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Posts Tagged ‘Kommissar’

„Wann haben sie Henry March das letze Mal gesehen?“

Kommissar Harris sah Miss Nadine mit strengem Blick an. Sie zuckte mit den Schultern.

„Es scheint ihnen nicht viel auszumachen, dass er vermisst wird. Ich dachte, er sei ihr Verlobter.“

Nadine überlegte kurz, ob sie eine Träne herausdrücken sollte, aber ihr Blick in Kommissar Harris Gesicht ließ sie daran zweifeln, dass dies eine Wirkung gehabt hätte. Sie entschloss sich ihm die Wahrheit zu sagen.

„Nein, Kommissar Harris, es macht mir nichts aus. Mister March und ich waren verlobt, aber nicht auf meinen Wunsch hin. Vermutlich wissen sie, dass er ein reicher Mann war, um nicht Nabob zu sagen. Eine Tatsache, die meine Eltern motiviert haben, mich an ihn zu verkaufen.“

Nadine hilt inne. Stimme hatte einen scharfen bitteren Klang angenommen. Sie atmete ein paar mal durch, dann hatte sie sich wieder gefasst.

„Ich nehme an, dass erklärt mein Desinteresse an Mister Marchs Aufenthaltsort. Und um auch das noch zu klären, ja, ich hoffe, er taucht nie wieder auf. Sonst sähe ich mich gezwungen, durchzubrennen.“

Kommissar Harris konnte sich, trotz des Ernstes der Situation, ein Lächeln nicht verkneifen. Er war Mister March einmal begegnet und war zu der Ansicht gekommen, einen arroganten, bösartigen Mann vor sich zu haben. Dass Miss Nadine sein Verschwinden nicht bedauerte, konnte er durchaus nachvollziehen. Sie war eine apparte dunkelhaarige Schönheit mit faszinierenden grünen Augen und einer reizvollen Figur.

„Gut“, sagte er wieder ernst und erhob sich. „sie haben ihren Standpunkt klar dargestellt.“ Harris wandte sich von Nadine ab und ging ans Fenster. Sein Blick fiel auf einen weitläufigen gepflegten Garten. „Würden sie mir bitte jetzt die Frage beantworten, wann sie Mister March das letzte Mal gesehen haben.“

„Es muss am Dienstag gewesen sein“, antwortete Nadine mit ihrer melodischen Stimme, „als ich ihn in inniger Umarmung mit unserer Hausdame erwischte.“

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Ort: Büro eines Polizeipräsidiums, kahle Wände, ein  Schreibtisch, zwei Stühle

Kommissar: Ende fünfzig, korpulent, Haarkranz, Schnauzer

Mann: etwa dreißig, dünn, lange Haare, Späthippie

Prolog

Kommissar Baumann sitzt an seinem Schreibtisch und liest einen Zettel. Auf seinem Schreibtisch türmen sich die Akten. Sein Assistent huscht herein, stellt ihm eine Tasse mit dampfendem Kaffee auf den Tisch. Auf der anderen Seite des Tisches sitzt Bruno Süss. Zusammengesunken, die Hände vor das Gesicht geschlagen, sitzt er da und Schluchzt erbärmlich. Er will seine Freundin Dolly als Vermisst melden. Pünktlich um 16.15 Uhr kam er von der Arbeit nach Hause und fand auf dem Küchentisch einen Brief, der an ihn gerichtet war. Darin teilte ihm seine Freundin mit, dass sie ihn verlässt. Sofort war er ins Polizeipräsidium gehetzt, um ihr Verschwinden zu melden. Er will sie wieder haben. So schnell wie möglich.

K.:  Also, Herr Süss, wie ich aus dem Abschiedsbrief ihrer Freundin entnehmen kann, möchte sie nicht gesucht werden. Ich lese wörtlich: „Lieber Bruno, die Zeit mit dir war schön, aber ich habe keine Lust mehr, wie eine Puppe von dir behandelt zu werden. Such nicht nach mir, ich komme schon zurecht, Dolly“

Bruno wird von einer neuen Salve Schluchzen geschüttelt.

K.: Ich bitte sie, Herr Süss! So was ist schon so vielen anderen Männern passiert. Sie werden es überleben!

B.:  Sie verstehen das nicht, Herr Kommissar. Sie war mein ein und alles, mein Liebling! Auch wenn ich ab und zu mal was mit einer anderen Puppe hatte. Ich kam immer zu ihr zurück. Jeden Tag hab ich ihr gesagt: Du bist die Beste, Dolly. Morgens hab ich ihr beim Anziehen geholfen, hab ihr das Make-up aufgelegt und auch sonst alles für sie getan.

Bruno schnäuzt sich in ein Taschentuch. Der Kommissar schüttelte den Kopf. Erst geht der Kerl fremd und dann glaubt er, seine Freundin lässt sich alles gefallen.

K.:  Das mit den anderen Weibern hätten sie mal lieber lassen sollen! Außerdem wäre es besser gewesen sie auch mal was alleine machen zu lassen? Frauen mögen das nicht, wenn sie zu sehr bevormundet werden.

B.:  Ja, das weiß ich jetzt auch! Aber ich bin auch nur ein Mann und es gibt so viele tolle Puppen, da kann man schon mal in Versuchung kommen. Wissen sie, erst war mir nur der Sex mit Dolly wichtig, aber dann wurde es eine richtige Beziehung. Ich kann nicht ohne sie leben. Was soll ich denn jetzt machen?

K.:  Haben sie schon mal bei Freunden oder Verwandten angerufen?

B.:  Nein. Sie hat keine Verwandten oder Freunde. Wir haben sehr zurück gezogen gelebt. Ich ging zur Arbeit, kaufte für uns ein und wenn ich nach Hause kam, haben wir es uns gemütlich gemacht.

