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Posts Tagged ‘Gefühle’

Worte,

Tausend Tausende.

Orkan in meinem Kopf.

Der Schrei so laut,

Den niemand hört.

 

Warum?

Nur ein paar Blicke.

Ein paar Worte.

Wahr, erdichtet.

Niemand weiß es.

 

Nicht du.

Nicht ich.

Gefühle sind.

Du gingst vorbei.

Ich sehe dir nach.

 

Muss ich nun schweigen?

Worte setzen nach Verstand?

Sind wir entfernte Freunde?

Ist heute nicht,

Was gestern war?

 

Zwei Seelen im Einklang.

Außerhalb von Zeit und Raum.

Müssen sich finden,

In einem Leben.

Kann Liebe zeitlos sein?

 

Mein Herz ist offen.

Dankbar für dich.

Meine Hände ausgestreckt.

Lass uns wir sein.

Liebe kann alles.

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Du bist meine Achillesferse

Mein kostbarstes Stück

Kein Schmerz soll dich treffen

Mein Verständnis ohne Ende

Nur du bist wichtig

Wenn du unglücklich bist

Kommen mir dir Tränen

Fühlst du eine Sorge

Trifft sie mich doppelt

Bist du Glücklich

Bin ich zufrieden

 

Und doch

Mit jedem Wort von mir

Entfernst du dich

Baust eine Mauer

Aus Widerwillen

Gute Argumente sterben

Verwehen – Asche im Wind

Platzen wie Seifenblasen

Auf rauem Grund

 

Meine Liebe ist armselig

In deinen Augen

Du denkst ich bin bedürftig

Kannst nicht sehen

Dass es echt ist

Ohne Täuschung und Hintergedanken

Ich habe mein Herz geöffnet

Auf dem Silbertablett serviert

Nichts zurückgehalten

 

Liebe muss nicht kämpfen

Liebe ist

Liebe muss nicht betteln

Liebe gibt

Liebe muss nicht reden

Liebe versteht

Liebe schwankt nicht

Liebe besteht

Liebe muss nichts beweisen

Liebe existiert

Liebe läuft nicht davon

Liebe bleibt

 

Ich bin meine Achillesferse

Mein kostbarstes Stück

Du kannst mich nicht sehen

Dich nicht ganz erfassen

Mein Gefühl für dich

Hat mich verwundbar gemacht

Ich klebe Pflaster auf die Wunde

Lerne aus dem

Was man Leben nennt

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Kraftlos erschöpft ausgeliefert

Der Langeweile des Alltags

Trauere ich um vergangene Leidenschaft

Ungehört vertrocknen meine Tränen

 

Ich stehe im trockenen Flussbett

Nackt und bloss

Sehne das Wasser herbei

Kein Regen bringt Erlösung

 

Eisiger Wind umtost mich

Friere in der Dunkelheit

Worte klingen im Sturm

Sinken in meinen Körper

 

Gedanken regen sich

Gefühle fangen Feuer

Wasser umspült meine Füße

Mein Herz atmet auf

 

Der Fluss füllt sich

Fließt in seinem Rhythmus

Er hält mich

Trägt mich wieder

 

Füllt meinen Körper mit Schwingungen

Füllt meine Seele mit Gefühlen

Weckt Träume auf

Gibt Fantasien Farbe

 

Ich tauche hinab

Immer tiefer auf den Grund

Die Angst vergeht

Bin nicht allein

 

Höre deine Worte

Sprichst meine Sprache

Unausgesprochenes Verstehen

Deine Hand hält meine

 

Körper tanzen umeinander

Gedanken winden sich in einander

Fantasien verweben sich

Zu einer neuen Geschichte

 

Erst nur ein Flüstern

Von Mund zu Mund

Küssen uns die Musen

Und du mich?

