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Posts Tagged ‘Idee’

„Dein Idealismus ist beneidenswert, aber ich vermag ihn nicht zu teilen.“

Sander sah mich ernst an. Wut stieg in mir auf. Jedes Mal dasselbe, dachte ich, wenn ich eine super Idee habe, weiß er warum das Blödsinn ist und sowieso nicht klappt. Ich sprang auf, der Stuhl krachte gegen die Tischkante.

„Wenn du eine Unterhaltung so beginnst, kann ich mir schon denken, wie sie ausgeht!“ Ich schnappte meine Jacke und riss die Tasche von der Stuhllehne. „Ich werde jetzt genau das tun, was ich mir vorgenommen habe. Egal, was du wieder einzuwenden hast.“

Er grinste selbstgefällig und ich hätte ihn am liebsten geschlagen.

„Na dann viel Spaß. Du wirst ja sehen, was du davon hast.“

„Genau!“

Ich stürzte hinaus. Sanders Zweifel verfolgten mich, bis ich vor dem Haus stand und klingelte. Ich atmete tief durch. Jetzt werde ich dir zeigen, dass du Unrecht hast, dachte ich und drückte gegen die Tür, als der Summer ertönte.

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Der Regen verwandelte den schmalen Pfad in einen Pfuhl aus Matsch und toten Blättern. Die Nässe hatte längst meine Haut erreicht. Ich hatte das Gefühl, sie kröche durch meine Poren und suche sich einen Weg in die Zellen meines Körpers. Jeder Schritt war eine Qual. Der Dreck klebte an meinen Stiefeln und die Kleidung war beschwert vom Wasser.

„Warum sind wir nochmal hier?“, hörte ich die Stimme von Anna hinter mir, „dass ich mich von dir zu solchen Himmelfahrtskommandos überreden lasse! Warum haben wir nicht gewartet bis der Regen aufhört. Ellie wird schon nichts passiert sein.“

Ich hätte antworten können. Die Worte lagen mir auf der Zunge. Andererseits wäre garantiert eine längere Diskussion daraus entstanden und dazu hatte ich in diesem Moment keine Lust.

Immerhin war dieses Undercoverding nicht meine Idee gewesen. Im Gegenteil! Ich hatte mich strikt dagegen ausgesprochen, Aber auf mich hatte niemand hören wollen. Wir mussten Ellie finden, bevor ihr etwas zustieß, falls es nicht schon zu spät war. Seit zehn Stunden war sie überfällig und ich hatte ein sehr ungutes Gefühl bei der Sache. Welche Rolle spielte da das bisschen Regen. Was man sich einbrockt muss man halt auslöffeln. Leider musste ich mitlöffeln, weil ich die Verantwortung für die beiden trug.

Abrupt hörte der Regen auf.

 

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Großreinemachen und gute Vorsätze müssen sich nicht ausschließen – können sie aber. Wenn das Reinmachen zu den Vorsätzen gehört, super – wenn nicht – kann auch super sein, muss es aber nicht. Das Großreinemachen gehörte Ende 2015 nicht zu meinen guten Vorsätzen, es schlich sich eher so peu a peu ein.

Drei Tage an der See – Wolken, eisiger Wind, ungestüme Wellen und Einsamkeit.

Eck. Dünen 2

Angenehme Einsamkeit in einer wunderschönen roten Backsteinkirche,

Nicolai Kirche 6

in der es nach Tanne duftete, einem liebvoll eingerichteten Heimatmuseum,

Eckernförde, Museum am Markt 1

das einen Dichter und Philosophen sein eigen nennt, und in gemütlichen Cafes mit aromatischem Kaffee und leckerem Gebäck.

Cafe Heldt innen

Abends saß ich in einem heimeligen Gästezimmer, mit meinem neuen Buch, das ich mir als Reiseandenken gekauft hatte, meinem Laptop, meiner Musik und einem Zeitungsartikel in dem es um: „Neue Visionen deines Lebens“ ging und meinen Gedanken.

Kiel, Unterkunft 7

Seit über zehn Jahre schreibe ich. Es ist ein besonderer Teil meines Lebens. Schreiben macht mich glücklich. Ich schreibe jeden Tag und gerne. Aber es gibt auch andere Sachen, die ich gerne tue und die ich vernachlässigt habe. Eine davon ist Zeit zu haben, ohne Druck im Nacken. Zu lesen und mich in den Stoff zu vertiefen, nähen, häkeln, spazieren gehen, fotografieren, Ideen nachgehen, Notizen machen – einfach mal so – ohne zu wissen wohin es führt.

