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Posts Tagged ‘Grün’

Da meine Blogkolleginnen Sabine Wirsching und Marga Auwald wunderbare Sätze in Grün erdacht haben, habe ich mich an roten Sätze versucht.

  • Der Stier sah Rot.
  • Rot wie Blut, weiß wie Schnee, schwarz wie Ebenholz.
  • Er lag in einer dunkelroten zähflüssigen Masse.
  • Die untergehende Sonne färbte den Himmel in den verschiedensten Rotschattierungen.
  • Das Feld erglühte unter dem Rot des Klatschmohns.
  • Er zeigte ihm die rote Karte.
  • Die Ampel sprang auf Rot.
  • Ihre tiefrot geschminkten Lippen zogen ihn magnetisch an.
  • Das Rot der Alarmlampe rotierte in der Dunkelheit und tauchte die Szenerie in ein unwirkliches Licht.
  • Das Rote, das will ich.
  • Der rote Backsteinbau strahlte Wärme und Sicherheit aus.
  • Die Sonne legte einen goldenen Schimmer auf ihr rotes Haar.
  • Der Apfel hatte zwei rote Bäckchen.
  • Ich errötete bis unter die Haarspitzen.
  • In der Asche flackerte die Glut rot auf, als er mit dem Schürhaken darin herum stocherte.
  • Das rote Kleid schmiegte sich eng um ihren wohlgeformten Körper und ließ keinen Zweifel an ihre Mission für diesen Abend.
  • Das Buch hat einen roten Ledereinband und ist mit goldenen Buchstaben und einem Pentagramm versehen.
  • Blut tropfte in das Waschbecken und rann in roten Schlieren in den Ausguss.
  • Der Rubin leuchtete in einem geheimnisvollen satten Dunkelrot.
  • Du bist die nächste, hatte jemand in roten Lettern auf die Haustür geschrieben.
  • Der eine Rosenstock war weiß, der andere rot.
  • Auf dem roten Uniformrock glänzten goldene Litzen und Sterne.
  • Das Licht der roten Laterne flimmerte eine Sekunde, dann erlosch es.
  • Er setzte den Rotstift an, der sich grausam durch den Text fräste.
  • Als er die letzte rote Kerze angezündet hatte, schlug ihr Herz bis zum Hals

 

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Die Königin

Stolz schritt sie durch die Menschenmasse, die sich ehrfürchtig vor ihr teilte. Dort wo sie ihre Füße hinsetzte, konnte ich kleine Flecken mit Eiskristallen erkennen. Ihr Blick war so kalt, wie der Hauch der sie umgab und so scharf, wie die Eiszapfen, die sich am Mauerwerk der Haale bildeten. Die Menschen beugten ihre Köpfe unter der eisigen Brise.

Sie trug eine langstielige Blume mit rotem Kelch in der Hand. Wie war das möglich? In ihrer Nähe erstarrte Baum, Strauch und Blüte. Kein Mensch konnte es lange in ihrer Gegenwart aushalten.

Ich sah genauer hin, als sie an mir vorbei ging. Mein Atem wurde weiß, winzige Eiskristalle bildeten sich auf meinem Gesicht und ein heftiger Schauer schüttelte mich, obwohl ich meinen wärmsten Mantel, eine wollene Mütze und Fäustlinge mit Fell gefüttert trug. Den dicken Schal hatte ich um meinen Hals geschlungen.

Die Blume war aus Seide. Zarteste rote und grüne Seide. Ich dachte an die winzigen Raupen des Seidenspinners, die diese kostbaren feinen Fäden spannen. Wie war es möglich, dass die Blume die Kälte aushalten konnte, die die Eiskönigin ausstrahlte?

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Sicher haben einige von euch bemerkt, dass ich lange nichts auf meinem Blog veröffentlicht habe. Dafür gibt es eine Menge „gute“ Gründe. Ich habe in den letzten Wochen gefühlte 1000 Seiten Tagebuch geschrieben, um meine Gefühle wegzuschreiben. Immer mit dem Gedanken im Kopf, wann geh es weiter? Wann kommt endlich wieder die Lust eine Geschichte zu schreiben? Ich bin mir nicht sicher, dass sie schon wieder da ist, auch wenn die verschiedenen Ideen arbeiten.

Ein Gedanke, der mich aus meiner Erschöpfung aufgescheucht hat, kam gestern von meiner mittleren Tochter. Sie ist 21 und schreibt. Es ging um das Thema Freizeitbeschäftigung. Auf meinen Kommentar, dass sie ja auch in ihrer Freizeit schreibe, sagte sie: „Das Schreiben ist für mich keine Freizeitbeschäftigung. Ich muss das tun. Ohne geht es nicht.“ Eine Aussage, die ich genauso sehe.

Und so hier meine Überlegungen zu meinem 365-Tage-Projekt (nein, ich habe es nicht aufgegeben, nur etwas verschoben) über Tier und Farbe.

Wenn ich in diesem Moment ein Tier wäre, dann ein Chamäleon. Zugegeben schön finde ich es nicht gerade (ich wäre gerne ein süßes Felltier mit großen Knopfaugen), aber es ist faszinierend, wie es die Farbe wechseln kann. Und da mein innerer Zustand zurzeit zu dunkelgrau neigt, wäre ich ein dunkelgraues Chamäleon auf einem kahlen Felsen. Ich habe den Eindruck die Anziehungskraft des Felsens ist so stark, dass ich mich nicht vorwärts bewegen kann. Mir ist klar, ich kann nicht einfach liegen bleiben. Irgendwann werde ich auf diesem Felsen vertrocknen. Die Elastizität meiner Haut lässt nach und eines schönen Tages, in einer weit entfernten Zukunft, wird man mich als Fossil auf diesem Stein finden. Eine Vorstellung, die mir überhaupt nicht gefällt. Es ist also notwendig diesen Ort zu verlassen, damit ich endlich wieder eine andere Farbe annehmen kann. Frühlingsgrün würde mir gefallen, mit einigen Tupfern weiß, lila, rot, gelb, rosa.

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Aufzug, grün, Kasten, Konditor

Der Aufzug hielt. Die Türen öffneten sich ächtzend. Skeptisch sah ich hinein. Das viereckige Innere des Kastens war in der unteren Hälfte mit grünem Samt ausgekleidet, in der oberen mit Spiegeln, die durch die Jahre teilweise erblindet waren. Vorsichtig setzte ich einen Fuß hinein. Der Kasten gab leicht nach. Mein Herz auch. Ich zögerte. Wenn das meine Prüfung sein sollte, dann musste ich die Zähne zusammenbeißen. Ich zog das zweite Bein nach und atmete einmal tief durch. Dieser Lift hing hier seit Jahrzehnten. Er würde heute nicht abstürzen, ermutigte ich mich und drückte auf den einzigen weiteren Knopf, außer dem des Erdgeschosses. Die Türen ächtzten wieder zu und mit einem Ruck, der sich in jeder Zelle meines Körpers fortsetzte, wurde der Lift nach oben gezogen.

(Leider würde der Konditor meine Geschichte zu diesem Zeitpunkt kaputt machen – also wurde er kurzerhand „erledigt“.)

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Fensterblick

Grau in Grau, hinter einer grünen Wand aus Kirschbäumen, Thuja und Ebereschen. Wieso heißt ein Baum, von dessen Beeren sich Vögel ernähren, Eber-Esche? Die Frage ist rein rhetorisch. Ich suche nicht nach einer Antwort. Ich suche nach gar nichts. Denn ich bin gefunden worden. Und schon bricht aus dem Grau ein Sonnenstrahl und erhellt meinen Tag.

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Zum Tode von
Dr.med. Horst P.
Fällt mir nur ein Wort ein
Danke!
Ein Patient

Dr. Pallaske stand im Vorraum des Operationssaales und wusch sich die Hände. Er konnte ein leichtes Zittern nicht unterdrücken. Das Valium wirkte noch nicht, aber vielleicht war die Dosis auch zu niedrig. Je länger er das Teufelszeug schluckte, desto mehr brauchte er davon, um seinen Spasmus und die Angst vor einer Entdeckung zu vertuschen. Wenn irgendjemand Wind von der Sache bekam, war er seinen Job los. Wer bezahlte dann sein Haus, seinen neuen BMW und die Klamotten für Mandy? Ja und Mandy wäre vermutlich schnell weg, wenn seine Portokasse Ebbe anzeigte.

„Dr. Pallaske, ihr Kittel“, Schwester Anika hielt ihm den grünen OP-Kittel hin.

Er fuhr mit den Armen hinein und ließ sich die Handschuhe überstreifen. Schwester Anika band ihm den Kittel zu. Pallaske atmete durch. Wenn dieses Zittern nicht in den nächsten zwei Minuten verschwand, sah er alt aus. Dr. Klein, der Anästhesist, hatte den Patienten inzwischen in Tiefschlaf versetzt. Schwester Anika rückte den Wagen mit dem Operationsbesteck an die richtige Stelle und sah ihren Chef erwartungsvoll an.

„Chef?“, fragte sie gedehnt.

Pallaske antwortete nicht.

„Chef!“, sagte sie jetzt energisch, „geht es ihnen nicht gut? Soll ich Dr. Bauer holen?“

Pallaske fuhr zusammen. Was hatte die blöde Kuh eben gesagt? Bauer holen lassen. Das kam überhaupt nicht in Frage. Der wartete bloß darauf, dass er einen Fehler machte.

„Reden sie keinen Blödsinn, Anika.“

Pallaske riss sich zusammen und trat auf den OP-Tisch zu. Das Zittern war noch nicht vorbei, aber er konnte sich keine Verzögerung mehr leisten, das OP-Team sah ihn schon mit prüfenden Blicken an.

„Skalpell“, sagte er in einem scharfen Ton, um seine Unsicherheit zu verbregen.

Alles würde gut gehen. Es war immer alles gut gegangen. Anika reichte ihm das Skalpell. Pallaske setzte an und öffnete den Thorax.

