um und Sara zwinkerte Roxanne verschwörerisch zu.

„Roxi?“, flüsterte Anthony fassungslos.

„Für dich Roxanne“, erwiderte sie und hielt seinem entgeisterten Blick stand. „du darfst wieder zu dir kommen, wenn du genug gegafft hast.“

„Du bist kaum wieder zuerkennen“, stellte Collin bewundernd fest.

„Danke, mein Lieber“, Roxanne lächelte sanft, als würde sie mit einem kranken Kind reden, „ihr habt euch nicht sehr verändert.“

„Ach Sara, Liebste, sieh wen ich getroffen habe“, Roxanne warf ihrer Freundin einen konspirativen Blick zu, „Lord Calvedon.“

Simon schob sich ins Blickfeld seines Freundes und erntete einen düsteren Blick.

„Fühlst du dich nicht wohl, Anthony“, fragte er besorgt und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken.

„Doch mir geht es sehr gut“, knurrte Anthony und fuhr sichtlich beunruhigt durch sein helles dichtes Haar, „wie ich sehe, amüsierst du dich hervorragend.“

„Oh, das tue ich doch immer bei euren Festen. Aber heute Abend besonders.“

Simon neigte den Kopf in Roxannes Richtung, was sie mit einem liebenswürdigen Lächeln quittierte. Anthony spürte einen bösartigen Stich in seinem Herzen. Es durfte unmöglich sein, dass dieses schöne Geschöpf Simon gehören sollte.

„Vergiss nicht, sie ist Gast in meinem Haus und Patenkind meiner Mutter.“

Jeder Muskel in Anthonys Körper war angespannt. Die beiden Männer maßen sich mit durchdringenden Blicken.

„Wie könnte ich das vergessen, Anthony“, erwiderte Simon spöttisch. „Mylady, würdet ihr mich zum Tanz begleiten?“

Roxanne knickste leicht.

„Sehr gerne, Mylord“, und leiser, sodass nur er es hören konnte, „ich las ihr seid ein begnadeter Tänzer.“

Simon lachte herzlich. Anthony sah den beiden unsicher hinterher und ballte die Fäuste. Bei schönen Frauen traute er Simon nicht über den Weg, Anthony kannte ihn einfach zu gut, als dass er ihm bei Roxanne ehrbare Ziele zutraute.

„Da habt ihr tatsächlich die Wahrheit gelesen.“

Roxanne ging an seiner Seite in den Ballsaal. Alles war so passiert, wie sie es sich vorgestellt hatte. Anthony hatte es die Sprache verschlagen, und sie ging mit einem der begehrtesten Männer zum Tanz. Rache ist eben doch süß, dachte sie, und gab sich der Illusion hin, dass sie Anthony eine Lektion erteilt hätte.

***

Simon betrachtete das ätherische Geschöpf an seiner Seite und konnte sein Glück kaum fassen. Was für ein unglaublicher Zufall, dass ausgerechnet er Roxanne begegnet war. Er konnte es an den Gesichtern der Anwesenden ablesen. Die Frauen tuschelten neidvoll mit ihren Bekannten und Freundinnen, während jeder Mann wünschte, an Simons Stelle zu sein. Als das Orchester die ersten Töne spielte, legte Roxanne ihre zierliche Hand in seine und er führte sie auf die Tanzfläche.
Simon hatte nicht zu viel versprochen und die Zeitungen hatten nicht untertrieben, er war ein fantastischer Tänzer.

Roxanne hatte das Gefühl auf Wolken zu schweben. Bis jetzt gab es keinen Mann, der sie gleichzeitig so sanft und doch so bestimmt führte. Einzig die Tatsache, dass Simon den Blick keine Sekunden von ihr wendete, machte sie stutzig.

„Mylord, ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte sie unsicher.

„Nein, wieso?“

„Weil ihr mich so aufmerksam betrachtet.“

Über Simons markantes Gesicht huschte ein Lächeln. Er zog sie etwas näher heran und beugte sich zu ihr hinunter.

„Ihr seid die schönste Frau des Abends, Roxanne, und ich habe die Ehre mit euch zu tanzen. Es wäre eine Schande, wenn ich euch nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenkte.“

„Sir, ihr scherzt. Bitte macht euch nicht lustig über mich.“

Simon wurde ernst.

