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Posts Tagged ‘gelb’

Folgend die Worte aus der letzten Schreibrunde vom Samstag: Zeitreise, gleichmäßig, Eieruhr, Unendlichkeit, Mitternacht, die ich mir selbst eingebrockt habe, da sie in meinem Mindmap standen 😉 .

Hier mein kleiner Text, in dem alle Worte, bis auf Mitternacht, vorkommen:

Zeit ist unendlich, gleichmäßig, monoton. Tick, tack, tick, tack. Zeit kommt nie aus der Puste. Egal wie sehr wir hetzen und jagen, die Zeit läuft nicht mit. Tick, tack, tick, tack.

„Diese blöde Eieruhr macht mich nervös“, schreit Markus, springt auf und wirft die Küchentür geräuschvoll hinter sich zu.

„Und du machst mich nervös“, murmelt Sandra.

Sie starrt auf das brodelnde Wasser, schaut zu wie die Eier von den heißen Blubberblasen hin und her geschubst werden. Die Eieruhr klingelt. Sandra nimmt den Topf vom Herd, gießt das Wasser ab und stellt den Topf auf die Spüle.

Unschlüssig steht sie da, hebt den Blick, schaut aus dem Fenster. Blätter fallen, vom Wind losgerissen, segeln davon. Wie lange ist es her, dass Markus und ich Spaß hatten, denkt sie und erinnert sich an lange Winterabende eingekuschelt in dicke Decken, Küsse, geflüsterte Liebesworte. Davon ist nichts geblieben. Markus lief der Zeit hinterher. Ständig im Stress, immer mit wichtigen Dingen beschäftigt.

„Ich muss up to date sein“, hört sie ihn genervt sagen. „Jetzt ist gleich schon vorbei und ehe ich mich versehe haben die anderen mich ausgebootet und ich stehe auf der Straße. Und wer kauft dir dann deine Klamotten und bezahlt deine Reisen?“

Sandra denkt an die kleine zwei Zimmerwohnung. Gemütlich war es da. Sie hatten wenig Geld, aber sie hatten einander. Mit jedem Schritt auf der Karriereleiter musste die Wohnung größer werden, das Auto schneller, die Kleidung teurer. Was sollten die Kollegen denken, wenn er nicht mithielt?

Sie hatten nicht nur die Zeit verloren, sie hatten sich auch in der Zeit verloren.

Sandra betrachtet die Eieruhr. Ein gelbes Küken, mit rotem Schnabel. Markus hatte sie ihr damals geschenkt. Sie wohnten gerade ein paar Wochen zusammen.

„Hier mein Schatz, damit du nicht immer zu harte oder zu weiche Eier kochst“, hatte er lachend gesagt und sie stürmisch geküsst.

Sandra konnte nicht zählen, wie oft sie versucht hatte Markus zu bremsen, ihn an ihr Gestern zu erinnern und wie das Morgen sein könnte. Irgendwo in einem kleinen Haus, an irgendeinem Strand oder auf irgendeinem Berg. Wieder das haben, was wirklich zählte. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, würde sie sich eine Zeitreise wünschen, zurück an den Anfang.

Sandra öffnet das Fenster, greift sich die Eieruhr und wirft sie in hohem Bogen hinaus. Sie schaut ihr nach. Ein gelbes Küken, das wie ein Komet durch den Garten rast und irgendwo aufschlägt.

Sandra muss lachen. Ein Kükenkomet. Es ist an der Zeit ihrem Stern zu folgen.

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Urlaub, Gelb, Blitz, Blechdose, Zittern, finden

Der Urlaub ist eine einzige Katastrophe. Auf der Hinfahrt hatten wir eine Reifenpanne, vergaßen eins der Kinder auf einem Rastplatz, mussten eine Nacht im Auto verbringen, weil der Vermieter des Ferienhauses unseren Ankunftstermin verpennt hatte und gleich beim Einräumen der Lebensmittelvorräte schnitt sich Andy an einer Blechdose die Hand auf und musste eine Tetanus-Spritze bekommen. Von wegen Blutvergiftung und so, sagte der einzige erreichbare Arzt in der zwanzig Kilometer entfernten Kleinstadt, der mir eher ein Igor zu sein schien, denn ein promovierter Arzt.

Zu allem Überfluss tobt seit heute Morgen ein Gewitter, dass die kleine Hütte in ihren Grundfesten erschüttert. Gelbe und weiße Blitze schießen über den Himmel, gefolgt von ohrenbetäubenden Donnerschlägen, als wäre der  jüngste Tag über uns hereingebrochen.

Von dem runden Dachfenster aus könnte man das Meer sehen, wenn die Sonne scheinen würde. Nun ist alles eine graue brodelnde Masse aus Gischt, riesigen Wellen, Regen – und Hagelschauern. Bernie liegt seit Stunden unter der Couch und winselt. Die Kinder streiten, weil der verdammte Fernseher nicht funktioniert, ich glaube die Satellitenschüssel hat einen Abgang gemacht, und Andy spielt mit dem Smartphone herum, oder besser, er versucht es, aber er findet kein Netz. Der Sturm hat alle Verbindungen zur Außenwelt unterbrochen.

Ich gehe jetzt aufs Klo, den einzig ruhigen Ort in diesem Irrenhaus, schließe mich ein und komme erst wieder heraus, wenn die drei Wochen Urlaub vorbei sind.

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Sicher haben einige von euch bemerkt, dass ich lange nichts auf meinem Blog veröffentlicht habe. Dafür gibt es eine Menge „gute“ Gründe. Ich habe in den letzten Wochen gefühlte 1000 Seiten Tagebuch geschrieben, um meine Gefühle wegzuschreiben. Immer mit dem Gedanken im Kopf, wann geh es weiter? Wann kommt endlich wieder die Lust eine Geschichte zu schreiben? Ich bin mir nicht sicher, dass sie schon wieder da ist, auch wenn die verschiedenen Ideen arbeiten.

Ein Gedanke, der mich aus meiner Erschöpfung aufgescheucht hat, kam gestern von meiner mittleren Tochter. Sie ist 21 und schreibt. Es ging um das Thema Freizeitbeschäftigung. Auf meinen Kommentar, dass sie ja auch in ihrer Freizeit schreibe, sagte sie: „Das Schreiben ist für mich keine Freizeitbeschäftigung. Ich muss das tun. Ohne geht es nicht.“ Eine Aussage, die ich genauso sehe.

Und so hier meine Überlegungen zu meinem 365-Tage-Projekt (nein, ich habe es nicht aufgegeben, nur etwas verschoben) über Tier und Farbe.

Wenn ich in diesem Moment ein Tier wäre, dann ein Chamäleon. Zugegeben schön finde ich es nicht gerade (ich wäre gerne ein süßes Felltier mit großen Knopfaugen), aber es ist faszinierend, wie es die Farbe wechseln kann. Und da mein innerer Zustand zurzeit zu dunkelgrau neigt, wäre ich ein dunkelgraues Chamäleon auf einem kahlen Felsen. Ich habe den Eindruck die Anziehungskraft des Felsens ist so stark, dass ich mich nicht vorwärts bewegen kann. Mir ist klar, ich kann nicht einfach liegen bleiben. Irgendwann werde ich auf diesem Felsen vertrocknen. Die Elastizität meiner Haut lässt nach und eines schönen Tages, in einer weit entfernten Zukunft, wird man mich als Fossil auf diesem Stein finden. Eine Vorstellung, die mir überhaupt nicht gefällt. Es ist also notwendig diesen Ort zu verlassen, damit ich endlich wieder eine andere Farbe annehmen kann. Frühlingsgrün würde mir gefallen, mit einigen Tupfern weiß, lila, rot, gelb, rosa.

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