„Herr Doktor“, schrie Saskia, die Assistenzärztin, „das ist doch Herr Sander und nicht Herr Wolter.“

Es war zu spät. Der Schnitt verlief vom Schlüsselbein bis hinunter zum Bauchnabel. Pallaske ließ das Skalpell fallen und rannte aus dem OP-Saal.

„Pallaske!“, brüllte Dr. Klein hinter ihm her, „sie können den Mann doch nicht so liegenlassen!“

Pallaske hörte ihn nicht mehr.

„Verdammte Scheiße“, fluchte Klein, „rufen sie sofort Bauer her. Notfall!“

Schwester Anika hatte Dr. Bauer schon angepiept. Zwei Minuten später stürzte DR. Bauer in den Vorraum. Ohne Fragen zu stellen, absolvierte er die Sterilisation so schnell wie möglich und nähte Herr Sander wieder zu.

Pallaske rannte, wie von Furien gehetzt, aus der Klinik und sprang in seinen BMW. Mit aufheulendem Motor fuhr er vom Klinikparkplatz. Es war vorbei. Der Supergau war eingetreten. Bestimmt hatten sie den arroganten Bauer gerufen. Das Arschloch konnte sich jetzt in dem Glanz sonnen, seinen Fehler elegant ausgebügelt zu haben. Pallaske erinnerte sich dran, dass ihm der Schnösel geraten hatte, doch mal ein paar Wochen in Urlaub zu gehen und zu relaxen. Relaxen! Pah, ein guter Arzt war immer im Dienst und außerdem, er musste sein Haus und sein Auto zu bezahlen. Und dann war da ja noch Mandy.

Pallaske raste über die Schnellstraße. Immer schneller ließ er den BMW über die Fahrbahn jagen. Aus den Lautsprechern dröhnte Megadeath: „Killing is my bussines, bussines is good” und übertönte das Röhren des Boliden. Die Umgebung zog wie in einem Rausch an ihm vorbei. Das Valium fing an zu wirken. Pallaske hatte das Gefühl in einem Tunnel aus Licht und Grün gefangen zu sein. Alles würde gut. Es war immer alles gut gegangen. Bauer war nur ein Speichellecker, ein kleines Licht. Ihm konnte keiner etwas anhaben. Er war Horst Pallaske, Chefarzt und bester Chirurg den die Johannes Klinik jemals hatte. Pallaske drückte das Gaspedal ganz durch. Ein Ruck ging durch den Wagen, die Hinterreifen rutschten auf dem glatten Straßenbelag weg. Er versuchte den Wagen abzufangen. Riss das Lenkrad herum. Pallaske lächelte. Alles würde gut.

Michael Sander stand vor dem Badezimmerspiegel und betrachtete die Naht, die seinen Körper entstellte. Zum Glück hatte sich der Pallaske um einen Baum gewickelt, sonst hätte Michael ihn kalt gemacht. Mit 25 so einen Schnitt! Obwohl sie ihm nur den Blinddarm herausnehmen wollten. Andererseits konnte sein Anwalt in dem Prozess gegen die Klinik ein hübsches Sümmchen herausgeschlagen. So hatte er sich einen langgehegten Traum erfüllt: einen nagelneuen BMW.

 

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Der Briefkasten ist grün. Ziemlich verbeult. An einigen Stellen ist die Farbe abgeplatzt, dort setzt sich Rost ab. Grün – Farbe der Hoffnung. Doch jeden Tag, wenn ich den kleinen silbernen Schlüssel in das Schloss stecke, enttäuscht er mich seit Tagen. Kein Brief von George. Er hat es versprochen und was er zusagt, hält er. George ist der zuverlässigste Mensch, den ich kenne. Das mag an seinem Namen liegen. George – ein alter Name mit Sicherheitsgarantie, Erde und Arbeit verschmolzen. Ein Landwirt lässt seine Heimat nicht im Stich.

Die Unruhe hat mich gepackt. Es muss etwas Schreckliches passiert sein. Ein Unfall oder ein anderes tragisches Schicksal hat ihn ereilt, weswegen George sich nicht meldet.

Ich höre den schweren Schritt meiner Nachbarin. Ihre schweren Holzclogs dröhnen durch den Hausflur. Klack, klack, klack. Ich eile die Stufen hinunter. Heute muss ein Brief von George dabei sein. Ich will vor ihr am Briefkasten sein. Sie soll nicht sehen, wie ich seinen Brief herausnehme und mich fragen: „Von wem haben sie denn Post bekommen?“, in dieser näselnd neugierigen Tonart.

Hastig öffne ich das grüne Maul. Es gibt nichts her, sein Bauch ist leer. Ich kämpfe die Tränen nieder.

„Na Kindchen wieder nichts?“, höre ich meine Nachbarin hinter mir.

Ich presse die Lippen zusammen, will nicht weinen. Ich schüttele den Kopf, wende mich ab und gehe zurück ins Haus. Wieder nichts. Die Enttäuschung zieht sich in mir zusammen, wie ein dickes schwarzes Knäul, dessen feine Fäden sich in jeden Winkel meines Körpers winden und mir die Freude heraussaugen. Es gibt nichts zu tun. Nur das Warten auf Morgen und die schwindende Hoffnung auf ein Lebenszeichen von George.

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