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Posts Tagged ‘Garten’

Brickdale_Eleanor_Fortescue_1908

June is Dead, Eleanor Fortescue, 1908

Rosentod

 

Da lagst du unter den gelben Rosen

Die zarten Blätter dufteten süß

Deine hellen Sternenaugen geschlossen

Die weißen Flügel zerbrochen

*

Neugier trieb dich weit hinaus

Einmal schauen was dort unten ist

Sahst in den tosenden Abgrund

Stürztest bodenlos in unseren Garten

*

Weiche Federn von Dornen aufgespießt

Blutstropfen rot wie Splitter von Rubin

Färbten deine Jungenwangen rosa

So fand ich dich unter den gelben Rosen

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Ich befand mich auf dem Heimweg, als ich das Mädchen zum ersten Mal sah. Sie ging langsam an den Häusern unseres Viertels vorbei und schaute sich die Vorgärten und Fassaden an, als suche sie etwas. Mir fiel ihre altmodische Kleidung auf. Sie trug ein Spitzenkleid, dass ihr bis auf die Knöchel fiel und dazu Schnürstiefelchen. Ihre Haare waren in einen dicken Zopf geflochten. Ich dachte, sie könnte aus einem alten Film entsprungen sein.

Unerwartet blieb sie vor einer Villa stehen. Ein wunderschönes Haus, übriggeblieben aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Manchmal, wenn der merkwürdige Besitzer nicht zu Hause war, waren wir mutig und spielten in dem großen Garten mit den alten Bäumen. Das Mädchen legte die Hand auf die Klinke der Eingangspforte. Noch ehe ich sie vor dem Besitzer warnen konnte, war sie schon durch den Spalt geschlüpft und verschwunden.

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Schreibe über die Wohnung deiner Kindheit. An was erinnerst du dich? Haus, Garten, Balkon. Erinnerst du dich an Gerüche?

Ich erinnere mich an den Tag, als wir umziehen mussten. Mussten deswegen, weil ein Kind von neun Jahren nicht einfach sagen kann:

„Macht was ihr wollt! Ich bleibe hier!“

Bis auf Pippi Langstrumpf. Ich wünschte, ich wäre mehr wie sie gewesen, aber tatsächlich war ich eher wie Annika. Schüchtern, vorsichtig, brav.

An diesem Tag, es war am Beginn der Sommerferien, alle Möbel und Dinge verpackt und bereit, abgeholt zu werden, stand ich auf dem kleinen Balkon im Schlafzimmer meines Vaters. Ich sah in den Garten, den Hang hinab und auf die Häuser, die sich an den gegenüberliegenden Hang schmiegten.

Der Morgen war jung und frisch unter einem strahlend blauen Himmel, ohne Wolken. Es duftete nach feuchtem Gras, saftig und dunkelgrün. Ich stand da und saugte den Geruch in mich hinein. Mir war bewusst, es war das letzte Mal, dass ich dort stehen würde. Am liebsten wäre ich in Tränen ausgebrochen. Ich schluckte sie herunter. Nein, nicht weinen, keine Gefühle zeigen. Ich wollte keine Heulsuse sein, als die ich gemeinhin galt.

Seit diesem Tag habe ich mich nur noch an wenigen Orten wirklich zu Hause gefühlt. Es war immer dann, wenn dort Menschen waren, die ich liebte. Meine Kinder. Gute Freunde. Auch heute ist zu Hause der Ort in meinem Inneren, nichts was sich an einem geografischen Punkt festmachen lässt.

Doch den Duft dieses besonderen Tages, das strahlende Blau habe ich nie vergessen, es lebt immer noch in meinem Herzen und ist wohl die besondere Sehnsucht, die niemals vergehen wird. Sehnsucht nach einem Teil meiner Kindheit, der mit unbeschwerten und hellen Tagen gefüllt war, an denen alles sicher und nichts unmöglich war.

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Dieses Baums Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut

Gibt geheimen Sinn zu kosten

Wie`s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern,

Fand ich wohl den rechten Sinn;

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Dass ich eins und doppelt bin?

J.W.Goethe

Ich bin eigentlich nicht so Goethe affin, entschuldige Johann, aber dieses Gedicht gefällt mir. Es geht darin um das Natursymbol für liebende Paare – das Ginkgoblatt. Sehr passend zu meiner Frühlingsstimmung, außerdem erinnert es mich an die Legende der Kugelmenschen, die mir ebenfalls sehr gefällt.

