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Posts Tagged ‘Kreis’

Die Frage ist gestellt

Ohne Worte steht sie im Raum

Ist es Illusion

Ist es Wirklichkeit

 

Zerbrech ich die Welt

Zerbricht sie mich

Fürchte das Beste

Und das Schlimmste

 

Stürzt der Himmel ein

Stürze ich in den Himmel

Rette ich meine Haut

Verbrenn ich mir die Flügel

 

Dreh ich um

Geh ich weiter

Ich drehe mich im Kreis

Stillstand gibt es nicht

 

Guter Rat ist zu teuer

Vom Leben zu wenig übrig

Zeit spielt eine Rolle

Niemand kennt das Morgen

 

Keine Götter

Nicht Schicksal oder Zufall

Lassen Würfel fallen

Die Knochen brechen

 

C`est la vie

That`s life

Asi es la vida

So spielt das Leben

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– Was hat sich Großvater nur dabei gedacht! Was habe ich mir dabei gedacht! Und dabei habe ich mir vorgenommen ganz ruhig und gefasst zu bleiben. Ich hätte auf John hören sollen, er hat mich gewarnt. – Mit energischen Schritten umrundet sie den großen Brunnen vor dem Haus. – Ich sollte nach Hause fahren. Aber das wäre ein Triumph. Gil würde sich ins Fäustchen lachen, dass er die lästige Erbin losgeworden ist. Ich muss mehr wissen. – Rosalie hält kurz inne, atmet tief durch. – Ich werde meine allwissende Quelle anzapfen müssen. – Kurz darauf sitzt sie bei Misses Morse in der Küche, genießt ein Stück frisch gebackenen Kuchen und eine Tasse Tee.

***

Rosalie liegt im Bett, in spitzenbesetzten Kissen und Decken und betrachtet den reich bestickten Baldachin über sich. Sie hat den Verdacht, das Bett gehörte schon zur ersten Möblierung des Hauses und obwohl sie in ihrem eigenen Heim den modernen Stil bevorzugt, übt das altmodische Ambiente einen besonderen Reiz auf sie aus.

Ihre Gedanken kreisen um die beiden Besitzer des Anwesens. Lady Edna, die in selbstgewählter Begrenzung aus Konvention und Arroganz wie ein zurückgebliebenes Kind wirkte, nicht im Stande einfachste Zusammenhänge zu verstehen. Während Gil sich durch die Traditionen an das Haus und das Erbe ketten ließ, alles genau beobachtete, sich auf der Suche nach einem Ausweg im Kreis drehte und eine Mauer aus eisiger Ablehnung aufbaute.

Rosalie schlägt die Decke zurück, schlüpft in Pantoffeln und Morgenrock und verlässt ihr Zimmer. Sie könnte Mister Smith aus dem Bett klingeln und ihn bitten ihr einen Tee zu bringen, doch sie will seine Abneigung gegen ihre Person nicht verstärken. Den Weg in die Küche findet sie ohne nachzudenken.

***

Durch den nachglühenden Herd herrscht in der Küche noch eine angenehme Temperatur. Rosalie legt einen Holzscheit nach und ragt mit dem Schürhaken mehr Glut um das Holz. Sie rückt den Wasserkessel über die Feuerstelle. Er ist noch zur Hälfte gefüllt und lauwarm. Rosalie nimmt eine kleine Teekanne vom Regal, füllt eine Handvoll Pfefferminzblätter ein und zieht sich einen Stuhl vor den Herd. Das trockene Holz knistert hinter der Ofentür und verströmt einen harzigen Geruch. Rosalie genießt die Stille und die behagliche Atmosphäre.