„Niemals würde ich darüber Scherze machen. Habt ihr denn die Blicke der anderen Männer, einschließlich Anthonys und seiner Brüder, nicht bemerkt. Ich bin der meist beneidete Mann des Abends.“

„Nein, habe ich nicht.“

Roxanne riskierte vorsichtige Blicke.

„Um so besser“, Simon strahlte, „ich bin nicht bereit meine privilegierte Stellung an eurer Seite kampflos aufzugeben.“

„Oh, das müsst ihr nicht Sir. Ich genieße es mit euch zu tanzen.“

„Das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Allerdings sieht das Anthony nicht sehr wohlwollend. Sein Gesicht gleicht dem eines Kriegers, der nur darauf wartet das sein Gegner ihm seine schwache Stelle präsentiert.“

„Ihr habt nichts zu befürchten. Anthony kann mich nicht leiden. Für ihn bin ich nur eine nervtötende hässliche kleine Kröte.“

Simon schüttelte den Kopf. So mochte es einmal gewesen sein. Er hatte Anthonys Blick gesehen, als sie an ihm vorbei tanzten. Dieses Mädchen war ein Juwel, nur wusste sie nichts davon, oder falls sie es wusste, bedeutete es ihr nichts, was sie um so liebenswerter machte. Er wäre jedenfalls der Letzte, der ihr sagen würde, dass Anthony für sie entflammt war, auch wenn er es vielleicht selbst noch nicht wusste.

Tatsächlich stand Anthony wie erstarrt am Rand der Tanzfläche. Sara lächelte. So hatte sie ihren großen Bruder noch nie erlebt. Er ließ Roxanne keinen Moment aus den Augen. Anthony konnte es einfach nicht fassen, aus dem hässlichen Entlein war ein Pfau geworden. Trotz ihres teuren Kleides und es kostbaren Schmucks wirkte sie natürlich. Als er sah, wie frei und offen sie Simon anlächelte und mit ihm sprach, spürte er ein heißes Gefühl von Eifersucht in sich aufflammen. Er deklarierte es als Verantwortungsgefühl, weil er sich für seine Eifersucht schämte. Immerhin hatte er Roxanne früher oft und bösartig gehänselt, bis sie in Tränen ausbrach, und seine Brüder mit hinein gezogen. Das kam ihm jetzt völlig unpassend und irreal vor. Aber es ließ sich nicht rückgängig machen. Die Frage war, ob Roxanne ihm verzeihen konnte.

Die riesigen Kristalllüster strahlten im Schein der vielen Kerzen und brachen sich in den Spiegeln, die an einer Wand angebracht waren, um den Raum größer erscheinen zu lassen. Die Paare drehten auf dem Parkett ihre Runden und inmitten all der Herrlichkeit schwebte Roxanne in Simons Armen leicht wie eine Feder. Nichts erinnerte an die pausbäckige, linkische, unscheinbare Roxanne von damals.

„Sie ist unglaublich.“

„Wer?“, Collin wandte sich seinem Bruder zu.

Anthony gab keine Antwort. Er war sich nicht einmal bewusst, dass er es laut aussprach. Roxanne schlug ihn völlig in ihren Bann und er war nicht der Einzige.

„Wer ist denn nun unglaublich?“

Collins stupste seinen Bruder in die Seite.

„Roxanne“, murmelte der.

„Da erzählst du nichts Neues. Jeder heiratsfähige Mann schaut sie an, und die anderen ebenfalls. Ich wette ihre Tanzkarte ist voll bis obenhin.“

Anthony wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Roxannes Anblick verhinderte, dass er vernünftig nachdenken konnte. Nur der Gedanke, dass er der Einzige war, der sie besitzen durfte, raste wie ein Sturm durch seinen Kopf und verhinderte, dass er angemessen reagierte.

***

Der Tanz war vorbei, und als das nächste Musikstück einsetzte, bemerkte Anthony, dass Simon mit Roxanne am Arm auf die großen Flügeltüren des Ballsaals zusteuerte. Bevor die beiden auf die Terrasse treten konnten, hatte Anthony sich vor Simon aufgebaut.