Der Kommissar schüttelt den Kopf, macht eine Schublade auf und holt einen Bogen Papier heraus.

K.:  Sie hätten mehr mit ihrer Freundin unternehmen sollen. So ein eintöniges Leben hält ja kein Mensch aus.

B.:  Mir hat es gefallen. Wir hatten den geilsten Sex, den sie sich vorstellen können! Sie war immer bereit.  Jeden Wunsch habe ich ihr von den Augen abgelesen. Sie hatte die neusten Klamotten, Schmuck, viel zu viele Schuhe und immer die neusten Perücken. Und jetzt! Nichts mehr da! Sie hat alles mitgenommen.

Bruno kommen wieder die Tränen. Der Kommissar sieht ihn irritiert an. Er hat schon von einigen Fetischen gehört, aber Perücken gehörten nicht dazu. Aber eventuell hat Dolly eine Krankheit, weshalb sie keine eigenes Haar hat.

K.:  Herr Süss, hat ihre Freundin eine Krankheit, oder warum trägt sie Perücken?

B.:  Nein, wo denken sie hin! Aber ich mag es, wenn sie von Zeit zu Zeit mal eine andere Frisur hat.

K.:  So, so.

Der Kommissar beugt sich über seine Zettel und macht ein paar Notizen. Irgendwie muss er diesen armen Irren so schnell wie möglich los werden. Er schaut den verheulten Bruno an.

K.:  Gut, also normalerweise ermitteln wir nicht in so offensichtlichen Fällen von einseitigem Verlassen. Aber ich will in ihrem Fall eine Ausnahme machen. Ich werde mich ein bisschen umhören. Vielleicht finde ich etwas heraus.

B.:  Das würden sie tun? Danke, Herr Kommissar, ich weiß gar nicht wie ich ihnen danken soll!

K.:  Lassen sie es gut sein. Wer weiß ob ich sie finde?!

B.:  Sie kann nicht weit weg sein. Sie ist eher ein Bisschen steif und unbeweglich.

K.:  Sie ist also nicht sportlich?

B.:  Nein, nicht wirklich. Aber im Bett kann die sich verbiegen, das kann ich ihnen sagen! WOW! Sex mit Dolly ist das Größte.

Der Kommissar räuspert sich. Es gibt Dinge, die will man nicht wissen.

K.:  Auf die Personenbeschreibung zurück zu kommen, können sie mir vielleicht sagen, wie sie zu dem Zeitpunkt ihres Verschwindens aussah.

B.:  Also, ich hatte ihr die blonde Perücke aufgesetzt. Die Augen sind Blau, meine Lieblingsfarbe. Sie ist schlank, aber gut gebaut, wenn sie wissen was ich meine!? Sie ist etwa 1,60m groß. Jeder Zentimeter purer Sex! Sie werden es sofort erkennen, wenn sie Dolly sehen.

Bruno deutet mit den Händen die Formen einer Frau an, die nach der Beurteilung des Kommissars, einen sehr großen Busen hat. Bruno hat einen verklärten Blick und der Kommissar ist froh, dass er Brunos Gedanken nicht lesen Kann. Er ignoriert die Anzüglichkeit und fährt fort.

K.:  Und wie alt ist Dolly?

B.:  Drei Jahre.

K.:  Nein. Sie haben mich falsch verstanden. Nicht wie lange sie mit ihnen zusammen war, sondern ihr Alter!

B.:  Sag ich doch. Drei Jahre.

K.:  Hören sie, Herr Süss! Veräppeln kann ich mich auch alleine! Dazu brauche ich sie nicht. Sie sind hier auf einem Polizeipräsidium und nicht bei „Verstehen sie Spaß“! Sie haben hier die Wahrheit zu sagen. Sonst landen sie schneller in einer Zelle, als sie Dolly sagen können!

B.:  Aber Herr Kommissar, für wen halten sie mich!

Bruno ist empört. Der Kommissar überlegt, ob er den Kerl mal ins Röhrchen blasen lässt. Bis jetzt hatte er nicht den Eindruck als stehe Herr Süss unter Alkoholeinfluss. Es wäre auch denkbar, dass Herr Süss schizophren ist.

K.:  Noch mal, Herr Süss. Wie alt ist ihre Freundin.

B.:  Drei Jahre.

K.:  Wie kann eine erwachsene Frau drei Jahre alt sein!

Der Kommissar klopft ärgerlich mit der flachen Hand auf den Tisch. Jetzt reicht es! Sein Tisch liegt voller Papiere und dieser Idiot stiehlt ihm die Zeit. Bruno sieht den Kommissar mit großen Augen an.

B.:  Ach, habe ich es nicht erwähnt? Sie ist eine Living Doll. Eine Liebespuppe. Ich habe sie vor drei Jahren gekauft.

K.: Wie bitte???

Der Kommissar greift sich ans Herz. Bald geht er in Rente. Gott sei dank!

Epilog

Dolly war mit Sack und Pack zu Hubert, Brunos einzigem Freund gezogen. Dieser hatte sie schon lange beobachtet. Eines Tages, Bruno war bei der Arbeit, hatte sie Hubert ihre beste Seite gezeigt. Das hatte ihn so scharf gemacht, dass er nur noch auf eine günstige Gelegenheit wartete um Dolly abzuholen. Sie war froh über einen Tapetenwechsel. Mit Bruno gab es in den letzten Monaten nur noch 08/15 Sex. Außerdem war sie es leid mit anzusehen, wie Bruno sich mit anderen Dolls vergnügte. Bruno bekam nie heraus, wohin Dolly verschwunden war. Hubert verlor kein Wort darüber und Dolly war sehr verschwiegen.

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