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Posts Tagged ‘Jacke’

„Dein Idealismus ist beneidenswert, aber ich vermag ihn nicht zu teilen.“

Sander sah mich ernst an. Wut stieg in mir auf. Jedes Mal dasselbe, dachte ich, wenn ich eine super Idee habe, weiß er warum das Blödsinn ist und sowieso nicht klappt. Ich sprang auf, der Stuhl krachte gegen die Tischkante.

„Wenn du eine Unterhaltung so beginnst, kann ich mir schon denken, wie sie ausgeht!“ Ich schnappte meine Jacke und riss die Tasche von der Stuhllehne. „Ich werde jetzt genau das tun, was ich mir vorgenommen habe. Egal, was du wieder einzuwenden hast.“

Er grinste selbstgefällig und ich hätte ihn am liebsten geschlagen.

„Na dann viel Spaß. Du wirst ja sehen, was du davon hast.“

„Genau!“

Ich stürzte hinaus. Sanders Zweifel verfolgten mich, bis ich vor dem Haus stand und klingelte. Ich atmete tief durch. Jetzt werde ich dir zeigen, dass du Unrecht hast, dachte ich und drückte gegen die Tür, als der Summer ertönte.

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Schlüssel, Glas, Rot, Blütenblatt, Ende, Anruf

Der Wein in dem kostbar geschliffenen Kristallglas war tiefrot, wie die Blütenblätter der langstieligen Rose, die neben der Karaffe in einer schmalen Vase stand.

Sabrina betrachte die gefüllte Blüte. Sie war wunderschön. Sabrina verspürte den Drang die samtigen Blätter zu berühren. Die Worte des Mannes, ihr gegenüber, perlten an ihr ab, ohne in ihre Gedanken einzudringen.

Den ersten Sätzen folgte sie noch mit Interesse, fühlte sich dazu verpflichtet, immerhin hatte Anita ihr diese Verabredung verschafft.

Seit Sam fort war, hatte Sabrina niemand mehr an sich heran gelassen und ihre Schwester war inszwischen besorgt. Du musst loslassen und endlich weitermachen, sagte sie. Sabrina war anderer Ansicht, aber sie schätzte Anitas Fürsorge.

Der Mann, der sich als Tony vorgestellt hatte, drückte ihr die Rose mit einem Kompliment in die Hand, bestellte den Wein, ohne sie nach ihren Wünschen zu fragen und nachdem er sie nach ihrem Beruf und Hobbys gefragt hatte, begann er über sich zu palavern und Sandrines Gedanken begannen zu wandern.

Die Meldoie „spiel mir das Lied vom Tod“ riss Sabrina aus ihren Überlegungen. Die Gäste an den Nachbartischen sahen sich nach dem Störenfried um und tuschelten. Tony riss sein Smartphone aus der Jackentasche und nahm den Anruf entgegen.

„Hallo Martin“, sagte er laut und ohne Rücksicht auf die anderen Besucher. Dann diskutierte er mit dem Anrufer über das Für und Wieder des Kaufs eines neuen Motorrades.

Wo hat Anika diesen schrecklichen Typen aufgetrieben, dachte sie halb belustig, halb entsetzt, sie kann doch nicht im Ernst glauben, dass ich mich in den verlieben könnte?

Sabrina zog sich die Jacke an und nahm ihre Handtasche. Tony beendete das Gespräch nicht, er sagte nur:

„Warte kurz“, und zu Sabrina gewandt, „wo willst du hin?“

„Dahin wo ich hergekommen bin“, sie schüttelte ihren Schlüsselbund vor seiner Nase hin und her, „nach Hause.“

Sabrina nahm die Rose aus der Vase und verließ das Restaurant. Um Sam zu überflügeln brauchte es einiges mehr.

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„Wo sind wir?“

Alida setzte sich auf einen Baumstumpf. Ihr taten die Füße weh. – Warum habe ich mich bloß zu diesem Himmelfahrtskommando überreden lassen? Als ob Andy Ahnung vom Kartenlesen hätte.

„Keine Ahnung.“ Andy drehte die Wanderkarte von links nach rechts und wieder zurück. „Eigentlich müssten wir hier sein.“ Er tippte auf einen Punkt auf der Karte. „Aber hier ist weit und breit keine Rasthütte.“

Alida verkniff es sich ihm zu sagen, dass dies ganz offensichtlich der Fall sei.