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In der Aufgabe 228 ging es um besondere Details, die uns während unseres letzten Urlaubs aufgefallen sind. In Weimar begegneten mir immer wieder Gartenhäuser, in allen Formen und Größen, in Schlössern und Privathäusern.

Das Gartenhaus

„Julie, wo bist du“, hörte ich Miss Gray, meine Gesellschaftsdame, vom Haus aus rufen, „wo steckt diese ungezogene Göre schon wieder!“

Ungezogene Göre, dachte ich, ich bin 19 Jahre alt. Wann werde ich dieses schreckliche Haus endlich verlassen können? Diese ganze Anstandsdamengeschichte war nur eine weitere Schickane meiner Stiefmutter. Ebenso, wie ihre Verbote auf Bälle zu gehen und mich mit meiner einzigen Freundin Madeleine zu treffen. Seit mein Vater diese Frau vor zwei Jahren geheiratet hat, ist mein Leben die Hölle. Gut, eine immer noch gut gepolsterte, hübsch tapezierte Hölle und ich musste nicht, wie Aschenputtel die Erbsen aus der Asche suchen, aber dennoch war es meine persönliche Hölle.

Vor einigen Wochen hatte ich ein Loch in der Mauer des Nachbargrundstücks entdeckt. In einem unbeobachteten Moment stahl ich mich hindurch. Ich war entzückt den Garten verwildert und menschenleer vorzufinden. Die Fallons wohnten inzwischen seit vier Jahren nicht mehr auf dem Anwesen, hatten aber einen Hausmeister zurückgelassen, mit dem Garten hatte er offenischtlich nichts zu tun.

Das Gartenhaus lag unweit der Mauer und wurde mein Versteck. Ich richtete es ein. Brachte nach und nach meine Bücher dorthin, meine Farben, Pinsel und Papier. Decken, Feuerholz für den kleinen Ofen, Kekse und Wasser. Ich liebte es dort zu sein. Wann immer es mir möglich war stahl ich mich davon. Das Loch tarnte ich wohlüberlegt und Miss Gray, die Angst vor Ungeziefer jeder Art hatte, vermied es weiter als irgendnötig in den Garten vorzudringen.

Das Wetter war herrlich. Ich hatte alle Fenster weitgeöffnet und saß über der Zeichung einer blauen Hortensienblüte, die ich im Garten gefunden hatte. Eine leichte Brise zog herein. Ich genoss es die Geräusche der rauschenden Blätter und das Zwitschern der Vögel zu hören. Es war herrlich friedlich, warum konnte es nicht jede Stunde des Tages so sein?

Es klopfte. Ich erschrak und warf beinahe das Glas mit der Hortensie herunter. Es klopfte erneut. Ich hielt den Atem an.

„Machen sie auf“, hörte ich eine freundliche Männerstimme, „ich habe sie durchs Fenster gesehen.“

Langsam stand ich auf und ging zur Tür. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich hoffte irgendwie wäre alles nur ein Traum, und wenn ich dir Tür öffnete, wäre niemand dort, doch das Gegenteil war keineswegs der Fall.

„Guten Tag, Miss Julie“, sagte der Herr vor meiner Tür und zog den Hut, „wie geht es ihnen?“

„Danke, sehr gut. Woher wissen sie meinen Namen?“

Der Herr lächelte.

„Nun, ihre Mutter rief sie so.“

Ich erwiderte sein Lächeln.

„Nein, meine Mutter starb vor fünf Jahren. Die nette Dame ist meine Anstandsdame.“

„Höre ich da eine gewisse Note von Sakasmus aus ihrer Stimme?“, der Herr mit den weißen Haaren und den lustigen blauen Augen schmunzelte.

„Ja, mein Herr, sie irren sich nicht. Darf ich fragen, wer sie sind?“

Er machte ein leichte Verbeugung.

„Stuart Fallon.“

„Oh, aber ich kenne Mister Fallon.“

Er nickte und ein melancholicher Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.

„Natürlich. Mister Fallon war mein älterer Bruder.“

Ich trat zur Seite und machte ein einladende Handbewegung.

„Darf ich sie zu einem Glas Wasser und Keksen einladen?“

Mister Fallon lachte.

„Sehr gerne. Aber vielleicht erlauben sie mir, diese Einladung auf ein anderes Mal zu verlegen und sie für heute ins Greathouse einzuladen und den Fünfuhrtee mit mir zunehmen.“

Wird es ein nächstes Mal geben, dachte ich, wenn der neue Herr in das Anwesen zieht? Und als könnte Mister Fallon meine Gedanken lesen, sagte er:

„Machen sie sich keine Gedanken. Gegen eine geringe Pacht dürfen sie das Gartenhaus jederzeit benutzen.“

Mister Fallon musste meinen skeptischen Blick bemerkt haben, denn er fuhr schnell fort:

„Sie sollten dieses Angebot nicht missverstehen, die Gefälligkeit ist keineswegs unschicklicher Natur. Es sei denn, sie zählen den Nachmittagstee dazu.“

Ich schüttelte den Kopf und lachte.

„Nein, dass tue ich nicht.“

Dann nahm ich den mir angebotenen Arm und begleitete Mister Fallon ins Haus. Der alte Herr schien eine Verletztung erlitten zu haben, denn er humpelte und musste sich auf einen Stock stützen.

„Sollen wir eine Pause machen?“, fragte ich besorgt.

„Nein“, wehrte er ab, „es geht schon. Ein Sturz vom Pferd letztes Jahr. Alte Knochen heilen langsamer oder gar nicht mehr.“

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Denke an einen deiner letzten Urlaube. Gab es ein besonderes Detail – ein Haus, eine Person, ein Fundstück, einen Ort, eine Gefühl – das dich besonders berührt hat?

Das ist die eigentliche Aufgabe für die Nummer 228 meines 365-Tage-Projekts. Eine Aufgabe, die mir sehr gut gefällt, da ich auf meinen letzten Kurzreisen so viel gesehen, gelesen, fotografiert habe, dass es für eine Menge Geschichten reichen würde. Zurzeit habe ich allerdings einfach zu wenig Zeit mich dieser Aufgabe intensiver zu widmen. Im Moment sitze ich jeden Tag einige Stunden an meinem zweiten Buch und schreibe. Zum Glück hatte ich mir im Vorfeld viele Notizen gemacht.

Dazu habe ich ein Angebot der Familienbildungsstätte Wetterau bekommen, aufgrund des Interesses in der KreativNacht, einen Einführungsabend zum „Kreativen Schreiben“ zu gestalten. Also einen kleinen Vortrag, dazu eine Lesung aus den Kurstexten (die im Lauf der Jahre entstanden sind) und eine Schnupperstunde für kreatives Schreiben. Eine gute Gelegenheit dem Stigma, das dem Schreiben anhaftet, den Schrecken zu nehmen.

Demnächst werde ich mich mit meiner Verlegerin treffen und ihr ein paar weitere interessante Ideen unterbreiten. Wenn ich sie dafür begeistern kann, was ich hoffe, werde ich in den nächsten Monaten mit Projekten ausgelastet sein.

Allerdings werde ich die Aufgaben für mein Projekt weiter posten und so gut es geht, die Texte dazu schreiben. So ist auch die Nummer 228  nur verschoben und nicht aufgehoben. Um einen kleinen Teil der Aufgabe anzugehen, erfolgt hier meine Liste (sicherlich nicht vollständig) über welche Punkte ich schreiben könnte. Das macht es etwas einfacher bei passender Gelegenheit direkt anzufangen.

Liste Weimar:

  1. Goethe-Haus:  Schreibzimmer, Bibliothek, Garten, Skulpturen, Medusa
  2. Schiller-Haus: Schreibzimmer, Porträts, Liebe zu zwei Frauen, über Schillers Schreibgewohnheiten (sehr interessant!)
  3. Schloss Tiefurt: Grotte, Musentempel, Teepavillon, lauschige Plätze
  4. geatmete Geschichte
  5. verfallene Häuser, Verfall
  6. Friedhof
  7. losgelöst von allen Dingen
  8. verschollen im Nirgendwo
  9. plötzliche Wintereinbrüche
  10. Schloss Belvedere: Labyrinth, geheime Gänge und Türen
  11. Opferstätte im Moor, Pferde als Grabbeigaben
  12. usw …

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Dach, Eischnee, Gabel, weinen

Ich ziehe die Vorhänge zurück und traue meinen Augen kaum. In der Nacht hat es geschneit! Unser Garten liegt unter einer silberweißen glitzernden Schneedecke begraben. Das Dach des Gartenhäuschens sieht aus, als hätte ihm ein Konditor eine Haube aus Eischnee aufgesetzt.

Die Spatzen und Meisen besetzen das Futterhäuschen vor meinem Fenster. Lautstark und mit wedelnden Flügeln streiten sie um jedes Korn.

Die Freude über diesen herrlichen Morgen treibt mir Tränen in die Augen. Mein Wunsch erfüllt sich. Noch einmal den Zauber einer Winterlandschaft erleben.

„Hast du Lust auf einen Spaziergang nach dem Frühstück?“, hörte ich Leons sanfte Stimme hinter mir.

Er legt die Arme von hinten um mich und blickt über meine Schulter hinaus. Ich genieße den Moment der Geborgenheit und seiner Wärme.

„Ja, sehr gerne“, sage ich leise.

„Dann zieh dich an, der Tisch ist gedeckt“, er küsst mich auf die Schläfe und macht sich auf den Weg in die Küche.

Zum Glück sieht er die Tränen nicht, die sich aus meinen Lidern stehlen. Ich muss es ihm sagen. Endlich! Es wird Zeit Leon meinen Abschied anzukündigen. Er soll ihn nicht völlig unvorbereitet treffen.

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Nach unruhigem Schlaf und verwirrenden Träumen, in denen Gilbert de Clare eine entscheidende Rolle gespielt hat, beschließt Rosalie einen Spaziergang zu unternehmen. Es ist noch früh am Morgen, zarte Nebelschleier liegen über dem Garten und den angrenzenden Ländereien. Im Haus ist noch alles still, nur im Küchentrakt und in den Räumen der Dienerschaft herrscht reges Treiben.

Rosalie verlässt unbemerkt das Haus. Die Kühle des Morgens lässt sie erschauern. Sie schließt die oberen Knöpfe ihres Mantels und zieht sich den warmen Schal enger, um die Schultern.

Auf dem Rondell vor dem Haus befindet sich ein großer Brunnen inmitten von Rosenbeeten. Rosalie bemerkt sofort, dass sie die sorgenden Hände eines Gärtners schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen haben. Bei näherer Betrachtung stellt sie fest, dass sich das riesige Anwesen in einem bedauernswerten Zustand befindet. Es ist nicht völlig heruntergekommen, aber anders als Rosalies elegantes, modernes Stadthaus mit elektrischem Licht, fließendem Wasser und einem kleinen, aber perfekt angelegtem Garten, macht das Herrenhaus der de Clares einen verwilderten, abgewirtschafteten Eindruck. Die einzigen Gebäude, die penibel gepflegt sind, sind die Pferdeställe.

Rosalie überlegt, ob sie es sich erlauben kann, die Stallungen ohne Genehmigung des Hausherrn zu besichtigen, als sie ein fröhliche Stimme hinter sich hört.

„Guten Morgen. Sie sind früh auf, Miss Graville, nehme ich an.“

Rosalie dreht sich um und blickt in zwei strahlend blaue Augen, die zu einem Mann in einem eleganten Reitanzug gehören, der offensichtlich nicht Gilbert de Clare ist.

„Ich wünsche ihnen auch einen guten Morgen.“ Sie erwidert sein freundliches Lächeln. „Sie sind gut informiert. Ich bin Rosalie Graville.“ Sie reicht ihm die Hand, „und sie sind?“

„Anthony Douglas“, er nimmt ihre Hand und haucht einen Kuss auf ihren behandschuhten Handrücken.

„Gils Cousin, mütterlicherseits.“

„Sehr erfreut, Mister Douglas.“

Rosalie entzieht ihm ihre Hand.

„Oh, bitte, nicht so förmlich. Nennen sie mich Anthony.“

Rosalie schmunzelt. Mister Douglas ist ein charmanter Mann. Schlank, durchtrainiert, gut proportionierten Gesichtszügen und blonden, leicht widerspenstigen Haaren.

„Wie ich sehe, wollten sie gerade ausreiten. Ich möchte sie nicht abhalten.“

„Oh, sie halten mich in keiner Weise ab“, er beugt sich vor und senkt vertraulich die Stimme, „ich bin sogar sehr froh, dass ich sie hier treffe. Glauben sie mir, Rosalie, die düstere Umgebung drückt auf die Stimmung. Seit wir hier sind, hat Gil sich nicht zu seinen Gunsten verändert.“

Rosalie zieht die Brauen hoch und wendet sich dem Haus zu. Tatsächlich war ihr der verbesserungswürdige Zustand auch aufgefallen, aber düster? Diesen Eindruck hat sie nicht.

