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Posts Tagged ‘Kinder’

„Die Unfähigkeit sich der Zerbrechlichkeit

eines jeden Menschen bewusst zu werden,

ist letztlich das Ergebnis einer fatalen Gefühllosigkeit

gegenüber der Gegenwart.“

Th.W.Adorno

 

Dieser Ausspruch fiel mir eben in die Hände, als ich meine Notizen sortierte. Er hat schon einige Jahre auf dem Buckel und doch ist er heute wahrer, als je zu vor.

Warum können wir nicht schätzen, was wir haben? Unsere Erde, die Natur, das Leben, den einzelnen Menschen, seine Würde, seine Ansichten, seine Zerbrechlichkeit? Warum bilden sich manche Menschen ein, sie wären besser, als andere oder hätten das Recht jemandem wehzutun, ihn zu vertreiben – was auch immer?

Müssen wir immer erst in den Ausnahmezustand kommen, ehe wir aufwachen?

Und auch hier zeigt sich, wie wenig oder wie viel wir Rücksicht nehmen. Auf ältere Menschen, Kranke, Kinder, Familien, Arbeitnehmer und Selbstständige. Sagen kann man eine Menge, wenn der Tag lang ist. Von vielen Milliarden Euro ist die Rede. Doch wo werden sie ankommen und wie unbürokratisch können die Bürokraten sein?

Wir Menschen sind zerbrechlich.

Jeder Einzelne.

Ich und Du.

Das sollten wir niemals vergessen!

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Im Dunkel der Schränke reifen die Sommerkleider. Warten auf einen Sommer, der niemals wiederkommt. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen die Wiesen, Wälder und Gärten sich in leuchtend bunte Farben kleideten, die Luft vom Geschwirr der Vögel flirrte und in Mensch und Tier die Lust zu leben weckte.

Leer und öd ist es. Beton und Eisen überziehen die Welt. Müll, sichtbar und unsichtbar sind die neuen Farben. Lärm und Dissonanzen verstopfen uns die Ohren, verhindern, dass wir denken können.

Nach dem großen Krieg, den dumme, machtgierige Diktatoren anzettelten und dem sie ihre Völker opferten, verfiel das Land bis zur Unkenntlichkeit. Es lag im Todeskampf, getränkt mit Blut. In den Jahrtausenden, in denen es geknechtet und ausgebeutet wurde, hatte es nach der Schlachtung seiner Kinder die Lust am Leben verloren. Könnte ich so viele Tränen weinen, den Schmutz wegzuwaschen, ich weinte sie alle.

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oder Studenten auf Reisen

 Nachdem ich endlich Studentin sein darf, ist es an der Zeit die neu gewonnene Freiheit zu genießen und sich dem Leben hinzugeben. „Das Leben wurde geschaffen für große Abenteuer & große Freundschaften.“ So haben meine Mitstudentin Uschi und ich eine spontane Reise zu einem Konzert der Band PROJEKTiON in die Niederlande geplant.

PROJEKTiON

PROJEKTiON

Nein, die Reise zum Konzert der Band ist nicht meinem neuen Seminar: Verstehen an der Grenze – Fremde Lebenswelten beobachten – verstehen – beschreiben, geschuldet, sondern wurde durch einen netten Zufall auf Twitter ausgelöst. Dort stieß ich vor einigen Wochen auf diese interessante Band aus den Niederlanden. Da ich Musik liebe  (und die Niederlande), sie auch zum Schreiben brauche, und ich es spannend finde neue Musik/er zu entdecken (dank meiner Kinder, die immer mal wieder ungewöhnliche Musik nach Hause brachten und mich inspirierten) klickte ich den Song an.

PROJEKTiON – Stranded

Dieser Song ist eine wunderschöne Ballade und gefiel mir auf Anhieb. Der Leadsänger beherrscht die leisen Töne, aber wie man bei dem Song „Delirious“ hören kann, auch die rockigen Vocals.

PROJECTiON – Delirious

Die Band kommt aus den Niederlande, Provinz Gelderland aus den hübschen Städtchen Winterswijk, Varsseveld, Borculo. Die Musiker blicken auf langjährige Erfahrungen zurück, traffen bei Auftritten öfter aufeinander, bis sie sich in der jetzigen Konstellation zusammenfanden. Die Bandmitglieder: Richard Immink (drums and vocals), Frank van Eerden (guitar and vocals), Herman Wiggers (lead vocals), Peter Pampiermole (keyboards and vocals), Jürgen ten Have (bassguitar and vocals) schreiben und komponieren alle Songs selbst.