„Und jetzt? Mit einem Smartphone kämen wir problemlos hier raus. Ich habe dir gesagt, lass uns eins mitnehmen. Vorsichtshalber.“

Alida zwang sich ruhig zu bleiben, obwohl sie ihn am liebsten angebrüllt hätte.

„Du hast den Sinn von Survival nicht verstanden. Dass wir eine Karte dabei haben, ist schon ein Zugeständnis.“

„Du hast vergessen zu sagen, an dich“, sagte Alida sanft.

In ihrem Innern kochte es. Andy ignorierte sie und schaute mit gerunzelter Stirn in die Karte. Alida stand auf und stahl sich hinter seinem Rücken davon. Es dauerte keine Minute und sie war außer Sichtweite. Alida kroch in einen dichten Tannenhain. Der aromatische Duft der Nadelbäume stieg ihr in die Nase. Sie legte sich flach auf den Boden. Die trockenen Tannennadeln knackten. Alida zog die Kapuze der dunklen Jacke über den Kopf und lächelte. Ihre Kleidung verbarg sie perfekt.

„Alida! Wo bist du?“

Andy hatte endlich bemerkt, dass sie fort war.

„Alida! Komm raus! Das ist überhaupt nicht witzig.“

Doch und wie. Dann zeig mal, was du Survival mäßig drauf hast. Ich werde definitiv eher zu Hause sein, als du, dachte Alida und tastete nach ihrem Smartphone.

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Rosalie tritt aus dem Haus. Der alte Turm ist nur einen Steinwurf entfernt. In der mondlosen Nacht unter einem wolkenverhangenen Himmel hebt er sich nur schemenhaft gegen die Landschaft ab. Ihre Finger klammern sich um den Griff der Taschenlampe. Um nicht auf sich aufmerksam zu machen, nähert sie sich dem Turm ohne sie einzuschalten. Ein kühler Wind fährt in die Baumkronen der alten Eichen und erfüllt die Luft mit einem anwachsenden Rauschen.

Rosalie zieht den Kragen ihrer Jacke höher. Wachsam geht sie um den Turm herum. Sie kann nichts Auffälliges entdecken. Dann legt sie die Hand auf die Klinke der schweren Eichentür und drückt sie herunter. Der Riegel springt auf und die Tür öffnet sich einen winzigen Spalt. Rosalies Herz macht einen aufgeregten Hüpfer.

Sie drückt die Tür weiter auf, tritt ins Treppenhaus. Drinnen lauscht sie angestrengt. Doch das Tosen des Windes macht es unmöglich andere Geräusche zu erkennen. Sie schaltet die Taschenlampe an. Neben der Tür windet sich eine abgetretene Steintreppe in die Höhe, vor ihr öffnet sich ein Durchgang. Rosalie leuchtet hinein. Es öffnet sich ein Innenraum von der Grundfläche des Turms. Der Boden ist mit Holzplanken ausgelegt. Sie haben im Lauf der Jahrhunderte einen dunklen, beinahe schwarzen Ton angenommen. An einigen Stellen wurden sie durch neue ersetzt, dort ist ihre Farbe heller. An einer Stelle hat jemand ein paar Möbelstücke zusammengeschoben. Rosalie tritt ein und lässt den Strahl der Lampe durch den Raum gleiten.

– Was ist das? – Sie schwenkt den Strahl ein Stück zurück und hält dich über dem Boden an. Es sieht aus, als hätte sich eine der Holzplanken gelöst. Sie wölbt sich ein Handbreit nach oben. Rosalie geht vorsichtig weiter. Sie spürt die Bewegung der Dielen unter ihren Füßen. Als sie näher kommt erkennt sie, dass das Brett aus dem Boden gewuchtet wurde. Sie legt die Lampe neben sich und hebt das Brett an. Darunter öffnet sich eine unheimliche Leere.

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Nico trat aus der Tür und blieb abrupt stehen. Sein Gesicht verzog sich angewidert. Es regnete. Für einen Moment überlegte Nico, den Rückzug in die warme Wohnung anzutreten. Er schlug den Kragen seiner dünnen Jacke hoch. – Wieder mal die falsche Jacke gegriffen, dachte er. Ein leichtes Schütteln durchzog seinen ausgemergelten Körper. Er machte einen Schritt nach vorne und rannte los. Die Schultern hochgezogen, den Kopf gesenkt, gegen den Regenvorhang anrennend. Es ließ sich nicht mehr hinauszögern, Nico musste dringend in den Supermarkt, um sich neue Kippen zu besorgen.

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