Natürlich gibt es die Idee zu einem neuen Roman. Notizen, einige Skizzen, Personen, den Ort. Und doch – es ist das erste Mal, seit langem, dass ich es nicht eilig habe. Angenehm. Aufatmen. Es wird geschrieben, wenn es so sein soll. Keine Eile, nichts überstürzen. Leben. Leben um zu schreiben. Es wird Zeit die Dinge anders anzugehen.

Konstantin Paustowski schrieb: „Die Fähigkeit, das Leben als etwas ständig Neues zu empfinden, ist jener fruchtbare Boden, auf dem die Kunst erblüht und reift.“

Ich will nicht schreiben müssen. Ich möchte schreiben wollen. Das kommt wieder. Ich kenne die Phasen. Doch diese Phase ist frei gewählt. Ich will mich ausklinken, will sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Ich will mich nicht quälen, um meine Fähigkeiten als Schriftstellerin unter Beweis zu stellen oder mich abwatschen zu lassen. Ich die meiste Zeit meines Lebens in der Pflicht und gerade jetzt ist es an der Zeit nicht in der Pflicht zu sein oder nur, wenn ich es für richtig halte.

Wenn es Zeit ist, möchte ich schreiben wollen. Bis dahin will ich leben, mich mit dem Strom dahin gleiten lassen und einfach ich sein.

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Die wuchtigen Eichenmöbel, dunkelgrüne Brokatstoffe, mit passender Seidentapete bespannte Wände und eine, in Jahrhunderten geschwärzte, Holzdecke, in Lady Ednas Zimmer vermitteln Rosalie und Nathan den Eindruck einen Sprung durch die Zeit, in ein weit zurückliegendes Jahrhundert, gemacht zu haben. Auf dem Toilettentisch, mit dem goldgerahmten Spiegel, liegen korrekt aufgereiht Bürsten, Kämme, Handspiegel, diverse Cremetiegel aller Größen und kristallene Flakons mit Duftwässern. Nur die Haarnadeln und Bänder in der zarten Porzellanschale mit Veilchenmotiv bilden eine chaotische Masse.

Nichts in Lady Ednas Zimmer deutet auf die Annehmlichkeiten des in den Jugendjahren steckenden zwanzigsten Jahrhunderts hin. Bis auf den Safe.

„Da ist ja das gute Stück.“

Nathan geht vor dem kniehohen Würfel aus Stahl in die Hocke. Die Tür mit dem Zahlenschloss steht offen. Eine der beiden massiven Schubladen wurde herausgerissen.

„Wie sie sehen, ist der größte Teil des Schmucks noch da. Auch die Schachtel in der Lady Edna die Familienjuwelen der de Clares aufbewahrte. Nur das Collier fehlt. Sagt Gil.“

Nathan wirft einen Blick in die unversehrte Schublade. Er stößt einen Pfiff aus.

„Aufs Geld scheint es der Dieb jedenfalls nicht abgesehen zu haben. Der Wert der Goldmünzen ist immens!“

Auf der flachen Hand hält er Rosalie eine Münze entgegen. Sie nickt anerkennend und nimmt die Münzen mit Daumen und Zeigefinger auf, weil sie annimmt der Inspektor erwartet diesen Akt des Interesses von ihr. Dabei berührt sie mit den Fingerspitzen Nathans Handfläche. Für den Bruchteil einer Sekunde prallen ihre Blicke aufeinander. Rosalies Herz macht einen zusätzlichen Schlag. Die Münze gleitet zurück in seine Hand. Nathan legt die Münze zurück. Er hebt die durchwühlte Schmucklade hoch und stellt sie auf einen zierlichen Tisch vor dem Fenster.

„Was hat es denn mit dem Collier auf sich?“, fragt er und blickt Rosalie streng an, „hat Gil auch dazu eine Meinung.“

Zuerst ist sie erstaunt, dann lacht sie hell auf. Nathan huscht ein Lächeln über die Lippen.

„Nein, hat er nicht. Aber Anthony hat mir von den sagenumwobenen de Clare Juwelen erzählt. An dem Collier hängt einer der ungewöhnlichsten Rubine, die je zu einem Schmuckstück verarbeitet wurden. Wenn man den Familienlegenden Glauben schenkt darf, ist er Schlüssel zu einem riesigen Schatz, der unter dem Schloss versteckt liegen soll.“

Nathan hat den zum Collier passenden Ring aus seinem Samtbett gezogen und hält ihn in die Sonnenstrahlen, die sich einen Weg durch die Wolken in Lady Ednas Zimmer gebahnt haben. Der Rubin leuchtet in einem tiefroten Feuer.

„Mein Erbteil“, seufzt Rosalie, „scheint kein Glück zu bringen.“

Nathan fasst nach Rosalies linker Hand.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie abergläubig sind“, mit sanftem Druck schiebt er ihr den Rubin in der kunstvoll gestalteten Fassung auf den Ringfinger. „Passt wie angegossen.“

Das kühle Gold an ihrem Finger irritiert Rosalie. Der Ring bedeckt ein ganzes Fingerglied. Sein Gewicht lässt sich nicht ohne weiteres ausblenden. Sie spürt ihn bei jeder Bewegung ihrer Hand.

„Was für ein Stein. Wie groß ist erst der Rubin am Collier“, überlegt Rosalie und sieht den Inspektor fragend an.

„Das sollten wir Mister de Clare fragen.“ Nathan überreicht Rosalie die Schmuckschachtel. „Kommen sie. Ich finde das Ganze sehr mysteriös. Ehrlich gesagt“, er hält abrupt im Satz inne und hält Rosalie die Tür auf.

Als er nicht weiterspricht beendet sie den Satz für Nathan: „ehrlich gesagt, ist es wahrscheinlich, dass der Dieb einer von uns ist. Wer wüsste sonst von dem Schatz? Ein Einbrecher von außen, hätte den gesamten Schmuck mitgenommen und die Goldmünzen.“

Er zieht eine Augenbraue hoch, wirft ihr einen erstaunten Blick zu. So viel Ehrlichkeit hat er nicht erwartet. Es war nicht Nathans erster Fall in Adelskreisen. In London bearbeitete er viele Fälle in gesellschaftlich hochstehenden Familie. Für seinen Chef war er der richtige Mann für diese Leute, er kannte sich aus, konnte sich auf dem glattem Parkett der oberen Zehntausend bewegen und Nathan war diskret. Das brachte einen der hohen Herren auf die Idee, er sei deswegen bestechlich. Man hätte Nathan einiges bescheinigen können, Bestechlichkeit gehörte nicht dazu. Das brach das Genick seiner glänzenden Karriere und er wurde in die Provinz versetzt.

„Haben sie keine Angst, dass sie mich auf eine Spur bringen, die ein schlechtes Licht auf ihre Familie wirft, wenn sie sich als wahr erweist?“

Rosalie bleibt vor der Treppe stehen. Gil und Anthony sehen interessiert zu ihr empor. Sie dreht sich zu Nathan um und flüstert:

„Es ist mir egal. Ich schulde dieser Familie nichts. Ich, ich meine wir, sind ein Leben lang ohne sie zurecht gekommen. Der Grund, warum ich zu der Testamentseröffnung kam, war etwas über meinen Großvater zu erfahren. Bis jetzt wenig Schmeichelhaftes und ich glaube kaum, dass es besser wird. Im Übrigen bin ich ebenso verdächtig. Die Familienjuwelen sollte ich erst nach Lady Ednas Tod bekommen. Und das ist sie ja jetzt.“

Bevor sie einen Fuß auf die Treppe setzen kann, fast Nathan nach ihrer Hand und zieht sie ein Stück zurück, so dass sie aus dem Blickfeld der beiden anderen Männer verschwindet.

„Dann hätten sie den ganzen Schmuck genommen“, sagt Nathan leise. Er beugt sich weiter zu Rosalie. Sein warmer Atem streift ihre Wange. Er drückt sanft ihre Hand. Ein angenehmes Kribbeln läuft ihren Rücken hinauf. „Tun sie mir den Gefallen, passen sie auf sich auf.“ Nathan löst den Griff und schiebt ihr eine Karte mit einer Nummer in die Hand. „Sie können mich jederzeit erreichen.“

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Zu erkennen wer ich bin und nicht nur zu wissen, wer ich sein möchte, das ist die Herausforderung. Zu erkennen, welche dunklen Anteile meine Seele enthält und nicht alles im Sonnenschein zu sehen, auch wenn es sicher ein guter Weg ist, die hellen Dinge zu denken und dadurch anzuziehen.

Trotzdem muss ich auch die Leere, die Öde aushalten, ohne gleich an mir zu Zweifeln oder wilde Pläne zu entwerfen, wie ich die Leere möglichst schnell füllen kann. Schmerz auszuhalten und hinzusehen, woher er kommt. Den Druck von mir zu nehmen, wenn die Idee ruht, um sich an anderer Stelle zu erheben und genug Disziplin aufzubringen den Weg der Idee zu Ende zu gehen und nicht zwischendurch abzubrechen, nur weil sie in meinem Kopf schon „ausgeführt“ wurde.

Erkennen, dass ich nicht brav, konform, leistend, gebend sein muss, um geliebt zu werden. Sondern das ich auch böse, anarchisch, egoistisch sein darf und man mich auch so liebt. Wenn nicht, auch egal. Niemand muss mich lieben. Das Traurige, Dunkle, Deprimierende muss genauso gelebt werden, wie das Helle, Schöne und Gute. Ich bin, die ich bin! Nicht die, die ich sein soll.

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