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Posts Tagged ‘Gitterboxen’

Das Brummen war nervtötend. Der blöde Kühlschrank gab langsam den Geist auf und ich hatte kein Geld mir einen neuen zu kaufen. Er entwickelte mehr Hitze, als ein Kohleofen, und leider nicht nur außen, sondern auch innen.

Ich starrte auf mein Notebook und die ersten drei Zeilen meines Textes. Mein Verleger würde mich in Stücke reißen, wenn er wüsste, dass ich faktisch noch nicht einmal angefangen hatte. Sechs Wochen! Ich hatte nur sechs Wochen, um diesen verdammten Roman fertig zu schreiben und alles, was ich geschrieben hatte, war:

Sie trug ein Nachthemd, das eher einem Nichts glich. Durchsichtig und zart wie ein Seidenkokon. Als sie die Tür öffnete, stieß sie sich heftig den Zeh.

„Oh, Gott was für ein Schwachsinn!“

Ich löschte die Sätze. Zum zehnten Mal. Wenn mir nicht bald etwas Gutes, etwas Tolles, Atemberaubendes einfiel würde mein Verleger mich löschen. Aus seiner Liste. Aber wie konnte er bloß auf die bekloppte Idee kommen, mir ein Skript für einen Schnulzenroman mit dem Titel: Am Ende des Weges wartest du(?!) zuzusenden.

In meiner ganzen Karriere als Autorin, wenn man von Karriere sprechen konnte, hatte ich noch nie so einen Mist verzapft. Vermutlich brauchte er ein paar seichte Heftchenromane für die Gitterboxen in der Bahnhofsbuchhandlung. Mängelexemplar würde darauf stehen und ich konnte mich in keinem seriösen Verlag mehr sehen lassen.

Es reichte! Ich stand auf und holte mir eine lauwarme Cola aus meinem Kühlmonster. Es wurde Zeit die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Klischee hin, Klischee her. sollte er doch selbst eine Schmonzette schreiben, wenn es das war, was er wollte. Ohne mich.

Ich schloss das Dokument und machte ein ganz neues frisches auf. Eins auf dem ich noch keine Pixel hinterlassen hatte. Weiß wie Schnee, blütenrein. Ich tippte die Überschrift meines neuen Romans: Blutkind. Mein Verleger würde sich warm anziehen und ich noch etwas länger auf einen neuen Kühlschrank verzichten müssen.

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