Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Hölle’

Es gab keine Vorzeichen, die die Ereignisse ankündigten.

Deswegen war ich völlig unvorbereitet, als die Hölle über mir losbrach. Ich stand im Pyjama in der Küche, sah der Kaffeemaschine beim Brühen meiner ersten Tasse Kaffee zu und hing meinen Gedanken nach. Der Tag war frisch und blank, wie ein unbeschriebenes Blatt – dass dieses aus Recyclingpapier bestand, erfuhr ich einen Moment später, als mich ein penetrantes Klingeln aus meiner sonntäglichen Ruhe riss.

Ich seufzte. Dies sollte ein Tag nur für mich sein. Hätte ich meinem Impuls die Tür nicht zu öffnen und mich tot zu stellen nachgegeben, wären mir die schlimmten Erlebnisse meines bisherigen Lebens erspart geblieben.

Ich gab dem widerholten drängenden Klingeln nach und öffnete die Tür. Was ich sah, machte mich schlagartig hellwach und aktivierte meinen Fluchtreflex. Doch dafür war es zu spät.

 

Read Full Post »

„Henry starb vor zwei Jahren. Heut habe ich ihn das erste Mal gesehen.“

Elly holte tief Luft. Sie fasste Sara am Arm. Sie blieben stehen.

„Das hat aber lange gedauert.“

Sara nickte. Sie sah Elly mit großen Augen an. Elly war ihre beste Freundin und der einzige Mensch, der von ihrem Geheimnis wusste.

„Ich habe ihn gefragt, wo er solange gewesen ist. Aber er wusste es auch nicht.“

„Glaubst du, er war in der Hölle oder im Fegefeuer.“

„Ach, Quatsch. Das gibt es nicht. Es gibt keinen feurigen Ort an dem die Seelen gequält werden. Es gibt nur die Geister und das Licht. Wenn sie dorthin gehen, dann sind sie erlöst.“

Sara kramte in ihrer Handtasche herum, zog zwei Schokoriegel heraus und drückte Elly einen in die Hand.

„Aber wo war Henry dann die ganze Zeit.“

Elly riss das silberne Papier des Schokoriegels auf und biss eine Ecke ab.

„Das ist es, was ich unbedingt herausfinden muss.“

Die beiden setzten ihren Weg fort. Sara pellte ihren Riegel ebenfalls aus.

„Wo gehen wir hin?“, nuschelte Elly mit vollem Mund.

„Zu Madame Breda“, nuschelte Sara zurück.

Read Full Post »

Der Zerfall – The Changeling

Drama – von Thomas Middleton und William Rowley

Die beiden Dramatiker waren Zeitgenossen Shakespears. Thomas Middleton wurde 1580 in London geboren und war, neben Shakespeare, einer der erfolgreichsten Stückeschreiber der englischen Renaissance.

Über das Stück:
Beatrice–Joanna ist in Alsemero verliebt. Doch ihr Vater Vermandero hat einen anderen, Alonzo, als Ehemann für sie vorgesehen. Aus der Ferne verehrt der missgestaltete De Flores, Diener im Haus Vermaderos, die unberührbare Schöne ebenfalls. Er würde alles, wirklich alles, für sie tun.

Die verzweifelte Beatrice will den ungeliebten Bräutigam loswerden. Sie benutzt den liebeskranken De Flores, um Alonzo zu töten. Als Beatrice ihn auszahlen will, erpresst De Flores sie, als Sister in Crime, und fordert ihre Jungfräulichkeit. Sie gibt sich ihm hin und entbrennt in Leidenschaft für ihn. (Er muss wohl ein guter Liebhaber gewesen sein.)

„Dieser Mann ist einzig! Keiner dient mir wie er! Ist er auch hässlich nun, darauf kommt es nicht an. Man muss ihn lieben!“ Zitat von Beatrice-Joanna – danach.

Der Verlust ihrer Jungfräulichkeit führt zu Verwicklungen in ihrer Hochzeitsnacht mit Alsemero, dem vorgemacht werden muss, dass Beatrice noch Jungfrau ist.

Am Ende fliegen der Schwindel und die Bluttat auf. Alsemero verlässt Beatrice-Joanna. De Flores bringt Beatrice-Joanna und sich um. – So dass sie in der Hölle zusammensein können. –

***

Der Name De Flores bedeutet in Spanisch „von Blumen“, aber er hört sich, wie deflower(entjungfern) oder deflorieren an. Den Begriff deflower gibt es im Englischen seit dem 14. Jahrhundert.

Beatrice-Joannas Name ist ebenfalls ironisch gemeint. Beatrice bedeutet „Glücksbringer“ oder „gesegnet“ und Joanna „Gnade Gottes“. Auch wenn Beatrice De Flores Freude bringt(?), sind die Bedeutungen für die anderen Personen des Stücks das genaue Gegenteil.

Liebe, Obsession, Wahnsinn und Tod. Alles, was eine gute Story braucht, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

Read Full Post »

„Das Ziel eines Schriftstellers ist es, die Zivilisation davon abzuhalten, sich selbst zu zerstören.“
Albert Camus

Eine gute Absicht, allerdings ist die Frage: Wie? Die Leute, die auf den Schriftsteller „hören“ sind meistens seiner Meinung und die anderen? Entweder lesen sie den Schriftsteller nicht oder sind nicht in der Lage ihn zu verstehen – mag es intellektuell oder gegen ihren Willen sein.

Eines der großen Probleme unserer Zeit, eigentlich aller Zeiten ist, dass die Masse denen hinterher läuft, die am Lautesten schreien. Die Medien fördern dieses Phänomen nach Leibeskräften. Eine objektive Aufklärung findet selten statt, kann es vielleicht auch nicht – zeige mir den, der wirklich objektiv ist?! Chaos zieht scheinbar mehr, als Verbundenheit.

Es ist einfach sich keine eigenen Gedanken machen zu müssen oder über die Konsequenzen seiner Handlungen nachzudenken. „Dafür kann ich nichts, der … hat gesagt …“ – „Die anderen haben auch mitgemacht.“ – „Wenn ich es nicht getan hätte, dann …“ – „Ich habe nichts davon gewusst …“

Hübsche Ausreden. Dass die nichts nützen und großes Unheil anrichten, hat die Menschheit im Zweiten Weltkrieg erlebt. Nicht das einzige augenfällige Beispiel, auch heute gibt es genug davon. Der Mensch ist schnell dabei, seine Schuld, seine Nachlässigkeit, seine eigene Grausamkeit auf andere abzuschieben. Und doch trifft der Spruch auf viele Gelegenheiten zu: Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. „Keiner, der hingeht“ fängt bei jedem Einzelnen von uns an.

Irgendwann kommt die Stunde, da jeder Rechenschaft ablegen muss. Niemand bleibt davon ausgenommen, auch wenn die meisten nicht an eine übergeordnete Instanz glauben, die über uns richtet. Früher gab es dafür den Pfaffen, der zur letzten Ölung kam. Mit etwas Öl glaubte man, die Seele vor der Hölle zu retten. Ein reichlich lächerliches Unterfangen, Gott übers Ohr hauen zu wollen. Heute glauben viele Menschen nicht mehr an Gott, schieben ihn genauso vor, wie Regierungen oder Schreihälse, die sich profilieren wollen. Wir schaffen es heute uns unsere eigene Hölle zu machen und ich frage mich, gefällt uns das?

Warum lässt Gott das zu? Die Frage müsste lauten, warum tut der Mensch einem anderen Menschen solche schrecklichen Dinge an? Gott ist nicht dafür zuständig unseren Job zu machen. Statt Freundlichkeit, Rücksicht und Toleranz, springen uns jeden Tag Mord und Totschlag an.

Hat das Leben, das Recht auf Freiheit und Gleichheit wirklich einen Wert? Wenn ja, warum all das? Es mag sein, dass sich die Menschen Gott gegenüber nicht mehr verpflichtet fühlen. Aber wir sind unseren Mitmenschen (und unserer Erde) gegenüber verpflichtet! Jedem Menschen! Egal welcher Hautfarbe, Rasse, Religion, ob gesund oder krank, Kind oder Erwachsener.

Ich bin eine unbekannte Autorin und weiß nicht, wie viel meine Worte bewirken. Aber ich wünsche uns allen ein bisschen mehr Liebe, Freundlichkeit, Verständnis und Herz. Jeden Tag in diesem Jahr!

Read Full Post »

„Ich habe Angst“, flüstere ich atemlos.
William hält mich so fest, dass ich mich nicht rühren kann. Mein Herz rast, pumpt das Blut durch meine Adern. Mein Puls überschlägt sich beinahe.
„Wehr dich nicht“, sein Atem streift meinen Hals, „dann ist es leicht.“
Seine irisierenden blauen Augen, die es mir so angetan haben, sind jetzt schwarz, wie Kohle. Als seine Lippen meinen Hals berühren, zucke ich zusammen. Mein Verstand lehnt sich dagegen auf, aber mein Herz ist in seine Fänge geraten. Sein einzigartiger Duft hält meinen Willen im Zaum, sein intensiver Blick schenkt mir eine Vorahnung von der Lust, die mich erwartet und sein Mund verspricht mir mit samtweichen Klängen und betörenden Worten den Himmel, in der Hölle, in die er mich ohne mit der Wimper zu zucken stößt.

Read Full Post »

Es war heller Tag. Die Herbstsonne strahlte golden über einem wolkenlosen Himmel, und doch ging von der Kathedrale eine Kälte aus, die ich von einem Gotteshaus nicht erwartete. Die Mauern bestanden aus dunklen Steinquadern, die wohl die Wärme des Tages anzogen, aber nichts davon abgaben. Über dem Hauptschiff thronte eine monströse Kuppel, deren höchster Punkt von einem ungewöhnlich geformten Kreuz geschmückt wurde. Es sah aus, als hätte man es einer feurigen Prüfung unterzogen. Es war zwar als Kreuz zuerkennen, aber die Silhouette war abnorm verzogen.

Mich befiel ein mulmiges Gefühl, als ich die breite Treppe zum Portal hinauf schritt. Über der schweren, circa vier Meter hohen, Eichentür, die mit verschlungenen Mustern bedeckt war, prangte eine kolossale Fensterrosette aus Buntglas. Von außen betrachtet konnte ich die Farbe des Glases nicht bestimmen, wusste aber aus Berichten, dass es blutrot gefärbt war, wie auch die anderen Kirchenfenster. In meiner Vorstellung sah ich mich in einer Flut aus tiefrotem Licht den Mittelgang des sakralen Gebäudes entlang schreiten. Auf die Gläubigen der alten Zeit muss dieser Bau wie eine Vorahnung auf die Hölle gewirkt haben. Nicht umsonst trug die schwarze Kathedrale den keineswegs schmeichelhaften Beinamen Teufelskirche. Das ganze Bauwerk war ein Paradox an sich. Welch krankes Hirn hatte sich diese Scheußlichkeit ausgedacht?

An verschiedenen Ecken und Erkern, auf Säulen und Dachfirsten hatte man Wasserspeier mit den bizarrsten Fratzen angebracht. Neben dem Kirchenportal standen zwei Engel aus schwarzem Marmor. Ihre ernsten, ja beinah boshaften, Gesichter erweckten nicht den Anschein, als wären sie über mein Kommen erfreut. Ich ahnte, dass es ihnen nicht gefallen würde, wenn ich ihnen das Geheimnis der Entstehung und des Daseins ihrer Kathedrale entrisse, aber genau dies war mein Auftrag.

Pater Antonio bat mich, mit aller Vorsicht zu Werke zu gehen. Ich nahm ihn, leichtsinnig, wie ich war, nicht besonders ernst, bis ich meine Hand auf die eiserne Klinke des Portals legte. Sofort zog ich sie mit einem Schmerzensschrei zurück und wedelte sie wild hin und her. Das Metall war glühend heiß. In meiner Handfläche zeichnete sich der Abdruck des Türgriffs ab. Zum Glück trug ich das Schutzzeichen, das Antonio mir zum Abschied gegeben hatte, was eine schlimmere Verbrennung verhinderte. Ich wurde das unangenehme Gefühl nicht los, dass die beiden Engel hämisch grinsten.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, das Lied zu diesem Text stammt von den Beach Boys, California Dreaming.

Read Full Post »

Die Sehnsucht nach dem Ungreifbaren, Undenkbaren

Stürzt mich in eine Hölle aus Feuer und Eis

Das Sehnen verbrennt Knochen und Mark

Die Hoffnungslosigkeit vereist mein Herz

 

Eingesperrt in mich

Versuche ich das Eis zu brechen

Das Feuer zu löschen

Was ich auch tue

Es gibt keinen Weg aus dem Schmerz

 

Ich habe ihn nicht ausgesucht

Ihn nicht gerufen

Doch als er mich erwählte

Wehrte ich mich nicht

In der Liebe gibt es keine Vernunft

Nur das Gefühl, das dich vorwärts treibt

 

Kein Argument kann bestehen

Der Trieb hat keine Ohren

Keine Augen den Abgrund zu sehen

Keine Nase das Feuer zu riechen

Er verschwendet keinen Gedanken daran

Wie vollständig der Absturz sein wird

 

Ich sehe dich, dein Lächeln, deine Augen

Es ist zu spät

Das Schicksal hat sich genommen

Was der Zufall ihm zuspielt

Ich übernehme meine Rolle

Und werde ein bisschen daran sterben

 

 

 

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: