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Posts Tagged ‘Gäste’

Nathalie sah ihn hereinkommen. Sein Anzug saß wie angegossen und die Schuhe glänzten. Er warf einen kurzen Blick in den pompösen Barockspiegel, strich sich durch die dunklen Haare und steuerte direkt auf Sara zu. Nathalie bemerkte die Blicke der umstehenden Damen, als er sich durch die Grüppchen der schwatzenden Gäste drängte. Als er Sara erreichte, wechselte das Orchester zu einem langsamen Walzer.

Nathalies Aufmerksamkeit wurde kurzzeitig von einem schneidigen Offizier abgelenkt, der sie zum Tanz aufforderte. Nachdem sie ihn abgewimmelt hatte, sah sie, wie er sich über Saras Hand beugte und ihr einen Kuss auf den Handrücken drückte, ohne den Blick von ihrem Gesicht zu wenden.

In Nathalies Hirn sprangen sämtliche Alarmleuchten an. Er machte seine Drohung wahr. Fieberhaft überlegte sie, was sie tun konnte, die Katastrophe abzuwenden.

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Lieber Andy,

Barcelona ist toll. Bei einem Stierkampf habe ich Ramon getroffen und bin bei ihm eingezogen. Er ist ein fantastischer Liebhaber. Bitte bestell das Catering ab und lade die Gäste aus. Ich komme nicht zurück, jedenfalls nicht so bald. Grüß meine Eltern und bring ihnen die Nachricht schonend bei, die mochten dich sowieso immer lieber als mich.

Olé und Kuss Sabine

***

Andy liest die Zeilen ein zweites Mal. Dann grinst er. Ramon, der Teufelskerl! Er hat es geschafft. Gemächlich schlendert Andy zurück ins Haus. Das Problem Hochzeit hat sich gerade erledigt.

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Woronesh

„Und diese Stadt ist ganz zu Eis erstarrt,

Wie unter Glas ruhn Bäume, Firste, Schnee.

Unsicher ist des bunten Schlitten Fahrt,

Trägt der Kristall, auf dem ich zögernd geh.

Woroneshs Dom ein Krähenschwarm umgellt,

Und Pappeln und das Pastinagewölbe,

Verwaschen, trüb, von Sonnenstaub getönt,

Und ein Hauch der Schlacht vom Schnepfenfeld

Verströmt das Land, machtvoll und sieggekrönt.

Und jäh wie die erhobenen Pokale

Klirrn Pappeln über uns mit ihren Ästen,

Als feierten auf unserem Hochzeitsmahle

Die Freudenstunde Tausende von Gästen.

Jedoch in des verbannten Dichters Zimmer

Stehn wechselnd Angst und Muse ihre Wacht.

Nun kommt die Nacht,

Und einen neuen Morgen kennt sie nimmer.“

4.März1936

Poetische Worte einer bemerkenswerten Dichterin.

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Hurra ich lebe noch! Die Lesung fand amDanziger Platz in Frankfurt in einem „Bürgergarten“ statt( der Veggie Flammkuchen aus dem Kiosk war übrigens super und selbstgemacht!). Jannis, unser Schreibgruppenleiter aus dem „Blauen Haus“, hat sie  mit einigen anderen netten Leuten organisiert. Es gab für sechs Autoren je einen Leseplatz. Im Gewächshaus, am Bauwagen, auf der Boule-Bahn, unter den Linden, über dem Bistro auf einem Balkon und unter einem Vordach, die sonst die Werkstatt beherbergt. Jeder Autor bekam ein Plakat mit Schlagworten oder Zeilen aus seinem Text. So konnten sich die Leute orientieren, bei welchem Autor sie zuhören wollten. Dann begann das „Speed-Dating“ mit Autor. Die Gäste konnten drei Mal die Leseplätze wechseln. Die Lesezeit dauerte jeweils 12 Minuten. Bis dahin war mir nicht klar, wie lang 12 Minuten sein können – eine halbe Ewigkeit.

Bei der ersten Lesung saßen nur zwei Leute an meinem Tisch unter den Linden. Ich habe aus „Inessa“ gelesen, aber etwas ganz anderes als ich vorbereitet hatte. Mein Herz schlug bis zum Hals, ich musste mich zwingen langsam zu lesen. Wenn ich so aufgeregt bin, verfalle ich immer in „Lesetrab“ und dass ist nicht gut. Bei der zweiten Lesung waren es schon vier Leute und zwei Hunde 🙂 . Einer lag mir während der Lesung zu Füßen, das hatte eine beruhigende Wirkung.

Dadurch, dass es nur wenige Leute waren, konnten wir noch über den Text reden, den Inhalt und über das Schreiben an sich. Bei der dritten Lesung waren es dann sechs Leute. Allerdings habe ich da mein Programm geändert. Ich habe aus meinen Büchern gelesen, die ich dabei hatte: Das Schwert der Umanyar und Geh mit mir durch diese Nacht (Gedichte und Kurzgeschichten). Das war für mich eine Abwechslung. Es war einfacher die Texte zu lesen, die ich länger nicht gelesen habe, als aus der Geschichte, die ich beinahe auswendig kann, weil ich sie gerade erst in den Händen hatte.

Danach habe ich mich noch sehr nett mit den Zuhörern unterhalten. Das war das Schönste und da war ich auch nicht mehr aufgeregt 😉 . Das tollste war, dass zwei Zuhörer jeweils ein Buch „Geh mit mir durch diese Nacht“ gekauft haben. Ich liebe dieses Buch. Nicht weil es das erste Buch war, das veröffentlicht wurde, sondern weil ich es mit Jörg und Hanna zusammen gemacht habe, eine Familienproduktion zozusagen. Text (Gedichte und Kurzgeschichten, die mir sehr am Herzen liegen) Caro und Bilder und Cover Jörg und Hanna. Ich hoffe, dass die Leser damit viel Freude haben werden.

So habe ich die Lesung also hinter mich gebracht, mit Herzrasen und Freude, ein unvergesslicher Tag 🙂 . Ich werde heute meine Schreibzimmer einrichten und mich dann beruhigt und entspannt  meinem neuen Romanprojekt zu wenden. Bis zur nächsten Lesung.

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