„Wohin wollt ihr?“, seine Stimme hatte einen drohenden Unterton.

„Etwas frische Luft schnappen“, erwiderte Roxanne, bevor Simon antworten konnte, „kommt, Mylord.“

„Das solltest du dir zweimal überlegen“, warnte Anthony, „er ist als Schürzenjäger verpönt. Das würde deinem Ruf sehr schaden.“

Roxanne richtete sich zu voller Größe auf. Trotzdem musste sie zu Anthony aufblicken. Ihre Blicke prallten aufeinander. Sie verstärkte den Druck auf Simons Arm. Trotzig reckte sie ihm das Kinn entgegen und antwortete kühl:

„Ich weiß ja nicht, wer dich zu meinem Vormund bestellt hat? Aber soviel sei gesagt: Dein Name, mein lieber Anthony, wird in den Zeitungen nicht weniger mit Damen zweifelhafter Reputation genannt, als der von Lord Calvedon.“

„Touché“, sagte Simon und grinste.

Anthony schnappte nach Luft. Roxanne hatte tatsächlich die Verve ihm die Stirn zu bieten.

„Du bist das Patenkind meiner Mutter. Als Hausherr und Oberhaupt der Familie habe ich die Pflicht, deinen Ruf zu schützen.“

Roxanne lachte hell auf.

„Du!? Ich staune, dass ausgerechnet du, dies anführst. Du bist immerhin der Mensch, der sich die übelsten Schimpfnamen für mich ausgedacht und sie der Öffentlichkeit verkündet hat. Wenn jemand meinen Ruf ruiniert hat, dann doch wohl du! Wenn ich mir meinen Ruf noch mal ruiniere, dann suche ich mir den Mann selbst aus, der sich dieser Ehre rühmen darf.“

Roxannes grüne Augen sprühten Funken. Ihre Blicke maßen sich mit Anthonys. Sara bekam Angst, dass sich die beiden an die Gurgel gehen könnten. Anthony hatte die Hände zu Fäusten geballt. Es kostete ihn Mühe genug Selbstbeherrschung aufzubringen, Simon nicht zu schlagen, der sich das Lachen nicht verkneifen konnte.
Simon hatte noch nie eine Frau gesehen, die Anthony widerstand, geschweige denn so entschieden die Meinung sagte. Collin und Ben beobachteten den Disput aufmerksam und rechneten sich bessere Chancen bei Roxanne aus, je schlechter Anthony da stand. Da dieser sich keinen Schritt von der Tür weg bewegte, wandte sich Roxanne an Simon.

„Sir, seid so gut und schädigt meinen angeschlagenen Ruf mit einem weiteren Tanz, bevor Lord Brighterton eine Prügelei anzettelt und ich mich noch mehr vergesse. Das ist es nicht wert.“

Anthony schluckte. Roxanne zahlte ihm seine Jugendsünden heim.

„Nichts lieber als das, Mylady.“

Simon machte eine leichte Verbeugung und ohne Anthony eines weiteren Blickes zu würdigen, folgte sie Simon zurück auf die Tanzfläche.

Ein bisschen Herz, Schmerz, Liebesgeplänkel fürs Wochenende 🙂 .

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Schreiben nach Bildimpulsen. Hier: Gustav Klimt, Leben und Tod
Der schwarze Tod trägt einen rubinroten Stab. Er sieht wie ein mörderisches Werkzeug aus. Der Knochenmann lacht hämisch, als warte er nur darauf zu zuschlagen. Er ist allein. Abgeschnitten von den Lebenden. Sie alle, ob alt oder jung, haben sich fest in einander verwoben, so als wollten sie den Tod aus ihrem Leben ausschließen.

Trotz der Enge macht es nicht den Eindruck, es wäre den Lebenden unangenehm, so eng verbunden zu sein. Sie schlafen, sehen zufrieden aus. Mann und Frau, Mutter und Baby. Dazwischen ein älterer Mensch, geborgen in dem Leben, das um ihn herum fließt. In allen Möglichen Formen und Farben.

Weiß, wie der Schnee. Grün, wie die ersten Blättchen knospender Bäume. Sonnengelb, wie ein Sommertag am Meer und orange-rot-golden, wie das Herbstlaub oder dein Sonnenuntergang.

