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Posts Tagged ‘Genick’

Tagebucheintrag von Prof. Jang Egal
12.12.1212

Meine Freude ist unbeschreiblich. Nach zahllosen Bedrängnissen habe ich endlich Nirgendwo erreicht. Es liegt am Ende der Welt. Leider kann ich meinen Erfolg mit niemandem teilen. Meine Kollegen und Begleiter sind während unserer lange gefahrvollen Reise verschollen oder ums Leben gekommen. So steht mir ein noch dramatischerer Rückweg bevor, da leider auch Cali Graf, mein Kartograph, über einen Breitengrad in einen echten Lot stürzte und sich das Genick brach. Bei seinem Absturz gingen alle Skizzen des Weges verloren. Nun bin ich gezwungen den Rückweg zu finden und gleichzeitig neues Kartenmaterial anzulegen. Aber ich bin zuversichtlich. Vor meiner Abreise nach Nirgendwo gehörte das Multitasking zu den wichtigsten Überlebenstechniken. Das wird mir sicher eine große Hilfe sein.

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Eine Sache ging ihr immer wieder durch den Sinn. Wie um alles in der Welt sollte sie an die Schokolade kommen, die sie im Schaufenster liegen sah? Sie stand schon mindestens zehn Minuten vor dem Schaufenster und starrte wie versteinert auf eine haselnussbraune Tafel Schokolade, die wie eine überdimensionale Münze geformt war.
Ihre Arme, die bisher nur schlaff herunterhingen, bewegten sich langsam nach oben. Zwei Hände patschten auf das Glas und ein Kopf, dessen Augen immer größer wurden, näherte sich der Scheibe. Noch konnte sie sich zurückhalten, doch schon bald verlor sie die Beherrschung drückte ihr rundes Gesicht immer fester gegen die Scheibe. Stirn, Nase und Mund bildeten eine senkrechte Linie, Speichel floss ihr aus dem Mundwinkel und tropfte auf ihre kleinen, schwarzen Lackschuhe. Dass sie bereits einen leichten Sonnenbrand im Genick hatte, störte sie nicht. Dass bereits einige Menschen um sie herumstanden, die sie beäugten, wie sie die Schokolade beäugte, störte sie ebenso wenig. Selbst ein kleiner Dackel, der ihr um die Beine tapste und sie mit seinem rauen Fell streifte, vermochte sie nicht von ihrem Blick auf diese leckere, einfach so da liegende Schokolade zu lösen, die sie sich am liebsten in Mund, Nase und Ohren gleichzeitig schieben würde, nur damit alles ihres war und niemand sonst sich daran ergötzen konnte. Da sie aber erst sieben Jahre alt war und nicht genug Taschengeld hatte, stand sie da und bewachte geistesabwesend die Schokolade.

Dieser schöne Text entstand in einer Schreibstunde in meinem Schreibkurs und ich möchte ihn euch, mit Marios Einverständnis, nicht vorenthalten.

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Kaputt

„Du hast es kaputtgemacht!“, brüllte Andreas.

Fassungslos starrte er auf sein Modellflugzeug.

Anja zuckte gleichgültig mit den Schultern.

„Scheiß Hobby, beschäftige dich lieber mit mir.“

Ihre Blicke begegneten sich.

„Mach das nicht noch mal!“

Anja drehte sich wortlos um, goss sich eine Tasse Kaffee ein.

„Und wenn doch?“, fragte sie aufreizend, „was willst du dann tun?“

„Dann wird es das letzte Mal sein“, sagte Andreas kalt und schlug zu. Anjas Genick zerbrach so leicht, wie die Flügel des Modellflugzeugs, als sie auf die Tischkante krachte.

 

Apfel 

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Sie betrachtete den Vater ihres Freundes interessiert. Sie sahen sich ähnlich, groß, blaue Augen, dunkles Haar. Allerdings gehörte dem Vater ein Haus, ein schnelles Auto und die Firma, in der er arbeitete. Er hielt ihre Hand eine Sekunde zu lange. Sie lächelte. Seine Augen wanderten. Zwei Stück Zucker versanken im Kaffee. Seine Augen versanken auch. In ihrem Dekolleté.

 

Meise 

Da kommt sie wieder! Den ganzen Vormittag sitze ich hier und sehe zu, wie sie sich bei uns bedient. Aber ich habe Geduld. Viel Geduld. Ich kriege sie. Eine Warnung für alle anderen, die hier ungefragt auftauchen. Ich beiße ihr den Kopf ab und lege sie meinen Leuten vor die Tür. Ein hübsches Geschenk! Aber vorher habe ich noch meinen Spaß mit ihr und breche ihr die Flügel. Dann hast du ausgepickt, du blöde Meise!

Die Geschichtchen entstanden in einer Schreibstunde, in der wir für eine Geschichte nur 10 Sätze verwenden sollten 😉 .

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