Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Glück’

Letzten Samstag traf sich unsere Schreibgruppe endlich wieder zum heiß ersehnten Schreibnachmittag. Aus Krankheitsgründen war die Gruppe etwas dezimiert, hatte aber nicht weniger Spaß beim Schreiben.

Jeder zog ein Blatt mit einem Einstiegssatz und fügte einen zweiten Satz an. Dann wurden die Zettel einmal in der Runde herumgereicht und jeder schrieb einen weiteren Satz. Am Ende hielt jeder einen Absatz in den Händen und konnte ihn nutzen um die Geschichte weiterzuschreiben. Getreu dem Motto: Themaverfehlen erlaubt und erwünscht.

Mein Text begann mit folgendem Satz:

„Einige Mitglieder dieser altehrwürdigen Familie sind nicht gerade vom Glück gesegnet.“

Daraus wurde:

Das Jahr ohne Sommer

„Einige Mitglieder dieser altehrwürdigen Familie sind nicht gerade mit Glück gesegnet“, Lord Georg Gordon Byron löste den Knoten seines Halstuchs.

„Wie kommst du denn drauf?“, Mary Godwin erhob sich und goss der kleinen Gesellschaft Tee nach.

Georg zog eine Augenbraue hoch und sah zu, wie einige Tropfen des Earl Grey auf die Untertasse schwappten.

„Was soll ich dazu sagen?“, fragte er ironisch, „es hat mit früheren Geschehnissen zu tun, die alles andere als erfreulich waren.“

Mit diesen Worten deutete er auf das überlebensgroße Porträt Lord F`s, gemalt von einem Künstler aus dem 17. Jahrhundert, das über dem Kamin wie ein Menetekel aus der Vergangenheit hing.

„Ich bitte dich, Georgy, erschreck die Damen nicht!“, Percy Shelly lachte, „ich glaube, du wirst langsam trübsinnig. Schon zu lange hält sich das schlechte Wetter und hält uns untätig im Haus fest.“

Clara Clairmont, Marys Stiefschwester betrat den Salon.

„Wer hält uns untätig im Haus fest?“, fragte sie und setzte sich neben Lord Byron.

Er nahm ihre Hand, küsste sie und lächelte spöttisch.

„Nicht wer, meine Liebste, sondern was?“

„Georgy, du machst dich über mich lustig“, sagte sie in schmollendem Tonfall, „du weißt, dass gefällt mir gar nicht.“

Mary und Percy warfen sich einen verschwörerischen Blick zu. Die Romanze der beiden war im Grunde genommen von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Clara war eine Schönheit, aber ihr Intellekt war Lord Byron nicht gewachsen.

John Polidori, der bis dahin schweigend zugehört hatte, erhob sich, ging zum Kamin und streckte die Hände dem Feuer entgegen.

„Bei diesem Wetter bleibt einem nichts anderes übrig, als trübsinnig zu werden“, sagte er mehr zu sich, als zu den anderen, „und dass ist meine Meinung als Arzt.“

„Und was hast du für ein Gegenmittel?“, Percy war ebenfalls aufgestanden und schlug dem Freund aufmunternd auf die Schulter.

„Johanniskraut könnte helfen“, knurrte John, „aber am schlimmsten ist deine unerschöpfliche gute Laune. Sie macht uns anderen nur zu deutlich, wie griesgrämig wir sind.“

„Ich bin nichts dergleichen“, sagte Claire mit glockenheller Stimme und schüttelte den Kopf, dass die blonden Locken nur so herum wirbelten. Ihr Blick richtete sich auf Mary. „Welches Thema hat euch denn in derart düstere Stimmung versetzt?“

Mary strich ihr Kleid glatt, setzte sich elegant in einen Sessel und nahm ihre Teetasse auf.

„Seine Lordschaft hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass die Herren dieses Schlosses unglücklichen Umständen ausgeliefert waren.“ Sie nahm einen Schluck Tee und fuhr fort, „ein Umstand, der für die Masse der Menschen gilt.“ Mary sah Georg Byron mit herausforderndem Blick an. „Vielleicht lässt du uns an deinem Wissen teilhaben, damit wir selbst entscheiden können, wie schrecklich ihre Vergangenheit wirklich war.“

Lord Byron schenkte der Geliebten seines Dichterfreundes ein unergründliches Lächeln. Er begehrte sie, doch trotz seines Rufes, als Lebemann und Weiberheld, hielt er sich davon zurück um Mary zu werben. Noch, dachte er, irgendwann wird sie gelangweilt sein, dann schlägt meine Stunde.

„Ja, bitte Georgy“, Claire klatschte aufgeregt in die Hände, dann griff sie nach seinem Arm, „erzähl uns eine Geschichte.“

Sie ist wie ein Kind, dachte George Byron und unterdrückte ein Seufzen, schön, aber so naiv. Als hätte die Natur nur eine Gabe zu vergeben, entweder Schönheit oder Klugheit. Erneut schweifte sein Blick in Marys Richtung. Was könnte Claire sein, wenn sie Marys Klugheit besäße, ging es ihm durch den Kopf.