Der Tod steht da und wartet. Er ist sicher, die Stunde kommt, in der er seine Sense anlegen und seinen Lohn einfordern wird. Doch so schnell geben die Lebenden keinen der ihren auf. Ineinander geschmiegt trotzen sie den Fallen, die der Tod den Lebenden stellt.

„Carpe Diem“. Nutze den Tag. Jeden Augenblick genieße. Das Positive sehen. Jeden Tag eine gute Tat. Den Menschen, die einem nahe stehen, zeigen dass man sie liebt und dann, wenn der Tag kommt, Frieden mit sich selbst haben.
Das Beste aus seinem Leben machen. Aus schwarzen Kreuzen Blumen sprießen, aus Tränen Lachen werden lassen. Im Verlust die Freude verspüren, dass man einen wundervollen Menschen Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Geliebte, Geliebter, Kind, Freund nennen durfte.

Der Aufbruch steht bevor. Zu neuen Ufern und Horizonten. Den Tod den Schrecken verlieren lassen. Mensch sein, leben und sterben, in Würde und Frieden.

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Ich wähle Sams Nummer. Das Freizeichen ist zu hören, hastig lege ich auf. Ich sollte Sam nicht anrufen. Es ist schon spät. Ich habe es mir mit einem Buch und einem Glas Wein im Bett gemütlich gemacht. Gerry ist mal wieder unterwegs, Tagung. Ich seufze und lege das Handy auf den Nachttisch. Ich würde so gerne mit Sam reden. Ich liebe seine Stimme. Wenn er mir Komplimente macht fühle ich mich gut, ein Gefühl, das ich in der letzten Zeit selten habe. Sam ist der Einzige, der sich wirklich für mich interessiert. Ich schlage mein Buch auf. Lese die ersten Zeilen. Es geht mir wie Roger Cicero, ich höre was du sagst, verstehe aber nicht was du meinst. Das Klingeln des Telefons schreckt mich auf. Auf dem Display steht: Sam. Ich nehme das Gespräch an.

Lea: „Hallo Sam, wie geht’s dir?“

Sam: „Das Display hat deine Nummer gezeigt. Du kannst wohl nicht genug von mir bekommen?“

In Sams Stimme höre ich leisen Spott. Wenn er wüsste, wie recht er hat. Was dann?

Lea: „Wenn du das sagst.“

Ich höre Sams samtiges Lachen am anderen Ende des Telefons.

Sam: „Würdest du mich sonst anrufen?“

Lea: „Das weißt du genau. Du triffst den ganzen Tag aufregende Leute, während ich in meinem stillen Kämmerlein vor Einsamkeit eingehe.“

Ich hasse es zu jammern, aber leider stimmt es. Während ich allein hinter meinem Schreibtisch sitze und mir die richtigen Sätze abringe, trifft Sam seine Schauspielkollegen, geht zu Premieren und Galas. Ein Drehbuch-Schrägstrich-Romanschreiber hat einen einsamen Job. Er steht im Allgemeinen nicht im Rampenlicht.

Sam: „Leider habe ich heute noch keine Frau getroffen, die so schön und smart ist wie du.“

Immer wenn Sam solche Dinge sagt, schlägt mein Herz schneller.

Lea: „Danke für das nette Kompliment. – Möchtest du denn, dass ich genug von dir habe?“
Bitte Sam sag nicht ja.

Sam: „Ich hoffe nicht, dass es jemals dazu kommt. Ich werde deiner niemals müde. Zumindest hoffe ich das nicht. Ich würde dir gerne so viel sagen, aber du möchtest es ja nicht hören.“

Ach Sam, wenn ich dir sagen dürfte, was ich fühle. Jedes zärtliche Wort von dir ist eine Narbe auf meiner Seele.

Lea: „Ich weiß. Möchtest du, dass wir nicht mehr telefonieren?“

Bitte Sam sag nicht ja.

Sam: „Willst du das denn?“

Nein. Ich will etwas ganz anderes und du willst es auch, du hast es mehr als einmal angedeutet. Deswegen muss ich einsichtig sein.

Lea: „Ich mag dich.“

Sam: „Das ist keine Antwort auf meine Frage.“

Lea: „Es wäre schade, wenn wir nicht mehr telefonieren. Ich mag unsere Gespräche, mehr als alles andere. Aber ich möchte nicht der Grund sein, weswegen du dich schlecht fühlst.“

Sam: „Ich freue mich immer von dir zu hören. Auch wenn es vielleicht verrückt ist.“

Lea: „Ich freu mich auch von dir zu hören. Wenn man sich sympathisch ist, möchte man wissen, wie es dem anderen geht.“

Seit wann bin ich ein Heuchler? Weißt du nicht, dass ich dich liebe Sam, auch wenn ich versuche dich auf Distanz zu halten.

Sam: „Ich weiß nicht, was ich will. Du verstehst, wie ich das meine?“

Lea: „Ja. Mir geht’s genauso.“

Wenn ich vernünftig wäre, würde ich den Kontakt zu Sam meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Aber ich bin nicht vernünftig. Ich brauche Sams Nähe.

Sam: „Ich denke zu viel an dich. Mehr als ich sollte.“

Und ich erst. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Ich träume sogar von ihm. Wenn Gerry das wüsste, säße ich auf der Straße.

Lea: „Ich denke auch an dich. – Wollen wir nicht mehr telefonieren? Oder soll ich darauf warten, bis du Lust hast mich anzurufen.“

Sam: „Ist es das, was du willst?“

Glaubst du das wirklich Sam oder willst du mich nur aus der Reserve locken?

Lea: „Nein. Ich will mit dir reden, wenn ich Lust dazu habe. Ich brauche die Gespräche mit dir. Aber ich kann das nicht entscheiden. Wenn du dich dabei nicht gut fühlst – was soll ich sagen?“

Wenn ich nicht mehr mit Sam sprechen kann, sterbe ich.

Sam: „Ich will wissen, was du fühlst. Meine Gefühle kennst du.“

Du hast es mir gesagt und mir geht es genauso. Himmel, Sam. Ich denke, du weiß es längst.

Lea: „Ich darf dir nicht sagen, was ich fühle. Sonst mach ich es noch schlimmer. Aber ich kenne solche Gefühle nur zu gut.“

Sam: „Warst du mal hoffnungslos verliebt in jemand?“

Lea: „Ja sehr. Eine aussichtslose Sache … ist ungefähr 9 Jahre her. Es ist immer schwierig, Gefühle lassen sich nicht einfach abstellen.“

Aber die Sache mit Sam ist noch aussichtsloser. Und meine Gefühle für Sam machen mich langsam fertig. Ich kann an nichts anderes denken.

Sam: „Du hast recht. Ich kann meine Gefühle für dich auch nicht unterdrücken.“

Mein Herz macht einen Satz vor Glück, aber ich muss endlich das Thema wechseln, sonst sage ich Sam Dinge, die ich nicht sagen darf.

Lea: „Ich renoviere gerade das leere Zimmer – endlich bekomme ich mein eigenes Schreibzimmer.“

Sam: „Ich freue mich für dich.“

Lea: „Danke. Ende der Woche gibt`s das neue Buch. Am Samstag bin ich zu einer Lesung eingeladen. Ich habe schon Lampenfieber.“

Und ich wünschte, du wärst da und würdest mir zu hören. Ich habe es für dich geschrieben.

Sam: „Das musst du nicht. Du kriegst das hin.“

Du bist der einzige, der an mich glaubt. Gerry hält mein Schreiben für eine Möglichkeit meine Zeit totzuschlagen.

Lea: „Danke – ich denke immer, ich bin nicht gut genug… aber das denken wohl alle Künstler.“

Sam: „Du bist gut genug, glaub mir.“

Lea: „Danke. Es bedeutet mir viel, dass du das von mir denkst.“

Wenn du wüsstest wie viel es mir bedeutet, würdest du dich wundern.

Sam: „Du weißt, dass ich deine Arbeit schätze. Du bist die perfekte Frau für mich.“

Stimmt, das bin ich und du bist perfekt für mich. Leider habe ich Gerry vor dir getroffen und du warst auch vergeben. Wie bist du nur an Charlotte gekommen? Das werde ich nie verstehen. Vermutlich verstehst du auch nicht, wie ich an Gerry hängen bleiben konnte. Ich weiß es auch nicht mehr.

Lea: „Sag das nicht. Ich bin manchmal ein bisschen verrückt, da kommt die Künstlerseele in mir durch.“

Bilde ich mir jedenfalls ein.

Sam: „Das gefällt mir. Normal kann jeder.“

Lea: „Wirklich? Eine Frau, die dauernd irgendwelche Zettel vollschreibt und in Gedanken in anderen Welten schwebt?“

Sam: „Nur zu gerne. Wenn du mich daran teilhaben lässt.“

Du hast daran teil, aber du weißt es nicht. Meine wunderbare Muse.

Lea: „Das Buch heißt übrigens „Der Fluch der Seraphen“.“

Sam: „Schöner Titel.“

Wenn du es lesen würdest wüsstest du, dass du es bist, der meine Hauptfigur Serafine bezaubert.

Lea: „Eine Liebesgeschichte mit Fantasyelementen .“

Sam: „Fantasy ist gut.“

Lea: „Aus dem Buch lese ich am Wochenende.“

Sam: „Ich würde gerne kommen und dir zuhören.“

Das wäre so toll!

Lea: „Es wäre schön dich zu sehen.“

Und wie!

Sam: „Du solltest eine Liebesgeschichte nur für mich schreiben.“

Das tue ich, seit ich dich kenne. Aber diesmal würdest du genau wissen, dass du es bist, der mich inspiriert. Ich habe sogar einen Teil deines Namens verwendet.

Lea: „Es wäre leicht für mich eine Liebesgeschichte nur für dich zu schreiben und dir den Kopf zu verdrehen.“

In meinen Tagträumen habe ich tausende Liebesgeschichten mit dir erlebt.

Sam: „Das gefällt mir. Du bist. – Was soll ich sagen?“

Lea: „Nett?“

Sam: „Ein zu kleines Wort für das, was ich für dich empfinde, denkst du nicht?“

Oh Gott Sam, ich liebe dich.

Lea: „Ach Sam. Ich wünschte, ich könnte dir mehr sagen. Aber ich darf nicht.“

Es klingelt. Das kann unmöglich Gerry sein, der ist heute erst zu seiner Tagung gefahren.

Lea: „Tut mir leid Sam, ich muss Schluss machen, es hat geklingelt.“

Sam: „Ok meine Süße, bis dann.“

Lea: „Du bist lieb Sam. Bis bald.“

Ich lege auf, schäle mich aus meiner Zudecke und gehe zur Tür. Vorsichtig öffne ich.

„Sam!?“, flüstere ich, „wo kommst du her?“

Er lächelt sein umwerfendes Lächeln und mein Herz flattert nervös hin und her.

„Rate.“

„Von Dreharbeiten?“

Sam geht an mir vorbei. Ich schließe die Tür und folge ihm ins Wohnzimmer.

„Nicht ganz, aber nah dran.“

„Du dürftest nicht hier sein.“

So sehr ich das auch will.

„Wieso nicht? Gerry ist bei einer Tagung und Charlotte ist mal wieder auf Wellness“, Sam dreht sich zu mir um, „wir beide sind übrig geblieben.“

Sam lässt seinen Blick an mir herunter gleiten. Eine Hitzewelle strömt durch meinen Bauch, zieht sich meinen Rücken hinauf und lässt meine Wangen glühen. Mir wird plötzlich bewusst, dass ich nur in Pyjamahose und Shirt da stehe.

„Tut mir leid, dass ich nicht landfein bin.“

Sam grinst. Sein interessierter Blick bleibt auf meinem Busen haften. Nippelalarm. Ich schlage die Arme übereinander.

„Das ist mir gar nicht aufgefallen. Meinetwegen musst du dieses ausgebeulte Etwas nicht tragen.“

Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich bringe kein Wort heraus. Sams Gegenwart wirkt paralysierend auf mich. Ich kann seiner Ausstrahlung nicht widerstehen. Ich bin auch nicht sicher, dass ich das will. Wenn er mich so anschaut, tanzen meine Hormone Samba und das liegt nicht nur daran, dass Gerry mich seit Wochen nicht mehr angefasst hat. Ich bin beinahe dankbar dafür. Der Gedanke er würde es tun, lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken rinnen.

