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Posts Tagged ‘Finsternis’

Hinter den Schatten

„Hinter den Schatten geht es weiter“, hörte ich die sanfte Stimme und spürte einen leichten Druck.

Ich wollte mich Bewegen, aber meine Füße rührten sich nicht vom Fleck.

„Woher“, begann ich.

„Vertraue mir“, sagte er und seine Stimme schmeichelte sich noch intensiver in meine Gedanken.

Wie gerne wollte ich es. Wollte glauben, dass hinter dem bedrohlichen Dunkel etwas besseres auf mich wartete. Doch ich konnte die Kälte der schwarzen Wand vor mir förmlich mit Händen greifen. Und wie sehr ich ihn auch liebte, der Schrecken, der von der Finsternis ausging, ließ alle Alarmglocken in meinem Kopf schrillen und lähmte mich.

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Mark Granger lebte in Finsternis.

Sie existierte nicht nur buchstäblich sondern auch in seinem Kopf. Mark ertrug kein Tageslicht. Den Grund dafür hatte keiner der vielen Ärzte feststellen können, die seine Eltern in seinen Kinderjahren konsultiert hatten. Je älter er wurde, umso schlimmer wurde die Lichtunverträglichkeit. Das ging soweit, dass er abgeschottet von der Außenwelt in einer Art unterirdischem Bunker lebte. Menschen sah er nur sehr selten und nachdem seine Eltern verstarben, geriet Mark Granger, bei den wenigen Menschen, die von ihm wussten in Vergessenheit. Eingesperrt in einen Raum mit difusem Licht, dem er nur Nachts entstieg, wenn er einmal im Monat die georderten Lebensmittelvorräte einlagerte, saugte er das Pseudoleben der oberirdischen Medienwelt ein und faulte langsam vor sich hin.

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Ich sitze beim Essen. Die Kerze strömt einen sanften Duft aus. Musik läuft im Hintergrund. Meine Kehle wird eng, schnürt sich immer weiter zu, bis die ungehörten Schreie mir als Tränen in die Augen steigen. Ich esse. Kann nicht aufhören.

Tränen rinnen mir über die Wangen. Sie verschmelzen mit dem Essen auf der Gabel. Ich schmecke die Einsamkeit auf meiner Zunge, schlucke sie mit jedem Bissen. Mühsam versuche ich die Tränen zu unterdrücken, sie abzuwischen. Es kommen immer neue. Der Strom endet nicht, wenn der Damm gebrochen ist.

Ich spende Trost, bin da, wenn man mich braucht, lache und bin gutgelaunt, halte alles aus, was man mir auch aufbürdet, ich bin stark. Bis der Augenblicke kommt in dem ich es wieder erkenne – ich bin allein. Mehr als das. Ich bin einsam. Eisige, gefrorene Einsamkeit, die alles lähmt, mir alles nimmt.

Das Monster bricht aus seinem gut gehüteten Gefängnis. Es schlägt seine Krallen in den letzten Rest Hoffnung. Mit seinem gierigen Maul verschlingt es jedes andere Gefühl. Taucht jeden Sinn in abgrundtiefe Finsternis.

Ich bin allein mit meinem Schmerz, meiner Traurigkeit, meiner Sehnsucht nach Liebe, Händen, die mich halten. Getrennt von allen Menschen löst sich die Camouflage der Fröhlichkeit in der Lauge aus Einsamkeit und Qual. Ich werde unsichtbar. Kein Wort wird noch gehört. Kein Schluchzen ist es wert sich umzudrehen.

Ich esse, schlucke salzige Tropfen. Kann nicht aufhören. Muss immer weiter trinken. Den Schmerz meiner Seele herunterwürgen, bis mir das Herz zerbricht und ich endlich frei sein kann. Nur noch ein Hauch, der vermischt mit den Morgennebeln entschwindet im Licht der aufgehenden Sonne.

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Ich halte mich im Schatten. Immer dicht an der Wand entlang, husche ich lautlos weiter. Außer dem Plätschern der wasserspeienden Löwen sind keine Geräusche zu hören. Ab und an schreit ein Nachtvogel im nahen Wald.

Mein Herzschlag beschleunigt sich. Das ich meinen Lebensunterhalt mit Einbruch und Diebstahl bestreite, mag befremdlich erscheinen, ist aber sehr lukrativ, doch in ein Kloster einzubrechen gehört zu den unrühmlichsten Dingen, die ich je für einen Auftraggeber erledigen musste. Ich bin kein gläubiger Mensch, allerdings habe ich auch das, was man einen Ehrenkodex nennen könnte.

Der Einbruch selbst ist diesmal einfach. Das Kloster ist frei zugänglich und das Kirchenportal zu knacken ein Klacks, wie ich bei meiner Recherche feststellte. Doch dann wird es schwierig. In der Krypta gibt es eine besondere Deckplatte, hinter der sich das Kleinod versteckt, an dem meine Auftraggeber interessiert sind.

Laut alten Aufzeichnungen gibt es einen Mechanismus die tonnenschwere Platte von ihrem Platz zu schieben. Den gilt es in der Dunkelheit zu finden.

Ich drücke sacht auf die Klinke der Kirchentür und stemme mich gegen den massiven Türflügel. Sie gibt nach, ist nicht verschlossen. Für einen Moment stutze ich. Dann schiebe ich mich durch den Spalt und schließe sie so leise, wie möglich. Ich halte einen Moment inne und lausche in die Finsternis. Nichts zu hören. Ich schalte meine Taschenlampe an.

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Die Nacht gehört uns

Die Sonne versink langsam hinter den Hügeln. Es wird nicht mehr lange dauern und die Verwandlung beginnt. Ich kann es fühlen, jede Zelle meines Körpers ist in Aufruhr. Es ist das erste Mal und es wird nicht angenehm sein. Marian hat mich gewarnt, aber ich musste es tun. Es ist die einzige Chance dem Kommenden zu entgehen, auch wenn ich nie mehr dieselbe sein werde.

Die Schatten werden immer länger, ich hocke mich auf den Boden und atme tief durch. Marian sagte, versuch dich in einen tranceartigen Zustand zu versetzen, lass es durch dich hindurch fließen wehr dich nicht gegen die Umwandlung, dann tut es nicht so weh.

Nun bin ich von der Finsternis umgeben. Ich warte auf den Schmerz, doch er kommt nicht. Ich höre tief in mich hinein. Wo bist du? Plötzlich höre ich einen markerschütternden Schrei. Er kommt aus meiner Kehle. Feuer schießt durch meine Adern. Es beginnt.

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Die Texte entstanden aus einer Aufgabe heraus. Schreibe eine schwarze, weiße, graue Geschichte. 🙂

Grau

Die Welt ist ein Ort aus Grau. Durch Asche verschmutzte Luft schluckt jede Farbe und legt sich als undurchlässige Schicht über Haus, Baum, Tier und Mensch. Der Wechsel zwischen Nacht und Tag findet zwischen Schwarz, dunklem Grau, hellerem Grau statt.

Ich bilde mir manchmal ein, ich sähe ein Stück blauen Himmel. Obwohl ich weiß, dass es nicht möglich, nur ein Déjà-vu aus einer anderen, besseren Welt ist. Ich sehne, ja verzehre mich, nach diesem Blick auf das azurblau eines Sommerhimmels.

Das Blau verfolgt mich bis in meine Träume. In dieser lichtlosen, menschenfeindlichen Umgebung, in der es kein Lächeln, keine süßen Blumendüfte, keine Schönheit zu geben scheint, sind es die Träume, die mich am Leben halten.

Weiß

Vor mir liegt eine Welt aus weißen dicken Flocken, die schläfrig vom Himmel fallen und sich wie eine sanfte Decke auf die kahlen Felder und die blattlosen Bäume legt. Es ist früh am Morgen. Ich stehe am Fenster meiner Kindheit und sehe fasziniert hinaus. Im Licht der Straßenlaterne glitzern die silberweißen Eissterne wie Diamantstaub. Ich halte den Atem an, kann die Stille beinahe fühlen. Sie breitet sich in mir aus, immer weiter, tiefer. Ich bekomme Angst, dass sie mich verschluckt und ich nie wieder ein Wort sprechen kann.

Plötzlich höre ich einen hellen Ton. Dann noch einen. Erst leise, dann lauter. Aus den einzelnen Tönen wird eine wundersame Flötenweise. Ein Märchen aus Melodien.

Suchend schaue ich mich nach dem virtuosen Spieler um. Ich kann ihn nicht entdecken. Eilig schlüpfte ich in meine Winterjacke und Stiefel. Ich öffnete die Haustür. Da steht er. Nur ein paar Armlängen von mir entfernt. Noch nie begegnete mir ein schönerer Mann. Ich blicke ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er sieht aus wie ein Engel oder so, wie ich mir einen Engel vorstelle. Als er meine Verwunderung bemerkt, hält er im Spiel inne und lacht. Es klingt wie Perlen, die auf Marmorboden fallen.

Schwarz

Es war ein Tag im Sonnenschein. Mai. Ich saß im Cafe und las „Stolz und Vorurteil“. Er kam an meinen Tisch und stellte sich vor. Aidan. Sein Lächeln versüßte mir den Tag, die Woche, zehn Jahre. Jeder Tag Sonnenschein. Ab und zu ein Wölkchen, aber sein Lächeln pustete sie immer fort.

„Kommst du Liebes?“
Sara sieht mich fragend an. Ich nicke und stehe auf. Jede Bewegung fühlt sich steif und verkrampft an. Ich trete aus der Haustür. Es ist ein Tag im Sonnenschein.

Die Tür eines Autos öffnet sich vor mir. Ich steige ein. Sie klappt zu.
Die Autotür öffnet sich. Ich steige aus. Sie klappt zu.

Der Kies knirscht unter schwarzen Schuhen. Meinen Schuhen. In ihnen stecken Füße in schwarzen Strümpfen. In einem schwarzen Kleid ein Körper, den tiefste Finsternis ausfüllt. Mein Körper.

Ich bin verloren. Verirrt in der Dunkelheit. Ich finde keinen Gedanken. Kein Gefühl. Ich kann kaum atmen. Schlägt mein Herz? Wo ist der Schmerz, wenn ich ihn brauche?

Ich höre Worte. Der Sarg senkt sich in die Grube. Ich starre hinab. Erdklumpen donnern auf den Deckel. Es hallt in meinen Ohren, wird vom Nichts in mir gefressen. Ich drücke Hände. Mehr Hände. Mehr Worte.

Keine Worte dieser Welt können Aidans Lächeln ersetzen. Kein Mitleid dieser Welt bringt mir Aidan zurück. Mit ihm erlosch mein Licht.

An einem Tag im Sonnenschein.

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Ich habe Angst vor der Nacht. Vor der Finsternis, die nicht nur meinen Körper, sondern auch mein Herz und meine Seele umfängt. Ich bin ein vom Krieg verwüstetes Land. Die Sonne mag auf- und untergehen, aber da ist nur Dunkelheit. Wenn diese Nacht zu Ende geht, wird sie vollständig sein. Nie mehr das Licht der Sonne sehen. Ewig.
Ich bin allein. Den einzigen Menschen, der mir etwas bedeutet, habe ich so sehr verletzt, dass er mich verließ. Ich weiß nicht mehr, wie viele Abscheulichkeiten und Gemeinheiten ich sagte, damit er geht. Aber schließlich tat er es. Ich habe sein Vertrauen mit Füßen getreten. Sein Blick verriet es mir. Nun ist er weit genug von mir entfernt um am Leben zu bleiben, wenn ich meine Seele verliere und den Weg der Finsternis beschreite. Ich bete darum, dass die Wunde eines Tages heilen möge. Für mich ist es zu spät.

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