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Sicher haben einige von euch bemerkt, dass ich lange nichts auf meinem Blog veröffentlicht habe. Dafür gibt es eine Menge „gute“ Gründe. Ich habe in den letzten Wochen gefühlte 1000 Seiten Tagebuch geschrieben, um meine Gefühle wegzuschreiben. Immer mit dem Gedanken im Kopf, wann geh es weiter? Wann kommt endlich wieder die Lust eine Geschichte zu schreiben? Ich bin mir nicht sicher, dass sie schon wieder da ist, auch wenn die verschiedenen Ideen arbeiten.

Ein Gedanke, der mich aus meiner Erschöpfung aufgescheucht hat, kam gestern von meiner mittleren Tochter. Sie ist 21 und schreibt. Es ging um das Thema Freizeitbeschäftigung. Auf meinen Kommentar, dass sie ja auch in ihrer Freizeit schreibe, sagte sie: „Das Schreiben ist für mich keine Freizeitbeschäftigung. Ich muss das tun. Ohne geht es nicht.“ Eine Aussage, die ich genauso sehe.

Und so hier meine Überlegungen zu meinem 365-Tage-Projekt (nein, ich habe es nicht aufgegeben, nur etwas verschoben) über Tier und Farbe.

Wenn ich in diesem Moment ein Tier wäre, dann ein Chamäleon. Zugegeben schön finde ich es nicht gerade (ich wäre gerne ein süßes Felltier mit großen Knopfaugen), aber es ist faszinierend, wie es die Farbe wechseln kann. Und da mein innerer Zustand zurzeit zu dunkelgrau neigt, wäre ich ein dunkelgraues Chamäleon auf einem kahlen Felsen. Ich habe den Eindruck die Anziehungskraft des Felsens ist so stark, dass ich mich nicht vorwärts bewegen kann. Mir ist klar, ich kann nicht einfach liegen bleiben. Irgendwann werde ich auf diesem Felsen vertrocknen. Die Elastizität meiner Haut lässt nach und eines schönen Tages, in einer weit entfernten Zukunft, wird man mich als Fossil auf diesem Stein finden. Eine Vorstellung, die mir überhaupt nicht gefällt. Es ist also notwendig diesen Ort zu verlassen, damit ich endlich wieder eine andere Farbe annehmen kann. Frühlingsgrün würde mir gefallen, mit einigen Tupfern weiß, lila, rot, gelb, rosa.

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Lieber Rilke,

warum du es bist, dem ich einen Brief schreibe, magst du dich fragen? Du bist der Dichter meines Herzens. In deinen Versen finde ich mich wieder. Sie rühren mein Herz, dringen tief in meine Seele. Sie sprechen von Liebe, unendliche Liebe. Wie sehr sehne ich mich danach, ich glaube, du hast es gewusst. Du hast das Gefühl gekannt, wie es sich anfühlt, ineinander aufzugehen, den Atem des anderen zu trinken, reines Gefühl sein – gleichgültig, ob dieser Rausch uns in den Abgrund stürzt oder in den Himmel hebt. Du musstest es tun, so wie ich nicht anders kann.

Wenn ich liebe, kann ich es nicht halb. Ich kann meinen Verstand nicht erhören, auch wenn ich weiß, dass mich meine Leidenschaft verschlingt, mein Leben völlig auf den Kopf gestellt wird. Ich muss mich hingeben – nichts ist wichtiger, einzig die Liebe.

Kein Geld, kein Erfolg, kein Ziel kann die Liebe aufwiegen. Nur sie erfüllt mich so vollständig, lässt mein Herz rasen, mein Blut kochen, meine Gedanken, wie Wirbelwinde dahinstürmen. Liebe erschafft – ist der Treibstoff der Musen – Liebe zerstört.

Liebeslied von R.M.Rilke

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand? O süßes Lied.