Das Debüt-Album heißt Realitivity und entstand 2015 – Genre: Melodic/ Progressive Rock. Die Songs des Konzeptalbums stehen zwar alle für sich, bilden aber eine harmonische Einheit. Die Bandmitglieder haben beim Schreiben der Songs ihr Leben, ihre Erfahrungen einfließen lassen.

Das Album ist eine musikalische Beschreibung des Lebens mit allem was uns im Alltag begegnet: Eile, Stress, Erwartungen, Druck, Überzeugung, Zweifel, Reue, aber natürlich auch Freude, Liebe und Glück, die ein unersätzliches Gegengewicht bilden. Die Relativität der Realität. Realitivity. So entstand ein Album, das sich zu einer stimmig-melodischen Einheit zusammenfügt.

Background Magazin über PROJECTiON

Informationen in englischer Sprache

Webseite der Band PROJECTiON

In Niederländisch.

Das Konzert findet am 24.11.2016 im Muziek Cafe Merleyn, in 7001 Doetinchem, Grutstraat 4 statt. Muziek Cafe Merleyn

Und was das Studentische in der Reise betrifft – nach dem Konzertbesuch wird es einen kleinen Reisebericht geben. Denn tatsächlich wird dies das zweite Konzert meines Lebens. Das erste Konzert war im Olympia Stadion Berlin – U2 – Zoo Tour. Eine zweite Premiere sozusagen. Es ist doch toll, dass man mit 51 Jahren Dinge  zum (fast) ersten Mal erleben kann.

„Die Inspiration ist vorbei, nun kann ich mich wieder an die Arbeit machen.“                                             Stanislaw Afanasjew

Ein schönes Zitat. Zeigt es doch, dass wir nie aufhören dürfen neugierig und interessiert zu sein. Sich mit Neuem zu befassen um sich inspirieren zu lassen. Der Sehnsucht nachzugeben, dem Leben ein Abenteuer abzutrotzen und sich nicht kampflos dem Alltag zu überlassen. Ohne Inspiration kann unsere Kreativität nicht befruchtet werden. Das kann sicher jeder Künstler bestätigen. Und wer den Funken der Inspiration gespürt hat, kann und will ihn nicht mehr missen.

„Wir bereuen am Ende unseres Lebens das, was wir nicht getan haben. – Noch niemand hat am Ende gedacht, schade, ich habe viel zu wenig Zeit im Büro verbracht.“

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Urlaub, Gelb, Blitz, Blechdose, Zittern, finden

Der Urlaub ist eine einzige Katastrophe. Auf der Hinfahrt hatten wir eine Reifenpanne, vergaßen eins der Kinder auf einem Rastplatz, mussten eine Nacht im Auto verbringen, weil der Vermieter des Ferienhauses unseren Ankunftstermin verpennt hatte und gleich beim Einräumen der Lebensmittelvorräte schnitt sich Andy an einer Blechdose die Hand auf und musste eine Tetanus-Spritze bekommen. Von wegen Blutvergiftung und so, sagte der einzige erreichbare Arzt in der zwanzig Kilometer entfernten Kleinstadt, der mir eher ein Igor zu sein schien, denn ein promovierter Arzt.

Zu allem Überfluss tobt seit heute Morgen ein Gewitter, dass die kleine Hütte in ihren Grundfesten erschüttert. Gelbe und weiße Blitze schießen über den Himmel, gefolgt von ohrenbetäubenden Donnerschlägen, als wäre der  jüngste Tag über uns hereingebrochen.

Von dem runden Dachfenster aus könnte man das Meer sehen, wenn die Sonne scheinen würde. Nun ist alles eine graue brodelnde Masse aus Gischt, riesigen Wellen, Regen – und Hagelschauern. Bernie liegt seit Stunden unter der Couch und winselt. Die Kinder streiten, weil der verdammte Fernseher nicht funktioniert, ich glaube die Satellitenschüssel hat einen Abgang gemacht, und Andy spielt mit dem Smartphone herum, oder besser, er versucht es, aber er findet kein Netz. Der Sturm hat alle Verbindungen zur Außenwelt unterbrochen.

Ich gehe jetzt aufs Klo, den einzig ruhigen Ort in diesem Irrenhaus, schließe mich ein und komme erst wieder heraus, wenn die drei Wochen Urlaub vorbei sind.

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Das letzte was Helen brauchen konnte, war ein kreischender kleiner Bruder. Sie kramte in ihrer Handtasche und drückte ihm einen Schokoriegel in die Hand. Dass ich immer auf Max aufpassen muss, wenn es hart auf hart kommt, dachte sie, dabei könnte Andrew sich auch mal herablassen.

Helen sah auf Max herunter, der den Schokoriegel aus seiner Verpackung geschält hatte und genüsslich abbiss. Triumphierend sah er zu ihr auf. Helen verkniff sich ein Grinsen, sie konnte ihm nie lange böse sein. Max war wirklich süß, mit den strohblonden Haaren und den Strahleaugen, aber er wusste genau, wie er seine große Schwester dazu bringen konnte, ihm seinen Willen zu lassen, meistens jedenfalls.

„Bist du jetzt still?“, fragte Helen und warf ihm einen warnenden Blick zu.

Max nickte und nuschelte:

„Ehrenwort!“

Helen nickte. Wenn er sein Ehrenwort gab, konnte sie sich auf ihn verlassen, dass war eine unausgesprochene Abmachung zwischen ihnen. Für einen Sechsjährigen ist er oft viel zu verständig, dachte Helen und seufzte, andere Kinder in seinem Alter gehen völlig unbedarft durchs Leben.

Sie streckte ihm die Hand hin und Max legte seine kleine, weiche Kinderhand hinein. Helen drückte den Kloss in ihrem Hals hinunter. Sentimentalität war gerade nicht angebracht. Sie musste alle Sinne beisammen haben.

Langsam schlenderten die Beiden zwischen den gutbesuchten Straßencafes entlang. Es sah völlig harmlos aus. Eine junge Frau und ein kleiner Junge, der einen Schokoriegel aß.

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Ich schob die Tür hinter mir zu. Die Stille im Gewächshaus war unheimlich im Gegensatz zu dem Krach, der im Park herrschte. Draußen im botanischen Garten liefen Kinder lärmend und kreischend über die Kieswege, Erwachsene führten laute Telefongespräche oder riefen die Kinder zur Ordnung.

Einen Moment lauschte ich und spähte durch die dichte Vegetation. Ich war allein. Achtsam, um auf den feuchten Fliesen nicht auszurutschen, ging ich zwischen den dicht bewachsenen Pflanzenarealen hindurch. Da war es. Zugemauert! Ich schluckte und versuchte die Tränen zurückzudrängen. Das durfte nicht wahr sein! Wie sollte ich je wieder nach Hause kommen?

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Assoziationen:

Grün: Bäume, Blätter, Wald, Wiese, Fensterblick, Absinth, grüne Fee, Klee, atmen, frisch, Teiche, Smaragde, Hoffnung, Samt, England, Gärten, grüne Höhlen, Moos, Äpfel, Frösche, barfuß,

Text:

Der Tag liegt noch im Halbschlaf. Ich schlage die Augen auf und bin hellwach. Durch das geöffnete Fenster fließt frische Morgenluft herein und hüllt mich in einen Kokon aus Düften und Geräusch. Das taubenetzte Gras, der sanfte Duft der Rosen vor meinem Fenster bilden den Hintergrund und die euphorischen Gesänge der Vögel breiten sich im Vordergrund aus. – Noch zwei Stunden, bis der Wecker klingelt. – Ich seufze. – Ich werde sowieso nicht wieder einschlafen. – Also stehe ich auf. – Eine Tasse Kaffee und der Text von gestern warten. So kann ich meine Schlaflosigkeit immerhin in positive Aktion versetzen. –

Ich öffne die Terrassentür und trete hinaus. Vor mir liegt mein schattiger Garten. In einer tiefen Höhlung. Durch die Dämmerung sind seine Konturen noch verwischt und undeutlich. Aber wenn die Sonne langsam über den Rand der Welt kriecht und ihre Strahlen nach ihm ausstreckt, wird das Bild klar.

Ich strecke mich, atme den Duft des Morgens tief ein. Nehme ihn mit allen Sinnen wahr. Spüre seine kühlen Finger auf meiner warmen Haut. Ich nehme das glatte Holz der Veranda unter meinen nackten Füßen wahr. – Wie Samt. Als Kinder sind wir im Sommer oft barfuß durch den Garten gelaufen. –

Wehmut vermischt sich mit Glück. Eine nostalgische Erinnerung an eine ferne Zeit, als meine Brüder und ich uns in einem nie endenwollenden Paradies wähnten. Niemand konnte uns etwas anhaben, niemand uns aufhalten. Alles war möglich. Die große Wiese mit den Apfelbäumen hinter unserem Elternhaus war unser Eldorado und der Wald mit seinen dunkel glänzenden Smaragdteichen unser Nimmerland. Wir wollten nie erwachsen sein. Immer dort leben, unter dem Himmel, der uns unendlich und unerreichbar schien.

Ich gehe ins Haus und mache mir einen Kaffee. Der Text von gestern warte.

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