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Posts Tagged ‘Idioten’

Text meines Mitschreibers auf der Rückseite der Postkarte:

„Tom spürte nicht, wie hart der Stuhl war. Auch nicht die Kälte, die von den Bäumen auf ihn herabzufallen schien. Er spürte nur die Wut (der letzten Tage), die sich in seinem Unterbewusstsein eingenistet hatte und nun jede Faser seines Körpers im Griff hatte.“

– Warum hat sie mir nichts gesagt? Zig mal habe ich
nachgefragt, weil ich das Gefühl hatte, irgendetwas stimmt nicht, aber sie hat nichts gesagt. Immer nur: alles Ok. –

Und am Morgen beim Frühstück, Tom biss gerade in sein Brötchen, sagte Franziska so ganz nebenbei: „Ich bin schwanger, das Kind ist nicht von dir.“

Tom war total perplex. Er konnte nicht kauen, nicht schlucken und den Bissen nicht ausspucken. Während Franziskas Worte immer wieder durch seine Gedanken rasten, löste sich der kleine Weizenklumpen in seinem Mund einfach auf.

Tom sprang so heftig vom Stuhl auf, dass er umfiel. Er stapfte mit harten langen Schritten über die Wiese, ratschte mit den Füßen durch Laubhäufchen, die unter seinen Tritten zerstoben.
„Scheiße, Scheiße, Scheiße!“, brüllte Tom die Worte gegen die Bäume.

In seinem Inneren kochte es. Er spürte die Wut wie eine heiße rote Flüssigkeit in sich aufsteigen. Die Welle lief seinen Bauch hinauf, über seine Brust, den Hals bis zu seinem Gesicht. Sie erreichte die Augen und Tom konnte es nicht mehr aufhalten. Tränen rannen über seine Wangen. Regelrechte Tränenströme. Tom konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal geweint hatte, aber er war sich sicher, dass es nie so heftig gewesen war. Der Anfall schüttelte seinen schlanken hochgewachsenen Körper.

„Ich wollte ein Kind mit ihr! Sie wollte ihre Freiheit, Karriere machen! Scheiße, verdammte Scheiße!“, schrie er, „und jetzt kriegt sie ein Kind von einem dahergelaufenen Idioten.“

Franziska hatte ihm erklärt, es wäre nur ein One-night-Stand gewesen, aber sie wollte das Kind behalten. Mit ihm oder ihn, es wäre seine Entscheidung.

Tom dachte an ihre Hochzeit vor drei Jahren. – Der schönste Tag im Leben – ein bitteres Lachen brach aus ihm heraus – so ist es wohl. Seitdem ist es stetig bergab gegangen und erreicht jetzt den Tiefpunkt. – Meine Entscheidung! –

Es war seine Entscheidung und sie fiel nicht zu Gunsten eines gemeinsamen Lebens mit Franziska aus.

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