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Posts Tagged ‘Kontakte’

…höre ich in den letzten Tagen (inzwischen Wochen) immer wieder. Und doch quäle ich mich. Klar, solche Krisen habe ich schon öfter erlebt. Bis jetzt kam irgendwann der Punkt an dem es weiterging und ich mich wieder an meine Texte gesetzt habe. Dennoch ist es diesmal beinah substanziell.

Ich habe im letzten Jahr, Anfang des Jahres, ein Buch geschrieben, korrigiert und es wurde veröffentlicht. Dann habe ich den Rest des Jahres mit dem Schreiben meines Fantasyromans verbracht. Knapp 800 Seiten. Ich habe jeden Tag geschrieben, vor der Arbeit, eineinhalb Stunden, nach der Arbeit, nachmittags oder abends, neben Hausarbeit, Familie, zweitem Job… Ich bin froh, dass ich es geschafft habe und stolz auf das Ergebnis, aber es hat von mir gezehrt.

Die Ideen für den folgenden Roman sind da – aber leider kann ich nicht einfach weiter schreiben. Ich muss mich an die Korrektur setzen. Und neben allem habe ich das Gefühl die Zeit läuft mir davon. Ich bin hin- und hergerissen von der Einsamkeit des Schreibens, das ich im letzten Jahr erlebt habe, davon meinen anderen Interessen nicht nachgegangen zu sein, darauf zu warten, dass mein letzter Roman aus dem Lektorat zurückkommt und bis heute noch nicht da ist, meine sozialen Kontakte vernachlässigt zu haben …

Ich suche nach einer neuen Perspektive, einem Restart. Wie kann ich mich (noch) besser organisieren? Muss ich um ein gelesener Autor zu sein, alles opfern? Wie kann ich erfolgreich schreiben und trotzdem leben?

Wenn ich morgen sterbe würde, was bliebe? Habe ich dann als letzten Gedanken „ich habe meinen Roman nicht zu Ende geschrieben“ oder „ich habe gelebt“?

Seit ich mit dem Schreiben angefangen habe, liebe ich es und ich tue es immer noch. Gerade ist der Spaß etwas auf der Strecke geblieben. Es ist einzig zielorientiert. Mir fehlt die Leichtigkeit und das Spielerische. Das Schreiben um des Schreibens will und nicht um des Ergebnisses willen. Schreiben ist meine Leidenschaft und es ist eine eifersüchtige Geliebte. Und trotz meiner Liebe zum Schreiben ist das, was mehr zählt, meine Familie und das Leben an sich.

Vergange Liebe ist bloß Erinnerung. Zukünftige Liebe ist ein Traum und ein Wunsch. Nur in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, können wir wirklich leben.                                                                           

Buddha

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11.November. Tag elf des National-Novelle-Writing-Month. 18699 Worte. Alles läuft. Jeden Tag schreiben. Es geht mir super. Was ist zwischen dem 31.Oktober und dem 1.November passiert?

Ich kann mich kaum erinnern, wann ich den letzten Text geschrieben habe, mit dem ich zufrieden war und der mir leicht von der Hand ging.

Max Frisch schrieb in seinem Buch „Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“: Ein fast unüberwindlicher Ekel vor der Schreibmaschine, Versuche mit Handschrift, einmal auch mit dem Tonband, aber das hilft nicht – Muss ich was zu sagen haben? … Ich weiß nicht, was los ist.

Es war eine Erleichterung, als ich es las. Auch die Besten haben Schreibhemmungen. Und der Gedanke: Muss ich was zu sagen haben … den stelle ich mir bei jedem Text, jeder Zeile. Gab es nicht jemand vor mir, der es besser geschrieben hat? Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Bestimmt.

Meine Freundin rief mich an. „Du ich habe ein ganz tolles Buch gelesen. Es war so komisch, der Konflikt zwischen den Figuren so gut geschrieben. So ein Buch würde ich auch gerne schreiben. Ich bin auf der Suche nach der ultimativen Geschichte.“ – Genau mein Gedanke, wenn ich zum Beispiel Frankenstein von Shelley lese. Wo finde ich die ultimative Geschichte?

