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Eine Freundin fragte mich, ob sie mir einige Ausgaben der TEXTART „vererben“ darf. Natürlich hab ich mit Freude Ja gesagt. In der Ausgabe 3/2016 stieß ich auf einen tollen Artikel über:

„Schreiben a la John Irving – ein Blick in seine Autorenwerkstatt“

Aus diesem Artikel habe ich 11 Punkte herausgeschrieben, die ich als sehr motivierend betrachte. Besonders Punkt 4 und 10 haben es mir angetan. Ich hoffe, auch für euch ist der ein oder andere Punkt dabei, der euch anspornt.

  1. Schreib über das, was du kennst. (John Irving schrieb z.B. über einen Autor) Oder recherchiere gut.
  2. Die meisten Schriftsteller haben bestimmte Themen, die sie in ihren Werken umkreisen.
  3. Von hinten nach vorne. Zitat: „Ich brauche das Ende um anfangen zu können. Wenn du den Standpunkt und den Ton des Endes hast, dann geht es dir wie mit dem Rafrain eines guten Songs: Du bewegst dich darauf zu…das gibt dir Selbstvertrauen.“
  4. Gut Ding will Weile haben. Die Idee für „Twistet River“ trug John Irving viele Jahre mit sich herum. Seine Romane entwickeln sich teilweise über einige Jahre hinweg.
  5. Die Muse küsst einen oft sehr überraschend. John Irving fiel der letzte Satz zu „Twistet River“ ein, als er den Song „Tangled Up in Blue“ im Autoradio hörte (er war das Motto der Geschichte).
  6. Immer Papier und Stift dabei haben. John Irving rannte in die Arztpraxis  (zu der er siehe 5 unterwegs war), bat um einen Rezeptblock und notierte den Satz. Ebenso ist sein Fitnessraum ist mit Klemmbrettern, Papier und Stiften ausgestattet.
  7. In Medias res – „mitten in die Dinge(Geschichte)“ hinein springen macht sie lebendig.
  8. Bewegung! Gleicht die vielen am Schreibtisch verbrachten Stunden aus.
  9. Ein Hoch der Überarbeitung! Zitat aus Irvings Buch: „Ich steh auf Schreiben, nicht auf Überarbeiten“, hatte Drake zu Danny gesagt. „Mir gefällt nur das Kreative daran.“ – „Aber Überarbeiten ist Schreiben„, hatte Danny dem jungen Mann entgegnet. „Manchmal ist die Überarbeitung das Kreativste daran.“
  10. Vorbilder motivieren. John Irving las Charles Dickens Roman „Große Erwartungen“ und wünschte, er hätte ihn geschrieben. Er wollte die Leser so bewegen, wie ihn dieser Roman bewegt hatte.
  11. Ein (umfangreiches) Werk kann nur mit Beständigkeit gedeihen. Zitat aus Irvings Buch: Danny schrieb täglich bis zum frühen Nachmittag, die wenigen verbleibenden Stunden Tageslicht wollte er für seine Hausaufgaben nutzen.

Nicht alles ist für alle praktikabel, aber vielleicht ist das eine oder andere dabei, dass euch inspiriert. Mir zeigt es vor allem eins, ich muss nicht hektisch werden, wenn ich etwas länger für einen Roman brauche. Wichtiger ist, dass es mir ernst mit dem Schreiben ist und ich das beste schreibe, was ich kann.

Viel Spaß euch allen!

Eure Caroline

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„Ich lebe, um zu schreiben.“

Katherine Mansfield

Ich kann Katherine zu 100 Prozent zu stimmen. Egal, wie gut oder schlecht meine Texte sein mögen, ob sie „veröffentlicht“ werden oder nicht. Schreiben ist das, was ich tun will. Nicht mehr, nicht weniger. Mich darüber freuen einen geneigten Leser zu finden, der meine Texte liest und für ein paar Minuten die Zeit vergisst.

Seid ich meinen neuen Job habe, rotiere ich an allen Fronten. Ich habe nette Kollegen und die Arbeit macht mir Spaß. Trotzdem schmerzt es mich, dass ich sehr viel weniger Zeit zum Schreiben habe und in der Zeit, die ich habe müde oder geistig erschöpft bin. In mir ist eine innere Unruhe und Nervosität, die sich nur vertreiben lässt, wenn ich schreibe oder in anderer Hinsicht kreativ sein kann.