Ihre Gedanken kehren zum Nachmittag zurück, als sie Misses Morse in der Küche aufsuchte, um ihr ein paar Auskünfte bezüglich ihres Großvaters, Lady Ednas und des Familienschmucks zu entlocken.
Misses Morse genoss die Aufmerksamkeit der schönen Miss Rosalie und ließ sich nur zu gerne herab, ihr interessante Einzelheiten über ihre Ahnen anzuvertrauen. Immerhin, so sagte sie sich, war die Miss die Enkelin seiner Lordschaft und es wäre sträfliche Nachlässigkeit gewesen, ihr die Bedeutung ihres Großvaters vorzuenthalten.

Rosalie versucht sich einen Reim auf Misses Morse Mitteilungen und die merkwürdige Dynamik in dieser Familie zu machen. Nach der Testamentseröffnung hatte sie nicht vorgehabt am Dinner teilzunehmen, bis Anthony sie bei Misses Morse in der Küche aufspürte und sie mit Engelszungen davon überzeugte nicht klein beizugeben.

Sie machte aus der Not eine Tugend. Ein Erbe ihrer Eltern. Rosalie zog eines ihrer schönsten Kleider an, steckte ihr Haar zu einer eleganten Frisur auf und setzte ein strahlendes Lächeln auf. Kannst du deine Feinde nicht schlagen, gewinn sie für dich, beherzigte sie die Maxime ihres Vaters. Bis dahin war es ihr meistens gelungen, Neider oder Kritiker für sich zu gewinnen, aber was Lady Edna und Gil betraf war sie alles andere als sicher.

Erleichtert stellte Rosalie fest, dass sie nicht der einzige Gast war. Lady Edna thronte wie eine bösartige Krähe in schwarzer Witwentracht und streng frisiertem Haar an einem Ende der Tafel. Neben ihr saß Pater Markus dessen geistiger Beistand, gegen diese schreckliche Frau, seine Anwesenheit verlangte. Anthony flüsterte ihr in einem unbeobachteten Moment zu, dass der Pater Lady Ednas Beichtvater war. Die alte Dame beobachte die junge Frau mit Argusaugen. Zu ihrem Überdruss konnte sie keine Regelverstöße gegen die Etikette feststellen. Die fixe Idee Rosalie bei einem Faux Pas zu erwischen und bloßzustellen, schlug fehl.

Des weiteren bereicherte eine adelige Familie aus der Nachbarschaft das Dinner. Rosalie verdächtigte Lady Edna Gil verkuppeln zu wollen. Die drei Töchter im heiratsfähigen Alter konnten ihre Augen nicht von Gil und Anthony abwenden. Es kostete Rosalie Mühe das alberne Kichern der jungen Damen nicht mit sarkastischen Worten zu kommentieren.

Victor, der schneidige Bruder der drei Mädchen entschädigte Rosalie mit einem interessanten Gespräch über eine Reise nach Ägypten, von der er gerade ein paar Tage zuvor zurückgekehrt war. Er schien Gefallen an ihr zu finden und wich ihr den ganzen Abend keinen Schritt von der Seite.

Rosalie war so beschäftigt, beschäftigt zu sein, dass sie nicht bemerkte, das sowohl Gil, als auch Anthony ihren Gesprächspartner mit Argusaugen beobachteten. Je mehr sie sich in die Unterhaltung mit Robert vertiefte, je weiter sank die Stimmung bei den beiden Herren, die parallel die Laune der flirtenden Mädchen herabsetzte.

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Liebeslied

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?

Ach, gerne möchte ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn die Tiefen schwingen.

Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.

Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

 

Blaue Hortensie

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rau,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen,
nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau.

Verwaschnes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragnes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuern
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

 

Römische Fontäne (Villa Borghese)

Zwei Becken, eins das andere übersteigend
aus einem alten runden Marmorrand,
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend

zum Wasser, welches unten wartend stand,
dem leise redenden entgegenschweigend
und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,

ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend
wie einen unbekannten Gegenstand;
sich selber ruhig in der schönen Schale
verbreitend ohne Heimweh, Kreis aus Kreis,

nur manchmal träumerisch und tropfenweis
sich niederlassend an den Moosbehängen
zum letzten Spiegel, der sein Becken leis
von unten lächeln macht mit Übergängen.

 

Ich konnte wieder mal nicht genug von Rilke bekommen 🙂 . Er zieht mich einfach unwiderstehlich an. Hier also drei Gedichte von Rilke … morgen geht es weiter – Aufgabe 38.

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… wie wahr! Meiner steckt in meinem Kopf. Auf den ersten Blick mag er nicht sehr furchteinflößend sein. Aber wenn man anfängt, ihm zuzuhören, dann wird schnell klar, dass er einer der schlimmsten Dämonen ist. Er ist immer da und wenn ich die kleinste Schwäche zeige oder er einen Anflug von Angst/Zweifel spüre, legt er los. Er redet auffällig viel, aber dann kann ich ihn nicht mehr stoppen oder ihn überhören. Wenn es halbwegs gut läuft, kriege ich es hin, den Tag ohne größere Unsicherheitsattacken zu überstehen und mich nicht dauernd nach dem warum oder meinem möglichen/eingebildeten Versagen zu fragen. Aber wenn es Komplikationen gibt, Missverständnisse, unerwartete Rechnungen, problematische Vorhaben usw., dann tut er alles Dämonen mögliche, um mich immer weiter in meine Panik zu treiben und mich zum Aufgeben zu zwingen. Er zerrt alle meine früheren schlechten Erfahrungen und alle negativen Kommentare heraus, die ich je gehört habe. Macht sich einen Spaß aus meiner Traurigkeit und meiner Angst.

„Der Text? Das ist doch Mist, wer will denn den lesen?“

„Sieh mal zu, wie du die Rechnung bezahlst! An Urlaub brauchst du nicht mehr zu denken!“

„Termin verschlafen – wieder mal nicht aufgepasst, was?!“

„Durchhalten konntest du noch nie. Hab ich dir ja schon immer gesagt!“

„Unfähig Druck auszuhalten, wundert mich nicht. Versagerin.“

„Hast du wieder nichts Sinnvolles getan? Zeit verschwendet.“

Wenn er merkt, dass er Erfolg mit der Masche hat, dann kommt er richtig in Fahrt. Schlag auf Schlag, bis ich mich so schnell im Kreis drehe, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und ich mich frage, wie lange es wohl dauert, bis mein Gehirn von selbst abschaltet:

„Achtung, Achtung! Halten sie Abstand. Dieses Gehirn zerstört sich in wenigen Sekunden selbst.“

Es hat lange gedauert, diesen „Zustand“ als meinen Dämon zu identifizieren. Inzwischen arrangiere ich mich mit ihm. Er ist meine Herausforderung, nicht alles wörtlich zu nehmen und ihn als einen Geist meiner Vergangenheit zu sehen. Nur weil Dinge gesagt wurden oder passierten, müssen sie nicht wieder passieren. Ich habe mein Schicksal in der Hand und muss mich nicht von meinem Dämon in die Enge treiben lassen. Ich werde in wohl nie ganz los werden, aber ich kann ihn schrumpfen. Manchmal reicht schon ein Einfaches: Stop! Es reicht! Manchmal dauert es etwas länger, um meinen inneren Frieden wieder herzustellen.

Ich analysiere die Situation und frage mich, ob sie lebensbedrohlich ist oder meine Welt untergehen wird. Da dies zu 99 Prozent nicht der Fall ist, kann ich den Tatsachen ruhiger ins Auge sehen und eine Lösung finden. Das hört sich jetzt so einfach an, aber das ist es nicht, war es nie. Allerdings wird es Stück für Stück leichter. Ich bin schon stolz auf mich, wenn ich den Sturm kommen sehe, und mir das Dilemma nicht erst auffällt, wenn ich schon drin stecke.

„Hör mal zu du kleiner Dämon! Ich kenn dich und weiß, wie du arbeitest! Mich kriegst du nicht klein!“  

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