Wenn man Georges Polti glauben darf, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Plots. Er zählt 36 Master Plots auf. Mit Fantasie mixt man aus den 36 noch ein paar weitere zusammen. Heißt, danach ist Schluss. Hat man die geschrieben, fängt man wieder von vorne an, ganz pragmatisch gesehen. Also woher kommt die ultimative Geschichte? Bei über 95.000 Neuerscheinungen im Jahr ist die Möglichkeit, dass sich die Plotmuster wiederholen nicht gerade gering.

Vor drei Tagen habe ich meine Texte durchforstet. Ich wollte wissen aus wie vielen Anfängen ich Romane schreiben könnte. Nach einigen Stunden hatte ich siebzig Anfänge und dabei sind das nur die Anfänge, die ich schon weitergedacht habe (Teilrecherchen, Notizen, Charakter). Doppelt so viele, wie Plotmöglichkeiten und natürlich wiederholen sich die Plots.

Na super! Was sagt mir das? Ich sollte meine Plotideen etwas weiter streuen? Eine gute Idee. Aber ich gebe zu, es gibt Geschichten, die ich nicht unbedingt schreiben möchte. Zum Beispiel lese ich ganz gerne Thriller und Krimis, aber sie zu schreiben, ist nicht so meins. Im Grunde ist die einzige Option, die ich habe, wenn ich auf der Suche nach der ultimativen Geschichte bin, dass ich meine Ideen so gut umsetze wie möglich. Dass ich mein Herzblut und meine ganze Fantasie in die Geschichte stecke, egal wie oft ich diesen Plot schon benutzt habe.

Was bleit mir übrig? Es gibt nur schreiben oder nicht schreiben. Und Letzteres kommt in meinem Universum nicht vor. Ich habe ab und an diese Sinnkrisen. Klar, welcher Schriftsteller nicht?! Aber am Ende zählt einfach nur das Durchhaltevermögen und an sich zu glauben, egal ob es andere tun oder nicht. Über Henry Miller wurde geschrieben: er schrieb überall. Dauernd hörte man seine Schreibmaschine klappern.

Der NaNo ist für mich jedes Jahr die Möglichkeit ein Buch zu schreiben. Ich weiß nicht, was es ist? Ich glaube, es ist die Freiheit einfach drauflos zu schreiben. Ich denke nicht an Plots, Charaktere, Sinn oder Unsinn der Geschichte, nur an das Ziel. 50000 Worte in 30 Tagen. Und siehe da, im Laufe des Schreibens entwickelt sich die Handlung, die Figuren, die Sets, wie von Zauberhand. Während des Jahres schreibe ich mir manchmal auf, über was ich während des NaNo schreiben könnte. Aber bis jetzt waren das nie die Geschichten, die ich letzten Endes geschrieben habe. Es waren immer spontane Einfälle.

Wenn ich meine siebzig Anfänge alle zu Geschichten verarbeiten will, muss ich entweder noch siebzig Jahre NaNo schreiben. Das wird selbst bei guter Gesundheit schwierig für mich, schließlich bin ich nicht mehr zwanzig. Oder ich nehme mir persönlich mehrere NaNo – Monate im Jahr vor. Also bei jedem Monat NaNo wäre ich in fünf Jahren mit den 70 Anfängen durch. Andererseits sind sich einige der Anfänge sehr ähnlich. Ich habe eine, wie soll ich sagen, Favoritenliste gemacht und bin auf die magische 36 gestoßen. 36 Anfänge, die ich noch der „Wichtigkeit“ nach einteilen müsste. Jeden zweiten Monat ein NaNo, sechs Romane in einem Jahr, fertig in sechs Jahren.

Guter Plan. Mathematisch gut gedacht. Aber ich kenne meine Zweifel, meinen Schweinehund, außerdem produziere ich zwischendurch noch neue Ideen, von den zurückgestellten Texten ganz zu schweigen. Ab und an muss ich auch mal arbeiten und echtes Geld verdienen (ohne Kaffee und Käsebrot kann auch der genialste Schriftsteller nicht überleben), den Haushalt schmeißen und soziale Kontakte pflegen.

Was also tun? Ich klemme mich jetzt wieder hinter meinen NaNo 2012. Wenn ich dann voller Euphorie meinen Schweinehund und meine Zweifel besiegt, das Ziel der Worte erreicht habe, kann ich mich an die Lösung des anderen Problems setzen: Welcher meiner Anfänge lässt sich zu der ultimativen Geschichte verarbeiten?!

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