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Posts Tagged ‘heiraten’

„Mary Flinn, du bist dumm, wenn du ihn nicht heiratest.“

Mary sah Tante Agatha mit gleichgültigem Gesichtsausdruck an. Dies war der dritte Bewerber in zwei Wochen, den sie ihr vorgestellt hatte. Einer schlimmer, als der andere. Alle Anwärter waren mit einem ansehnlichen Vermögen ausgestattet und bereit Mary zu ehelichen, obwohl diese keinen Penny besaß. Das war einerseits kein Wunder, denn Mary Flinn war eine außerordentliche Schönheit. Andererseits stellte es ein Problem dar, denn sie war ebenfalls klug und eigenwillig. Mit Nachdruck hatte sie ihrer Tante erklärt, dass sie keinen Mann heiraten würde, den sie nicht liebte und respektieren konnte.

Die ersten beiden Brautwerber waren einfältige Schwätzer, viele Jahre älter und so völlig ohne Manieren, dass es Mary eiskalt den Rücken herunterlief. Der dritte machte auf den ersten Blick einen angenehmen Eindruck, aber Mary merkte aus seinen Äußerungen recht schnell, dass er Frauen als notwendiges Übel betrachtete, um zahlreichen Nachwuchs zu bekommen. Als er erwähnte, dass seine Mutter sie auf Herz und Nieren prüfen würde, bevor ein Ehevertrag zustande käme, lehnte sie dankend ab. Dieser entwürdigenden Prozedur würde sie sich niemals unterziehen.

„Du hast noch eine Chance! Entweder willigst du bei dem nächsten Bewerber ein oder du verdienst dir deinen Lebensunterhalt auf der Straße“, sagte Tante Agatha spitz, „meine Gutmütigkeit hat ein Ende!“

Sie drehte sich um, verließ das Zimmer und schloss die Tür mit einem lauten Krachen. Mary zuckte mit keiner Wimper.

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Hier mein Text über den Inhalt der Mülltonnen meiner Protagonistin Juliette, aus der Sicht der Antagonstin, ihrer Schwiegermutter Sybill. (Schreiberlebentipps, Aufgabe vom 29.03.2017, Auch Helden machen Müll)

Dummes Mädchen, dachte Sybill und fischte die fleckigen Topflappen mit spitzen Fingern aus der Restmülltonne. Sie drehte sie hin und her, als wäre ihr der Schatz des Prias in die Hände gefallen, ließ sie aber wieder in die Tonne fallen.

Dabei habe ich die Dinger bei Harrods gekauft, in ihrer Brust zog sich die Wut zu einem dicken harten Knäul zusammen, hätte ich gewusst, dass Juliette sie wegschmeißt, hätte ich ihr ein Paar im Billigshop gekauft. Gerade gut genug für eine freche Göre aus der Arbeiterschicht. Im Grunde war nichts anderes zu erwarten, was hab ich mir eigentlich gedacht? Dabei habe ich es nur gut gemeint.

Sybill riss sich zusammen ihren Zorn nicht an der Mülltonne auszulassen. Am liebsten hätte sie dagegen getreten. Doch das war unter ihrer Würde. Sie besaß Anstand! Nicht so wie andere Leute, die das Gute nicht schätzten.

Aber sündhaftteure Seidenstrümpfe kaufen, dafür schmeißt sie Bernies Geld aus dem Fenster, dachte Sybill und presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, als ihr Blick auf die kunstvolle Verpackung fiel. Er wollte sie ja unbedingt heiraten. Ich habe noch gesagt, sie passt nicht zu dir, nicht in unsere Familie. Nein, er wollte ausgerechnet die kleine Tipse, obwohl er jede haben konnte.

Sybill öffnete die Komposttonne und beugte sich vor. Unglaublich, das Aas hat sogar den teuren Rosenstrauß in die Komposttonne geworfen, den Bernie ihr gestern mitgebracht hat, empört schnappte sie nach Luft, ich hätte mich darüber gefreut.

Sybill angelt den Blumenstrauß heraus, drehte ihn hin und her. Er sah unversehrt aus. Aufmerksam blickte sie sich um. Alles still, kein Nachbar zu sehen. Sybill verschloss die Tonne wieder und trug den Strauß ins Haus. Dummes Mädchen, sie stieß einen missbilligenden Laut aus, wenn du die schönen Rosen nicht zu schätzen weißt, hast du sie auch nicht verdient.

Die komplette „Müllliste“ steht unter „Apropos Müll…“.

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Hermann Hesse, Die Marmorsäge

„Heiraten?“, lachte Becker, „Junge, du bist reizend.“

Da wurde ich ernstlich zornig, lief aber doch nicht fort, sondern ließ mich darauf ein, dem Verwalter meine Gedanken und Pläne in dieser Sache weitläufig zu erzählen.

„Du vergisst eine Hauptsache“, sagte er dann ernsthaft und nachdrücklich. „Die Lamparts sind nichts für dich, das sind Leute von einem schweren Kaliber. Verlieben kann man sich ja in wen man will, aber heiraten darf man nur jemanden, mit dem man nachher auch fertig werden und Tempo einhalten kann.“

 

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