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Posts Tagged ‘Jane Eyre’

Meine Top 11:

Star Wars Teil 4-6 (also die „ältesten“ Teile – den Charme erreichen die neuen Teile bei Weitem nicht.)

Herr der Ringe (alle drei Teile!)

Die Züricher Verlobung (von 1957)

Drei Männer im Schnee (von 1955)

Mondsüchtig (mit Cher und Nicolas Cage – Leidenschaft pur und dazu der Mond über New York)

Persuasion (nach Jane Austen – beide Verfilmungen, den von 1995 und den von 2007)

Jane Eyre ( die BBC Verfilmung mit Toby Stephens – er ist einfach der bessere Edward Rochester)

Hatari (mit John Wayne)

Too Wong Foo (Wesley Snipes und Patrick Swayze als Drag Queens einfach wunderbar positiv)

Manche mögen`s heiß (Geraldine und Daphne – einfach köstlich)

Miss Pettigrews großer Tag (ein so wunderbares Happy End!)

 

Ich hätte da noch einige Lieblingsfilme im Repertoire, aber ich denke, dass ist schon mal eine nette Auswahl.

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Ich hole das kleine Mädchen vom Kindergarten ab. Dort herrscht schon reges Kommen und Gehen. Ich spreche noch kurz mit der Mutter. Dann gehe ich mit der Kleinen, sie ist mein Tageskind, zu meiner Oma. Es ist nicht weit, nur über die Straße. Meine Kinder sind schon dort. Als ich den Hausflur betrete, liegen vier schwarzemaillierte Kuchenbleche auf dem Boden. Ich hatte sie dort hingelegt, bevor ich zum Kindergarten ging. Ich wollte den Pizzateig darauf legen und ihn gehen lassen. Meine Oma ist wütend, weil sie das nicht wusste. Sie hat den Hefeteig in Kuchenformen verteilt und den Belag darauf verteilt. Ich will das nicht und versuche den Teig und den Belag wieder auf die Bleche zu geben, was in einem fürchterlichen Geschmiere endet. Meine Oma schimpft und sagt zu meiner Mutter: „Sie macht nie etwas Anständiges zu essen.“ Ich bin frustriert, weil ich wirklich gut Pizza backen kann und meine Oma es verdorben hat, nur weil sie nicht ein paar Minuten auf mich gewartet hat. Ich gehe in Omas kleine Küche, lasse mich auf einen Stuhl fallen. Mein Neffe ist auch da. Auf dem heißen Gasofen steht eine runde Kuchenform mit Pizzateig und Belag. Der Teig ist so hoch aufgegangen, dass er ein ganzes Stück über den Rand schaut. Es zischt und brodelt. Gleich wird die Form vom Ofen rutschen. Wo sind die Topflappen? Sie stürzt!

6 Uhr 16. Der Wecker meines Mannes klingelt. Nein, nicht jetzt, denke ich. Ich könnte noch eine halbe Stunde schlafen, aber da ich schon wach bin, kann ich auch aufstehen. Als ich ins Bad gehe, Zähneputzen, streicht Finchen, unsere Katze, um meine Beine. In der Küche stelle ich fest, dass die Milch doch für zwei Tassen Kaffee reicht. Zum Glück, sonst müsste ich gleich zum Supermarkt, aber das hat jetzt noch Zeit. Fee und Isa machen sich für die Schule fertig und Jörg für die Arbeit. Ich muss heute nicht arbeiten. Dafür fange ich sofort an, die erste Seite für „Schenk mir einen Tag“ zu schreiben. Es läuft gerade Mads Langer „Your`re Not Alone“. Bevor ich mein Gymnastikprogramm auf der Wii absolviere, sehe ich noch kurz nach meinen Mails.

7 Uhr 40. Eine halbe Stunde Yoga und Muskelübung. Hilft meinem Rücken. 141 kcal verbrannt. Das hab ich zwar mit einem Pflaumenmusbrot wieder drauf, macht aber nichts. Immerhin hab ich was getan und das ist ein gutes Gefühl.

     9 Uhr 09. Unnötigstes Wissen des Tages (laut Radio Energy): Es gibt mehr Barbies, als Kens. (Eine Tatsache, die uns eigentlich klar sein dürfte?!) Ich habe meine Haare gefärbt. Perlblond. Um die grauen zu verdecken und weil mich dunkle Haare älter machen, als ich mich fühle. Nebenbei den Geschirrspüler ausgeräumt.

Jane Eyre das 26.Kapitel angefangen (die Hochzeitsszene). Ich frage mich, warum scheinbar niemand bemerkt haben will, dass Rochester eine Frau im Turm eingesperrt hat. Noch nicht einmal das Personal! Ist es möglich, auch wenn die Dienstboten ihrem Herrn sehr ergeben waren, dass die Existenz von Bertha Mason über 15 Jahre geheim bleiben konnte? Ich mag Charlotte Bronte, aber ich denke, dass Jane, die kluge, resolute Jane, sich in diesem Fall einfach zu schnell zufriedengeben hat, mit Mister Rochesters fadenscheinigen Aussagen. Dabei kommt Jane Eyre mir immer so vernünftig vor.

9 Uhr 30. Nachrichten, Radio Energy:

   Wetter: Wolken, Regen, Höchsttemperaturen 11 Grad.

   Neonazi-Morde, es wurde bekannt, woher die Täter die Waffe hatten.

   Unruhen und Tote wegen der Koranverbrennung von US-Soldaten in Afghanistan, Bundeswehr gibt ihren Stützpunkt in Talokan auf.

   Europaleague: Hannover 96 und Schalke sind weiter.

   Tarifstreit am Frankfurter Flughafen ohne Ergebnis

   Über das Rettungspaket für Griechenland soll am Montag im Bundestag abgestimmt werden, einige Abgeordnete der CDU gehen nicht mit Merkel konform.

   Ende 2011 Dämpfer für die deutsche Wirtschaft, trotzdem verbesserte sich die Wirtschaftslage im Gesamtjahr

   Name des Babys von Victoria von Schweden wird heute bekannt geben. Mögliche Namen: Desiree, Christina oder Margaretha

10 Uhr 03. Habe gerade einen Artikel für meinen Blog: gepostet:

Literarisch leben. Wie geht das? La Boheme … leben in einer Kammer, durch deren marodes Dach ein steter Tropfen auf einen ebenso maroden Schirm tropft, wenn es real regnet und dabei irreale Poesie verfassen? Andere Möglichkeit: Viva la Vida. Alles leben, alles mitnehmen und dann das Ganze in Prosa oder Lyrik verdichten. Frei dem Motto: Leben, um darüber zu schreiben.

Vielleicht ist es aber auch einfach frei sein. Wobei es niemals völlige Freiheit geben wird, einzig die Freiheit der Gedanken. Alles ist nur relativ, eine Grenze ist uns immer gesetzt, sei es Moral, Verantwortungsbewusstsein oder Naturgesetz. Einzig in unserem Kopf gibt es keine Grenzen. Das zu erkennen, es zu nutzen, ist das Geheimnis. Es hat sich mir noch nicht völlig erschlossen, aber ich spüre es, wenn ich das „Fieber“ bekomme. Meine Gedanken wie ein Feuerwerk hochgehen und ich die Fackel bin, die von beiden Seiten brennt. Dann ist alles möglich und es gibt keine Beschränkung, die Flammen verbrennen sie alle, nichts bleibt übrig. Das ist wahre Freiheit, egal wo ich bin. Niemand kann mich aufhalten.

     Ich höre gerade Katy Perry: “The One That Got Away” …in another life I would be your girl… und ich frage mich, wer in meinem anderen Leben mein Seelenverwandter ist? Ich glaube nicht daran, aber die Vorstellung wäre schön und hat zumindest etwas Beruhigendes an sich. Menschlich, sich etwas zu recht zu legen, auch wenn die Möglichkeit gleich null ist. Andererseits wahrscheinlich überlebenswichtig. Denn nur wer Hoffnung hat, hält diesem Leben stand, das uns manchmal wirklich beutelt.

     10 Uhr 16. Eine SMS von meiner großen Tochter bekommen, die in Nürnberg lebt. „Guten morgen, meine liebste mama, cool! wir suchen dir ne schicke brille aus. wie geht`s deinem auge? hab nen tollen tag! hab dich lieb.“

     11 Uhr 27. Bankangelegenheiten und Telefonanrufe erledigt. Ich hasse diesen Papierkram und alles, was damit zusammenhängt. Ich bin zu Fuß zum Supermarkt gegangen. Mein Einkauf hat länger gedauert, als geplant. Wie immer. Ich hatte einen kleinen Zettel mit Sachen, die sich später in meinem Wagen wundersam vermehrten. Dann traf ich einen Kollegen vom Fahrdienst mit seiner Frau. Er schied vor einigen Monaten wegen Krankheit aus. Leider. Ich mag ihn und kam gut mit ihm zurecht. Wir unterhielten uns eine Weile über die Ereignisse der letzten Zeit und stellten, wieder einmal fest, dass wir uns nie sehen, obwohl wir nur eine Straße voneinander getrennt wohnen.

Das Wetter ist mild, obwohl es immer noch grau ist. Wenn ich nicht gerade so müde wäre, würde ich einen Spaziergang machen, aber das kann ich auch auf später verschieben. Ich werde mich jetzt um die Aufgaben für den Schreibkurs heute Abend kümmern und nebenbei eine Dosis Romantik atmen. Persuasion von Jane Austen, mit Rupert Penry-Jones. Es lohnt sich.

13 Uhr 14. Leider ist der Film vorbei und ich muss in die Realität zurückkehren. Hatte einen Anruf von Katja, wegen heute Abend. Es könnte sein, sie kommt etwas später zum Schreibkurs, weil ihre Schwester im Krankenhaus liegt, sie bekommt ein Baby. Fee ist auch wieder zurück. Als sie sah, dass ich Persuasion schaue, hat sie mich geärgert, weil ich das sooft gucke. Macht nichts. Ich liebe den Film trotzdem. Außerdem habe ich im „kleinen Autorenworkshop“ die Aufgaben für heute Abend gefunden. Dabei bin ich auf einige Texte von mir gestoßen, die ich zu Übungszwecken geschrieben habe. Die werde ich mir gleich noch mal durchlesen. Das Mittagessen ist gleich fertig. Gebratene Spagetti mit Schinken und Ei.

14 Uhr 16. Inspiriert von Jane Austen einen Text geschrieben. Romantik pur. Wie sooft in letzter Zeit. Ich würde es ändern, aber ich kann nicht. Es kommt kaum etwas anderes heraus. Es ist wie mit Süßigkeiten. Mir fehlt wohl im Moment die Süßigkeit des Lebens und deswegen schreibe ich mir das Leben schön.

14 Uhr 38. „Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen.“ Pablo Picasso. Das ist Fees Hausaufgabe. Sie soll ein Gedicht dazu schreiben und wir diskutieren, wie sie das am besten tun kann. Das ist nicht so einfach. Ich bin dafür alle Assoziationen dazu aufzuschreiben und dann zu sehen, welche sich dafür eignen. Ich schreibe auch Gedichte, aber auf Kommando fällt mir das schwer. Meistens klappt das nur, wenn ich mich gerade in einer bestimmten Stimmung befinde. Allerdings habe ich im Internet noch ein interessantes Zitat von Picasso gefunden, dass mir sehr gut gefällt und meinem Gefühl entspricht: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ Ohne mein Schreiben wäre ich längst unter dem Staub des Alltags erstickt.

„Wenn Männer wüssten, was Frauen denken, wären sie tausendmal kühner.“ Picasso. Da ist was Wahres dran. Wie viele Küsse hätte ich bekommen, wenn die Männer, denen ich begegnet wäre, meine Gedanken geahnt hätten?!

15 Uhr 03. Ich räume meinen Schreibtisch auf. Heute Abend ist Schreibkurs bei mir zu Hause und ich hab keine Lust nachher in Hektik zu verfallen. Aber ich freu mich schon und bin gespannt auf unsere Texte.

15 Uhr 23. Wurde durch ein Gespräch mit meiner Kollegin abgelenkt. Es gab einige arbeitstechnische Sachen zu besprechen. Das ist fast jeden Freitag so und ich habe nebenbei Blumen gegossen, dem schnurlosen Telefon sei Dank! Allerdings muss ich jetzt das Aufräumen nachholen. Nebenbei läuft VOX: Shopping Queen. Die Blondine, die alle anderen unter ihrem Niveau findet, nervt mich gewaltig, aber Fee findet die Sendung gut.

Das Wetter hat inzwischen aufgeklart und ich kann einige blaue Stellen zwischen den Wolken entdecken. Endlich! Wenigstens einmal am Tag etwas Sonne.

17 Uhr 28. Nachdem ich Isa Mittagessen gemacht habe, sie kam erst kurz vor 16 Uhr aus der Schule, und Jörg zu Hause war, ging ich in den Kurpark. Der Radiomoderator von heute Morgen hat nicht übertrieben, es waren bestimmt 10 bis 12 Grad. Angenehm. Ich machte bei der Eisdiele halt. Eine Kugel Eis, 90 Cent. Heftig. Ich liebe Eis, aber die Preise ärgern mich.

Auf dem Heimweg kam ich an einem Mann vorbei, der ganz lässig auf einer Parkbank saß und mich interessiert betrachtete. Ich lächelte ihn an und sagte „Hallo“. Er erwiderte mein Lächeln und grüßte zurück. Ein kleiner Flirt am Rande tut ganz gut, dass macht einen gleich zehn Zentimeter größer.

Zu Hause lief der Fernseher immer noch. Ich überlege ihn zu sprengen und alle anderen TV-Geräte gleich mit. Die große Fernsehverschwörung. Es wäre schade, wenn ich meine „Schmalzfilme“ nicht mehr sehen könnte, aber dieses Schrott-TV regt mich auf. Am liebsten würde ich sofort zurück in den Park gehen.

17 Uhr 42. Übrigens, das Baby von Victoria von Schweden heißt: Estelle Silvia Ewa Mary und trägt den Titel: Herzogin von Östergötland.

19 Uhr 10. Ich habe noch herumgelungert und mir eine Scheibe Käsebrot gemacht, bevor der Kurs anfing. Peter, Lisa und Katja sind gekommen. Es dauert immer ein bisschen, bis wir alle einmal durchgeatmet haben und zum Schreiben bereit sind. Das ist der Alltag, der einem durch den Kopf schwirrt und nicht immer gleich verschwinden will, nur weil einer sagt, schreib jetzt.

Die erste Aufgabe heute: Ein Dieb dringt in ein Zimmer ein, in dem jemand schläft …, dabei soll kein Satz mehr als 7 Wörter haben. Die Texte waren richtig gut, alle mit einem humoristischen Einschlag. Um die Sieben-Wörter-Anforderung zu erreichen, mussten wir sehr konzentriert arbeiten und es war ausnahmsweise sehr still in der Runde. Man muss schon sehr genau überlegen, was man ausdrücken möchte, wenn die Sätze so kurz sein sollen.

Danach haben wir mit einem Glas Sekt angestoßen, weil meine Katja zum zweiten Mal Tante geworden ist. Danach arbeiteten wir an den Texten vom letzten Mal. Ein Rundenroman. Der Sekt hat unsere gute Laune noch einmal etwas angehoben und unsere Texte wurden von unserem gelösten Zustand beeinflusst. Ich bin stolz auf unsere Schreibgruppe. Auf die Gemeinschaft, die Texte, unsere Zusammenarbeit und die gute Stimmung. Auch wenn ich manchmal müde oder frustriert wegen einer alltäglichen Sache bin, wenn wir alle am Tisch sitzen und unsere Laptops ausgepackt haben, jeder schreibt und einen tollen Text verfasst, zu dem es sonst nie gekommen wäre, macht mich das sehr zufrieden.

22 Uhr 05. Der Schreibkurs ist zu Ende. Lisa ging als Erste, während Katja mir die ersten Seiten ihres neuen Romans vorlas. Dann haben wir an den Windows Notizzetteln herumprobiert, uns die „Männer-die-die-Welt-braucht“ Bilder kurz MDDWB-Bilder angesehene. Katja hat mir die neuen Figuren für ihre Geschichte gezeigt. Peter unterhielt sich mit Jörg über Filme. Die Zeit geht so schnell vorbei, wenn man mit Freunden zusammensitzt und redet.

23 Uhr 46. Zeit ins Bett zu gehen. Morgen ist ein langer Tag. Fahrsicherheitstraining. Ich will da nicht hin, aber ich muss, von der Firma aus, dabei würde ich viel lieber schreiben. In Ruhe. Alleine. Nur ein paar Stunden. Das konnte ich die ganze Woche noch nicht. Das werde ich mir wohl für Sonntag aufheben müssen.

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… erklang aus dem CD-Player. Ich las gerade Jane Eyre zu Ende. Ich weiß nicht, was es war, diese große alle Hindernisse beseitigende Liebe, das Lied und die Erinnerung an damals. Oder vielleicht einfach meine, durch die drückende Hitze, angespannten Nerven (um gute Ausreden bin ich nie verlegen). Als das nächste Lied anfing, es waren nur die ersten Noten, ich wusste sofort, welches Lied kam, stiegen mir Tränen in die Augen und nichts konnte sie aufhalten. Es heißt: Wenn der Himmel und wird von Bintia gesungen:

Wenn der Himmel sich zu mir runterbeugt
mir ein Lächeln schenkt
hat es sich gelohnt
alle Sorgen kann ich überstehen
denn jeder Tag könnte mein letzter sein
Wenn der Himmel sich für mich öffnen tut
meine Wange küsst
dann kann auch ich hinter den Horizont sehen

Aller Anfang ist schwer
so viele Schmerzen
ich bleib zurück
mit dieser Leere in meinem Herzen
du fehlst mir so
doch ich schau nach vorn
ich lieb dich so, Baby
deshalb lass ich los

Mein Kopf ist zu
voller Gedanken
warum bist du nur
von mir gegangen
ich kann nicht essen,nicht schlafen,

nicht lachen ohne dich
doch ich weiß auch
es ändert sich, alles ändert sich

Keine Angst vor Gefühlen
was auch kommt
nach dem Regen lacht die Sonne
und die Blumen gehen auf

Wenn der Himmel sich für mich öffnet und
meine Wange küsst
dann kann auch ich hinter den Horizont sehen

Ich weinte, als hätten sich alle Schleusen geöffnet und konnte nicht aufhören. Ich mochte dieses Lied schon 2005. Es drückte genau das aus, was ich damals fühlte und heute spülte es alles wieder hoch. Damals: unsere Lieder, die durchwachten durchliebten Nächte, die langen Gespräche, Liebesschwüre, das Hochgefühl des Begehrtseins. Die Sehnsucht, die mein Herz schneller schlagen ließ, wenn ich auf ihn wartete und die mit jeder Sekunde wuchs, wenn er ging. Die zärtlichen Gesten, die süßen Küsse, die Erregung und die Tausende Schmetterlinge, das Gefühl jemandem alles zu bedeuten.

Wo ist es hin? Im Alltag zerronnen, dahin geschwunden im Stress der Arbeit, der verzehrenden Selbstverständlichkeit oder einfach untergetaucht im Nebel sich wiederholender Tage aus ständiger Nähe und Eintönigkeit.

„Ich bin nun seit zehn Jahren verheiratet. Ich weiß, wie es ist, ganz für und mit dem Menschen zu leben, den ich auf Erden am meisten liebe. Ich schätze mich zutiefst glücklich – glücklicher, als Worte es auszudrücken vermögen, denn ich bedeute meinem Gatten alles im Leben und er mir. … Und Zusammensein bedeutet für uns, dass wir uns in Gegenwart des anderen so frei fühlen, als wären wir allein, und dabei so fröhlich und unbeschwert sind, wie in Gesellschaft. Ich glaube, wir sprechen den ganzen Tag miteinander, denn miteinander sprechen ist ja nichts anderes als angeregtes, lautes Denken. Mein ganzes Vertrauen gehört ihm und auch er hat mir sein ganzes Vertrauen geschenkt.“

Jane Eyre, Charlotte Bronte

Aus Realitätsgründen sehe ich davon ab, die Zeilen zu zitieren, in denen Charlotte schreibt, „sie waren stets zusammen und harmonierten in jeder Hinsicht, vollkommene Eintracht und Übereinstimmung seien die Folge.“ Nobody is perfect, das ist selbst mir klar. Auch wenn manche Menschen mir einen Hang dazu bescheinigen, dass ich meinen Kopf in den Wolken trage. Jane Eyre ist Literatur und oft ist Literatur das Ideal, das wir in uns tragen. Erwarte ich zu viel? Soll ich nichts erwarten? Ist es zu viel zu erhoffen, dass man das Interesse für den anderen behält, seiner Gesellschaft nicht überdrüssig wird, ebenso wenig wie dem Pochen des anderen Herzens?

Einverständnis und Frieden sind toll. Aber wo ist damals? Unser Lied? Bintia singt: Alles ändert sich. Ich weiß das. Sehr gut sogar. Ich bemerke es jeden Tag. Ich muss nur in den Spiegel schauen oder meine Kinder ansehen. Alles ändert sich. Die Zeit läuft und egal ob es mir nun passt oder nicht, damals ist vorbei. Ich will nicht im Damals feststecken. Doch ich bedauere, dass wir so oft in unserer Alltäglichkeit gefangen sind, dabei kostet es so wenig uns ein bisschen Damals zurückzuholen. Nur ein Lied. Eine laue Nacht im Wald, wenn die Glühwürmchen ausschwärmen und alles märchenhaft verzaubert vor uns liegt. Der Geschmack von Schokoladeneis, der uns den Sommer ins Gedächtnis ruft, in dem wir uns so sehr liebten, dass wir es ohne das Pochen des anderen Herzens keine Sekunde auszuhalten glaubten.

Könnte ich doch die Jahre zurückhalten, meine Tränen verbergen in meinem sehnsuchtsgeplagten Herzen, gestern gestern sein lassen. Leider habe ich das Gefühl, dass ich dem Horizont zu nahe bin, um mich nur mit vergangenen Träumen zufrieden zu geben.

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