Er schüttelte Claires Hand ab, erhob sich und trat in die Mitte des Zimmers. George Byron wusste um seine körperliche Präsenz und den Eindruck, den er auf die Damen machte. Der teure Anzug, saß perfekt, die dunkelbraunen Locken umrahmten ein gefälliges Gesicht, das von funkelnden Augen und einem sinnlichen Mund dominiert wurde. Ich werde Mary beeindrucken, dachte er. Langsam drehte er sich einmal um die eigene Achse und bedachte seine Freunde mit einer Miene, die ihnen bedeuten sollte, dass eine aufregende Geschichte darauf wartete, das Licht der Welt zu erblicken. Ich tue es für Mary, er nickte ihr unmerklich zu, sie wird mich lieben, weil sie nicht anders kann.

„Mach es nicht so spannend, Georgy“, Percy trat zu seinem Freund und legte ihm die Hand auf die Schulter, „wir wissen, dass du ein gutaussehender Bursche bist.“

Dann setzte er sich neben Mary und griff demonstrativ nach ihrer Hand und hauchte einen Kuss auf den Handrücken. Georg verkniff sich einen spitzen Kommentar, er wandte sich dem Porträt Lord Fontleroys zu und machte eine ausladende Geste.

„Lord Angus F. lebte im Jahre 1705 bis 1742“, begann er …

 

Read Full Post »

In den letzten Wochen las ich immer öfter den Satz, den mir Ted Williams mit auf den Weg gegeben hat und der als Motivation an meiner Pinnwand hängt: Viel Glück und schreib weiter! Lächerliche fünf Worte und doch bedeuten sie viel mehr, als nur eine Ermunterung, dass Schreiben nicht aufzugeben.

In letzter Zeit habe ich verstärkt den Eindruck ich schwimme gegen den Strom. Ich kann mich nicht besonders gut selbstdarstellen, mit ständigen Selfies oder den neusten Erfolgsmeldungen, wie viele Wörter ich denn heute wieder geschafft habe. Mein Genie, in Bezug auf Eigenwerbung, hört nach dem Post eines neuen Buches auf und ein Markenzeichen besitze ich auch nicht.

Sorry, ihr schönen Glitzerschuhe, aber ich hasse es, meine Füße für zu martern und bin wieder bei meinen bequemen Turnschuhen gelandet.

Zum Schreiben eines Romans gehört `ne Menge Disziplin und auch Verzicht, keine Frage! Die letzten Monate habe ich jede freie Minute damit zugebracht den ersten Roman einer Reihe fertig zu schreiben. Schreiben aus Spaß, wie ich es früher oft getan habe, ist dabei völlig hinten runtergefallen. Obwohl ich mit meinem Roman schon sehr zufrieden bin und mich freue, dass er auf eine beträchtliche Größe angewachsen ist. Auch wenn er anders als geplant, noch nicht fertig auf dem Tisch liegt.

Ich will es nicht auf die Hitze schieben, auch wenn sie ihren Teil dazu beigetragen hat, mein Hirn weichzukochen, doch irgendwann zwischen meinen Jobs, Familie, einem üblen Ischiasleiden und meinem Roman – war Ende! Ich will das nicht Burnout nennen, der Begriff wird viel zu häufig benutzt, um Erschöpfung zu beschreiben. Ich nenne das Ganze: platt. Ich war platt! Innen und außen. Der Kopf fand keine Ruhe, war voller Gedanken, konnte aber keinen bis zum Ende denken. Mein Körper wollte ständig Schlaf und konnte keinen finden. Es ist erschreckend total erschöpft zu sein, unbedingt schlafen zu wollen und nicht zu können.

Während also allenthalben Erfolgsmeldungen von außen zu hören waren, habe ich die Notbremse gezogen. (Ich habe wahrscheinlich nur die Erfolge gesehen, weil ich dachte, mein Roman sollte ebenfalls fertig sein. Wobei ich argwöhne, dass auch niemand schreibt, ich habe es nicht geschafft.)

Also habe ich die bequemen Turnschuhe angezogen und bin gegangen. Netterweise hat mich mein Mann auf einige Wegen begleitet, und liebe Freundinnen haben mir ihre Ohren geliehen, bis sich wieder eine gewisse Ordnung eingependelt hat. Manchmal muss man sich eben neu sortieren, andere Prioritäten setzen, um den Spaß an der Sache nicht zu verlieren. Inzwischen macht das Schreiben wieder Spaß und ich bin zuversichtlich, dass ich bald – Ende – unter den Roman schreiben kann.

Dabei begleiten mich Teds Worte nicht einfach als Motivation zum Schreiben, ich sehe sie als Ermunterung „mein Ding durchzuziehen“ – in meinem Rhythmus. Nicht für einen „Markt“ zu schreiben, sondern die beste Geschichte zu entwickeln, die ich schreiben kann. Dann wird am Ende alles gut.

