Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Gefahr’

Schreiben. In die Tasten hauen. Ich komme mir fast dekadent vor meine freie Zeit mit Geschichtenerzählen zu verbringen. Was für ein Privileg, ein Glück, ein Rausch. Im Flow sein. Nach beinah unendlichen Wochen – Zeit nimmt andere Dimensionen an, wenn wir darauf warten, dass sich etwas tut. Und nun scheint dir Sonne, ein paar Wölkchen am Himmel, der Frühling ist gerade in seiner schönsten Phase. Meine Lieblingsmusik läuft und ich erzähle Geschichten.

IMG_20200515_183436

Ich habe mir schon länger vorgstellt, wie es wäre Zeit zu haben. Morgens nicht aus dem Haus hetzen, in Ruhe einen Kaffee trinken, eine halbe Stunde auf dem Sofa sitzen, lesen, die Katze auf dem Schoss streicheln. Dann ab unter die Dusche und schreiben. Zu meiner Schreibzeit. Tatsächlich bin ich ein Morgenschreiber. Ich kann um sechs aus dem Bett fallen und schreiben. Wenn mich der Tag geschlaucht hat, fällt es mir viel schwerer noch etwas Vernünftiges herauszubringen. Mir meine Zeit frei einteilen und Dinge tun, die mir Spaß machen auch in Ruhe zu Ende zu bringen, konnte ich schon lange nicht mehr. Und zugegeben, wer kann das schon? Das ich die Erfüllung dieser Idee einem blöden Virus verdanke, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.

Natürlich ist auch bei uns nicht alles toll. Kurzarbeit, die Einschränkungen des Kontaktverbotes geht einem auf die Nerven und ehrlich, Maskenpflicht – nicht gerade das Szenario wie ich mir einen Einkaufsbummel vorstelle. Aber bis jetzt sind wir gesund und Zeit ist ein kostbares Gut. Ich habe seit langem mal wieder mehrere Bücher hintereinander gelesen. Und das Beste: endlich schreiben. Losgelöst von irgendwelchen Terminen da sitzen, zusehen wie sich die Seiten mit Worten füllen, fühlt sich unheimlich gut an. Zu merken: ich kann es noch.

Was vor drei Wochen als Spaßprojekt (ich hatte seit 4 Monaten nicht geschrieben) begonnen hat – nur keinen Druck aufbauen – ist inzwischen ein Romanplott mit angedachten 5 Kapiteln ( mit Untertiteln) und hat richtig Fahrt aufgenommen. Die Geschichte spielt auf Usedom, 1906, und ist eine fantastische Geschichte in der es um Zeit geht. Ist doch sehr passend. Natürlich gibt es Liebe, Verwicklungen, Gefahr, einen Gegenspieler, verborgene Artefakte usw. Wie es sich für eine Fantasy-Story gehört.

Schreiben. In die Tasten hauen. Immer tiefer eintauchen, der Geschichte folgen und sich dem Fluss überlassen. Zu wissen, es wird gut. Schreiben, eine Leidenschaft, die nicht vergeht, auch wenn sie manchmal nur noch glimmt, sobald sie mit ein paar Worten gefüttert wird, entflammt sie aufs Neue. Und das ist das Beste daran.

Read Full Post »

Tagebuch von Rowenna Anderson

09.09.2015

Warum gibt es nur jedes Mal Streit mit Paps, wenn es um seine Nachforschungen geht? Ich will mich nicht streiten, aber er ist so bockig, wie ein kleines Kind. Dabei bitte ich ihn nur darum vorsichtig und nicht so vertrauensselig zu sein.

Wenn ich daran denke, dass er bei seinem letzten Einsatz beinahe gestorben wäre, läuft es mir immer noch eiskalt den Rücken herunter.

Dabei will ich doch nur, dass er nicht unbewaffnet loszieht. Nicht nur wegen der obskuren Gestalten, die bei Nacht lauern, sondern auch wegen seiner mehr als mysteriösen Auftraggeber.

Heute habe ich ihm vorgeschlagen einen Bodyguard einzustellen. Hätte ich gewusst, was dabei herauskommt, ich hätte es gelassen.
Jetzt muss ich ihn austricksen, damit er sicher ist. Ich habe ein schlechtes Gewissen, ich habe Paps noch nie angelogen, gut das eine Mal, aber das war nur eine Kleinigkeit im Gegensatz dazu. Eine winzige Notlüge – oder eine kleines Vorenthalten der Wahrheit.

Ich versuche mir einzureden, dass in dem Fall der Zweck die Mittel heiligt, aber ich hoffe, er bekommt es niemals heraus. Das würde er mir nicht verzeihen.

Er sagt immer: du kannst Mist bauen so viel du willst, aber bitte sag mir die Wahrheit. Ja, Paps ist ein Ehrenmann, aber ein leichtsinniger. Er lebt einfach in seiner eigenen Welt, die von Feen, Elfen und allerlei ungewöhnlichem Volk bewohnt wird, nur dass diese Wesen nicht so nett sind, wie er es gerne sehen würde.

Das letzte Mal konnte ich die Gefahr gerade noch abwenden, aber was ist, wenn ich mal nicht stark genug bin? Dieses Risiko kann ich nicht eingehen. Wenn ich Paps auch noch verliere, bin ich ganz allein. Ich brauche dringend Unterstützung.

Read Full Post »

„Ich habe Angst.“

Atemlos sehe ich auf das dunkle Tor. Schwarz, wie eine Nacht ohne Sterne und Mond, eine zähe pechartige Masse wabert in dem steinernen Torbogen hin und her. Dort hindurch will er mich zwingen?

„Ich will nicht hindurch gehen!“

„Du musst. Uns bleibt keine andere Wahl!“

William steht dicht hinter mir. Mein Herz rast.

„Wieso ich?“

„Du bist die Verbindung.“ Seine Stimme ist sanft. „Ich werde bei dir sein.“

„Du gehst mit mir?“

Ich sehe in seine dunklen undurchdringlichen Augen.

„Bis zum letzten Blutstropfen.“

„Wenn ich dir doch glauben könnte.“

„Du wirst es tun müssen. Eine andere Möglichkeit bleibt dir nicht. Ich bin die einzige Chance, die du hast.“

William der Hexer. Er war es, der mich entführte und hierher brachte. Nun sollte ich mit ihm hinüber gehen. In eine Welt, die ich nicht kannte. Voller Dunkelheit und Gefahr, um das Königreich meines Vaters vor dem Untergang zu bewahren.

„Welchen Vorteil hast du davon? In deinem Universum ist nichts umsonst.“

William packt mich am Handgelenk, zieht mich ganz nah zu sich. Die Kälte in seinem Blick lässt mich frösteln.

„Das geht dich nichts an! Willst du deinen Vater und dein Reich retten, dann komm.“

Natürlich will ich meinen Vater retten, aber die Angst schnürt mir die Kehle zu. Mein Körper ist schwer wie Blei und meine Knie geben jeden Moment nach. Zaudernd setzte ich einen Schritt vor den anderen.

„Was habe ich der Dunkelheit entgegenzusetzen?“

„Deine Liebe“, antwortet William.

Dann stehen wir vor dem Tor. Ich fühle die eisige Kälte von der anderen Seite. William hüllt uns beide in seinen wollenen Umhang. Dann zieht er mich mit einem Ruck in die schwarze Masse.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: