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Posts Tagged ‘Garten’

Brickdale_Eleanor_Fortescue_1908

June is Dead, Eleanor Fortescue, 1908

Rosentod

 

Da lagst du unter den gelben Rosen

Die zarten Blätter dufteten süß

Deine hellen Sternenaugen geschlossen

Die weißen Flügel zerbrochen

*

Neugier trieb dich weit hinaus

Einmal schauen was dort unten ist

Sahst in den tosenden Abgrund

Stürztest bodenlos in unseren Garten

*

Weiche Federn von Dornen aufgespießt

Blutstropfen rot wie Splitter von Rubin

Färbten deine Jungenwangen rosa

So fand ich dich unter den gelben Rosen

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Ich befand mich auf dem Heimweg, als ich das Mädchen zum ersten Mal sah. Sie ging langsam an den Häusern unseres Viertels vorbei und schaute sich die Vorgärten und Fassaden an, als suche sie etwas. Mir fiel ihre altmodische Kleidung auf. Sie trug ein Spitzenkleid, dass ihr bis auf die Knöchel fiel und dazu Schnürstiefelchen. Ihre Haare waren in einen dicken Zopf geflochten. Ich dachte, sie könnte aus einem alten Film entsprungen sein.

Unerwartet blieb sie vor einer Villa stehen. Ein wunderschönes Haus, übriggeblieben aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Manchmal, wenn der merkwürdige Besitzer nicht zu Hause war, waren wir mutig und spielten in dem großen Garten mit den alten Bäumen. Das Mädchen legte die Hand auf die Klinke der Eingangspforte. Noch ehe ich sie vor dem Besitzer warnen konnte, war sie schon durch den Spalt geschlüpft und verschwunden.

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Schreibe über die Wohnung deiner Kindheit. An was erinnerst du dich? Haus, Garten, Balkon. Erinnerst du dich an Gerüche?

Ich erinnere mich an den Tag, als wir umziehen mussten. Mussten deswegen, weil ein Kind von neun Jahren nicht einfach sagen kann:

„Macht was ihr wollt! Ich bleibe hier!“

Bis auf Pippi Langstrumpf. Ich wünschte, ich wäre mehr wie sie gewesen, aber tatsächlich war ich eher wie Annika. Schüchtern, vorsichtig, brav.

An diesem Tag, es war am Beginn der Sommerferien, alle Möbel und Dinge verpackt und bereit, abgeholt zu werden, stand ich auf dem kleinen Balkon im Schlafzimmer meines Vaters. Ich sah in den Garten, den Hang hinab und auf die Häuser, die sich an den gegenüberliegenden Hang schmiegten.

Der Morgen war jung und frisch unter einem strahlend blauen Himmel, ohne Wolken. Es duftete nach feuchtem Gras, saftig und dunkelgrün. Ich stand da und saugte den Geruch in mich hinein. Mir war bewusst, es war das letzte Mal, dass ich dort stehen würde. Am liebsten wäre ich in Tränen ausgebrochen. Ich schluckte sie herunter. Nein, nicht weinen, keine Gefühle zeigen. Ich wollte keine Heulsuse sein, als die ich gemeinhin galt.

Seit diesem Tag habe ich mich nur noch an wenigen Orten wirklich zu Hause gefühlt. Es war immer dann, wenn dort Menschen waren, die ich liebte. Meine Kinder. Gute Freunde. Auch heute ist zu Hause der Ort in meinem Inneren, nichts was sich an einem geografischen Punkt festmachen lässt.

Doch den Duft dieses besonderen Tages, das strahlende Blau habe ich nie vergessen, es lebt immer noch in meinem Herzen und ist wohl die besondere Sehnsucht, die niemals vergehen wird. Sehnsucht nach einem Teil meiner Kindheit, der mit unbeschwerten und hellen Tagen gefüllt war, an denen alles sicher und nichts unmöglich war.

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Dieses Baums Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut

Gibt geheimen Sinn zu kosten

Wie`s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern,

Fand ich wohl den rechten Sinn;

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Dass ich eins und doppelt bin?

J.W.Goethe

Ich bin eigentlich nicht so Goethe affin, entschuldige Johann, aber dieses Gedicht gefällt mir. Es geht darin um das Natursymbol für liebende Paare – das Ginkgoblatt. Sehr passend zu meiner Frühlingsstimmung, außerdem erinnert es mich an die Legende der Kugelmenschen, die mir ebenfalls sehr gefällt.

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In der Aufgabe 228 ging es um besondere Details, die uns während unseres letzten Urlaubs aufgefallen sind. In Weimar begegneten mir immer wieder Gartenhäuser, in allen Formen und Größen, in Schlössern und Privathäusern.

Das Gartenhaus

„Julie, wo bist du“, hörte ich Miss Gray, meine Gesellschaftsdame, vom Haus aus rufen, „wo steckt diese ungezogene Göre schon wieder!“

Ungezogene Göre, dachte ich, ich bin 19 Jahre alt. Wann werde ich dieses schreckliche Haus endlich verlassen können? Diese ganze Anstandsdamengeschichte war nur eine weitere Schickane meiner Stiefmutter. Ebenso, wie ihre Verbote auf Bälle zu gehen und mich mit meiner einzigen Freundin Madeleine zu treffen. Seit mein Vater diese Frau vor zwei Jahren geheiratet hat, ist mein Leben die Hölle. Gut, eine immer noch gut gepolsterte, hübsch tapezierte Hölle und ich musste nicht, wie Aschenputtel die Erbsen aus der Asche suchen, aber dennoch war es meine persönliche Hölle.

Vor einigen Wochen hatte ich ein Loch in der Mauer des Nachbargrundstücks entdeckt. In einem unbeobachteten Moment stahl ich mich hindurch. Ich war entzückt den Garten verwildert und menschenleer vorzufinden. Die Fallons wohnten inzwischen seit vier Jahren nicht mehr auf dem Anwesen, hatten aber einen Hausmeister zurückgelassen, mit dem Garten hatte er offenischtlich nichts zu tun.

Das Gartenhaus lag unweit der Mauer und wurde mein Versteck. Ich richtete es ein. Brachte nach und nach meine Bücher dorthin, meine Farben, Pinsel und Papier. Decken, Feuerholz für den kleinen Ofen, Kekse und Wasser. Ich liebte es dort zu sein. Wann immer es mir möglich war stahl ich mich davon. Das Loch tarnte ich wohlüberlegt und Miss Gray, die Angst vor Ungeziefer jeder Art hatte, vermied es weiter als irgendnötig in den Garten vorzudringen.

Das Wetter war herrlich. Ich hatte alle Fenster weitgeöffnet und saß über der Zeichung einer blauen Hortensienblüte, die ich im Garten gefunden hatte. Eine leichte Brise zog herein. Ich genoss es die Geräusche der rauschenden Blätter und das Zwitschern der Vögel zu hören. Es war herrlich friedlich, warum konnte es nicht jede Stunde des Tages so sein?

Es klopfte. Ich erschrak und warf beinahe das Glas mit der Hortensie herunter. Es klopfte erneut. Ich hielt den Atem an.

„Machen sie auf“, hörte ich eine freundliche Männerstimme, „ich habe sie durchs Fenster gesehen.“

Langsam stand ich auf und ging zur Tür. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich hoffte irgendwie wäre alles nur ein Traum, und wenn ich dir Tür öffnete, wäre niemand dort, doch das Gegenteil war keineswegs der Fall.

„Guten Tag, Miss Julie“, sagte der Herr vor meiner Tür und zog den Hut, „wie geht es ihnen?“

„Danke, sehr gut. Woher wissen sie meinen Namen?“

Der Herr lächelte.

„Nun, ihre Mutter rief sie so.“

Ich erwiderte sein Lächeln.

„Nein, meine Mutter starb vor fünf Jahren. Die nette Dame ist meine Anstandsdame.“

„Höre ich da eine gewisse Note von Sakasmus aus ihrer Stimme?“, der Herr mit den weißen Haaren und den lustigen blauen Augen schmunzelte.

„Ja, mein Herr, sie irren sich nicht. Darf ich fragen, wer sie sind?“

Er machte ein leichte Verbeugung.

„Stuart Fallon.“

„Oh, aber ich kenne Mister Fallon.“

Er nickte und ein melancholicher Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.

„Natürlich. Mister Fallon war mein älterer Bruder.“

Ich trat zur Seite und machte ein einladende Handbewegung.

„Darf ich sie zu einem Glas Wasser und Keksen einladen?“

Mister Fallon lachte.

„Sehr gerne. Aber vielleicht erlauben sie mir, diese Einladung auf ein anderes Mal zu verlegen und sie für heute ins Greathouse einzuladen und den Fünfuhrtee mit mir zunehmen.“

Wird es ein nächstes Mal geben, dachte ich, wenn der neue Herr in das Anwesen zieht? Und als könnte Mister Fallon meine Gedanken lesen, sagte er:

„Machen sie sich keine Gedanken. Gegen eine geringe Pacht dürfen sie das Gartenhaus jederzeit benutzen.“

Mister Fallon musste meinen skeptischen Blick bemerkt haben, denn er fuhr schnell fort:

„Sie sollten dieses Angebot nicht missverstehen, die Gefälligkeit ist keineswegs unschicklicher Natur. Es sei denn, sie zählen den Nachmittagstee dazu.“

Ich schüttelte den Kopf und lachte.

