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Posts Tagged ‘Illusionen’

Alle Nächte der Welt konnten ihr nicht dir Ruhe geben, die sie brauchte. Das was Amara erlebte, brannte sich für immer in ihre Seele. Unterschwellig existierte es am Tag. Nachts, wenn sich die Türen zwischen Realität und Illusionen öffneten, schwappte das Böse über die Schwelle und beherrschte ihre Träume. Doch Träume sind ein merkwürdiges Medium. Manchmal sind sie wirklicher als die Realität und ihre Spuren reichen bis in sie hinein. Amara spürte es schon seit geraumer Zeit, doch an diesem Morgen sah sie zum ersten Mal, die Folgen. In der Wand ihres Schlafraumes war ein Loch im Mauerwerk, so groß wie eine Faust.

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Rosalie erreicht das Anwesen der de Clares weit nach Mitternacht. Der Chauffeur lädt das Gepäck ab und ein mürrischer Butler führt sie zu ihrem Zimmer.

„Seine Lordschaft ist ausgegangen und ihre Ladyschaft hat sich zur Ruhe begeben“, setzt er Rosalie mit überheblichem Ton in der Stimme in Kenntnis.

„Vielen Dank, Mister?“, fragt Rosalie. Sie mögen mich verachten, aber ich weiß, was sich gehört, geht es ihr durch den Kopf.

„Mister Smith“, ergänzt er widerwillig.

„Vielen Dank, Mister Smith.“ Bevor der Butler noch etwas sagen kann, entlässt Rosalie ihn mit den Worten, „sie dürfen gehen.“

Er zieht die Stirn in Falten, presst die Lippen zusammen, dreht sich auf dem Absatz um und verlässt Rosalies Zimmer. Sie öffnet die Tür einen Spalt und lauscht, bis Smith Schritte verklungen sind. Trotz der späten Stunde hat Rosalie nicht vor schlafen zu gehen.

Seit sie denken kann, hat sich in ihrer Fantasie ein Bild dieser Familie und des Hauses zusammengesetzt, gespeist aus den Erzählungen ihres Vaters. Rosalie ist enttäuscht keinen Angehörigen der Familie anzutreffen, andererseits hat sie sich keinen großen Illusionen über den Enthusiasmus ihrer Verwandten hingegeben.

Wachsam blickt Rosalie sich um, geht den Flur hinunter. Vereinzelte Nachtlichter erleichtern ihr den Weg. Sie will gerade die große Treppe hinuntergehen, als die schwere Haustür aufschlägt und ein großer Mann im Abendanzug in die Halle tritt. Rosalie drückt sich in eine Nische. – Das muss wohl seine Lordschaft sein, sie kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, ich bin eine erwachsene Frau und verstecke mich, wie ein ungezogenes Kind. – Trotzdem bleibt sie in ihrem Versteck und beobachte den Herrn des Hauses von dort aus.

„Smith!“, tönt eine volle Stimme durch die Eingangshalle.

„Ja, Sir“, Smith klingt plötzlich sehr jovial, „darf ich um ihren Mantel und Zylinder bitten. Übrigens traf Miss Rosalie Graville vor einer halben Stunde ein.“

„Oh nein!“, ein vernehmliches Stöhnen dringt zu Rosalie empor, „ich hoffe sie hat keinen Pferdefuß?!“

Rosalie ballt die Fäuste. – Was für ein Widerling, schießt es ihr durch den Kopf, den Herrn knöpfe ich mir vor! – Bevor sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, hört sie Smith antworten.

„Nein, Sir, die Dame hat keinen Pferdefuß, im Gegenteil, wenn ich so frei sein darf, mir ein Urteil zu erlauben. Sie ist eine ansehnliche junge Dame.“

Seine Lordschaft lacht schallend.

„So, so, hast du dir also einen längeren Blick auf die Miss erlaubt.“

„So würde ich es nicht sagen, Sir“, erwidert Smith nach einem kurzen Zögern, „man kann auf den ersten Blick erkennen, dass die Miss eine schöne Lady ist.“

Rosalie hört Schritte auf der Treppe.

„Ich werde den Wahrheitsgehalt deiner Aussage morgen früh überprüfen.“

„Ja, Sir. Kann ich sonst noch etwas für sie tun?“

„Danke, Smith, alles in Ordnung.“

Rosalie verlässt ihre Nische, eilt den Flur zurück in ihr Zimmer, ehe Gilbert de Clare die erste Etage erreicht.

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Bis dahin hatte ich mein ganzes Leben lang nur nach Mustern gelebt, die nicht meine Muster waren. Doch nun erwachte ich aus meinem Dornröschenschlaf. Dass es einen kompletten Bruch mit den alten Gewohnheiten gab, war wohl dem Umstand geschuldet, dass mir die Zeit davonlief. Wie sagt man im Volksmund so schön: die biologische Uhr tickt.

Meine Familie ist entsetzt. Aus ihrem Blickwinkel bin ich die Mutter in der Midlife Krise. Ich höre sie lamentieren: Muss du gleich alles hinschmeißen? Du hast doch deine Freiheit, was willst du noch?

Wie viel Zeit bleibt, wenn man in die zweite Hälfte des Jahrhunderts eintritt? Die Knochen werden nicht gelenkiger, die Haut nicht glatter, der Kopf nicht agiler. Auch die Chance von einem Bus überfahren zu werden wird größer, wenn man nicht mehr so schnell laufen kann.

Ich bin einfach zu alt für mich. In meinem Herzen, meinen Gedanken und Fantasien beginnt mein Leben erst jetzt. Ich habe genauso viele Träume, vielleicht noch mehr, als in meiner Jugend, doch mein Spiegelbild macht mir keine Illusionen. Ich habe mich gut gehalten, aber das ist auch alles. Die Zeit läuft und zwar nicht mit mir, sondern gegen mich.

Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss – alte Zöpfe abschneiden, ihren eigenen Rhythmus finden und sich nicht mehr verbiegen. Für niemand.

Der Satz stammt aus „Er oder ich“ von Fee Zschocke.

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