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Posts Tagged ‘Gefühl’

„Die Arbeit ist, verstehe sie mich recht, ein wenig ungewöhnlich“, sagte Mister Gordon.

Sein merkwürdiges Lächeln hätte mich misstrauisch machen müssen. Aber ich seit drei Wochen wartete ich auf einen halbwegs gutbezahlten Job um meine Rechnungen bezahlen zu können, aber mein Büro schien in ein schwarzes Loch gefallen zu sein. Ich brauchte dringend einen Auftrag, egal von wem. So wischte ich das flaue Gefühl in meinem Magen beiseite, dass ich fataler Weise für Hunger hielt und sagte:

„Das ist kein Problem für mich. Ich hoffe nur, dass sie sich meine Dienste leisten können.“

Mister Gordon lachte und ein leiser Schauer rieselte über meinen Rücken hinab. Er zog einen Umschlag aus der Innentasche seines feinen Wollmantels und schob ihn mir über den Schreibtisch zu.

„Mister Morgan, wenn sie wüssten wer ich bin, würden sie solche Fragen nicht stellen. Die einzige Frage, die wirklich wichtig ist, kann ich ihnen vertrauen?“

Abrupt verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Dabei verengten sich seine schwarzbraunen Augen zu kleinen Schlitzen und musterten mich scharf. Unwillkürlich musste ich an einen Hai denken. Sobald er mein Büro verließ, würde ich Erkundigungen über ihn einziehen, dachte ich, griff nach dem Umschlag und hob die Klappe leicht an. Ein dickes Bündel 500 Euroscheine strahlte mir entgegen und wischte meine Skrupel hinweg.

„Natürlich können sie mir vertrauen“, erwiderte ich im Brustton der Überzeugung und dachte, es wird schon gutgehen.

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Unfassbar! Wie cool ist das denn? Ich wurde von meinem neuen Verlag eingeladen auf der Buchmesse in Leipzig nächstes Jahr meine Buch (Bücher?) zu signieren!!!

Die wichtigste Frage nach: Wann ist der Termin, wo soll ich übernachten? ist: Was ziehe ich an? Natürlich *g*. Frauen könnte Mann sagen. Allerdings signiere ich keinen Fantasyroman oder Krimi, sondern erotische Kurzgeschichten. Nicht, dass jemand auf den Gedanken von schwarzer Spitze, wahlweise roter kommt. Das ist eher etwas für die Stories oder drunter *g*. Aber ein nettes kleines Schwarzes und bequeme Pumps, das wäre doch was?! Das zieht die nächste Frage nach sich – bequem und Pumps – ein Paradox?

Egal! Jetzt sonne ich mich erst einmal in dem super tollen Gefühl als Autorin eine Signierstunde zu geben. Die Sache mit dem Outfit werde ich in meiner Euphorie auch noch in den Griff kriegen!

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Diana saß im Pyjama auf dem grauen Ecksofa, die Beine angezogen und aß Müsli. Die Sonne fiel durch die breite Fensterfront und erfüllt den Raum mit warmem Licht. Draußen tobten die ersten Schneeflocken durch die Luft, die der winterlich wilde Wind über die Ostsee trieb. Diana hörte, wie er die Bäume zerzauste und sah wie er die Wellen in einem dramatischen Tanz gegen den flachen Strand trieb. Die Möwen hatten Mühe sich gegen den Sturm zu behaupten und segelten in einem Zickzackkurs über dem Wasser.

Im Hintergrund sang Gordon Haskell „How wounderful you are …“, das neue Jahr war noch frisch, erst fünf Tage alt, und trotzdem hinterließ es erste Spuren. Diana war weit fort von zu Hause und der Gedanke in den Alltag zurückzukehren verursachte ihr ein dumpfes Gefühl in der Magengegend.

„Things can happen fast“, sang Gordon und Diana dachte an die Veränderungen, die sich in den letzten Monaten ergeben hatten. Sie hatte das Glück gesehen. Für einen kurzen Moment spürte sie es: zu Hause sein. Ein überwältigendes Gefühl, das sie atemlos machte, um es im nächsten Augenblick wieder zu verlieren. Die Dinge wandelten sich oft schneller, als vorauszusehen. Sie wusste, dass sie dieses Glück nicht behalten konnte. Es gehörte ihr nicht, würde ihr niemals gehören. Das hatte sie nicht daran gehindert es sich anzusehen und es zu begehren. Manchmal will das Herz, was das Herz will, egal um welchen Preis.

