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Posts Tagged ‘Geschmeide’

Hört ihr Leut und lasst euch sagen
Was sich einst hat zu getragen:

In Nachbars Garten sah ein junger Edelmann
Was dann und wann geschehen kann
Ein wunderschönes Kind erblühn
Ihre Wangen zart wie Rosenblätter glühn
Er war arm ohne Gut und Geld
Wollte sein ein gerühmter Held
Ihr Vater war ein vermögend Mann
Der Junge einen tückisch Plan ersann
Der ihm trüge ein des Vaters Reich
Und das schöne Mädchen auch sogleich

In heller Mond beschienener Nacht
Wurd sein Plan zur Tat gemacht
Vor ihrem Altan dort kniet er nieder
Die Nacht wohlriecht nach lila Flieder
Glühenden Eifers freit er um ihre zierlich Hand
Das Fräulein schaut ihn an ganz unverwandt
Ihr unerfahren Herz seine Schönheit rührt
Seine Schmeichelei ihr den Verstand verführt

Im Mondenschein glänzt ihr kostbar Geschmeide
Der schöne Jüngling schwört viel tausend Eide
Dass er sie so glühend innig liebe
Und für sie auch tausend harte Hiebe
Jederzeit und willig könnt ertragen
Würd sie ihm nur einmal sagen
Die berühmten drei Worte
An der glänzenden Pforte

Morgen Nacht zur selben Stund bei Lunas Schein
Beizeiten wiederkehrend wollt er bei ihr sein
Von seiner lauteren Liebe ihr zu singen
Seiner Angebeteten ein Kleinod zu erbringen
Das die reine Wahrheit seiner Worte beweise
Und so schlich der listige Jüngling leise
Hinfort aus ihrem paradiesischen Garten
Das holde Mägdlein wollt geduldig warten
Bis der blendend Herzgeliebte wiederkehrt
Doch es wurde ihm unerbittlich verwehrt

Denn der schlangengleiche junge Mann
Wendet eine böse arglistige Täuschung an
Der Knabe buhlt nicht allein um sie
Auch vor der Schwester fiel er auf die Knie
Als den Vater erreicht die schlimme Kunde
Macht er sich gar zornig auf zur selben Stunde
Den Jüngling mit dem Schwerte zu erstechen
Und sich für die üble Schmach zu rächen
Doch der Missetäter hörts und eilends floh
Das schmachtende Mägdelein wurd nimmer froh
Siechte dahin an gebrochenem Herzen
Bis es starb in Liebesschmerzen

Und die Moral von der Geschicht:

„Liebe tötet“ – immer nicht
Doch des öfteren kommt’s vor
Das Eifer, Neid und Gier
Verschließen uns der Liebe Tür
Drum ihr Jungfern seid bedacht
Wer euch einen Antrag macht
Damit ihr nicht erleidet bittre Schmerzen
An verliebtem Mädchenherzen

Bitte seht mir nach, wenn es hakt 🙂 – es hat einfach Spaß gemacht.

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Hier das Ergebnis des heutigen Schreibtipps aus Schreiberlebentipps. Drei 10 Minuten-Texte, die wir in unserer Schreibgruppe geschrieben haben. Durch das schnelle Schreiben hat man keine Zeit sich lange zu überlegen, was man eigentlich schreiben soll. Da man unter Zeitdruck steht, schnappt man meistens den ersten Gedanken auf, der vorbeigleitet, und legt los. Dadurch kann man die Angst vor dem weißen Blatt überwinden. Der Tipp ist aus Roberta Allens Buch: Literatur in fünf Minuten. Später kann man die Texte überarbeiten und wenn man gerne experimentiert auch zu einem einzigen Text „verarbeiten“. Durch das Umstellen  der Reihenfolge und mit Überleitungen/Zwischenstücken ist das eine interessante Möglichkeit.

1.      Schwäche

Ich stehe vor dem Schaufenster und starre in den Juwelierladen. Jemand der mich sieht, könnte vermuten ich würde die Auslagen betrachten, aber dem ist nicht so. Meine gesammelte Aufmerksamkeit gilt nicht dem Schmuck, sondern dem Mann, der den Schmuck verkauft. Ich weiß, dass er nicht nur verkauft sondern den Schmuck entwirft.

Am Anfang waren es das Geschmeide und die Juwelen, die ich bewunderte, aber dann kam der Tag, an dem ich ihn sah. Im Schaufenster lag ein besonderer Ring. Schlicht und doch hatte er durch die Maserung des Metalls etwas Außergewöhnliches. Also ging ich in den Laden. Eine kleine Glocke gab ein liebliches Klingen von sich. Er erschien, kam auf mich zu und lächelte. Fragte mich mit samtiger Stimme, was er für mich tun könne und ich? Ich war sprachlos. Geblendet. Noch nie hatte ich jemand so Schönes gesehen. Ich erinnerte mich nicht, weswegen ich gekommen war. Erinnerte mich nicht an den begehrten Ring, stand nur da uns sah ihn an. Noch einmal fragte er mich, was er für mich tun könnte. Hilflos zuckte ich mit den Schultern und verließ den Laden. Seitdem stehe ich jeden Tag vor dem Schaufenster und sehe hinein, um einen Blick auf ihn zu erhaschen. Ich nehme mir immer wieder vor, es nicht zu tun, aber ich komme nicht von ihm los.

2.      Licht

             Die Dunkelheit war so dicht, das ich sie greifen konnte. Wachsam tastete ich mich an der rauen Wand entlang. Wie konnte ich nur so dumm sein zu glauben, dass er es ehrlich gemeint hatte. In eine Falle gelockt hatte er mich. Verzaubert mit seinen glänzend blauen Augen und ich dumme Gans war darauf hereingefallen. Zu meiner Verteidigung konnte ich sagen, dass ich schon länger Single war. Trotzdem kein Grund sich reinlegen zu lassen.

             Ich stolperte. Konnte mich gerade noch mit den Händen abfangen. Der Staub von Jahrtausenden stob um mich herum empor. Verdammt! Diese verwünschten Pharaonengräber! Tausend Gänge und nur ein Ausgang. Ich taste mich weiter. Erst bergan, dann bergab. Plötzlich sah ich einen winzigen Lichtpunkt, hielt es für eine Sinnestäuschung. Je weiter ich ging, umso größer wurde er. Endlich! Ich hatte den Ausgang erreicht, dachte ich erleichtert. Dann sah ich, wohin ich wirklich gelangt war. In eine gigantische Halle, in deren Mitte ein Feuer von ungeheuren Ausmaßen brannte. So musste der Vorhof zur Hölle aussehen, schoss es mir durch den Kopf. Mir war klar, dass dies kein guter Zufall war!

3.      Bahnhof

             Das Gedränge auf dem Bahnhof der Zeitwächter war kolossal. Ich irrte durch die Menge zu dem angegebenen Treffpunkt. Es war das erste Mal, dass ich zu einer Zeitreise eingeladen wurde und war dementsprechend aufgeregt. Ich durfte nur wenige Dinge mitnehmen, nicht mehr als eine kleine Tasche. Außerdem musste ich entsprechend der Zeit, in die ich reiste, gekleidet sein. Soweit so gut. Das einzige, das noch fehlte, war mein Begleiter. Jeder Neuling wurde einem Betreuer zugeteilt, der ihn auf der ersten Reise begleitete und in die Besonderheiten einführte. Für die Neuen gab es auf dem Bahnsteig 1 ein Wärterhäuschen, an dem die Reiseleiter zugeteilt wurden. Ich kämpfte mich bis zu dem Häuschen vor. Enttäuscht sah ich die Warteschlange. Ich träumte seit Tagen von dieser Reise. Die letzte Nacht schlief ich kaum und jetzt musste ich mich anstellen. Was blieb mir übrig. Sobald ich allein reisen durfte, konnte ich dieses Prozedere überspringen. Dann brauchte ich nur ein Ticket zu lösen und konnte meine Zeitreise ohne Verzögerung antreten. Nervös ließ ich meinen Blick über die Umstehenden gleiten. Ich fragte mich, wer mein Führer werden sollte.   

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