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Posts Tagged ‘Feuer’

Thema: Farbe

Blau. Meine Farbe der Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Himmel, dem Meer, der Weite. Blau mischt sich mit Gelb zu den herrlichsten Grüntönen, den Wäldern, Wiesen, Blumen und Pflanzen. Mit Rot zusammen ergeben sich die verschiedensten  Violetttöne. Die Farbe der Leidenschaft.

Ich könnte im Blau schwelgen, mich darin auflösen. Hier zu ein kleines Gedicht, das vielleicht mehr sagt, als die paar Zeilen oben.

 

Du

 

Du bist wundervollstes Meeresblau

Mal sanft mal rau

Du schmeckst herb und süß

Schwer Wein und klares Wasser

Du riechst nach Sternennacht und satter Erde

Nach frühem Morgen und Sommergewitter

Du bist die Brise auf meiner Haut

Der Funke der das Feuer entfacht

Du klingst nach „La Mer“ und Tango

Nach Wellenrauschen und Flüstern der Bäume

Du ziehst mich an mit deinem besonderen Blick

Erschütterst meine Welt mit deinem Kuss

Du kamst auf leisen Sohlen nahmst mich im Sturm

Herz über Kopf lass ich mich fallen

In deine offenen Arme

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Kraftlos erschöpft ausgeliefert

Der Langeweile des Alltags

Trauere ich um vergangene Leidenschaft

Ungehört vertrocknen meine Tränen

 

Ich stehe im trockenen Flussbett

Nackt und bloss

Sehne das Wasser herbei

Kein Regen bringt Erlösung

 

Eisiger Wind umtost mich

Friere in der Dunkelheit

Worte klingen im Sturm

Sinken in meinen Körper

 

Gedanken regen sich

Gefühle fangen Feuer

Wasser umspült meine Füße

Mein Herz atmet auf

 

Der Fluss füllt sich

Fließt in seinem Rhythmus

Er hält mich

Trägt mich wieder

 

Füllt meinen Körper mit Schwingungen

Füllt meine Seele mit Gefühlen

Weckt Träume auf

Gibt Fantasien Farbe

 

Ich tauche hinab

Immer tiefer auf den Grund

Die Angst vergeht

Bin nicht allein

 

Höre deine Worte

Sprichst meine Sprache

Unausgesprochenes Verstehen

Deine Hand hält meine

 

Körper tanzen umeinander

Gedanken winden sich in einander

Fantasien verweben sich

Zu einer neuen Geschichte

 

Erst nur ein Flüstern

Von Mund zu Mund

Küssen uns die Musen

Und du mich?

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„Wir rochen den Rauch, bevor wir das Feuer sahen.“

„Und dann?“

„Dann sah ich das Feuer.“

„Und dann?“

„Nichts und dann. Oder glaubst du, dass ich in ein brennendes Haus renne?“

„Aber deine Sachen?“

„Alles nur Dinge, nichts wirklich Wichtiges. Hauptsache mein Kopf funktioniert noch.“

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Neujahrssegen

Möge das Feuer der Kreativität in dir brennen und mögest du die Glut der Liebe immer wieder hoch auflodern lassen.

Mögest dein Weg so geschmeidig sein, wie ein sanft dahin fließender Fluss und magst du so beharrlich den Stein höhlen, wie ein steter Tropfen, um zu erreichen, was dir wichtig ist.

Mögen deine Sorgen mit dem Wind verwehen und dein Herz so leicht sein, wie eine Sommerbrise, damit du nie beschwert werdest.

Mögest du mit beiden Beinen fest verankert auf der Erde stehen, dann kann dich nichts aus der Bahn werfen.

Ich wünsche dir Liebe heiß, wie Feuer, sanft wie ein Frühlingsregen, leicht wie eine Feder und dauerhaft, wie Felsen.

Allen eine friedliche Zeit und ein erfolgreiches neues Jahr!

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VIII.

Beim Dinner saß ich zwischen Lord Robert und William Sie erzählten begeistert von ihrem Picknick am Strand, das lenkte mich von dem Gespräch im Stall ab. Nach dem Dinner zog ich mich so schnell es der Anstand zuließ zurück. Ich wollte an den Skizzen feilen, die ich am Nachmittag gemacht hatte. Ich breitete meine Zeichnungen auf dem Schreibtisch aus und arbeitete eine ganze Weile vor mich hin. Als meine Augen vom  Licht der Nachtlampe müde geworden waren, zog ich mein Nachthemd an, kuschelte mich in mein Bett und zog mir die Decke bis unters Kinn. Die Stimme aus dem Stall ging mir nicht aus dem Kopf. Ich kannte sie, aber wo war das Gesicht dazu? Ich drehte mich von Rechts nach Links und wieder zurück. Irgendwann hatte ich genug und stand auf. Ich ging zum Fenster.  Ein paar Wolken zogen über den Himmel und schoben sich vor die helle Mondsichel. Da sah ich Schatten zwischen den Bäumen. Erst dachte ich mich getäuscht zu haben. Atemlos wartete ich. Dann sah ich die Männer. Sie liefen aufs Haus zu. Plötzlich wusste ich welches Gesicht zu der Stimme gehörte. Edward Stanton, Justins Cousin. Ich erinnerte mich an das Gespräch mit Lord Arthur, in dem er erwähnte, dass Edward Justin schon des Öfteren in Gefahr gebracht hatte. Furcht stieg in mir auf. Ich musste Justin warnen. Musste ihm sagen, wer die Person im Stall war.

„Falk, komm.“

Er sprang sofort auf und folgte mir auf den Flur. Es war dunkel, nur ein paar Nachtlichter brannten. Lautlos schlich ich durch die Flure, bis ich Justins Zimmer erreichte. Zaghaft klopfte ich an.

„Herein!“

Ich öffnete die Tür und betrat eilig sein Zimmer.

„Eliana!“ Justin sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Was machen sie denn hier?“

Erst jetzt fiel mir auf in welch abenteuerlichem Aufzug ich vor ihm stand. Barfuss, im Nachthemd und mit offenem Haar. Mir war klar, dass er eine Erklärung für diesen „Überfall“ erwartete. Anständige junge Damen besuchten keine Junggesellen zu nachtschlafender Zeit. Justin hatte Jackett und Halstuch abgelegt. Sein Hemd war aufgeknöpft und ließ einen Blick auf seine muskulöse Brust zu. Justin machte einen Schritt auf mich zu, ich senkte scheu den Blick.

 „Eliana.“

Seine Stimme ging mir unter die Haut. Justins Nähe in der Intimität seines Zimmers und die Erkenntnis über meinen äußerst unangemessenen Aufzug irritierten mich zutiefst. Mein Atem ging schneller, als ich aufgeregt sagte:

„Justin, ich habe die Stimme wieder erkannt! Es ist die Stimme von Edward Stanton gewesen.“

„Edward?“

„Ja, ich habe jemand aufs Haus zu laufen sehen!“

Justin sah mich ungläubig an.

„Wie viele Personen hast du gesehen?“

„Ich bin mir nicht sicher, aber auf jeden Fall zwei.“

„Du bleibst hier, rühr dich nicht vom Fleck. Ich werde nachsehen“, sagte er bestimmt.

„Bitte sei vorsichtig!“

Ich sah ihn beunruhigt an. Er streichelte sanft über meine Wange.

„Keine Angst, alles wird gut.“

Er griff nach seinem Degen und sagte zu Falk:

„Pass gut auf Eliana auf, hörst du!“

Falk spitzte die Ohren und knurrte leise. Justin verließ sein Zimmer. Aufgeregt lief ich hin und her. Nach endlos erscheinender Zeit öffnete sich die Tür.

„Oh, Justin, du bist zurück!“, rief ich erleichtert, aber ich hatte mich geirrt.

„Oh, welches Vögelchen haben wir denn da?“

Edward packte mich am Handgelenk und warf mich aufs Bett. Falk griff ihn an, aber Edward versetzte ihm mit seinen schweren Stiefeln einen Tritt gegen den Kopf. Falk flog in die Ecke.

„Falk!“, schrie ich auf.

„Du hast wohl gedacht, du könntest deinen Liebsten warnen. Zu spät. Jetzt werde ich meinen Spaß mit dir haben. Schade, dass Justin nichts davon weiß, das würde ihn mehr quälen als alles andere!“

Mit einem widerlichen Grinsen auf dem verzerrten Gesicht versuchte er mir das Nachthemd vom Körper zu reißen. Ich wehrte mich, aber der Stoff war sehr dünn. Mit einem Ratschen riss einer der Ärmel ab. Ich versuchte meine Blöße zu bedecken.

„Lass sie sofort los!“

Justins Stimme war so scharf, wie ein Rasiermesser. Edward drehte sich erstaunt um.

„Du solltest tot sein!“

„Hast du gedacht, du könntest mich so schnell los werden?“, fragte Justin sarkastisch.

„Wir werden sehen!“

Edward zog seinen Degen. Ich rollte mich über das Bett und ließ mich auf der anderen Seite herunter gleiten. Die beiden Männer kreuzten die Klingen. Als Justin durch eine Parade am Arm getroffen wurde und Blut seinen weißen Ärmel färbte, hielt ich vor Angst die Luft an. Falk lag jaulend in der Ecke. Ich kroch zu ihm hinüber, um ihn zu beruhigen. Justin trieb Edward vor sich her, auf die andere Seite des Zimmers. Ich nutzte die Gunst des Augenblicks und stellte ihm ein Bein. Edward stürzte, stieß sich den Kopf am Bettpfosten und wurde ohnmächtig.

„Eliana!“

Justin zog mich vom Boden hoch und schloss mich erleichtert in seine Arme. Ich lehnte mein Gesicht an seine nackte Brust und schlang meine Arme um seine Taille. Er lebte, er war hier bei mir und hielt mich in den Armen! Jeder einzelne Muskel seines Körpers war angespannt und ein Gefühl der Erregung durchlief meinen Körper. Ich spürte seine Haut auf meiner. Sein Herz schlug heftig von der Anstrengung des Kampfes.

„Oh, Justin, geht es dir gut? Wurdest du verletzt?“

Ich sah besorgt zu ihm auf.

„Eliana, du musst gehen, der Krach hat bestimmt die anderen Hausbewohner geweckt. Es wird jemand kommen und nachsehen was passiert ist. Es wäre nicht gut, wenn dich jemand in so dramatischem Zustand hier vor findet.“ Seine Stimme klang eindringlich und er schob mich sanft von sich. „Das würde deinem guten Ruf schaden.“

Das war der Grund? Er war gerettet und dachte nur daran, dass mich niemand bei ihm vorfand, um meinen guten Ruf zu retten. Als ob das irgendeine Bedeutung gehabt hätte? Ohne ihn hatte nichts Bedeutung. War er so gefühllos? Konnte ihm wirklich entgangen sein, dass ich ihn liebte? Meine Augen füllten sich mit Tränen. Ohne ein Wort lief ich davon, gefolgt von einem humpelnden Falk. In meinem Zimmer warf ich mich auf mein Bett und weinte hemmungslos.

Justin lief erregt in seinem Zimmer hin und her. Sein eigener Cousin wollte ihn aus dem Weg räumen. Er konnte es nicht fassen. Eliana hatte ihm das Leben gerettet, ohne an ihre eigene Sicherheit zu denken. Er liebte sie. Noch nie hatte er ein so starkes Gefühl für eine Frau empfunden. Sie war die Richtige. Als Eliana sich ohne Vorbehalte in seine Arme geschmiegt und er ihre zarte Haut unter seinen Fingern gespürt hatte, kostete es ihn unglaubliche Kraft ihr nicht zu zeigen, wie sehr er sie wollte. Ihr warmer Atem strich über seiner Haut, und durch ihr dünnes Hemdchen ertastete er die Rundungen ihres biegsamen Körpers. Sie sah zauberhaft aus, mit den aufgelösten Haaren, die über ihre nackten Schultern fielen und er gestand sich ein, dass er sich rasend nach ihr sehnte. Sein Verlangen ihre weiche Haut zu streicheln, sie zu küssen und zu erleben, wie sie sich ihm hingab, war schmerzhaft. In dieser Nacht fand er kaum Schlaf.

                                                                 8

Leises Klopfen weckte mich. Sara trat ein.

„Seine Lordschaft erwartet sie in der Bibliothek, Miss.“

Benommen richtete ich mich auf und versuchte mich an die Ereignisse der letzten Nacht zu erinnern. Mein Kopf schmerzte und ich fühlte mich elend. Ich zog mir die Decke über den Kopf und wäre am liebsten gestorben. Ich hatte mich vor Justin zum Narren gemacht. Der Wunsch ihn wieder zu sehen war nicht sehr groß. Es dauerte länger als gewöhnlich, bis ich mich zu recht gemacht hatte. Schleppend Schrittes begab ich mich hinunter in die Bibliothek. Vor der  Tür blieb ich kurz stehen, atmete tief durch, straffte die Schultern und trat ein. Justin stand am Fenster und sah zur Tür herüber.