„Thony“, wie ich sehe, hast du dich schon mit Miss Graville bekannt gemacht“, hörte Rosalie die süffisante Stimme von Gilbert de Clare, „ich hoffe, er hat noch nicht alle Geheimnisse des Hauses ausgeplaudert.“

Rosalie dreht sich um. Vor ihr steht Gilbert. Er zieht den Hut und deutet eine Verbeugung an. Sie unterdrückt einen Überraschungslaut. Gilbert ist der bestaussehende Mann, den sie je gesehen hat. In der Dunkelheit am Vorabend konnte sie nur seine große Statur erkennen.

Gil ist größer als Anthony, hat aber die gleiche Haarfarbe. Allerdings sind seine Haare exakt frisiert. Das leicht ovale Gesicht wird von außergewöhnlichen, sehr hellen blauen Augen und einem schönen Mund mit vollen Lippen dominiert. Sein Kinn ziert ein kleines Grübchen.

„Nein, Mister Douglas war sehr diskret“, erwidert Rosalie, „aber ich hoffe, dass sie mir einige Fragen beantworten können.“

„Wir werden sehen, Miss Graville“, Gil verzieht keine Miene. Rosalie hat das Gefühl, als sähe er durch sie hindurch. „Ich nehme nicht an, dass sie uns heute schon wieder verlassen wollen.“

Der Sarkasmus in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Anthony setzt zu einer Milderung der Äußerung an, aber Rosalie schüttelt den Kopf.

„Ich bewundere ihren Scharfsinn, Mylord.“

Sie schenkt Gil ein strahlendes Lächeln. Für den Bruchteil einer Sekunde hebt sich eine seiner Augenbrauen, aber sofort ist er wieder ganz unterkühlte Beherrschung.

„Wir sehen uns zum Frühstück“, sagt sie zu Anthony gewandt.

„Das wäre mir eine Freude“, er kann sich ein Grinsen nur mit Mühe verkneifen, neigt leicht den Kopf und folgt Gil in den Stall.

„Tom, die Pferde“, hört sie Gils gebieterische Stimme.

„Ja, Sir, Tunder und Ares sind gesattelt“, antwortet eine jugendliche Stimme dienstbeflissen.

Rosalie wartet bis die beiden Herren die Pferde herausführen und aufsitzen. Während Anthony ihr einen freundlichen Abschiedsgruß zu winkt, hat Gil seinem Hengst schon die Sporen geben und prescht vom Vorplatz.

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Der Schreibtisch steht im Erker. Von dort hat man einen guten Blick auf den Garten, der leicht verwildert, doch einer gewissen Ordnung folgt. Auf den Fensterbrettern liegen kleine Andenken. Eine getrocknete Rose, eine Druse, ein Schneckenhaus und eine große Muschel, eine Kiste in der Postkarten und Briefe gesammelt werden. Einige Bilder, die eine ältere Frau und kleines Mädchen zeigen, außerdem ein Bild eines Paares und Bild von einem Mädchen und einem Jungen beim Angeln.

Das Bett ist gemacht. Auf einem Stuhl liegen verschiedene Kleidungsstücke, darunter stehen zwei Paar Turnschuhe. Neben dem Schreibtisch steht ein Papierkorb und eine Tüte in der Altpapier gesammelt wird. Auf dem Schreibtisch steht ein Laptop, eine Tasse in der Kaffee gewesen ist und eine Flasche Wasser.

An einer Seite des Zimmers stehen Bücherregale. Die Bücher sind geordnet nach Genre. In einem Regal stehen nur Sachbücher. Davor stehen Gefäße mit Stiften, eine Stabtaschenlampe, eine Schneekugel, eine Spieluhr, eine Metallkiste mit kleinen Zangen, Schraubenziehern und diversen Schrauben, Nägeln.

Es gibt einen Kleiderschrank, nicht besonders groß, darauf bunte Kisten. Im Kleiderschrank ist eine Ordnung zu erkennen, allerdings sind Unterwäsche und Socken einfach in die Schubladen gestopft.

Neben dem Kleiderschrank stehen Reitstiefel, die glänzend geputzt sind. Außerdem eine Staffelei, die verstaubt ist. An der Wand über dem Bett hängt ein gerahmtes Poster, dass den Blick über die Dächer von Paris zeigt, in schwarz-weiß.

Auf dem Nachttischchen steht eine Kiste mit Schmuck und eine moderne Lampe, entgegen den eher antiken Möbeln. Außerdem mehrere Bücher auf einem Stapel. Scott Fitzgeralds Erzählungen, ein Gedichtband von Hilde Domin, Sigmund Freuds der dunkle Kontinent, C.G.Jungs Traumdeutung.

Der Fußboden besteht aus Holzdielen, auf denen es keine Teppiche gibt. An der Tür sind Haken angebracht, an denen Jacken und Tücher hängen.

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Liebste Elise,

heute habe ich ihn gesehen! Mister Richard Thorn. Du hattest Recht, als du sagtest, er wäre eine dunkle mysteriöse Erscheinung. Tante Anne kennt seine Mutter Misses Thorn und sorgte dafür, dass Mister King uns vorstellte. Von seiner einschüchternden Erscheinung abgesehen, ist er ein sehr gutaussehender Mann, findest du nicht, liebste Elise?

Welches Geheimnis wohl hinter seinen düsteren Blick lauert. Auf dem Ball sahen ihn die meisten jungen Damen mit großem Interesse an, immerhin soll er eine sehr respektable Partie sein, der einzige Erbe von Thornfield Hall, aber er gönnte keiner einen zweiten Blick. – Bis auf mich. Aber das bleibt unter uns, bitte, Liebste! Nicht einmal Tante Anne darf davon wissen, sonst denkt sie nachher noch schlecht von mir.

Ich ging in den Garten hinaus um etwas frische Luft zu schnappen. Es war so ein wunderbarer Abend. Die Sterne schienen hell und die Rosen dufteten betörend. Leise Musik drang aus dem Ballsaal in den nächtlichen Park. Ich beschloss den Kiesweg zu den Rosenbeeten entlang zu gehen, um ungestört meinen Gedanken nach zu hängen. Was du jetzt sagen würdest, Liebste, kann ich mir denken, aber mach mir keine Vorwürfe.

Plötzlich schoss ein Mann aus der Dunkelheit auf mich zu und packte mich. Er zog mich unter die Bäume. Ich versuchte um Hilfe zu rufen, aber er hielt mir den Mund zu. Verzweifelt wehrte ich mich, aber der Mann ließ nicht von mir. Plötzlich lockerte sich sein Griff und er wurde von mir weg gerissen. Es war Mister Thorn. Ich weiß nicht woher er kam und wie er meine Notlage erkennen konnte, aber danach wollte ich nicht fragen. Ich war nur so froh, dass er mir Hilfe leistete, liebste Elise, du kannst dir vorstellen was in mir vorging.

Mister Thorn gab mir meinen Beutel zurück, den ich im Handgemenge verloren hatte und führte mich zu einer Bank, auf der ich mich ausruhen und beruhigen konnte. Er sagte:

„Ich hoffe, Miss Sandrine, dass es ihnen gut geht.“

„Ja, danke Mister Thorn, ich kann ihnen nicht genug für ihre Hilfe danken.“

„Da gibt es nichts zu danken. Wir sollten diesen kleinen Zwischenfall für uns behalten, es wäre sonst kompromittierend für uns beide.“

„Natürlich, Sir, dann werde ich schnell hinein gehen.“

Er nickte mir zu und als ich gehen wollte, hielt er mich kurz mit festem Griff an der Hand und sagte:
„Seid in Zukunft vorsichtiger, ich kann nicht immer in eurer Nähe sein, um euch zu beschützen.“

Stell dir vor, liebste Elise, was für ein Abenteuer! Mister Thorns Nähe machte mich nervös und sein Blick war so scharf, als könnte er mir in die Seele schauen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Angst vor ihm haben sollte oder nicht.

Das Aufregendste kam, als ich mich unauffällig wieder in den Saal geschlichen hatte: Misses Thorn hat mich und Tante Anne nach Thornfield Hall eingeladen. Ich weiß nicht warum und wieso, aber ich bin schon sehr gespannt Näheres über das Haus und seine Bewohner zu erfahren. Ich werde dir sofort berichten, wenn wir dort angekommen sind. Wir fahren schon übermorgen.

Ich Liebe und Freundschaft

Deine Sandrine

Der Text ist angelehnt an BBC-Filme von „historischen Frauenromanen“. 🙂

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