 

Read Full Post »

Glück des Augenblicks

Gedanken schweigen

Erwartungen verlöschen

Worte verlieren die Bedeutung

 

Ein großes Atemholen

Steigt auf aus blauen Tiefen

Unvergänglich machtvolles Gewoge

Sprengt die Krypta meines Herzes

 

Stille hüllt mich ein

Durchdringt mein Sein

Bis in die dunkle Seite

Meiner trauernden Seele

 

Der Dämon findet Ruhe

Für den Moment

Im Glück des Augenblicks

See 4423.JPG

Read Full Post »

„Jammere nicht – schreib!“

Wenn es immer so einfach wäre. Ist es leider nicht. Ich kann  nicht vom Schreiben leben und  muss den meisten Teil meiner Zeit mit einem Brotberuf zubringen. Der macht mir zugegebener Maßen Spaß (zum Glück), verhindert aber manchmal auch die Entfaltung meiner Kreativität, wenn meine Kopf entweder leergefegt oder proppenvoll ist.

Doch manchmal kommt der Motivationsschub aus einer unerwarteten Ecke. Meiner kam aus einer E-Mail in der mir mitgeteilt wurde, dass ich einen Presseausweis für die Buchmesse bekomme, weil ich Bloggerin bin. Gut, ich habe keinen Freudentanz um den Eßzimmertisch aufgeführt, aber ich habe mich riesig gefreut, weil ich nicht damit gerechnet habe. Tatsächlich habe ich gedacht, mein Blog wäre zu klein, um mit einem Presseausweis belohnt zu werden. Umso mehr freue ich mich darüber, dass ich einen bekommen habe.

Das ermöglicht mir zwei Dinge: 1. die Buchmesse überhaupt zu besuchen und 2. einen Termin bei meinem neuen Verlag wahrzunehmen. Außerdem ist es ein guter Grund fleißig zu sein und intensiv zu schreiben und zu tun, was Autoren tun sollten/wollen/können/müssen: SCHREIBEN.

 

Read Full Post »

Rückblickend betrachtet war es vorauszusehen,

aber wer will schon das Ende sehen, ehe es begonnen hat? Vorallem wenn man sich auf der Gewinnerstraße sieht, glaubt man hätte das Glück seines Lebens gefunden. Ich war nicht so klug mich meinen stürmischen Gefühlen zu widersetzen und beim ersten Anzeichen von Zweifel zu sagen: stop! Bis hierhin und nicht weiter. Nun weiß ich es besser. Leider sitze ich auf einer menschenleeren Bahnstation mitten in der russichen Pampa, ohne Geld, Ausweis, nur mit den Kleidern, die ich am Leib trage. Inzwischen habe ich mir hundertmal geschworen beim nächsten Mann vorsichtiger zu sein, nur in diesem Moment bringt mich die Erkenntnis nicht weiter.

 

Read Full Post »

Das Unbekannte lockt mit tausend Farben, Düften, Bildern.

Mein Herz tanzt im Sommerwind mit den Träumen um die Wette.

Immer weiter den Regenbogen entlang, der Unendlichkeit entgegen.

Glück besteht im Augenblick.

Willst du wissen, wie es geht?

Komm.

Read Full Post »

„Wenn die Wellen über mir zusammenschlagen,

dann tauche ich hinab,

um nach Perlen zu fischen.“

      Mascha Kaleko

Es gab Zeiten in denen ich, wenn die Wellen über mir zusammenschlugen, anfing zu strampeln, um mich zu schlagen und Wasser zu schlucken, bis ich keine Luft mehr bekam. Ich bin mit fliegenden Segeln untergegangen. Nicht nur einmal – unzählige Male. Inzwischen hat sich etwas geändert. Ich musste lernen, dass es Dinge gibt – das große Unbekannte – das ich weder beeinflussen noch vorausberechnen kann.

Natürlich kannst du das nicht, höre ich den Tadel, wie kommst du auf so einen dummen Gedanken? Wenn ich das wüsste, hätte ich von Anfang an einen Riegel vor diesen Gedanken geschoben – so hab ich das Leben auf die harte Tour gelernt. Strampeln, paddeln, untergehen, Wasser schlucken.

Die Wellen schlagen immer noch über mir zusammen. Wie sollte es auch anders sein. Ich habe ein Herz, ich fühle, liebe, ich mache Fehler, bin ungeduldig, ich bin keine Insel. Aber heute bin ich halbwegs darauf vorbereit. Mir ist klar, ich kann untergehen und es wird passieren. Immer noch. Aber ich weiß inzwischen sicher, dass man einen Sturm übersteht, selbst einen mit zehn Meter hohen Wellen. Ich lebe schließlich noch! Die Kunst ist: die Luft anzuhalten, sich auf den Meeresgrund sinken zu lassen und nach Perlen ausschau zu halten, aus denen Schönes entstehen kann.

Ein Schriftsteller, Maler, Musiker schöpft aus dem Erlebten. Aus der Trauer, dem Glück, der Liebe, dem Tod, der hellen und der dunklen Seite. Das Leben gibt die Impulse für die Kunst. Es nützt nichts sich zu wehren. Niemand wird vom Leben verschont. Ich muss weitergehen, das Rad dreht sich, bis mir irgendwann das Herz stehen bleibt. Solange fische ich weiter nach Perlen.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: