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Posts Tagged ‘Kritik’

und
17 Gegenmaßnahmen, um sie sprudeln zu lassen!

1. Der Gedanke kreativ sein zu müssen. Ein „echter“ Künstler schafft „Großes“!

Wer bestimmt, was echt und groß ist? Du bist dein eigener Maßstab niemand sonst! Du gibst in deiner Arbeit den Ton an. Vergleiche dich nicht mit anderen. Lass dich anspornen und inspirieren, aber sei du selbst.

2. Auf das „leere Blatt“ (im Falle eines Schriftstellers oder Malers) starren und grübeln.

Die Lösung liegt in der Bewegung. Geh raus. Beobachte die Natur, setzt dich in ein Café, einen Zug, geh in ein Kaufhaus und beobachte Menschen. Höre deine Lieblingsmusik und klink dich aus. Deine Gedanken brauchen Input und Schwingungen, dann klappt es auch wieder mit der Kreativität. Aus den skurrilsten Funken können die tollsten Dinge entstehen. Erst sammeln, später sortieren.

3. Abwertende und unqualifizierte Kritik

Sie verletzt und lässt dich zweifeln, weil es keinen Ansatzpunkt gibt, an deinem Werk zu arbeiten. Abhaken, hinter dir lassen, weitermachen – auch wenn es am Anfang schwerfällt. Vielleicht schreibst du dir den Frust von der Seele? Titel: 10 Möglichkeiten meinen Kritiker um die Ecke zu bringen, oder so ähnlich *g*. (Buchtipp: „Tod eines Kritikers“ Martin Walser)

4. Schlechter Umgang

Trenne dich von überkritischen, sarkastischen, verletzenden Menschen. Such dir wohlwollende, konstruktive Freunde, die dich unterstützen und weiterbringen. Kreativität ist eine zarte Pflanze, die gepflegt werden möchte. Gut argumentierte Hinweise sind hilfreich, ein harsches Urteil nicht!

5. Unehrlichkeit

Wenn du auf der Stelle trittst, antriebs- und lustlos bist, sei ehrlich mit dir selbst. Die Symptome sind ein Zeichen für Veränderungen. Schreibe auf, was dich bedrückt und hindert. Handele danach. Schritt für Schritt.

6. Faule Ausreden – kann ich nicht, darf man nicht, mir fehlt die Ausbildung, ich muss für Familie/Freunde usw. da sein, Experten sagen … und so weiter. Jeder Künstler hat seine eigene Killerphrase.

Du hast die Wahl, was du denken möchtest. Willst du Opfer oder Schöpfer sein?

– Ich kann nicht. – Ich kann es noch nicht, aber ich kann es lernen.
– Das darf man nicht. –Wer ist man?
– Mir fehlt die Ausbildung – Mit meinem Talent werde ich es lernen.
– Ich muss für Familie/Freunde da sein. – Nur wer sich selbst liebt und achtet, hat genug Kraft sie an andere weiter zu geben. (Achtung: Burn-out)
– Experten sagen dies und jenes. – Experten sagen viel, wenn der Tag lang ist!

Für jede Killerphrase gibt es eine Gegenantwort. Schreibe deine Antworten auf deine persönlichen Killerphrasen auf. Setz deine Kreativität dafür ein, welche Chancen und Möglichkeiten sich dir bieten und nicht, warum etwas nicht funktionieren könnte.

7. Zwänge jeder Art. Zeitdruck, Konventionen, eine verquere Idee davon, wie du sein musst, um kreativ zu sein, usw.

Spreng die Fesseln und du wirst staunen, was möglich ist und wie verdammt gut sich das anfühlt! Sei Herr deines Lebens, es gehört dir. Finde deinen Weg. Auch eine gute Möglichkeit kreativ zu sein.

8. Perfektionismus – absoluter Killer!

Schieß ihn ab! – Tu doch mal absichtlich, was „man“ sonst nicht tut. Genieß es! Ab und an brauchst du eine „Sauerei“ oder ein Chaos.

9. Vermeidungsstrategien: Im Internet surfen, zu viel (und „blödes“) Fernsehen gucken. – Zeitfresser!!!

Sei konsequent, diszipliniert, setze dir feste Zeiten, wenn es um diese Zeitdiebe geht.

10. Arbeitssucht/Getriebensein

Pausen sind wichtig für den Geist! In der Entspannung kann er neue Wege gehen. Setze Prioritäten. Was ist für dich wirklich wichtig? Nur wer auch ausruht, kann sich wieder konzentriert seiner Arbeit zu wenden.

11. Angst vor Misserfolg?

Kann passieren. Aber allein sich der Welt zu stellen, ist ein sehr großer Erfolg für dich. Durch das Aushalten einer Enttäuschung wächst deine Persönlichkeit. Kopf hoch! Er ist noch dran. Das nächste Mal können wir aus unseren „Irrtümern“ lernen. Mein Lieblingsspruch: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Wenn nicht, tritt sie ein *g*.

12. Angst vor der eigenen Courage.

Alles wird gut! Wenn du dich traust. Die meisten Menschen bewundern jemanden, der den Mut hat seiner künstlerischen Stimme Ausdruck zu verleihen.

13. Angst vor Erfolg – was kommt dann?

Lass es auf dich zu kommen. Alles zu seiner Zeit. Mach dich nicht verrückt mit etwas, dass in der Zukunft liegt. Genieße den schöpferischen Prozess im Hier und Jetzt.

14. Was sagen „die anderen“, wenn ich solche „hochtrabenden Pläne“ habe?

Um es mit den „Ärzten“ zu sagen: „Lass die Leute reden, hör ihnen nicht zu (wichtig), die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun … das haben`n die immer schon gemacht.“ Für dich werden sie nicht damit aufhören. Das ist der blanke Neid, weil sie selbst keine Courage haben. Sie können dir nur leidtun.

15. Stimmen der Vergangenheit (Konditionierung) „Das schaffst du nie.“ – „Dazu bist du zu dumm, zu flatterhaft usw.“

Lass die boshaften Stimmen hinter dir. Du bist erwachsen. Gestatte ihnen nicht, dich heute noch zu verletzen. Gib diesen Stimmen und den dazugehörigen Personen keine Macht über dich. Hurra wir leben noch! Wenn alles nichts hilft, wende dich an einen Psychotherapeuten.

16. Die Frage: „Darf ich das tun?“

Es gibt gewisse Regeln, die zweifellos zu einem harmonischen Zusammenleben beitragen. Doch wenn es um die Kunst geht, gilt: Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden. Und wenn dir das Ergebnis nicht zusagt, macht nichts. Neuer Versuch. Wie sagt das Sprichwort: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ In einer Sackgasse zu stehen und immer wieder gegen die Wand zu laufen, bringt dich nicht weiter.

17. Scheuklappen-Denken – „Das wurde schon immer so gemacht.“

Na und? Dann mach es doch mal anders! Und sieh, wohin es dich bringt. Abseits der Straße liegen die schönen Dinge des Lebens. Wie willst du sie finden, wenn du dich von dir selbst und anderen einschränken lässt? Wer das tut, was er immer tut, bekommt auch nur das, was er immer bekommt. Leg dich nicht fest. Sei offen für Neues und Ungewöhnliches. Versuch zu malen, wenn du schreibst oder zu schnitzen, töpfern, häkeln, neue Kochrezepte zu erfinden usw. – und umgekehrt. Die Möglichkeiten sind unendlich. Wer weiß, welche Horizonte sich auftun?! Besuche Museen, Ausstellungen verschiedenster künstlerischer Richtungen, beschäftige dich mit verschiedensten Themen und Kulturen und lass dich inspirieren. Neugier, Sehnsucht und ein hungriger Geist halten die Kreativität am brennen.

Lass dir von niemand vorschreiben, was Kreativität für dich zu sein hat. (Auch dafür gibt es genug Definitionen. Die einfachste Gleichung wäre: kreativ sein – schöpferisch sein.) Noch ein paar Tipps, die du dir ab und an ins Gedächtnis rufen kannst:

• Visualisiere deine Träume und Pläne.
• Sei leidenschaftlich und rückhaltlos, wenn es um deine Kunst geht.
• Sei, wer du bist, nicht was du hast.
• Sei experimentierfreudig und hab Freude an deinem Schaffensprozess.
• Sei optimistisch und dankbar.
• Finde deinen Rhythmus und bleibe im Fluss. Akzeptiere, dass es ruhige und stürmische Abschnitte gibt.
• Sei konzentriert, aber nicht verbissen.
• Warte nicht auf Erlösung von außen. Folge deinem Weg und lebe dein Leben. Verbringe die gegebene Zeit auf die schönste Weise, die du dir vorstellen kannst.
• Fang an. Jetzt! 🙂

„Kreativität ist
die Quelle der Persönlichkeit
aus ihr dringt
die Ader des Glücks
ans Licht.“
Wilma Eudenbach

 

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„Mein Text ist leider nicht perfekt.“ Ein Ausspruch, der in Schreibkursen sehr häufig vorkommt. Ich gestehe, auch ich habe diesen Satz das ein oder andere Mal benutz. Einerseits könnte man die Aussage als eine Art Understatement betrachten. Oder als Entschuldigung dafür, dass man einen schlechten Tag hat oder gerade nicht in Stimmung ist.

Doch der wahre Grund ist zu ca. 90 % der innere Kritiker, der in unserem Kopf herumtobt und uns sagt: „Was du da machst, ist doch Blödsinn! Ein/e Hemingway, Schätzing, Brown, Austen usw. wird doch so wieso nie aus dir!“ Und welche netten Sätze der kleine Mistkerl noch so ausbuddelt. Der kleine Mann in unserem Kopf kramt sämtliche Komplexe, hochgesteckten Erwartungen, Minderwertigkeitsgefühle, Zweifel aus unseren Schubladen und häuft sie zu einem riesigen Haufen vor uns auf. Dann lehnt er sich zufrieden zurück und sagt: „So, mein/e Liebe/r, jetzt sieh mal zu, wie du über diesen Berg kommst! Das schaffst du nie!“ Und tatsächlich ist das der Punkt, an dem so manch begabter Schreiber aufgibt. Statt den kleinen Mistkerl in den Hintern zu treten und ihn in die Verbannung zu schicken, strecken sie die Waffen. In unserem Fall den Stift. Da hilft auch gutes Zureden nicht, wie ich in meinen eigenen Schreibkursen festgestellt habe.

Benjamin Disraeli beschert uns ein Zitat, dem sicher die meisten von uns zustimmen können:
„Es steht schlimm um einen Menschen, an dem man nicht einen einzigen sympathischen Fehler entdecken kann.“

Schwierig wird es, wenn man sich in einer Gruppe befindet, in der es eine sehr kritische Person gibt oder in der die allgemeine Atmosphäre wertend und abschätzend ist. Besonders unter dem Vorwand den/die anderen Schreiber weiterzubringen. Das hat nichts mit konstruktiver Kritik zu tun, sondern mit Selbstprofilierung.

„Da Perfektion im Auge des Betrachters liegt, wird sie je nach Betrachter nie perfekt sein.“ Ilja Pohl

Der Sinn einer Gruppe ist Förderung des Talentes, Feedback, Wachstum, neue Fähigkeiten erwerben und alte verbessern. Der Künstler möchte das Beste aus sich herausholen. Das ist gut und richtig. Doch aus diesem „das Beste wollen“ kann ein Zwang werden, der sich soweit manifestiert, dass er zur Blockade wird.

Sicher kennen die meisten Kunstschaffenden die Situation: Nach reiflicher Prüfung hat man ein Projekt abgeschlossen. Alles ist in trockenen Tüchern, da fällt einem ein: Dieser oder jener Satz könnte besser sein. Das kann seine Berechtigung haben, aber irgendwann muss der Stift ruhen. Das Buch/Text/Bild/Werkstück/Skulptur/Song usw. muss in die Freiheit entlassen werden.

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.

Wir sind Lernende und werden es immer sein, wenn wir wollen. Das ist unser Job in diesem Leben! Es gibt einen sehr schönen Satz: Sag nicht, das kann ich nicht – sondern: das kann ich noch nicht. Es ist keine Schande etwas nicht zu können. Es liegt in unserer Hand, es zu erlernen.

Als Hilfestellung gibt es Schreibgruppen, VHS-Kurse, Schulen und Universitäten, Werkstätten usw. Kreativität lässt sich nicht erzwingen, aber sie lässt sich anlocken. Wenn eine entspannte, lockere Grundstimmung herrscht, in der sich die Teilnehmer gegenseitig inspirieren, statt zu konkurrieren, kann der kreative Same aufgehen. Dazu muss man nicht verbissen kämpfen. Aus Irrtümern, Macken, Versprechern können neue Ideen hervorgehen. Eine Schramme kann einem Tisch Charakter verleihen und eine Narbe, ein unverwechselbares Kennzeichen sein. Das ist eine Frage des Standpunktes.

„Perfektion ist der größte Makel – wer alles ist, kann nichts mehr werden.“ Maik Alwin

Der Spaß an der Sache und Freude an der kreativen Betätigung soll im Vordergrund stehen. Das hat nichts mit einem guten oder schlechten Text zu tun. Die erste Version ist immer ein Rohentwurf. Kein Schriftsteller, egal wie berühmt (berüchtigt) er sein mag, kann stante pede (stehenden Fußes/auf der Stelle/just in diesem Moment) einen druckreifen und ausgefeilten Text schreiben. (Vielleicht einen Sinnspruch, aber der hat in der Regel nur eine Zeile.) Wer sich den Anspruch der Vollkommenheit auf die Fahne schreibt, muss enttäuscht werden.

Es ist sinnvoll die erste Version als Skizze oder Basis der späteren Arbeit zu sehen. (Das Element der Textarbeit und Korrektur steht auf einem anderen Blatt.) Dadurch fällt ein großer Druck weg. In dem Stadium der Inspiration und Ideenfindung muss nichts fertig sein. Kreativität braucht Spielraum und die Vielfalt der Möglichkeiten, um sich zu entfalten.

Etwas, dass wir uns bei Kindern abschauen können. Wenn sie in ihren Spielen aufgehen, dann gibt es nichts rechts und links, sondern nur diesen Moment. Mit roten Wangen und glänzenden Augen treiben sie ihr Werk voran. Sie denken nicht darüber nach, welche Urteile andere fällen. Es wäre schön, wenn uns diese Leichtigkeit ein Leben lang erhalten bleiben könnte. Leider ist es oft nicht der Fall – entweder durch andere oder uns selbst verursacht.

Wenn wir lieben was wir tun und den Anspruch der Vollkommenheit hintenanstellen, kann sich unser Geist befreien und in den kreativen Fluss eintauchen.

„Die Feder kritzelt: Hölle das!
Bin ich verdammt zum Kritzeln-Müssen? –
So greif‘ ich kühn zum Tintenfass
und schreib‘ mit dicken Tintenflüssen.
Wie läuft das hin, so voll, so breit!
Wie glückt mir alles, wie ich’s treibe!
Zwar fehlt der Schrift die Deutlichkeit –
Was tut’s? Wer liest denn, was ich schreibe?“
Friedrich Wilhelm Nietzsche

Zum Schluss ein schönes Zitat von Özsoy Öztürk
„Die kürzeste Definition von Perfektion lautet Illusion.“

Wir können nach Vollkommenheit streben, aber wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir sie nicht erreichen werden. Und darin liegt doch auch ein kleiner Trost. In diesem Punkt sind wir alle gleich:

„Es gibt in der Tat nichts in der Welt, das nicht einen Vorzug hat, und nichts das nicht ein Gebrechen hat.“
Chinesische Weisheit (um 300 v.Chr.)

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Die Motivationen von Kursleitern für kreatives Schreiben sind vielfältig. Doch nicht alle Beweggründe sind hilfreich für den Schreibenden. Als Poesiepädagogin, Kursleiterin und Teilnehmerin von Schreibkursen konnte ich einige Erfahrungen sammeln. Mein Vorbild in meiner Arbeit als Kursleiterin ist meine erste Dozentin Annette. Für sie stand das Schreiben, der zündende Funke, die Inspiration der Teilnehmer immer im Vordergrund.

Folgend möchte ich über einige Gründe von Kursleitern (KL) sprechen und wie sie sich auf den Teilnehmer und den Dozenten auswirken.

Motivationen sind z. B.:
1. Geld verdienen.
2. Seinem Lebenslauf Skills (Qualifikationen) hinzuzufügen zu können.
3. Kontakte knüpfen.
4. Als Lehrer agieren.
5. Ein Prestigeobjekt vorweisen zu können.
6. Begeisterung für das Schreiben.
7. Hilfestellung für zaghafte Schreiber, Ideengeber/Anreger und Ratgeber für Geübte sein.

Leider wird das Schreiben (von Geschichten, Romanen, Texten, Gedichten …) in unseren Breitengraden oft belächelt: „Ach, jetzt schreibt sie/er auch noch.“ – „Ein Hemingway ist er/sie ja nicht gerade.“ – „Wenn ich wollte, könnte ich auch einen Roman schreiben, das ist doch nicht schwierig.“ – „Wozu besuchst du einen Schreibkurs? Kannst du etwa nicht schreiben?“

Maler, Bildhauer, Sänger, Musiker, Fotografen oder Köche (und andere Kreative) sind Künstler – warum sind Schriftsteller – außer den Bestsellerautoren vielleicht, weniger Künstler? Weil jedes Kind in der Schule schreiben lernt? Ich weiß es nicht. Sich schreibend auszudrücken ist Kunst. Und wie bei allen Künsten, wird der Schreiber durch Üben besser. Und wie bei anderen Künsten auch, ist das Kunstwerk Geschmacksache.
Literarische Kunst kennt, wie z. B.: Malerei und Musik, verschiedenste Stilrichtungen und Möglichkeiten sich auszudrücken. Darum ist es als KL für kreatives Schreiben besonders wichtig kein Kritiker oder Lehrer (siehe 4) zu sein, vielmehr ein Mentor. Er sollte erkennen, wo die besonderen Begabungen des Schreibenden liegen und wie sie herausgestellt werden können und an welchen Punkten gefeilt werden sollte. Rechtschreibung und Grammatik haben natürlich ihren Platz, doch nicht im Moment des Schreibprozesses(!). Das kann zu tiefgreifenden Blockaden führen. Wir sind nicht in der Schule, sondern im „Künstleratelier“.

Jede Schreiberseele braucht ihren eigenen Raum, um sich zu entfalten. Sie hat ihren individuellen Rhythmus und Stil, den es zu respektieren gilt und der nicht durch ein Korsett aus Regeln eingeengt werden soll. Um Handwerk zu vermitteln, braucht der KL Fingerspitzengefühl.
Ein weiterer Beweggrund (siehe 1), den ich als ungeeignet betrachte, einen Kurs zu leiten, ist, damit Geld zu verdienen. Dadurch setzt sich der KL selbst und den Teilnehmer unter Druck.

Gute Arbeit soll angemessen bezahlt werden. Andererseits halte ich es für wichtig, die Beiträge moderat zu halten, um möglichst vielen Interessierten die Gelegenheit zu geben sich die Teilnahme an einem Schreibkurs zu leisten. Wenn der Kursleiter die Beiträge als Anerkennung für seine Organisation und Durchführung betrachtet, nimmt er sich den Druck eine bestimmte Zahl an Teilnehmern zusammenbringen zu müssen und kann auch mit wenigen Besuchern arbeiten.

Zu dieser Einstellung zu gelangen, ist gewiss eine Sache der Begeisterung (siehe 6), die den Schreibkurs als Prestigeobjekt oder Skill (siehe 5 und 2) direkt ausschließt. Ein Prestigeobjekt oder eine vorzeigbare Qualifikation dient nicht dem Schreibenden, sondern dem KL. Wir brauchen keine „Schreibjünger“ oder Vorzeigeobjekte. Wir wollen den Nährboden für eine harmonische Atmosphäre und Gruppendynamik schaffen, in der Ideen und Inspirationen auf fruchtbaren Boden fallen, wachsen und gedeihen. Ein geschützter Raum, in dem sich die Teilnehmer, als Kollegen und Helfer wahrnehmen, im positivsten Sinn, als Freunde (siehe 3) und nicht als Konkurrenten. Durch konstruktives Feedback und Lob können alle wachsen, sich unterstützen und ihr Talent weiter entwickeln.