Diana wünschte sich glücklich zu sein und doch, genau das war schwer zu bewerkstelligen. Glück, diese flüchtigen Augenblicke, die man oft erst erkannte, wenn sie verflogen waren. Nun in diesem Moment, die Sonne fiel auf ihr Gesicht, die Musik hüllte sie ein, der ungestörte Blick auf das Meer – verspürte sie ein Gefühl des Glück, dass ihr ganzes Sein erfüllte.

Diana wusste, es war besser nicht darüber nachzudenken. Im Augenblick des Nachdenkens bekam das Glück schon wieder Risse, weil sie es festhalten wollte. Sie nahm sich vor, wenn sie es nicht verwahren konnte, so wollte sie zumindest weniger unglücklich sein. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Erinnere dich immer an diesen Tag, wenn du in den nächsten 360 Tagen vor einer Krise stehst. Erinnere dich an das Meer, die Stille, das Glück, das du so erfüllend empfunden hast und glaube fest dran, dass du dich eines Tages wieder so unendlich glücklich fühlen wirst, wie an dem Tag, als du in seine Augen gesehen hast.“

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Der Regen verwandelte den schmalen Pfad in einen Pfuhl aus Matsch und toten Blättern. Die Nässe hatte längst meine Haut erreicht. Ich hatte das Gefühl, sie kröche durch meine Poren und suche sich einen Weg in die Zellen meines Körpers. Jeder Schritt war eine Qual. Der Dreck klebte an meinen Stiefeln und die Kleidung war beschwert vom Wasser.

„Warum sind wir nochmal hier?“, hörte ich die Stimme von Anna hinter mir, „dass ich mich von dir zu solchen Himmelfahrtskommandos überreden lasse! Warum haben wir nicht gewartet bis der Regen aufhört. Ellie wird schon nichts passiert sein.“

Ich hätte antworten können. Die Worte lagen mir auf der Zunge. Andererseits wäre garantiert eine längere Diskussion daraus entstanden und dazu hatte ich in diesem Moment keine Lust.

Immerhin war dieses Undercoverding nicht meine Idee gewesen. Im Gegenteil! Ich hatte mich strikt dagegen ausgesprochen, Aber auf mich hatte niemand hören wollen. Wir mussten Ellie finden, bevor ihr etwas zustieß, falls es nicht schon zu spät war. Seit zehn Stunden war sie überfällig und ich hatte ein sehr ungutes Gefühl bei der Sache. Welche Rolle spielte da das bisschen Regen. Was man sich einbrockt muss man halt auslöffeln. Leider musste ich mitlöffeln, weil ich die Verantwortung für die beiden trug.

Abrupt hörte der Regen auf.

 

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Nach unruhigem Schlaf und verwirrenden Träumen, in denen Gilbert de Clare eine entscheidende Rolle gespielt hat, beschließt Rosalie einen Spaziergang zu unternehmen. Es ist noch früh am Morgen, zarte Nebelschleier liegen über dem Garten und den angrenzenden Ländereien. Im Haus ist noch alles still, nur im Küchentrakt und in den Räumen der Dienerschaft herrscht reges Treiben.

Rosalie verlässt unbemerkt das Haus. Die Kühle des Morgens lässt sie erschauern. Sie schließt die oberen Knöpfe ihres Mantels und zieht sich den warmen Schal enger, um die Schultern.

Auf dem Rondell vor dem Haus befindet sich ein großer Brunnen inmitten von Rosenbeeten. Rosalie bemerkt sofort, dass sie die sorgenden Hände eines Gärtners schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen haben. Bei näherer Betrachtung stellt sie fest, dass sich das riesige Anwesen in einem bedauernswerten Zustand befindet. Es ist nicht völlig heruntergekommen, aber anders als Rosalies elegantes, modernes Stadthaus mit elektrischem Licht, fließendem Wasser und einem kleinen, aber perfekt angelegtem Garten, macht das Herrenhaus der de Clares einen verwilderten, abgewirtschafteten Eindruck. Die einzigen Gebäude, die penibel gepflegt sind, sind die Pferdeställe.

