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Posts Tagged ‘Gewächshaus’

Das schmiedeeiserne Tor des botanischen Gartens quietschte, als Sandrine es aufschob. Es war früher Morgen. Über den Feldern rund um die Stadt schwebten zarte Schleier aus Nebel. Sandrine liebte diese Tage, noch Sommer und doch etwas herbstlich. Altweibersommer. Es duftete nach gemähtem Gras und Blumen.

Zu dieser Stunde lag der Garten ruhig und geheimnisvoll da. Sandrine stellte sich vor, wie die Bäume miteinander wisperten und sich die mysteriösen Geschehnisse der letzten Tage erzählten. Im Stadtanzeiger stand die Schlagzeile, die ganz Neustadt bewegte: Mysteriöse Zeichen im botanischen Garten entdeckt – Hexenzirkel oder Satanisten am Werk?! Darunter war ein großes Foto mit rätselhaften Zeichen abgebildet.

Sandrine hielt das Ganze zuerst für einen dumme Jungenstreich oder einen Trick der örtlichen Presse das Sommerloch zu füllen, aber bei ihren Nachforschungen in der Unibibliothek fiel ihr ein Buch über alte Schriften in die Hände. Einige sahen den Zeichen auf dem Foto sehr ähnlich und weckten ihre Neugier.

Sandrine legte den Weg zu den Gewächshäusern zurück, ohne dass ihr eine Menschenseele begegnete. Es mochte an der Uhrzeit liegen oder dran, dass die Einwohner Angst hatten, den Park zu betreten. Am Tag zuvor verschwand eine junge Frau und die Polizei nahm an, dass es etwas mit den Vorfällen im Park zu tun hatte. Wohin Sandrine auch ging, es gab kein anderes Gesprächsthema.

Sandrine ritzte das Polizeisiegel an der Tür des Gewächshauses mit einem kleinen Taschenmesser auf, zog einen Dietrich aus ihrer Umhängetasche und steckte ihn in das Schloss der Gewächshaustür. Ihr Bruder hatte ihr genau erklärt, was sie tun musste. Nach ein paar kleinen Drehungen mit dem Dietrich hörte sie ein leises Knacken. Das Schloss sprang auf. Sandrine sah sich noch einmal um und betrat dann das erste der alten Gewächshäuser.

Durch die offenen Oberlichter zog ein kühler Lufthauch herein. Es herrschte eine gespannte Stille, die beinahe greifbar war. Sandrine kannte die Gewächshäuser seit ihrer Kindheit. Ihr Vater hatte dort viele Sonntagvormittage mit ihr und ihrem Bruder verbracht und ihnen die Fauna und Flora des Gartens erklärt. Sie wusste, wo der Fotograf das Bild mit den Zeichen aufgenommen hatte.

Aufmerksam arbeitete sie sich auf den schmalen Plattenwegen vorwärts. In jedem neuen Abschnitt des Gewächshauses hielt sie inne und lauschte. Dort, wo die Seerosen in einem großen Bassin wuchsen, gurgelte die Pumpe, kleine Luftblasen stiegen zur Oberfläche des Wassers auf, sonst konnte sie nichts Auffälliges entdecken.

Sandrine erreichte das Palmenhaus. Die Tür war durch ein extra Siegel gesichert. Sie ritze es auf und trat ein. Sprühnebel aus winzigen Wassertröpfen rieselten auf sie herab, die von einer speziellen Anlage geregelt wurden. Sandrine wendete sich der Außenwand des Hauses zu. Sie bestand nicht aus Glas, sondern aus roten Backsteinen. Das Gewächshaus war an dieser Stelle in die Parkmauer intergiert. Früher gab es dort ein Fenster zur Straße. Vor einigen Jahren wurde es zugemauert, damit niemand in Versuchung geriet hineinzusteigen.

Sandrine blieb wie erstarrt stehen. Das Fenster bedeckte ein riesiges Spinnennetzt, dessen Seidenfäden mit den Tröpfchen der Sprinkleranlage bedeckt waren. In der Mitte lag eine fette haarige Spinne auf der Lauer.

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Ich schob die Tür hinter mir zu. Die Stille im Gewächshaus war unheimlich im Gegensatz zu dem Krach, der im Park herrschte. Draußen im botanischen Garten liefen Kinder lärmend und kreischend über die Kieswege, Erwachsene führten laute Telefongespräche oder riefen die Kinder zur Ordnung.

Einen Moment lauschte ich und spähte durch die dichte Vegetation. Ich war allein. Achtsam, um auf den feuchten Fliesen nicht auszurutschen, ging ich zwischen den dicht bewachsenen Pflanzenarealen hindurch. Da war es. Zugemauert! Ich schluckte und versuchte die Tränen zurückzudrängen. Das durfte nicht wahr sein! Wie sollte ich je wieder nach Hause kommen?

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