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Posts Tagged ‘Halle’

Die Grundszene war im Kopf. Ich wusste, was sie aussagen sollte und warum ich sie schreiben wollte. Eine wichtiger Brief sollte überbracht werden.

Aber wo sollte die Szene stattfinden? Wie steige ich ein? Wie lautet der erste Satz?

Zwei Tage drückte ich mich um die Szene herum. Machte Notizen, durchdachte die Personen und wie sie sich unter den gegebenen Umständen verhalten würden.

Wer überbringt die Botschaft? Wird die Hauptperson der Szene die Augenbrauen hochziehen, wenn er von der Botschaft erfährt? Wie redet er, geschwollen oder locker? Ist er wütend über die Störung, amüsiert oder genervt? Was tut er, wenn er weiß, wie die Botschaft lautet?

Danach dachte ich darüber nach, dass ich einen weiteren Roman in diesem Fantasie-Universum schreiben sollte und wie er aussehen könnte.

Doch das Problem löste sich nicht. Ich hatte inzwischen verschiedene Sets im Auge, aber keins kam mir wirklich „richtig“ vor. Es musste etwas passieren, um die Sache ins Rollen zubringen und das,  was mir am besten hilft ist: rausgehen!

Ich habe mir vor einige Wochen eine tolle Ausstellung im Liebighaus angesehen. Sie hat mir so gut gefallen, dass klar war, ich würde sie mir noch einmal anschauen. Zufällig hatte ich gestern einen Tag frei, also eine gute Gelegenheit rauszugehen und die Gedanken auf etwas anderes zu richten.

Gesagt getan. Ich war noch nicht aus der Haustür – um ehrlich zu sein, hatte ich gerade meinen ersten Kaffee – da wusste ich, wie das Setting aussehen sollte, wer der Überbringer der Botschaft sein sollte, wie die Szene anfangen sollte usw….

und es hatte mit dem Liebighaus zu tun. Die Villa ist genau der passende Ort! Die breite Marmortreppe, die aus der großen Halle in die nächste Etage führt und später in den „Salon“. Also in meinen Romansalon 🙂 . Ich sah den Überbringer der Nachricht die Treppe hinauflaufen, spürte seine Aufregung, wusste, wie er aussah und kannte seinen Namen.

Ich hätte mich sofort an den PC setzen können, um die Szene aufzuschreiben. Doch ich war mit einer Freundin verabredete und bin ins Museum gefahren. Es war ein toller Tag und durch den weiteren Besuch im Liebighaus konnte ich mir die Örtlichkeit noch einmal genauer anschauen. Die Atmosphäre spüren, um sie für meine Szene einzufangen. Ich freue mich schon darauf sie zu schreiben.

Und hier meine Halle und meine Treppe!  Fürstlich, wie es sich gehört 😉 .

btr

 

 

 

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Rosalie erreicht das Anwesen der de Clares weit nach Mitternacht. Der Chauffeur lädt das Gepäck ab und ein mürrischer Butler führt sie zu ihrem Zimmer.

„Seine Lordschaft ist ausgegangen und ihre Ladyschaft hat sich zur Ruhe begeben“, setzt er Rosalie mit überheblichem Ton in der Stimme in Kenntnis.

„Vielen Dank, Mister?“, fragt Rosalie. Sie mögen mich verachten, aber ich weiß, was sich gehört, geht es ihr durch den Kopf.

„Mister Smith“, ergänzt er widerwillig.

„Vielen Dank, Mister Smith.“ Bevor der Butler noch etwas sagen kann, entlässt Rosalie ihn mit den Worten, „sie dürfen gehen.“

Er zieht die Stirn in Falten, presst die Lippen zusammen, dreht sich auf dem Absatz um und verlässt Rosalies Zimmer. Sie öffnet die Tür einen Spalt und lauscht, bis Smith Schritte verklungen sind. Trotz der späten Stunde hat Rosalie nicht vor schlafen zu gehen.

Seit sie denken kann, hat sich in ihrer Fantasie ein Bild dieser Familie und des Hauses zusammengesetzt, gespeist aus den Erzählungen ihres Vaters. Rosalie ist enttäuscht keinen Angehörigen der Familie anzutreffen, andererseits hat sie sich keinen großen Illusionen über den Enthusiasmus ihrer Verwandten hingegeben.

Wachsam blickt Rosalie sich um, geht den Flur hinunter. Vereinzelte Nachtlichter erleichtern ihr den Weg. Sie will gerade die große Treppe hinuntergehen, als die schwere Haustür aufschlägt und ein großer Mann im Abendanzug in die Halle tritt. Rosalie drückt sich in eine Nische. – Das muss wohl seine Lordschaft sein, sie kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, ich bin eine erwachsene Frau und verstecke mich, wie ein ungezogenes Kind. – Trotzdem bleibt sie in ihrem Versteck und beobachte den Herrn des Hauses von dort aus.

„Smith!“, tönt eine volle Stimme durch die Eingangshalle.

„Ja, Sir“, Smith klingt plötzlich sehr jovial, „darf ich um ihren Mantel und Zylinder bitten. Übrigens traf Miss Rosalie Graville vor einer halben Stunde ein.“

„Oh nein!“, ein vernehmliches Stöhnen dringt zu Rosalie empor, „ich hoffe sie hat keinen Pferdefuß?!“

Rosalie ballt die Fäuste. – Was für ein Widerling, schießt es ihr durch den Kopf, den Herrn knöpfe ich mir vor! – Bevor sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, hört sie Smith antworten.

„Nein, Sir, die Dame hat keinen Pferdefuß, im Gegenteil, wenn ich so frei sein darf, mir ein Urteil zu erlauben. Sie ist eine ansehnliche junge Dame.“

Seine Lordschaft lacht schallend.

„So, so, hast du dir also einen längeren Blick auf die Miss erlaubt.“

„So würde ich es nicht sagen, Sir“, erwidert Smith nach einem kurzen Zögern, „man kann auf den ersten Blick erkennen, dass die Miss eine schöne Lady ist.“

Rosalie hört Schritte auf der Treppe.

„Ich werde den Wahrheitsgehalt deiner Aussage morgen früh überprüfen.“

„Ja, Sir. Kann ich sonst noch etwas für sie tun?“

„Danke, Smith, alles in Ordnung.“

Rosalie verlässt ihre Nische, eilt den Flur zurück in ihr Zimmer, ehe Gilbert de Clare die erste Etage erreicht.

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