Im Gespräch mit einer Freundin, sagt sie: „Ich wäre dankbar, wenn ich wieder etwas Routine in meinem Leben hätte.“ Eins der Dinge, die man oft verachtet. Routine – laufen im Hamsterrad des Lebens – nein, das will niemand und doch, auch ich bin dankbar für eine gewisse Arbeitsroutine, die sich langsam einstellt. Sie enthebt mich des ständigen Nachdenkens. Wie war das nochmal? Machst du alles richtig? Hast du nichts vergessen?

Ich lebe nicht, um zu arbeiten. Ich lebe, um zu schreiben! Darum habe ich eine Arbeit gewählt, die mir so viel freie Zeit zum Schreiben wie möglich gibt und trotzdem meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Ganze ist ein Teufelskreis. Hab ich Zeit und kann schreiben, muss ich mir Gedanken machen, wie ich den nächsten Monat rumbringe. Hab ich Arbeit, die mir ermöglicht nicht jeden Euro zweimal umzudrehen, habe ich wenig Zeit und mein Kopf ist voll mit „unnützen“ Gedanken.

Doch am Ende des Tages zählt nur eins: Schreiben. Jedes Wort, jeder Satz, vielleicht ein Absatz oder eine Seite lässt mich aufatmen – lässt mich atmen. Luftholen! Aussteigen aus dem Hamsterrad, einsteigen in das Reich meiner Fantasie.

Ich lebe, um zu schreiben! Und schreibe, um zu leben. Das eine bedingt das andere. Ich schreibe, um einem geneigten Leser und mir selbst einen Moment des Luftholens zu verschaffen. Und so wird es bis zum Ende bleiben. Mein Leben ohne Schreiben ist möglich, aber undenkbar.

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Eine gute Frage. Die Frage überhaupt. Nicht zum ersten Mal, dass ich mir darüber Gedanken mache (und ich bin damit sicher nicht allein). Um ehrlich zu sein, geht mir der Gedanke in letzter Zeit häufiger durch den Sinn. Ich könnte einfach aufhören zu schreiben. Doch in den Phasen, in denen ich nicht schreibe, denke ich viel über das Schreiben nach. Was ich schreiben will, wie ich einen Text am besten verpacke. Ich notiere Ideen, von denen ich nicht wenige habe. Und schreibe darüber, warum ich gerade nicht schreiben kann. Seitenweise.

Braucht ein Künstler einen emotionalen Notstand, sei er positiv oder negativ, um kreativ zu sein? Den Eindruck habe ich. Und das ist nicht nur mein Erfahrungswert. Viele Schriftsteller (und andere Kunstschaffende) quälen sich mit ihren dunklen, unerfüllten Sehnsüchten, Ängsten, Unsicherheiten usw.

Graham Green, zum Beispiel, sah seine Schriftstellerei als Möglichkeit, dem Wahnsinn und er Melancholie der menschlichen Existenz zu entgehen. Es war ihm unerklärlich, wie andere Menschen ihr Leben meisterten, ohne durch Schreiben, Komponieren oder Malen (oder andere kreative Tätigkeiten) ihre Ängste lindern zu können.

Es liegt im menschlichen Geist, das Gefühl: da muss noch etwas sein! Wie weit kann ich gehen? Oft habe ich das Gefühl, wir schreiben aus einem Mangel heraus. In unseren Texten kompensieren wir, was wir in unserer „normalen“ Alltäglichkeit vermissen.

Für mich persönlich kann ich das bejahen. Tatsächlich geschehen in meinem Leben kaum aufsehenerregende Dinge – ständiger Ausnahmezustand kann echt anstrengend sein – aber in meinen Tagträumen und meinen Texten geben sie sich die Klinke in die Hand. Bin ich süchtig nach Abenteuer? Zu Hause ist es sicher und in meinen Geschichten kann mir nichts passieren – für den Fall der Fälle gibt es immer einen Twist, der mich aus dem Feuer rettet, das ich selber gelegt habe.