„Du sagst ja gar nichts. Heute keine schlagfertige Antwort parat?“

Ich schüttele den Kopf.

„Warum bist du hier?“

„Das weißt du doch.“ Sam macht einen Schritt auf mich zu. „Ich will mir meine Liebesgeschichte abholen.“

Er lässt seine Fingerspitzen über meine Wange gleiten.

„So schnell kann ich dir keine Geschichte schreiben. Ein paar Stunden dauert das schon.“

„Das musst du nicht. Ich hole mir die Geschichte, die du fertig geschrieben hast.“

Fragend ziehe ich eine Augenbraue hoch.

„Wie meinst du das?“

Sam lächelt und beugt sich zu mir herunter. Das Funkeln seiner grünen Augen bohrt sich in meine. Seine Lippen gleiten über meine Wangen. Ich schließe die Augen. Mein Verstand sagt mir, ich sollte die Situation sofort beenden, aber ich kann nicht. Alles was ich will ist, dass Sam mich küsst.

„Ich habe dein neues Buch schon gelesen“, flüstert er mir ins Ohr.

„Wie?“

„Ich habe meine Kontakte.“

„Und?“

„Das sind wir beide, in deiner Geschichte“, Sams Lippen berühren meinen Mundwinkel, „habe ich recht?“

„Ja“, hauche ich.

Sams Mund gleitet auf meine Lippen. Seine Hände legen sich auf meine Hüften, ziehen mich dich an sich heran. Ich schmiege mich eng an ihn. Gegen Sam bin ich klein. Mein Kopf lehnt an seiner Brust. Ich kann seinen Herzschlag hören. Seine Wärme fließt in mich hinein. Sam legt seine gepflegte Hand unter mein Kinn und hebt mein Gesicht zu sich empor. Oh meine Gott, es ist so viel besser, als ich es mir je erdacht habe.

„Ich will dich Lea. Und ich weiß, du willst mich genauso. Ist es nicht so?“

Er fragt mich, um eine Antwort von mir zu bekommen, aber in seinem Blick ist keine Frage. Sam weiß, dass ich ihn will. Mein Körper verrät mich. Ich nicke nur leicht. Sam küsst mich so intensiv, dass mir schwindelig wird. Als er den Kopf hebt, schlage ich die Augen auf.

„Ich nehme mir, was mir gehört. Egal welche Konsequenzen das hat. Ich kann nicht mehr ohne dich sein. Ich brauche dich. Deine Stimme, dein Lachen, deinen Körper“, Sam küsst meinen Hals, während sich seine Hand unter meine Shirt schiebt, „und deine Verrücktheiten. Du gehörst mir und zu mir! Ich werde dich lieben, bis du es nicht mehr aushalten kannst.“

„Vielleicht vertrage ich mehr, als du denkst.“

Sam lächelt.

„Davon bin ich überzeugt.“

Mit Schwung hebt er mich hoch und trägt mich ins Schlafzimmer.

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Ich erinnere mich

erinnere mich an Dunkelheit
erinnere mich an Schmerz
erinnere mich an Hoffnungslosigkeit
erinnere mich an 1000 Szenen
und eine

erinnere mich an Lachen
erinnere mich an Liebe
erinnere mich an Leichtigkeit
erinnere mich an 1000 Szenen
und keine

erinnere mich an Kindheit
erinnere mich an Träume
erinnere mich an Freundschaft
erinnere mich an 1000 Szenen
verschwommen

erinnere mich an Vergangenheit
erinnere mich an Gegenwart
erinnere mich an Zukunft
denke mir 1000 Szenen
in bunten Farben

erinnere mich an Frühlingsluft
erinnere mich an Sommerduft
erinnere mich an Schneeflocken
erinnere mich an 1000 Jahreszeiten
unter dem Junimond

erinnere mich an Marienkäfer
erinnere mich an Rosenblätter
erinnere mich an Sternschnuppen
erinnere mich an 1000 Dinge
Bilder meines Lebens

erinnere mich an deine Augen
erinnere mich an deine Hände
erinnere mich an deinen Mund
erinnere mich an 1000 Nächte
du und ich

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