Wie soll ich meine Seele halten, wenn mich die Liebe überwältigt? Ist es nur die Anziehung des Neuen, fremder Haut? Oder ist es tiefer, eine lang herbei gesehnte Seelenverwandtschaft, die sich aufschwingt, bis die Kraft erlahmt und ausbricht?
In diesen Augenblicken, wünsche ich mir weise und abgeklärt zu sein. Mir zu sagen, lass die Finger davon, du weißt, dass es ein gefährlicher Weg ist. Doch mein Körper erinnert sich an die euphorischen Gefühle, den Höhenflug, die Energie, die mein Schreiben antreibt. Wer kann der Liebe widerstehen?

Folgen wir unseren Gefühlen, dann können sie unser Leben aus allen Angeln heben, folgen wir ihnen nicht, zehrt uns die Sehnsucht aus. Immer ist da diese Frage: Was wäre wenn?

Aus Traumgekrönt von R.M.Rilke

Und wie mag die Liebe dir kommen sein?
Kam sie wie ein Sonnen, ein Blütenschnein,
kam sie wie ein Beten? – Erzähle:

Ein Glück löste leuchtend aus Himmeln sich los
und hing mit gefalteten Schwingen groß
an meiner blühenden Seele…

Das war der Tag der weißen Chrysanthemen, –
mir bangte fast vor seiner schweren Pracht…
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
tief in der Nacht.

Mir war so bang, und du kamst lieb und leise, –
ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis wie eine Märchenweise
erklang die Nacht…

Der Virus Sehnsucht. Er schlummert tief im Herzen. Plötzlich rührt ihn jemand an und es geschieht. Der Virus breitet sich unaufhaltsam aus. Erfasst jede Zelle unseres Körpers. Verliebtsein ist der aufregendste Zustand, in dem wir uns befinden können. Er ist einfach da. Ohne Sport, Siege, Erfolgserlebnisse. Einfach so. Der Funke springt über und der Virus ist nicht aufzuhalten.

Lieber Rilke, Herzensdichter, ich glaube du kannst verstehen, wie es ist, diese unfassbare, schwindelerregende, lichterloh brennende Liebe zu spüren. Was auch passiert, es fühlt sich so verdammt gut an! Alle Sinne geschärft, der Körper aufgeladen mit Energie, ein Übermaß an Inspirationen im Kopf, die jubelnde Seele.

Es gibt noch vieles, dass ich mit dir bereden möchte, und wer weiß, eines Tages …

Dir zugetan auf ewig

Deine Lea

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Selena Marais bekommt vom Lordprotektor der Megacity Inessa den Auftrag, Gavin Harris zu eliminieren. Sie fügt sich seinem Willen, da der Lordprotektor ihren Bruder Alain gefangen hält, obwohl sie als letzte Angehörige des Soleas Clans eine Heilerin ist und dies ihren Grundsätzen widerspricht. Als sie Gavin Harris gefunden hat, überschlagen sich die Ereignisse. Selena gerät zwischen die Fronten. Ihre intensiven Gefühle für Gavin und seinen Bruder Lance, die dem Tandark Clan angehören, erschweren die Dinge zusätzlich. Selena muss sich für eine Seite entscheiden. Das Leben aller Beteiligten steht auf dem Spiel.

Inessa ist eine Liebes- und Befreiungsgeschichte vor dem Hintergrund einer „Big Brother Gesellschaft“.

Das Cover wurde von meinem Mann gestaltet.

Das ist der Klappentext zu meiner Science Fiktion Erzählung. Das Buch hat 186 Seiten. Es wird auch als E-Book zu haben sein.

ISBN – 978-3-7357-8058-4

inessa titel

 

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Verloren

Im Nirgendwo

Irgendwo

Zwischen den Welten

 

Verloren

Auf dem Weg

Zu mir

Traf ich dich

 

Verloren

Im Durcheinander

Meiner Gefühle

Für dich

 

Verloren

Wie du

Zwei Suchende

Auf der Reise

 

Verloren

Zwischen den Welten

Gefunden

Nie mehr allein

Die Musik stammt von Frank Ocean, Lost.

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Zungen reißen Seelen aus dem Leib

Blicke schneiden Herzen in Stücke

Lassen die Liebe mit Beilen zur Ader

Malträtiert mit Verachtung und Sarkasmus

 

Zuneigung wird mit Gold aufgewogen

Bist du dein Gewicht wert

Zu leicht befunden und entsorgt

Heimatlos

 

Gefühle bedeuten nichts

Gezahlt mit harter Münze

Liebe geht Konkurs

 

Die Gier frisst

Was die Geier übrig lassen

Nur noch Asche auf den Knochen

Ausgezehrt bis an den Grund

 

Selbst deine Haut hat man genommen

Vergessen deinen Namen

Der auf dem Grabstein steht

Warum tust du dir das an?

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Eine solche Schreibtechnik sieht sein höchstes Ziel in der Abbildung der „sozialen“ Naturverhältnisse. Und seine primäre Schreibtechnik, ähnlich wie die sich entwickelnde Fotografie, ist auf die Erforschung, Beobachtung und Wiedergabe der Gesellschafts- und Individualnatur ausgerichtet.

Sie besitzt folgende Schwerpunkt:

Die Benutzung der fünf Sinne: Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen.

Sie sollen alle Daten, die sich durch die äußere Realität gewinnen lassen, aufnehmen, um sie durch das schreibende Ich in eine vollsinnliche Sprache zu verwandeln. Die Einfühlungskraft soll das schreibende Ich befähigen, in die geeigneten Figuren des Milieus zu schlüpfen, um mit Sinnen und Gefühlen deren innere Welt zu sehen, zu beschreiben und zu visualisieren.

Wesentliche Schreibprozesse geschahen vor Ort:

Um die Sinnlichkeit besonders zur Sprache zu bringen, soll das schreibende Ich nicht am Schreibtisch arbeiten, sondern in der Realität, vor Ort, im Angesicht eines engen, räumlichen und zeitlich begrenzten Ausschnitts der Realität.

Die Gesellschaft soll in ihren schlimmsten Auswirkungen studiert werden:

Sinneseindrücke, Einfühlungskraft und reale Erfahrungen vor Ort vermitteln die stärksten Eindrücke dann, wenn man die Realität von ihrer schlimmsten Seite kennenlernt: Entfremdung, Verfall, Abweichung, Wahnsinn und Aggression.

Die Gesellschaft enthüllt ihr Wesen, wenn sie nach dem Standpunkt des „Überlebens der Angepassten und vom Scheitern der Unangepassten“ betrachtet wird.

Schreibübungen:  5 Sinne

Stellen sie sich an eine Straßenecke, und nehmen sie ihre Umgebung mit jeweils einem Sinn wahr. Sehen sie die Ecke, hören sie die Ecke, fühlen sie sie, schmecken sie sie, riechen sie sie. Schreiben sie einen kurzen Seh-, Hör-, Fühl-, Schmeck-, Riechtext über diese Straßenecke. Integrieren sie dann ihren Teiltext in einen ganzheitlichen Eckentext.

Identifikation

Suchen sie sich eine Person auf der Straße, in der sich das Milieu und der Druck des Kampfes um das Leben am deutlichsten zeigt. Schlüpfen sie in sie und beschreiben sie die Umgebung durch die Augen und Gefühle dieser Person.

Wörtliche Rede

Hören sie im Kiez Alltagsreden zu, z.B.: auf dem Wochenmarkt und schreiben sie sie auf.

Vor Ort

Stellen sie sich einen Ort im Kiez vor und beschreiben sie ihn. Gehen sie dann an diesen Ort und beschreiben sie ihn vor Ort. Vergleichen sie ihre beiden Texte und arbeiten sie die Unterschiede der Schreibresultate heraus.

Verfall

Suchen sie sich die schlimmste Gegend im Kiez aus und beschreiben sie sie. Beobachten sie dabei, welche Sprache sie für die Beschreibung Ihres Gegenstandes benutzen und mit welchen Klischees sie bei dieser Beschreibung zu kämpfen haben.

–   Der Mensch wird durch das Milieu, Abstammung und Vererbung geprägt

–   Der Naturalismus entdeckte folgende neue Bereiche für die Poesie: die Großstadt, die Fabrik, die Arbeiter und Kleinbürger, die Künstler. Er beobachtete die Prozesse der Entfremdung und Degeneration des Menschen, durch die industrielle Umwelt. Er thematisierte Alkoholismus, Sexualität, Zerfall von Ehen und Familien, Frauenbefreiung, soziale Konflikte zwischen Arbeitern und Fabrikanten, Männern und Frauen, Künstlern und Gesellschaft.

–   Zola hat bei Monet(Impressionist) seine Lehre absolviert. Dort hat er gelernt, an jedem Ort, in jedem Moment und in allen Dingen sinngebenden Merkmale zu erfassen: eine Geste, ein Blick, eine Falte der Kleidung, eine Haltung, ein Gegenstand, einen öffentlichen oder privaten Hintergrund, eine Regung im Gesichtsausdruck.

Die neue Schreibmethode unter besonderer Berücksichtigung der 5 Sinne bedeutet, beobachten, interviewen, fotografieren, zeichnen und schreiben, reisen und schreiben, dokumentieren von Alltagssprache, Geschichten und Dialoge. Der Naturalist verwendet authentisches Material: Tagebücher, Briefe, Entwürfe und Skizzen. Die geschlossene Form wird aufgelöst: Prosa wird zur Reihung von Skizzen, Szenen und Impressionen.

1.Übung – Portrait einer lebenden Person im Alltag

Wählen sie einen Platz im „Kiez“. Beobachten und sortieren sie die Menschen. Wählen sie eine interessante Person und porträtieren sie sie in ihrem Milieu. Beschreiben sie ihr Temperament – ihren Gesellschaftskreis – ihren Verkehr – ihre Luft – ihre Sinnlichkeit – ihre Freizeitbeschäftigung – ihre Sprache.

Die Person, die wir im Stadtteil porträtiert haben, wird im weiteren Verlauf unserer Übung zu unserem Protagonisten.

2.Übung – Soziales Netz des Protagonisten

Wir entwerfen ein Genogramm unserer Person, einen Stammbaum über vier Generationen und treffen dabei Feststellungen über Abstammung, Vererbung und Generationenverlauf. (Siehe Zola und die Familie Rougon Macquart)

Zola war sehr gründlich. Nachdem er Charakter, Sitten, Gewohnheiten seines Helden erforscht hatte, beschrieb er ein eine Reihe von Orten an denen sich der Lebensweg des Helden abspielte.

Mit Hilfe des Genogramms und des Soziogramms können wir nun zwei Kurztexte über die familiären und sozialen Beziehungen unseres Protagonisten entwerfen.

3.Übung – Experimente mit dem Protagonisten

Wir unterstellen unserem Protagonisten, dass seine Herkunfts- und Alltagsstruktur durch z.B.: Krankheit – Arbeitslosigkeit – Ehebruch – Emanzipation usw. in seiner Rolle verändert wird. Wir beschreiben das Verhalten unseres Protagonisten auf der Basis der Veränderung seines sozialen Umfeldes und schildern alternative Reaktionsweisen: Aggression, Verzweiflung, Rückzug, Isolation usw.

4.Übung – vertiefte Erforschung des Milieus

Wir untersuchen das Milieu des Protagonisten auf Personen, die als Antagonisten in Erscheinung treten können. (Wir legen Skizzen von Lokalitäten und Personen an.) Wir achten darauf dass dieser Antagonist einen spannenden Gegensatz zu dem Protagonisten bildet. In einer anschließenden (kleinen) Skizze versuchen wir das Aufeinandertreffen und die Folgen des Konflikts zwischen unserem Protagonisten und Antagonisten zu skizzieren.

5.Übung – die Hauptfiguren der naturalistischen Prosa

Nicht mehr nur Vertreter der Oberschicht sondern hauptsächlich reale Alltagsmenschen (Antihelden) vom Angepassten bis zum Außenseiter (Seelenvagabund, Abenteurer, Renaissancemensch, rohe Typen).

Sie haben im Folgenden die Aufgabe, aus den stichpunktartigen Angaben, ein genaueres naturalistisches Personenporträt von wenigstens drei Typen zu entwickeln. Es sollte folgende Aspekte umfassen: Name, Alter, Beruf, Geschlecht, Weltanschauung, Vorlieben, Lebensperspektiven, augenblickliche Lebenskrise und Entwicklungsmöglichkeiten.

  1. Die alte Hure

Verlust der körperlichen Attraktivität, Selbstwertverlust, Deklassierungsgefühl, Hunger und Not, Verkauf des Körpers, um leben zu können, innerer Hass auf die Freier.

  1. Die Revolvermietze

Junge Hure, die sich jedem verkauft, sich als Jungfrau ausgibt, um den Preis zu erhöhen, Extraleistungen anbietet, sich fein kleidet und sich von den Freiern nicht unterkriegen lässt.

  1. Der Narr

Stadtstreicher, der einen religiösen Wahn entwickelt, sich als „Erlöser“ phantasiert, um seine Ohnmacht in Allmacht zu verwandeln. Eine Mischung von Einsamkeit und Verschmelzungssehnsucht mit den Massen.

  1. Der Phantast

Armer Dachstubenpoet, der sich im Reich der Fantasie als König fühlt und im Alltag des wilhelminischen Reiches mittellos verhungert. Arno Holz, Phantastus: Gefangen in einer Mietskaserne, hungernd und frierend, von Tod und Elend umgeben, schwingt er sich doch immer wieder auf zum Traumflug um die Welt, zum Heldenleben als orientalischer Fürst, oder als Geliebter der Aphrodite.

  1. Fabrikarbeiter

Der Arbeiter erschien als der Fremde, als Angehöriger eines fremden Stammes im eigenen Volk. Sie arbeiten an schlimmen, rauchigen, dreckigen Industrieplätzen, lebt er erbärmlich, von Krankheit und Hunger bedroht und leiden unter dem Verfall der eigenen Familie.

  1. Arbeiterfamilie

Lebt beengt in einer Mietskaserne, schlecht möbliert, Aggression, Streit, Alkohol, schlechte Nahrung, kurze Lebenserwartung.

  1. Der Vampir

Eine krasse Form von Nekrophilie. Während der Wache am Totenbett seiner Geliebten, verwandelt sich ein Hysteriker zum Vampir. Hysterische Ausbrüche des Unbewussten, Regression zum Kannibalismus von Naturvölkern. Samenkeime extremer Gefühle entwickeln sich in psychologischer Entgleisung.

  1. Muttermörder

Extreme Variante eines Familienkonflikts. Beispiel: Sohn ist asozial und aggressiv nach Kindheitstrauma und ständiger Verzärtelung durch die Mutter. Die Mutter leidet an Schuldkomplexen wegen Mordimpulsen gegen den unehelichen Sohn kurz nach der Geburt.

  1. Der Anarchist

Er lehnt den diktatorischen Kommunismus und den aggressiven Terrorismus ab. Er setzt auf den Sieg der Vernunft. Er glaubt: wenn sich alle nur um das eigene kümmern und jeder seine Freiheit hat, dann ist das Ideal der Herrschaftslosigkeit erfüllt.

  1. Der Reiche

Lebt in bester Lage, bestes Essen, große Feste, besitzt die Macht, kann sich Dirnen kaufen, um seine Lust vollständig zu befriedigen, hasst(verachtet) die unteren Schichten, fürchtet sich vor ihnen, kennt ihre Stadtteile und ihr Leben überhaupt nicht.

Falls ihnen die Figuren nicht liegen, tauchen sie in ihren Stadtteil ein und entwickeln sie naturalistische Porträts geeigneter Figuren nach der Natur.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

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Heimkehr

Heimkehr. Wo hin? Ich bin überall dorthin gefahren, wo ich als Kind oft gewesen bin. An den Ort, an den ich die meisten Erinnerungen habe. An den Ort, an dem sich unser Leben so einschneidend verändert hat. Vor unserem damaligen Haus steht jetzt ein Strandkorb. Die Bäume und Büsche sind hoch gewachsen, immerhin ist es viele Jahre her seit wir hier wohnten. Es ist eine gepflegte Mittelstandsgegend. Einfamilienhäuser, ein oder zwei Autos vor der Tür. Keine Sandhaufen, Steinberge oder Rohbauten, wie damals. Es ist eine ruhige schöne Straße, aber von der Straße meiner Kindheit ist hier nichts geblieben. Obwohl ich so viele Schritte gegangen bin, so viele Menschen gekannt habe. Heute ist niemand mehr dort. Die Freunde meiner Kinderzeit sind fort. Nur die Erinnerung ist geblieben.

Erinnerungen kann man nicht einfach wegwischen. 40 Jahre Erinnerung habe ich hier zurück gelassen. Fasst mein ganzes Leben. Ich bin hier zur Schule gegangen, meine Kinder sind in dieser Stadt geboren, ich habe meine ersten Schreibkurse besucht. Habe geweint und gelacht. Aber bei jeder Heimkehr stelle ich fest, wie sehr sich die Dinge verändert haben und mit jeder neuen Heimkehr ein bisschen mehr.

Ein Wandel der überall vorkommt, aber den man nur spürt, wenn man den Ort länger nicht sieht, weil der Wandel dadurch sprunghaft stattfindet. Als ich diesen Ort fluchtartig verließ, dachte ich, ich würde meine Probleme dort lassen, könnte frei sein und die Fesseln sprengen, die ich so viele Jahre getragen hatte. Schnell stellte ich fest, dass ich die eine Fessel gegen eine andere tauschte. Aber ich wuchs an den Schwierigkeiten, die ich an dem neuen Ort vorfand. Sah, was ich ohne Hilfe von anderen erreichen konnte, lernte mein Leben allein zu leben. Eine beängstigende Erfahrung, die mich aber am Ende stärker gemacht hat.

Eins hat diese Flucht nicht bewirken können, meine Erinnerungen sind mit mir gegangen. Egal wie weit man auch fort geht, die Vergangenheit haftet uns unweigerlich an, wie eine Klette. Auch wenn man versucht sie zu entfernen, ein paar Haken bleiben immer hängen.

Wenn ich heute heimkehre, dann mit ganz anderen Gefühlen, als mit denen, mit denen ich ging. Ich freue mich dann meine Familie, meine Freunde wieder zusehen, auch wenn das manchmal ein wehmütiges Gefühl ist. Mir fällt dabei das Treffen mit Andres ein, von dem ich erfuhr, dass er und Mauricio nach Uruguay ziehen.

Irgendwie dachte ich, nostalgischer Weise, meine Erinnerungen wären eine Konserve, die ich immer dann aufmachen könnte, wenn ich nach Hause käme. Alles würde für mich so bleiben, wie es immer war. Aber das Leben ist kein hübscher schwarz-weiß Film, den man sich immer mal wieder anschauen kann. Das Leben ist Veränderung, Fortschreiten, Wandel. Auch wenn ich es nicht wahrhaben will, einzig meine Erinnerung verändert sich nicht.

Doch trotz all der Jahre, die mich an diesen Ort binden, möchte ich nicht dorthin zurück kehren. Mein Herz hat einen anderen Ruheort gefunden. Du bist dieser Ort, dein Herz gibt mir ein neues Zuhause und dahin kehre ich immer wieder gerne zurück.

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