Rosalie überlegt, ob sie es sich erlauben kann, die Stallungen ohne Genehmigung des Hausherrn zu besichtigen, als sie ein fröhliche Stimme hinter sich hört.

„Guten Morgen. Sie sind früh auf, Miss Graville, nehme ich an.“

Rosalie dreht sich um und blickt in zwei strahlend blaue Augen, die zu einem Mann in einem eleganten Reitanzug gehören, der offensichtlich nicht Gilbert de Clare ist.

„Ich wünsche ihnen auch einen guten Morgen.“ Sie erwidert sein freundliches Lächeln. „Sie sind gut informiert. Ich bin Rosalie Graville.“ Sie reicht ihm die Hand, „und sie sind?“

„Anthony Douglas“, er nimmt ihre Hand und haucht einen Kuss auf ihren behandschuhten Handrücken.

„Gils Cousin, mütterlicherseits.“

„Sehr erfreut, Mister Douglas.“

Rosalie entzieht ihm ihre Hand.

„Oh, bitte, nicht so förmlich. Nennen sie mich Anthony.“

Rosalie schmunzelt. Mister Douglas ist ein charmanter Mann. Schlank, durchtrainiert, gut proportionierten Gesichtszügen und blonden, leicht widerspenstigen Haaren.

„Wie ich sehe, wollten sie gerade ausreiten. Ich möchte sie nicht abhalten.“

„Oh, sie halten mich in keiner Weise ab“, er beugt sich vor und senkt vertraulich die Stimme, „ich bin sogar sehr froh, dass ich sie hier treffe. Glauben sie mir, Rosalie, die düstere Umgebung drückt auf die Stimmung. Seit wir hier sind, hat Gil sich nicht zu seinen Gunsten verändert.“

Rosalie zieht die Brauen hoch und wendet sich dem Haus zu. Tatsächlich war ihr der verbesserungswürdige Zustand auch aufgefallen, aber düster? Diesen Eindruck hat sie nicht.

„Thony“, wie ich sehe, hast du dich schon mit Miss Graville bekannt gemacht“, hörte Rosalie die süffisante Stimme von Gilbert de Clare, „ich hoffe, er hat noch nicht alle Geheimnisse des Hauses ausgeplaudert.“

Rosalie dreht sich um. Vor ihr steht Gilbert. Er zieht den Hut und deutet eine Verbeugung an. Sie unterdrückt einen Überraschungslaut. Gilbert ist der bestaussehende Mann, den sie je gesehen hat. In der Dunkelheit am Vorabend konnte sie nur seine große Statur erkennen.

Gil ist größer als Anthony, hat aber die gleiche Haarfarbe. Allerdings sind seine Haare exakt frisiert. Das leicht ovale Gesicht wird von außergewöhnlichen, sehr hellen blauen Augen und einem schönen Mund mit vollen Lippen dominiert. Sein Kinn ziert ein kleines Grübchen.

„Nein, Mister Douglas war sehr diskret“, erwidert Rosalie, „aber ich hoffe, dass sie mir einige Fragen beantworten können.“

„Wir werden sehen, Miss Graville“, Gil verzieht keine Miene. Rosalie hat das Gefühl, als sähe er durch sie hindurch. „Ich nehme nicht an, dass sie uns heute schon wieder verlassen wollen.“

Der Sarkasmus in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Anthony setzt zu einer Milderung der Äußerung an, aber Rosalie schüttelt den Kopf.

„Ich bewundere ihren Scharfsinn, Mylord.“

Sie schenkt Gil ein strahlendes Lächeln. Für den Bruchteil einer Sekunde hebt sich eine seiner Augenbrauen, aber sofort ist er wieder ganz unterkühlte Beherrschung.

„Wir sehen uns zum Frühstück“, sagt sie zu Anthony gewandt.

„Das wäre mir eine Freude“, er kann sich ein Grinsen nur mit Mühe verkneifen, neigt leicht den Kopf und folgt Gil in den Stall.

„Tom, die Pferde“, hört sie Gils gebieterische Stimme.

„Ja, Sir, Tunder und Ares sind gesattelt“, antwortet eine jugendliche Stimme dienstbeflissen.

Rosalie wartet bis die beiden Herren die Pferde herausführen und aufsitzen. Während Anthony ihr einen freundlichen Abschiedsgruß zu winkt, hat Gil seinem Hengst schon die Sporen geben und prescht vom Vorplatz.

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Alistair beobachtete Rowenna seit geraumer Weile. Sie hatte sich als zäher erwiesen, als er dachte. Vor allem wunderte er sich über ihr immenses Wissen, was die schwarzen Künste betraf. Das konnte für seine Pläne hinderlich sein, andererseits brauchte er sie. Alistair hatte das Gefühl Rowenna war seinem Charme nicht abgeneigt. Er hielt es für ein Leichtes sie von seinen Ideen zu überzeugen und sie auf seine Seite zu ziehen. In diesem Fall konnte es von Vorteil sein, dass Rowenna sich mit Magie auskannte.

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„Es handelt sich um eine wahre Geschichte, die zufälligerweise nicht passiert ist.“

Jeanne schlug die Arme übereinander und blickte Mellie mit düsterem Blick an.

„Ich bitte dich! Du willst mich wohl auf den Arm nehmen?“

Mellie gab Jeanne das Gedicht zurück. Es kostete Jeanne unglaubliche Mühe nicht wie ein trotziges Kind mit dem Fuß aufzustampfen und in Tränen auszubrechen. Nicht nur, dass sie in diesem furchtbaren Internat festsaß, nein, sie hatte dermaßen fantasielose Mitinsassen, dass ihr graute.

„Du verstehst überhaupt nichts!“, erwiderte Jeanne lauter als beabsichtigt, „das Leben schreibt die Kunst und die Kunst das Leben. Wäre in deinem Kopf etwas weniger Vernunft und etwas mehr Fantasie, hättest du mir diese Frage nie gestellt!“

Mellie erhob sich und trat zum Fenster. Die beiden ungleichen Mädchen schwiegen. Die eine wütend, weil sie sich missverstanden fühlte, die andere weil sie nach dem Körnchen Wahrheit in der Behauptung ihrer Zimmergenossin suchte.

„Beweise es.“

Mellies ruhige Stimme durchbrach die Stille. Jeanne sah auf. Mellie blickte immer noch aus dem Fenster. Die untergehende Sonne färbte den Himmel in alle Schattierungen der Rotpalette. Jeanne hatte an diesem Abend keinen Blick für die Schönheit der Natur.

„Was beweisen?“, fragte sie verwirrt.

„Das die Kunst das Leben schreibt.“

Mellie drehte sich um und sah Jeanne mit merkwürdig fiebrigem Blick an. – Das passt gar nicht zu ihr, dachte Jeanne, als wäre sie in einer Art Trance. –

„Und wie stellst du dir das vor?“, fragte sie wachsam.

„So wie es Wissenschaftler machen: in einem Feldversuch. Ich stelle die Versuchsanordnung auf und du schreibst die Veränderungen, die geschehen sollen. Immer nur in Teilstücken natürlich und ich habe das letzte Wort darüber. Ich werde sie lesen, dann werden wir sie auf einem Altar opfern und sehen was passiert.“

Jeanne sah Mellie mit mitleidigem Blick an.

„Bist du verrückt? Brauchst du Hilfe?“

Jeanne hätte sich nicht gewundert. Lange konnte es ein hungriger Geist in dieser freud – und lieblosen Umgebung nicht aushalten, ohne psychische Anomalitäten zu entwickeln. Mellie lachte laut auf und warf den Kopf mit dem dunklen Locken in den Nacken.

„Ich war selten so klar“, sie kam auf Jeanne zu und blickte sie herausfordernd an, „also, machst du es?!“
Jeanne nickte ergeben.

„Na gut. Wann geht`s los?“

„Morgen früh.“

Mellie wandte sich ab, setzte sich an ihren Schreibtisch und zog einen Stapel Papier aus einer Schublade. Einen Moment zögerte sie, dann brachte sie die ersten Zeilen zu Papier. Jeanne beobachte sie mit wachsender Spannung. Ihre Behauptung über die Kunst schien einen verschlossenen Bereich in Mellies Persönlichkeit freigesetzt zu haben. Ein unbestimmtes flaues Gefühl breitete sich in Jeannes Körper aus. – Warum musste ich so anmaßend sein, ihr mein vermeintliches Talent zu beweisen, dachte sie und knetete nervös ihre Finger, naja, was kann sie sich schon Besonderes wünschen? –

Der Satz stammt aus dem Buch: Das verflixte Dolce Vita, von Rosalind Erskine.

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