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Posts Tagged ‘Haus’

„Dein Idealismus ist beneidenswert, aber ich vermag ihn nicht zu teilen.“

Sander sah mich ernst an. Wut stieg in mir auf. Jedes Mal dasselbe, dachte ich, wenn ich eine super Idee habe, weiß er warum das Blödsinn ist und sowieso nicht klappt. Ich sprang auf, der Stuhl krachte gegen die Tischkante.

„Wenn du eine Unterhaltung so beginnst, kann ich mir schon denken, wie sie ausgeht!“ Ich schnappte meine Jacke und riss die Tasche von der Stuhllehne. „Ich werde jetzt genau das tun, was ich mir vorgenommen habe. Egal, was du wieder einzuwenden hast.“

Er grinste selbstgefällig und ich hätte ihn am liebsten geschlagen.

„Na dann viel Spaß. Du wirst ja sehen, was du davon hast.“

„Genau!“

Ich stürzte hinaus. Sanders Zweifel verfolgten mich, bis ich vor dem Haus stand und klingelte. Ich atmete tief durch. Jetzt werde ich dir zeigen, dass du Unrecht hast, dachte ich und drückte gegen die Tür, als der Summer ertönte.

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Hier mein Text über den Inhalt der Mülltonnen meiner Protagonistin Juliette, aus der Sicht der Antagonstin, ihrer Schwiegermutter Sybill. (Schreiberlebentipps, Aufgabe vom 29.03.2017, Auch Helden machen Müll)

Dummes Mädchen, dachte Sybill und fischte die fleckigen Topflappen mit spitzen Fingern aus der Restmülltonne. Sie drehte sie hin und her, als wäre ihr der Schatz des Prias in die Hände gefallen, ließ sie aber wieder in die Tonne fallen.

Dabei habe ich die Dinger bei Harrods gekauft, in ihrer Brust zog sich die Wut zu einem dicken harten Knäul zusammen, hätte ich gewusst, dass Juliette sie wegschmeißt, hätte ich ihr ein Paar im Billigshop gekauft. Gerade gut genug für eine freche Göre aus der Arbeiterschicht. Im Grunde war nichts anderes zu erwarten, was hab ich mir eigentlich gedacht? Dabei habe ich es nur gut gemeint.

Sybill riss sich zusammen ihren Zorn nicht an der Mülltonne auszulassen. Am liebsten hätte sie dagegen getreten. Doch das war unter ihrer Würde. Sie besaß Anstand! Nicht so wie andere Leute, die das Gute nicht schätzten.

Aber sündhaftteure Seidenstrümpfe kaufen, dafür schmeißt sie Bernies Geld aus dem Fenster, dachte Sybill und presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, als ihr Blick auf die kunstvolle Verpackung fiel. Er wollte sie ja unbedingt heiraten. Ich habe noch gesagt, sie passt nicht zu dir, nicht in unsere Familie. Nein, er wollte ausgerechnet die kleine Tipse, obwohl er jede haben konnte.

Sybill öffnete die Komposttonne und beugte sich vor. Unglaublich, das Aas hat sogar den teuren Rosenstrauß in die Komposttonne geworfen, den Bernie ihr gestern mitgebracht hat, empört schnappte sie nach Luft, ich hätte mich darüber gefreut.

Sybill angelt den Blumenstrauß heraus, drehte ihn hin und her. Er sah unversehrt aus. Aufmerksam blickte sie sich um. Alles still, kein Nachbar zu sehen. Sybill verschloss die Tonne wieder und trug den Strauß ins Haus. Dummes Mädchen, sie stieß einen missbilligenden Laut aus, wenn du die schönen Rosen nicht zu schätzen weißt, hast du sie auch nicht verdient.

Die komplette „Müllliste“ steht unter „Apropos Müll…“.

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Nur die eine Runde

Laura zog die Laufschuhe an, heute würde sie es endlich mal wieder schaffen, die ganze Runde zu laufen. Sie versuchte es seit Wochen, es gelang ihr einfach nicht. Heute fühlte sie sich gut. Diesmal würde es sicher gelingen. Als sie die Haustür öffnete wehte ein heftiger Windstoß einige braune zerknitterte Herbstblätter in den Flur des alten Hauses. Laura achtete nicht auf sie.

Laufen, ermahnte sie sich, du musst laufen. Laura ging den Gartenweg zur Straße entlang, streckte sich, hob die Arme, hüpfte von einem Bein auf das andere. Noch war alles in Ordnung. Herzschlag und Puls normal. Sie sah es auf der App ihres Handys.

Laura betrat sie den Bürgersteig. Erst einen Fuß, dann den zweiten. Sofort erhöhte sich ihre Pulsfrequenz. Sie spürte, wie sich der Schlag ihres Herzens beschleunigte. Alles ist gut, sagte sie vor sich her, es ist vergangen, dir kann nichts passieren. Sie lief langsam los, setzte einen Schritt vor den anderen, sagte sich immer wieder ihr Mantra vor: alles wird gut, es ist vergangen, dir kann nichts passieren.

Bevor Laura die erste Kreuzung erreichte, war sie atemlos. Sie drosselte ihre Geschwindigkeit, lief nicht mehr, ging nur noch zügig. Immer wieder sah sie sich um. Niemand zu sehen. Die Straße war leer. Die Vorgärten der kleinen Vorstadthäuser lagen still da. Die meisten Nachbarn arbeiteten und die Kinder besuchten die Schule.

Laura blieb stehen. War da nicht ein merkwürdiges Knacken, ein Rascheln, ein Heulen, das nicht von der stürmischen Brise verursacht wurde. Alles wird gut, dachte Laura, alles wird gut, du musst weiter laufen, sonst gelingt das nie mehr. Sie widerstand der Versuchung sich umzudrehen.

Vorwärts, immer vorwärts, hatte Andrew ihr gesagt, aber was wusste er schon. Da, da war es wieder! Lauras spürte, wie ihr die Angst die Kehle zuschnürte. Diese merkwürdige Geräusch, ein Ratschen von Stoff, oder Zerreißen. Lauras Körper war von einer Gänsehaut überzogen, sie zitterte. Ein eisiger Schauer rann über ihre Beine hinauf in ihre Hüften, zog sich das Rückrad entlang. Ihre Nackenhärchen richteten sich auf.

Es waren höchstens 300 Meter bis zu ihrem Haus. Alles wird gut, betete Laura vor sich her, vorwärts. Aber sie konnte keinen Schritt tun. Es war wie damals. Nie würde sie diesen schrecklichen Tag vergessen. Ein Schlagen und Flattern. Laura fuhr herum, sprintete zurück zu ihrem Haus, den Vorgartenweg entlang, stürzte in den Hausflur und warf die Tür hinter sich zu. Schweratmend sank sie gegen die Tür, Tränen rannen ihr über das Gesicht. Sie würde es nicht schaffen, nie mehr. Seit dem schrecklichen Tag vor zwei Jahren.

Der Mann sah Laura hinterher und grinste, während er den schwarzen Regenschirm zuklappte und das Klettbändchen verschloss. Sie würde die Runde nie mehr laufen, dafür würde er sorgen.

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Abblättern, Blau, Schein, Spitze, Wald

Die blaue Farbe blätterte von den Fenster und Türrahmen des kleinen Holzhauses ab. Kein Wunder, dachte Jen, das Salz in der Luft, der Wind, die Feuchtigkeit leisteten ganze Arbeit. Trotz des Verfalls sah das Häuschen heimelig und einladend aus.

Es stand an der Landspitze von Havens Gate, umgeben von Dünen, Reedgras und der Unberechenbarkeit eines nördlichen Meeres. Wenn man die steile Holztreppe hinaufstieg und aus dem runden Giebelfenster blickte, konnte man einen Wald sehen, der sich je nach Wetterlage heftig mit den Winden bog oder anmutig in der Brise tanzte.

Ich stellte meinen Koffer auf der Veranda ab, setzte mich auf die oberste Stufe und blickte den weißen Wattewolken nach, die gemächlich über den azurblauen Julihimmel bummelten.

Es war lange her, dass ich in Großmutters Haus gewesen war. Nun endlich hatte mich ein ungenädiger Schicksalsschlag nach Hause gespült, wie die rosa Muscheln, die ich früher am Strand gesucht hatte. Winzige Raritäten, nicht größer als Marienkäfer und so zart wie Schmetterlingsflügel. Wie sanft ich sie auch behandelte, ich konnte nur wenige heil nach Hause bringen. Meine Kinderhände waren zu gierig und hastig für das dünne Gehäuse. Mir schien es hatte sich nicht sehr viel daran geändert. Und so kam ich mit gebrochenen Flügeln zurück.

 

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„Der Sturm kommt.

Mias Vater sah beunruhigt gen Himmel. Sie folgte seinem Blick konnte aber nichts erkennen. Es war ihr ein Rätsel, wie ihr Vater das Wetter so genau voraussagen konnte. Immer wenn sie ihn danach fragte, sagte er:

„Erfahrung Schätzchen, langjährige Erfahrung.“

Mia bettelte ihn an, ihr seine Tricks anzuvertrauen, aber er schüttelte nur den Kopf.

„Das ist nicht nötig, Schätzchen. Du bist ein Mädchen und ein hübsches noch dazu. Eines Tage wirst du einen reichen Mann heiraten, der gut für dich sorgt. Du sollst es besser haben, als dein Mutter und ich.“

Das trieb Mia jedesmal die Tränen in die Augen. Sie liebte den Hof, die Tiere und auch die Arbeit machte ihr nichts aus. Was sollte sie mit einem reichen Schnösel?

„Wir müssen die Pferde von der Koppel holen“, mahnte ihr Vater.

Mia folgte ihrem Vater zur Pferdekoppel hinter dem Haus. Er schien den Sturm schon am Morgen vorausgeahnt zu haben, denn im Allgemeinen brachte er die Pferde auf die große Wiese, die an den Wald grenzte.

Mia war schon wieder in der Scheune, als ihr Vater das letzte Pferd von der Koppel holte. Ehe sie sich versah, brach ein Sturm los, dem niemand standhalten konnte.

 

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Ein/e Ex-Freund/in, ein Fernglas und Glück

Sanne hatte das Auto so geparkt, dass sie den Eingang von Andreas Haus mit dem Fernglas gut erkennen konnte. Von Martin war nichts zu sehen, aber Sanne hatte das ungute Gefühl, dass er bei ihr war, auch wenn er gestern alles geleugnet hatte. Martin vermied es im Allgemeinen Überstunden zu machen, er wollte seinem Chef kein Geld in den Rachen werfen, und nun schon das zweite Mal diese Woche.

Sanne wollte ihre Observation beenden, immerhin lag sie schon seit mehr als zwei Stunden auf der Lauer, da sah sie ein Pärchen auf der anderen Straßenseite. Das könnten sie sein, schoss es ihr durch den Kopf. Sie richtete das Fernglas aus. Die Frau war nicht Andrea. Sanne wollte erleichtert aufatmen, als sie Martin erkannte. Also doch, Wut stieg in ihr auf, Sanne betrachtet die Frau genauer. Verdammt! Es war nicht Andrea, sondern Ina, Andreas kleine Schwester.

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Da ist es. Mein Haus. Im Sonnenschein unter Birken. Die leichte Brise bringt den Duft des nahen Meeres und das Geschrei der Möwen mit. Ich öffne das Gartentor und betrete mein Exil. Endlich Ruhe vor dem Chaos der Welt. Kein Fernseher, Internet und mein Handy liegt im Schließfach am Bahnhof. Die nächsten vier Wochen gibt es nur mich, das Meer und das Schreiben.

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