Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Grube’

Der Kellner trat an den Tisch und Anna hielt ihren Kommentar für einen Moment zurück. Sie wartete, bis er den Cappuccino und den Milchkaffee serviert hatte, und sagte, nachdem er außer Hörweite war:

„Du bewegst dich auf dünnem Eis.“

Sandrine verdrehte die Augen theatralisch und machte eine ungeduldige Geste.

„Ach, meinst du?“

Anna setzte zu einer Erwiderung an, doch Sandrine war schneller. Sie hatte ihre Sonnenbrille abgesetzt und sah Anna direkt in die Augen.

„Und was soll ich deiner Meinung nach tun – alles weiterlaufen lassen wie immer?“ In ihrer Stimme schwangen Resignation und Traurigkeit mit.

„Na, jedenfalls nicht allein in den Urlaub fahren.“

Sandrine schüttelte unwillig den Kopf. Sie zog die Augenbrauen zusammen. Über ihre Nasenwurzel erschien eine Falte.

„Ich bitte dich! Als ich gefragt habe, wollen wir mal für ein paar Tage weg, hat er mir einen Blick zugeworfen, als wäre ich reif für die Klappse.“

„Hm.“

Anna kannte Marc gut und wusste, dass es genau, das war, was er getan hatte. Sie hätte das auch nicht ohne Weiteres hingenommen, hielt es aber für ihre Pflicht, die Stimme der Vernunft zu übernehmen.

„Ja, genau! Hm. Und dann hat er gesagt, er wäre so gestresst, dass wäre jetzt gerade nichts, vielleicht später.“

„Hm“, Anna wollte Sandrine beruhigen, aber bevor sie ein positives Argument für Marcs Dummheit finden konnte, sprach Sandrine weiter.

„Verschlägt es dir jetzt auch schon die Sprache? Später, später, Stress, müde, erschöpft, das Alter – soll ich weiter machen?!“ Sandrine sah Anna scharf an. Die schüttelte mit dem Kopf. „Gott, ich kann es nicht mehr hören!“

Anna spürte, dass es keinen Zweck hatte, etwas zu erwidern und schwieg.

„Ich bin nicht scheintot – nur fünfzig.“

„Du hast schon recht, dass würde mir auch nicht gefallen, aber … “, Sandrine unterbrach Anna genervt.

„Bitte „aber“ du jetzt nicht auch noch. Auf Moralpredigten habe ich keine Lust. Ich lasse mich nicht mehr festnageln. Ich schaue mir das Drama jetzt seit ein paar Jahren an, rede mir regelmäßig den Mund fusselig. Jetzt reicht`s. Entweder unternehme ich noch was, oder ich spring in die Grube, aber dazu reicht meine Frustration nicht aus.“

Anna zuckte mit den Schultern und seufzte.

„Ich hätte es dir nicht sagen soll. Lass uns das Thema wechseln.“

Read Full Post »

„Du bewegst dich auf ganz dünnem Eis.“

„Ach, meinst du?“

“ – “

„Und was soll ich deiner Meinung nach tun – alles weiterlaufen lassen wie immer?“

„Na, jedenfalls nicht allein in den Urlaub fahren.“

„Ich bitte dich! Als ich gefragt habe, wollen wir mal für ein paar Tage weg, hat er mir einen Blick zugeworfen, als wäre ich reif für die Klappse.“

„Hm.“

„Ja, genau! Hm. Und dann hat er gesagt, er wäre so gestresst, dass wäre jetzt gerade nichts, vielleicht später.“

„Hm.“

„Verschlägt es dir jetzt auch schon die Sprache? Später, später, Stress, müde, erschöpft, Alter – oh Gott, ich kann es nicht mehr hören!“

“ – “

„Ich bin nicht scheintot – nur fünfzig.“

„Du hast schon recht, dass würde mir auch nicht gefallen, aber… .“

„Bitte „aber“ du jetzt nicht auch noch. Ich lasse mich nicht mehr festnageln. Ich schaue mir das Drama jetzt seit ein paar Jahren an, rede mir regelmäßig den Mund fusselig. Jetzt reicht`s. Entweder mach ich noch was, oder ich spring in die Grube, aber dazu reicht meine Frustration nicht aus.“

“ – “

„Ich hätte es dir nicht sagen soll. Lass uns das Thema wechseln.“

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: