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Schwarzer Montag für eine Liebe

„Ich weiß genau, dass du ein Affäre hast!“, schrie sie und schlug ihre Kaffeetasse mit Wucht auf die Arbeitsplatte. Der Henkel brach ab.

Er zuckte mit den Schultern. Ihre Eifersuchtsanfälle berührten ihn kaum noch. Aus der wunderschönen, sanften Frau, die er vor zehn Jahren kennengelernt hatte, war ein Furie geworden.

„Was soll ich sagen“, begann er.

„Ich will deine fadenscheinigen Ausreden gar nicht hören“, unterbrach sie ihn sofort, „jedes Wort ist eine Lüge, ich kann dir nicht vertrauen.“

Mitleidig sah er sie an. Bevor er ihr begegnete war er tatsächlich kein Kostverächter gewesen und hatte alle guten und manchmal auch die weniger guten Angebote mitgenommen, aber ihr war er treu. Bedingungslos. Er kannte sie nicht wieder.

„Wenn das so ist, sollte ich vielleicht gehen?“, sagte er ruhig.

„Dann geh doch!“, ihre Stimme kippte hysterisch, „dass ist doch alles was du kannst.“

Diesen Satz hatte er so oft gehört, seit sie abgefangen hatte, ihn mit ihren ungerechtfertigten Verdächtigungen zu verfolgen. Er drehte sich langsam um. Macht die ersten Schritte auf die Tür zu.

„Geh doch! Los hau ab!“

Ihre Wut schwappte wie eine hohe Woge hinter ihm her. Traf ihn im Nacken und verursachte ihm eine Gänsehaut. Für den Bruchteil einer Sekunde zögerte er. Wenn er jetzt ging, wäre es für immer. Da war doch Liebe gewesen! Eine Liebe, die er nie für möglich gehalten hatte.

„Verschwinde“, zischte sie.

Ohne umzublicken verließ er das Haus und kehrte nicht zurück.

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Schweißgebadet schreckt sie hoch. Sie hat ein Geräusch gehört. – Vielleicht eine SMS? – Es ist Dunkel. Nur der Bildschirm ihres Computers spendet etwas Licht. Sie hat jedes Zeitgefühl verloren. Ihr Kopf tut weh. Es pocht, als schlüge jemand mit dem Hammer gegen die Schädeldecke. Sie hat einen schalen Geschmack im Mund und unterschwellige Übelkeit kriecht ihre Kehle hinauf. Neben dem PC stehen zwei leere Flaschen Rotwein. Sie hört sein leises Summen. Da wieder dieses unverkennbare Geräusch. – Oh mein Gott, er ist endlich im ICQ und ich hab es verschlafen. –

Wie von Furien gehetzt springt sie aus dem Bett, stolpert und stößt ihr Weinglas vom Tisch, das in tausend Stücke zerspringt. – So ein Scheiß. – Seit zwei Wochen hat er sich nicht gemeldet. Ihr Körper ist ausgezehrt von dieser zerstörenden Sehnsucht. Ihrer ganz persönlichen Obsession. Ein Mann, der sie nur mit Worten stimuliert, sie rasend vor Verlangen auf die Knie sinken lässt, bis sie darum bettele, dass er endlich kommt und sie fickt.  – Fast Tag und Nacht hab ich vor dieser blöden Kiste ausgehalten und ausgerechnet heute Nacht verschlafe ich ihn. –

Im ICQ-Fenster stehen nur ein paar Worte: „Hi, bist du da? Lust auf einen Quickie …“ und „Schade, schläfst wohl schon. Ok, dann mach ich es mir selber … stell mir vor, wie wir es zusammentreiben …“

In ihrem Kopf hört sie seine spöttische Stimme. Er weiß, dass sie nun Amok läuft. Sie will schreien! Aber ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie schluchzt, immer stärker schüttelt es sie. Ihr Körper krampft sich zusammen. Sie geht zu Boden, zusammengekauert wie ein geprügelter Hund. Der Schmerz krallt sich an ihr Herz, den quetscht ihren Magen zusammen und rast durch ihren Kopf. Sie heult und lacht, versucht ihren hysterischen Körper zu kontrollieren. – Wenn er nicht bald herkommt und mich fickt, werde ich sterben. – Sterben an ihrer kranken Liebe, an der Achterbahn ihrer Gefühle, sterben am Alkohol, der sie noch aufrecht hält. Aber es ist ihr egal. Sie braucht ihn, wie die Luft zum Atmen, auch wenn es Momente gibt, in denen sie ihn umbringen möchte. Dann könnte ihn keine andere haben. Sie rappelt sich auf. Mit zitternden Fingern zündet sie sich eine Zigarette an und geht auf die Suche nach dem Stoff, aus dem die Träume sind. Sie finde noch eine Flasche Sekt. Trinkt aus der Flasche. Ihr ausgemergelter Körper ist nur noch eine Hülle ihrer fiebrigen Hirngespinste.

– Er ist meine Droge, der Stoff meiner ertränkten Träume. Aber er ist nicht hier, um mich zu ficken. Dabei ist das alles, was ich will. Endlich das tun, was wir die ganze Zeit am PC treiben. Sex haben, jeden Tag Sex. Ich will diesen verdammten Sex. Ich will, dass er mich solange fickt, bis ich tot umfalle. Sterben werde ich sowieso, also warum nicht bei einem guten Fick? Was für ein Tod! Danach nie mehr aufwachen. Nie mehr Spielchen, die mich in den Wahnsinn treiben und ohne die ich nicht mehr leben kann. Nie mehr vergeblich hoffen, dass er kommt, um es mit mir zu treiben. Nie mehr die leeren Versprechungen, dass er kommt, und dann im letzen Augenblick absagt. Nie mehr die Ungewissheit, ob er mich will oder nur sein Ding durchzieht. Los komm und fick mich bis mein Herz versagt, damit ich nie mehr aufwachen muss. – Der ICQ-Ton versetzt ihrem quälenden Gedankenkarussell einen durchdringend Impuls. Sie stürzt an den Schreibtisch. Stößt sich das Schienbein am Couchtisch. Sie fühlt es nicht. – Er ist da! –

„Hey, Prinzessin, wollte mich nur kurz melden. Bin die nächsten Wochen geschäftlich viel unterwegs … denk an dich“, liest sie. „Vielleicht sehen wir uns danach.“

Mit zitternden Fingern gibt sie eine Antwort ein. Drückt auf Senden. Sie sieht, dass er den Messenger schon verlassen hat. Sie stiert auf den Bildschirm. Immer wieder liest sie seine Nachricht, als könnte sie ihnen dadurch eine andere Bedeutung verleihen, oder ihn zur Rückkehr an den PC bewegen. – Er denkt an mich. Er meldet sich, wenn er kann. Wahrscheinlich sehen wir uns, wenn er zurück ist. – Irgendwann füllen sich ihre Augen mit Tränen. Sie setzt die Flasche an, trinkt. – Ich muss nur durchhalten, dann wird alles gut. Ganz bestimmt! –

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III.

(Sätze-mit-nicht-mehr-als-sieben-Wörtern-Übung)

Mani knackt sie alle

Mani sah in das Fenster gegenüber. Endlich ging das Licht aus. Er sah auf sein Handy. 22 Uhr 37. Mani wartete geduldig. Das war sein Job. Sitzen und warten. Er sah wieder auf sein Handy. 23 Uhr 4. Fast eine halbe Stunde vergangen. Jetzt dürfte die alte Dame schlafen. Mani schlich zum Haus. Mit Schwung erklomm er den Balkon. Das war die leichteste Übung. Ein Fensterflügel stand offen. Wie in den Nächten davor. Mani hatte alles genau beobachtet. Er fasste durch den Spalt. Vorsichtig drückte er den Griff herunter. Der andere Fensterflügel öffnete sich. Leise drückte Mani ihn herunter. Ein leises Quietschen war zu hören. Mani wartete, lauschte. Er hörte leise Atemzüge. Die schläft fest, dachte er beruhigt. Bedächtig stieg er ein. Nur ja nichts umwerfen. Mani zückte seine kleine Taschenlampe. Ruhig ließ er den Strahl kreisen. Lautlos schlich er ins Wohnzimmer. Hinter dem Bild war der Safe. Ein echter Burgwächter. Damit kannte er sich aus. Er arbeitete seit 20 Jahren dort. Wurde gut bezahlt der Job. Außerdem brachte er einen guten Nebenverdienst. Mani erkannte die reichen Schnösel sofort. Frau Schneider-Möhring war eine davon. Goldbehängt, mit Aktienanteilen und Grundbesitz. Mani hängte den Monet ab. Er holte sein Stethoskop aus der Hosentasche. Langsam drehte er das Zahlenrad. Er hörte es knacken. Vier Mal. Er drehte am Drehkreuz. Der Tresor sprang auf. Mani starrte auf die leeren Fächer.