Die wichtigste Aufgabe eines KL ist es den Teilnehmer an seine Inspiration heranzuführen, ihm Möglichkeiten aufzuzeigen seine kreative Quelle anzuzapfen und bei Bedarf in der Textarbeit behilflich zu sein (siehe 7). Außerdem muss der KL als Betreuer einer Gruppe, die Fähigkeiten der Teilnehmer einschätzen können, und die Stimmungen und Dynamik zwischen den Schreibenden im Auge behalten. In diesen wichtigen Bereichen sind die sozialen Fähigkeiten eines KL gefragt. Ein Schriftsteller hat eine ebenso sensible Künstlerseele, wie Kunstschaffende anderer Genres. Ein KL soll keine „Brechstange“ benutzen, um aufzuzeigen, wo Korrekturbedarf besteht, sondern einen „Bleistift“. Es gibt im Bereich des kreativen Schreibens viele Übungen, mit denen der KL dem Teilnehmer das nötige Handwerkszeug zur Textarbeit entspannt vermitteln kann. (Schöne Beispiele gibt es (z.B.) in dem Buch: Kleiner Autoren-Workshop von Ursula LeGuin. )

Wer sich ernsthaft mit dem kreativen Schreiben auseinandersetzt, das betrifft ebenfalls die therapeutisch/psychologische Seite, die nicht zu unterschätzen ist, weiß, dass durch Druck nichts erreicht wird. Druck und harsche Kritik machen hart, widerwillig und führen zu tiefsitzenden Schreibblockaden.

Die Musen der Antike werden mit Attributen wie fröhlich tanzen, erfreuen, liebevoll, himmlisch usw. belegt. Unsere Aufgabe als Kursleiter ist es die Teilnehmer zum „Singen“ (Schreiben) zu bringen. Dazu kann ich die Bücher von Lutz von Werder (Lehrbuch des kreativen Schreibens, Schreiben als Therapie, Schreib- und Poesietherapie), Jürgen vom Scheidt (Kreatives Schreiben – HyperWriting) und von Julia Cameron (Von der Kunst des Schreibens) empfehlen.

Es ist gut die eigene Motivation von Zeit zu Zeit neu zu überdenken, um die bestmögliche Arbeit für unsere Kursteilnehmer zu leisten und den Spaß an der Kunst für uns und andere zu erhalten.

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Die Schreibmaschine

„Die Schreibmaschine“, Ausgabe 1/2015, erschienen im:  http://www.charlesverlag.de/schreibmaschine.html , hat das Licht der Welt erblickt. Zu meiner Freude durfte ich zwei Artikel schreiben. Ein Autoreninterview mit Eva Lirot, einer Krimiautorin aus Limburg und über die Buchhandlung meines Vertrauens, das Buchkontor Bad Nauheim und ihre Besitzerin Frau Kintler.  Weitere Themen betreffen: Den Umgang mit Kritik, Tipps zum Lesen bei Lesungen, über das „Problem“ der Druckkostenzuschuss-Verlage usw. Dazu gibt es eine Lyrik-Seite.

Für die nächste Ausgabe wird es weitere Beiträge von mir geben: ein Interview mit meiner Verlegerin vom blue panther books – Verlag und einen Artikel über: Erotisch Schreiben – sinnlich schreiben.

 

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(Oder das Monster in meinem Kopf)

Eine Frage, die ich mir so oft gestellt habe, dass ich sie gut sein und hinter mir lassen könnte. Und doch, ist da diese kleine fiese Stimme in meinem Kopf, die mich nervt.

Ich bin ein Schreiber. Ja. Aber bin ich ein Schriftsteller? Gut, ich habe einen Roman veröffentlicht, der sich ca. 5000 Mal verkauft hat.

Jetzt kommt das unvermeidliche ABER: unter Pseudonym und einen erotischen Roman. Das an besagt nichts und doch scheint es mir nicht zu reichen, um mich Schriftstellerin zu nennen. Ich stehe dazu, sehe mich aber in einer gewissen Rechtfertigungshaltung. Warum? Ist es, weil nicht mein eigener Name vorne draufsteht oder weil es in der Geschichte um Sex geht?

Barbara Cartland ist eine Bestsellerautorin. Auch wenn sie „Liebes-Schmonzetten“ geschrieben hat, hat sie sich damit eine goldene Nase verdient. Selbst Dan Brown bleibt bei seinem Erzählschema. Und jetzt mal ehrlich, in Shades of Grey geht’s doch auch nicht wirklich um die Story.

Ist es, dass ich einfach Spaß beim Schreiben haben will? Dass ich keine „Kunstbücher“ schreibe? Mein Motto ist: ich schreibe mir das Leben schön. Ist das zu leicht gedacht? Ist meine Idee: ich will mit meinen Geschichten unterhalten, zu anspruchslos? Ist man ein Schriftsteller, wenn man auf einer Liste steht oder, wenn man eine Botschaft hat?

