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Posts Tagged ‘Gänge’

Hausarrest, Mondlicht, Musik, Schokolade

Mondlicht scheint in mein Zimmer. Ich sitze auf dem Fensterbrett und schaue hinaus in den Garten. Musik dringt durch das offene Fenster zu mir herein. Die Party ist in vollem Gange und ich habe Hausarrest. Schon seit drei Tagen. Ich komme mir vor wie Cinderella, nur dass keine gute Fee erscheinen wird und mich von meinem Leiden befreien wird. Mein Herz blutet. Das Loch lässt sich auch nicht mit Schokolade stopfen. Ich werfe die Tafel aus dem Fenster.

Er ist dort. Jean. Darum bin ich hier. Er hat um meine Hand angehalten. Aber ich bin nur die andere. Das Anhängsel, dass allen Probleme bereitet. Jean war für Samantha vorgesehen und nicht für mich. Ich versuche die Tränen herunterzuschlucken. Ich muss dieses Haus verlassen, koste es was es wolle.

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Rosalie schaut auf die Uhr über dem Kaminsims. Inzwischen ist eine dreiviertel Stunde vergangen. – Was kann zu dieser Zeit so lange dauern? – Rosalie verlässt Gils Zimmer und tritt auf den Flur. Kein Laut ist zu hören. Sie zögert. – Ach, was soll`s. –

Rosalie geht die Treppe hinunter. Zuerst versucht sie ihr Glück im Arbeitszimmer. Der Raum ist dunkel und unbenutzt. In der Bibliothek hat sie mehr Glück. Im Kamin glühen die letzten Holzscheite und der imposante Schreibtisch wird von einer Lampe erhellt. Rosalie tritt näher. Bücher liegen aufgeschlagen auf dem Tisch, Karten entfaltet, mit Linien, Kreisen und Kreuzen gekennzeichnet.

Einen Plan erkennt Rosalie wieder. Er fiel ihr am Morgen in die Hände, als sie auf die Chroniken eines ehemaligen Klosters stieß, das unter der Schirmherrschaft der de Clares stand, bevor Henry Tudors Säuberungsaktion in Kraft trat. – Ich habe ihn doch wieder in das Buch zurückgelegt? – Rosalie faltet den Plan auseinander. Dort sind die Grundrisse der alten Kellergewölbe aufgezeichnet. Mit Tinte sind einige neue Linien eingezeichnet. Rosalie hatte am Morgen dasselbe gedacht, aber niemals hätte sie gewagt einen so kostbaren Plan mit eigenen Notizen zu bekritzeln. – Anthony. Das ist es also, was er Gil zeigen wollte. – Ihr Herz schlägt schneller. – Gil und Anthony – Lady Edna – haben sie es zusammen geplant? – Ihr Inneres wehrt sich energisch gegen den Gedanken. – Andererseits, da ist der verheißungsvolle Schatz. Vielleicht altes Kirchengold, das die geflohenen Mönchen in den Gängen versteckten. An Anthonys Normannen-Theorie mag ich nicht glauben. Hat er Gil mit seiner Begeisterung angesteckt? Das Collier als Schlüssel? –

Rosalie eilt hinauf in ihr Zimmer. Hastig zieht sie eins ihrer schlichten Alltagskleider über, und zieht sich feste Schuhe an. Bevor sie das Haus verlässt, geht sie ins Arbeitszimmer. Dort steht ein Fernsprecher. Sie wählt die Nummer, die Inspektor Robins ihr gegeben hat. Es dauert einen Moment, dann hebt er ab.

„Robins.“

Verschlafen hört er sich nicht an. –

„Hier ist Rosalie. Ich meine, Miss Graville.“

„Guten Abend, Rosalie. Was kann ich für sie tun.“

Sie hört das Schmunzeln in seiner Stimme.

„Es tut mir leid, dass ich sie so spät störe.“

„Kein Problem. Worum geht es?“

„Ich glaube, ich weiß, wer Lady Edna getötet hat.“

„Ja?!“

Rosalie zögert. Ihr Verdacht bereitet ihr Unbehagen.

„Ich glaube es war Gilbert.“

Sie hört, wie sich der Inspektor am anderen Ende der Leitung räuspert.

„Wie kommen sie darauf?“

„Es geht um seine horrenden Schulden und den mysteriösen Schatz. Ich nehme an, er hofft das Gold zu finden, bevor seine Gläubiger ihn finden.“

„Finden sie nicht, dass ihre Bedenken doch etwas weit hergeholt sind? Hätte es nicht gereicht, Lady Edna um das Collier zu bitten?“

„Ich bin mir nicht sicher“, Rosalie resigniert, „entschuldigen sie nochmals die Störung, Inspektor. Ich muss gehen, bevor noch ein Mord geschieht.“

„Wohin?“, Nathan klingt besorgt.