„Scheiße!“, entfuhr es ihm.

Das Deckenlicht flutete auf.

„Da haben sie recht“, hörte er sie.

Er fuhr herum. Die alte Schneider-Möhring im Morgenmantel. Sie richtete eine Pistole auf ihn.

„Geben sie sich keine Mühe. Die Polizei ist schon im Anmarsch. Einen wie sie erkenn ich sofort.“ Sie grinste spöttisch. „Mein verstorbener Mann war einer von euch.“

Mani blieb der Mund offen stehen. Er hörte das Heulen der Sirenen.

„Du hast noch einen kleinen Vorsprung. Das war der stille Alarm.“ Frau Schneider-Möhring machte eine Handbewegung. „Lauf.“

Mani sah sie verständnislos an.

„Oder willst du auf die Bullen warten?“

Mani begriff endlich. Er rannte wie ein Hase.

Frau Schneider-Möhring schloss den Safe. Sie hängte den Monet zurück. Sie lächelte. Eine Nacht nach ihrem Geschmack.

IV.

(Reizworttext) Siamkatze, Verzweiflung, Schadensbegrenzung

Voller Verzweiflung saß ich vor dem PC. Die Datei war weg! Vor zwei Sekunden war sie noch da und jetzt war sie weg. Leerer Bildschirm und Mister North saß hinter seinem riesigen Teakholzschreibtisch und wartete. Er wartete auf die Anweisungen, die er mir diktiert hatte. Eilig, dringend, am liebsten vorgestern hatte er gesagt. Mister North war ein guter Chef, aber ständig im Stress und an Tagen wie diesen, wenn alles besonders wichtig war, konnte er ziemlich unwirsch werden, wenn etwas nicht klappte. Es gab zwei Möglichkeiten das Problem zu lösen: Mich aus dem 24. Stock stürzen, das würde als Entschuldigung reichen, oder Schadensbegrenzung durch Naturkatastrophe, landesweiten Stromausfall, Bürgerkrieg oder ähnlich einschneidende Ereignisse. Aber wo ich so schnell einen Wirbelsturm herbekommen oder wie ich einen Bürgerkrieg anzetteln konnte, war mir nicht klar. Stromausfall kam da schon eher infrage.

„Julia, wann ist der Brief fertig. Ich warte!“ hörte ich seine tiefe, ungeduldige Stimme durch die Wechselsprechanlage. Oh, Gott, was jetzt, der rettende Einfall musste her, sofort. Aber mein Hirn war so leer wie mein Desktop

„Noch einen Moment, Mister North“, ich versuchte ruhig zu klingen, „ich bin gleich da.“

Er gab keine Antwort. Ich konnte mir sein Gesicht mit der zornigen Stirnfalte gut vorstellen. Wenn nicht gleich etwas passierte, würde er aus seinem Büro stürmen und ich das Donnerwetter meines Lebens kassieren. Eigentlich konnte ich schon mal meine Sachen packen.

„Na, Probleme?“

Adam vom Support lehnte sich lässig an den Tresen und sah zu mir herunter.

„Was ist denn das für eine Frage?“, ich begann gerade hysterisch zu werden. „Gleich kommt Mister North aus dieser Tür und wird mich den Schweinen zum Fraß vorwerfen, weil der Text weg ist!“

Er grinste.

„Was kriege ich, wenn ich dir den Text wieder herstelle.“

„Was du willst!“

Ich sah an seinem Blick, dass diese Äußerung viel zu voreilig gewesen war. Adam schob mich mit meinem Bürostuhl zur Seite.

„OK, ich besorge dir den Text und du gibst mir, was ich will.“

„Ja.“

Jetzt war sowieso alles egal, denn ich hörte, wie Mister North die Klinke seiner Tür herunter drückte. Gleichzeitig summte der Drucker und Adam hielt mir meinen Text entgegen. Erleichtert reichte ich ihn Mister North, der ohne ein weiteres Wort verschwand. Ich drehte mich zu Adam um und erwartete seine Forderung.

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