Nicht, dass es in meinen Geschichten um nichts ginge. Es geht um etwas. Immer! Sonst wäre es langweilig. Allerdings gebe ich zu, dass meine Figuren nicht die Welt retten. Sie versuchen herauszufinden, wer sie sind und wozu sie in der Lage sind. Oder wie sie ihre Liebe finden.

Ich schreibe oft und viel über Liebe. Vielleicht weil sie mir alles bedeutet. Liebe bedeutet alles. Ohne Liebe sind wir verloren. Und doch verlieren meine Personen. Manchmal ist das Leben ungerecht. Da hilft es auch nicht, so sehr zu lieben, dass einem das Herz bricht. Am Ende bleibt oft die Sehnsucht, was wäre wenn…

Das ist etwas, dass ich früh in meinem Leben lernen musste. Einfach nur zu lieben, hält den Verlust nicht fern. Es macht ihn unerklärlich, aber er tritt trotz aller Gegenwehr ein.

Ich beneide die, die so selbstbewusst sind, sich ohne zu zögern Schriftsteller nennen. Komischerweise habe ich keine Probleme damit zu sagen, dass ich Kurse für kreatives Schreiben gebe. Bin ich zu zurückhaltend? Was kann ich tun, um das zu ändern? Selbstbewusster zu sein?

Gerade habe ich einen Durchhänger. Ich schreibe an einem neuen Roman. Die Geschichte bedeutet mir etwas. Es geht um Treue und Freundschaft, Rache, Tod und Leben, Schönheit und Vergänglichkeit. Ich will den Roman auf jeden Fall zu Ende schreiben. Um mich handwerklich zu verbessern (und meine Betriebsblindheit zu überlisten) habe ich einen Kurs bei der VHS besucht. Manuskriptvorbereitung. Eine kompetente, sehr nette Kursleiterin, und ein gutes Konzept. Ich konnte wichtige Aspekte mitnehmen. Und?

Bin total blockiert. Die Leichtigkeit und der Enthusiasmus sind weg. Ich betrachte meinen Text mit Argusaugen. Jedes Wort liegt auf der Goldwaage. Ich hinterfrage jeden Satz, jeden Absatz auf seinen Wert, statt einfach drauflos zu schreiben und mir die Kritik für später aufzuheben.

Oh, mein Gott, ich habe ein Monster geschaffen. Und damit meine ich nicht das Monster, das in meiner Geschichte vorkommt, sondern das, das hinter mir am Schreibtisch steht und mir dauernd einflüstert: „Du kriegst die Geschichte nie so hin, wie du es dir vorstellst. Wer will das schon lesen? Du findest sowieso keinen Verlag dafür. Hat beim letzen Mal auch nicht geklappt.“ Und was der noch alles raushaut, um mich umzuhauen.

Und so schleiche ich um meinen Roman herum, die Szene, die ich schreiben will genau im Kopf, und drücke mich(soll ich die Szene wirklich so schreiben?). Ich schreibe alles Mögliche: Blogbeiträge, überarbeite ältere Texte, schreibe Notizen aus meinem Arbeitsjournal ab, beschäftige mich mit Drehbuchschreiben und meinem Kurs, der erst in vier Wochen anfängt und für den ich das Konzept seit Monaten fertig habe. Ich putze, häkele, lese, gehe spazieren usw.

Ist ja nur`ne Phase! – Hahaha. Sage ich mir auch. Geholfen hat es noch nicht. Ich suche nach dem besten Mittel das Monster zu töten. Das hinter meinem Rücken. Das Miststück ist schlau. Es kämpft mit allen Tricks. Aber ich will nicht aufgeben und wenn ich auf dem Zahnfleisch kriechen muss. Was das betrifft, bin ich Schriftsteller, denn ich weiß, dass es den „richtigen“ Schriftstellern auch nicht besser geht. (Siehe Titus Müller, Federwelt Nr.109, Dez. 2014 – Wie ich es schaffe, trotz Selbstzweifeln produktiv zu sein)

Es ist nichts Ehrenrühriges ein Schreiber zu sein. Damit fängt es an. Bei jedem Schriftsteller. Also, gehe ich Monster jagen. Ich kriege es, früher oder später. Da wette ich drauf!

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