„In die alten Keller unter dem Turm. Dort vermutet Anthony den Eingang.“

„Rosalie, warten sie!“

Sie hat aufgelegt.

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In der Stille, in der nur der Wind und das Klingeln der Glöckchen an den Spitzen der Pagoden von Bagan zu hören sind, habe ich den Eindruck von der Gegenwart in die Vergangenheit zu fallen. Ehrfürchtig steige ich die Stufen zu den lichtlosen Gängen einer jahrtausendealten Pagode mit hunderten Buddha-Figuren hinauf, die am Ufer des Irrawaddy-Stroms steht, der hinter den Tempeln träge dahin gleitet.

Es ist mein erster Aufenthalt im Ausland. Gesponsert vom britischen Museum, dass eine Gruppe von Archäologiestudenten und zwei Professoren in so eine Art Sommercamp geschickt hat. In meinen kühnsten Träumen habe ich mir nicht vorgestellt, eines Tages an so einer heiligen Stätte zu stehen und doch bin ich hier.

Der Kegel meiner Stabtaschenlampe geistert über die rauen Tempelwände und erhellt die ausdruckslosen Buddha-Gesichter. Immer tiefer wandere ich durch die labyrinthischen Gänge des Tempels. Als würde mich ein unsichtbarer Faden weiter und weiter ziehen. Durch die Dunkelheit und die verworrenen Flure habe ich jedes Zeitgefühl verloren. Es können Minuten vergangen sein – oder Stunden. Vielleicht bin ich im Kreis gelaufen. Unter Umständen habe ich, wie in einem unterirdischen Tunnelsystem, verschiedene Tempel durchlaufen, und komme an einer ganz anderen Stelle ans Tageslicht. Im schlimmsten Fall bin ich auf dem Weg ins Jenseits.

Ich bleibe stehen und lausche. Stille. Bagan ist der Ort, an dem die Stille geboren wurde, denke ich. Die kalte, leicht modrige Luft, die mich einhüllt, erinnert mich an eine Begebenheit meiner Kinderzeit. Ich entwischte meiner Mutter im Freibad, stürzte mich, ohne nachzudenken von einer Wasserrutsche ins Schwimmbecken, ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden, dass ich nicht schwimmen konnte. Einfach nur angezogen von dem Gedanken an herrlich klares Wasser und wäre beinahe ertrunken.

Genauso habe ich mich in diesen Tempel gestürzt. Ich habe nicht darüber nachgedacht, dass ich mich verirren könnte oder darauf gewartet, dass mich jemand begleitet und bescheid gesagt, habe ich auch keinem meiner Kommilitonen. Tauche ich nicht wieder auf, weiß niemand, wo ich abhanden gekommen bin. Ich weiß es ja selbst nicht. Ein Areal von 36 Quadratkilometer, das 2300 Tempel fasst, abzusuchen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll.

Angst verspüre ich dennoch nicht. Obwohl es hier in der Dunkelheit sicher nichts Ehrenrühriges wäre, eine gewisse Furcht zu empfinden. Es könnte sogar eine Notwendigkeit sein, um mich zum Handeln zu veranlassen. Dazu sehe ich keinen Bedarf. Es wird einen Ausweg geben, da bin ich sicher. Und ich bin selten zuversichtlich. Ich neige eher dazu die Dinge schwarz zu sehen, aus der verrückten Ansicht heraus, dass es dann nur noch besser werden kann. Klar, wenn man sich ausmalt 1000 Tode zu sterben, kann das Resultat nur positiv ausfallen. Ein Mensch kann nur einmal sterben, wenn man den westlichen Religionen glauben schenkt.

Im Buddhismus ist das anders. Nach dem Tod gehen wir in einen neuen Kreislauf des Lebens ein, um uns zu veredeln, bis wir ins Nirwana aufsteigen. Möglicherweise ist es der Geist dieser Idee, die hier seit hunderten Jahren existiert, der mich umfängt und mir eine ungewohnte Zuversicht vermittelt. Ein Abdruck, der sich durch die ständig wiederholten Gebete der Mönche in das Gestein, die Luft, das Leben eingegraben hat.

Dieser Text ist mir „zugefallen“, nachdem ich einen interessanten Bericht über das Tempelgebiet von Bagan in Myanmar gelesen habe.

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