Wie viel (selbst erzeugtes) Chaos und Emotionen brauche ich, um schreiben zu können? Was ist das Loch in meinem Herzen, dass ich durch das Schreiben zu stopfen versuche und was passiert, wenn es sich schließt? Ist Schreiben dann noch möglich?

Warum schreibe ich? Weil ich auf der Suche bin. Weil ich mir das Leben schön/aufregend schreibe. Andererseits habe ich in der letzten Zeit das Empfinden, angekommen zu sein. In mir. In meinem Leben, meinen Wünschen. Klar, es ist nicht alles perfekt, aber ich bin angenehm zufrieden.

Zufriedenheit ist kein Motor. Das Motto: ich schreibe mir das Leben schön, tritt zunehmend in den Hintergrund. Wie viel Loch ist noch in meinem Herzen? Ich habe es immer als wünschenswert angesehen diesen ausgeglichenen, entspannten Zustand zu erreichen. Allerdings empfinde ich ihn für meine Kreativität als hemmend.

Ist das nur eine der vielen Phasen? Ich kenne zwei Schreiberinnen, die nicht mehr schreiben, obwohl sie vor Jahren sehr häufig geschrieben haben. Ehrlich gesagt habe ich leichte Panik. Was wäre, wenn ich nicht mehr schreiben würde? Was passiert dann mit mir? Darüber nachzudenken empfinde ich schon als Sakrileg. Das darf – das kann unmöglich – sein. Es ist das, was ich kann, will, was mich begeistert, mich erfüllt. Ich will nicht glauben, dass es anders sein könnte!

Muss ich meine Schreibmotivation neu definieren? Wenn ja, wie? Was motiviert mehr, als ein Loch im Herzen, das man stopfen will? Dafür gibt es Mittel aller Art und Stärke, Rauschmittel, Sex, Geld, Arbeit … Kunst. Jeder Mensch hat da seine eigene Präferenz. Mein Mittel war/ist Schreiben.

George R.R. Martin sagte in einem Interview: „Im Kopf gibt es eine perfekte Geschichte, die der Schriftsteller aufzuschreiben versucht. Wie ein Übersetzer.“ Ich denke, da spricht er uns aus dem Herzen. In unserer Vorstellungskraft ist alles da. Der Ort, die Personen, das Geschehen. Und dann sind wir dran. Vorstellungskraft in Worte verwandeln. Das ist nicht so einfach, wie sich das manche Leute vorstellen. Bücher schreiben. Eine Geschichte über Hunderte Seiten am Laufen zu halten. Um was geht es in der Geschichte? Die Figuren zu schaffen, die leben, sie zu bewegen, ihnen eine Seele einzuhauchen, die den Leser zu sich zieht und mit der er sich bestenfalls identifizieren kann. Einen guten Einstieg in die Geschichte zu finden, Spannung aufzubauen, zu halten, und ein sinnvolles Ende zu finden.

Das kann man sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Dazu gehört Konzentration, Durchhaltevermögen, Ideen, ein „Auge“ für die Figuren, Zeit, Ruhe, Inspiration, Mut über den eigenen Schatten zu springen und: Handwerk. Schreiben ist eine ebenso anspruchsvolle Kunst, wie andere Künste auch. Harte Arbeit. Trotzdem scheint Schreiben in den Augen anderer, eine der geringeren Künste zu sein. Dazu kann ich nur sagen: schreibt erst mal ein Buch – dann sprechen wir weiter.

Welche Motivation mich am Ende auch antreibt zu schreiben – ich kehre immer wieder an meinen Schreibtisch zurück. Schreiben ist mein Mittel Löcher in meinem Herzen zu stopfen. Mir die Welt zu erklären, meine Ängste im Griff zu haben, Abenteuer zu erleben, den Flow zu spüren, dem Wahnsinn etwas entgegenzusetzen, meinen Geist beweglich zu halten.

Was hinausdrängt, kann niemand für längere Zeit aufhalten. Der Ausdruck sucht sich einen Weg. Immer wieder. Wie Tropfen den Stein aushöhlen, bis der Damm bricht. Deswegen schreibe ich: um den reißenden Strom zu sehen. Wie Seite um Seite sich füllt, die Geschichte wächst, vom ersten Satz bis zum Schlusspunkt. Bilder meiner Fantasie Schwarz auf Weiß. Pure Lust.

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