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Posts Tagged ‘Kopf gegen die Wand’

Neuer Versuch. Bücherkiste Stadtbücherei. Amelie Nothombe – Kosmetik des Bösen. Ein Euro das gebundene Exemplar. Die Autorin habe ich seit einiger Zeit im Auge. Bei dem Preis kann ich nicht viel falsch machen und die Enttäuschung bei Nichtgefallen ist nicht zu teuer erkauft.

Zu Hause lese ich die ersten beiden Seiten. Dann die letzten beiden Sätze. Bitte keine kritischen Stimmen! Ich weiß, so was tut man nicht. Nach der Misere mit meinem letzten Buch (siehe Frühstück mit Proust) nur logische Konsequenz.

Inhalt auf den ersten Blick: Zwei Männer auf einem Flugplatz, Wartehalle, der eine bequatscht den anderen.

Ende: Ein Mann schlägt seinen Kopf solange gegen die Wand, bis er tot ist.

Gut. Eigentlich hätte ich das Buch ins Regal stellen können. Jetzt kommt das Aber: Nämlich die Frage, wie hat es der eine Mann geschafft, den anderen dazu zubringen sich selbst umzubringen?

Also wieder zurück zu Seite 2! Und weiterlesen. Mit dem Ende im Blick habe ich natürlich meine eigene Theorie. Allerdings schafft es die Autorin mich durch eine Wendung gegen Ende des zweiten Drittels zu überraschen. Ich muss dann den Rest des Buches lesen, will ich den Gründen für den Tod des Mannes auf die Spur kommen. Der ein oder anderen Erklärung kann ich zwar nicht zustimmen, aber da ich mich in Psychologie nicht so gut auskenne, bin ich mir nicht sicher, ob es möglich ist oder nicht. Aber das ist am Ende auch nicht so entscheidend.   

Das Buch besteht zu 99% aus Dialog. Am Anfang irritiert mich das. Ich schreibe zwar auch sehr dialoglastig, aber hier fehlt das äußere Setting fast komplett. Bis auf den Ort, Wartehalle im Flughafen, ist nichts bekannt. Auch auf die Äußerlichkeiten der beiden Personen wird kein Wert gelegt, doch kann man sich die beiden Männer sehr gut vorstellen. Ihre Mimik, ihre Stimmen, ihre innere Befindlichkeit kommt allein durch den Dialog zum Ausdruck. Ich kann nicht aufhören zu lesen. Das Buch hat nur 107 Seiten und ich lese recht schnell. Die ersten 60 Seiten lese ich nach dem Aufstehen noch im Schlafanzug, bei meinem ersten Kaffee und den letzten Teil, nach dem Einkaufen bei meinem Zweiten.

Ich kann nur sagen: furios. Wie man an diesem Beispiel sieht, muss der Autor dem Leser nicht alles vorkauen. Wir sind kreativ und fantasievoll genug, uns unser eigenes Bild zu machen. Und es zeigt außerdem: Ist die Geschichte gut genug, liest man das Buch auch dann von vorne bis hinten durch, wenn das Ende bekannt ist. Beruhigend!

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