„Nein, dass tue ich nicht.“

Dann nahm ich den mir angebotenen Arm und begleitete Mister Fallon ins Haus. Der alte Herr schien eine Verletztung erlitten zu haben, denn er humpelte und musste sich auf einen Stock stützen.

„Sollen wir eine Pause machen?“, fragte ich besorgt.

„Nein“, wehrte er ab, „es geht schon. Ein Sturz vom Pferd letztes Jahr. Alte Knochen heilen langsamer oder gar nicht mehr.“

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Denke an einen deiner letzten Urlaube. Gab es ein besonderes Detail – ein Haus, eine Person, ein Fundstück, einen Ort, eine Gefühl – das dich besonders berührt hat?

Das ist die eigentliche Aufgabe für die Nummer 228 meines 365-Tage-Projekts. Eine Aufgabe, die mir sehr gut gefällt, da ich auf meinen letzten Kurzreisen so viel gesehen, gelesen, fotografiert habe, dass es für eine Menge Geschichten reichen würde. Zurzeit habe ich allerdings einfach zu wenig Zeit mich dieser Aufgabe intensiver zu widmen. Im Moment sitze ich jeden Tag einige Stunden an meinem zweiten Buch und schreibe. Zum Glück hatte ich mir im Vorfeld viele Notizen gemacht.

Dazu habe ich ein Angebot der Familienbildungsstätte Wetterau bekommen, aufgrund des Interesses in der KreativNacht, einen Einführungsabend zum „Kreativen Schreiben“ zu gestalten. Also einen kleinen Vortrag, dazu eine Lesung aus den Kurstexten (die im Lauf der Jahre entstanden sind) und eine Schnupperstunde für kreatives Schreiben. Eine gute Gelegenheit dem Stigma, das dem Schreiben anhaftet, den Schrecken zu nehmen.

Demnächst werde ich mich mit meiner Verlegerin treffen und ihr ein paar weitere interessante Ideen unterbreiten. Wenn ich sie dafür begeistern kann, was ich hoffe, werde ich in den nächsten Monaten mit Projekten ausgelastet sein.

Allerdings werde ich die Aufgaben für mein Projekt weiter posten und so gut es geht, die Texte dazu schreiben. So ist auch die Nummer 228  nur verschoben und nicht aufgehoben. Um einen kleinen Teil der Aufgabe anzugehen, erfolgt hier meine Liste (sicherlich nicht vollständig) über welche Punkte ich schreiben könnte. Das macht es etwas einfacher bei passender Gelegenheit direkt anzufangen.

Liste Weimar:

  1. Goethe-Haus:  Schreibzimmer, Bibliothek, Garten, Skulpturen, Medusa
  2. Schiller-Haus: Schreibzimmer, Porträts, Liebe zu zwei Frauen, über Schillers Schreibgewohnheiten (sehr interessant!)
  3. Schloss Tiefurt: Grotte, Musentempel, Teepavillon, lauschige Plätze
  4. geatmete Geschichte
  5. verfallene Häuser, Verfall
  6. Friedhof
  7. losgelöst von allen Dingen
  8. verschollen im Nirgendwo
  9. plötzliche Wintereinbrüche
  10. Schloss Belvedere: Labyrinth, geheime Gänge und Türen
  11. Opferstätte im Moor, Pferde als Grabbeigaben
  12. usw …

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Dach, Eischnee, Gabel, weinen

Ich ziehe die Vorhänge zurück und traue meinen Augen kaum. In der Nacht hat es geschneit! Unser Garten liegt unter einer silberweißen glitzernden Schneedecke begraben. Das Dach des Gartenhäuschens sieht aus, als hätte ihm ein Konditor eine Haube aus Eischnee aufgesetzt.

Die Spatzen und Meisen besetzen das Futterhäuschen vor meinem Fenster. Lautstark und mit wedelnden Flügeln streiten sie um jedes Korn.

Die Freude über diesen herrlichen Morgen treibt mir Tränen in die Augen. Mein Wunsch erfüllt sich. Noch einmal den Zauber einer Winterlandschaft erleben.

„Hast du Lust auf einen Spaziergang nach dem Frühstück?“, hörte ich Leons sanfte Stimme hinter mir.

Er legt die Arme von hinten um mich und blickt über meine Schulter hinaus. Ich genieße den Moment der Geborgenheit und seiner Wärme.

„Ja, sehr gerne“, sage ich leise.

„Dann zieh dich an, der Tisch ist gedeckt“, er küsst mich auf die Schläfe und macht sich auf den Weg in die Küche.

Zum Glück sieht er die Tränen nicht, die sich aus meinen Lidern stehlen. Ich muss es ihm sagen. Endlich! Es wird Zeit Leon meinen Abschied anzukündigen. Er soll ihn nicht völlig unvorbereitet treffen.

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