„Bitte setzen sie sich, Eliana.“

Er wies auf das Sofa. Klopfenden Herzens folgte ich seiner Bitte.

„Zuerst möchte ich ihnen danken, dass sie mich gewarnt haben“, begann er förmlich. Es schnürte mir die Kehle zu und ich kämpfte mit den Tränen. „Ich hoffe Falk geht es schon wieder besser?“

„Ja, danke Mylord!“

Ich vermied es ihn anzusehen.

„Es gibt etwas, worüber wir dringend sprechen müssen!“, fuhr er fort und kam näher.

„Oh!“, entfuhr es mir.

Justin blieb vor mir stehen und sah zu mir herunter.

„Da sie scheinbar eine Begabung dafür haben, sich immer wieder in rufschädigende Situationen zu bringen, können wir den Dingen nicht länger ihren Lauf lassen. Sie brauchen jemand, der auf sie aufpasst und sie vor solchen Abenteuern beschützt. Sie brauchen jemand der ihnen gewachsen ist Ich denke, ich habe die Lösung für unser Problem gefunden.“

Panik stieg in mir hoch. Justin hatte einen Ehemann für mich gefunden und konnte mich endlich loswerden.

„Willst du meine Frau werden?“

Justins kühle Stimme war ganz sanft geworden. Die Bedeutung seiner Worte drang zögernd in mein Bewusstsein.

„Ihre Frau?“, wiederholte ich ungläubig.

Justin sah mich lächelnd an.

„Nein, tut mir leid. Ich kann ihnen nicht erlauben mich aus Pflichtgefühl heraus an sich zu binden. Wir würden niemals glücklich werden.“

Während ich sprach war ich aufgestanden und zum Kamin gegangen. Ich musste  Abstand zwischen uns bringen, um meine Fassung nicht zu verlieren. Mit starrem Blick sah ich in die Flammen. Justin sollte meine Verwirrung nicht bemerken.

„Eliana! Komm her!“, forderte er mich entschieden auf.

„Nein!“, antwortete ich tonlos.

„Wenn du mich heiratest, wirst du versprechen mir zu gehorchen und es wäre gut, jetzt damit anzufangen!“

Ich sah ihn an, weil ich feststellen wollte, ob er einen Scherz mit mir trieb.

„Komm her, Eliana!“

Seine Stimme war sanft, aber bestimmt und sein Blick ließ keinen Widerspruch zu. Mit gesenktem Kopf ging ich zu ihm.

„Sieh mich an.“

Die Zärtlichkeit in seiner Stimme ließ mich aufmerken und ich sah ihn an.

„Warum glaubst du, habe ich dich gestern wirklich fort geschickt?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Hättest du noch eine Minute länger in meinen Armen gelegen, hätte ich dich nicht mehr gehen lassen können. Was glaubst du, wie viel Selbstbeherrschung es mich gekostet hat, dich nicht auf der Stelle zu meiner Frau zu machen!?“

Sein Geständnis ließ mir eine Gänsehaut über den Rücken lauf. Ich konnte nicht glauben, was ich hörte.

„Du willst mich?“

„Glaubst du wirklich, ich würde dich nur aus Pflichtgefühl heiraten? Dann hast du mich nicht sehr gut kennen gelernt.“

„Aber Lady Isabell?“, wandte ich ein.

„Lady Isabell glaubt, wenn sie ihre Reize deutlich spielen lässt, könnte ich ihr irgendwann nicht mehr widerstehen. Aber glaub mir, meine süße Eliana, keine Frau kann dir das Wasser reichen! Du bist wunderschön, klug und mutig! Ich will dich. Keine andere.“

Justin legte seinen Arm um meine Taille, zog mich ganz dicht an sich. Er hielt meinen Blick mit seinem gefangen.

„Als ich dich das erste Mal sah, ging die Sonne auf und mit jeder Minute, die du in meiner Nähe warst, liebte ich dich mehr und ich werde dich nie wieder gehen lassen. Wir werden viel Zeit haben einander kennen zu lernen, wenn du meine Frau bist!“

Der Ausdruck in seinen Augen ließ keinen Zweifel daran, dass es ihm ernst war. Sein Mund senkte sich auf meine Lippen und eine Wärme begann mich zu durchströmen, die meinen ganzen Körper erfasste. Ich schmiegte mich in seine Arme. Als Justin spürte, dass ich seine Küsse erwiderte, gab er seiner Leidenschaft nach, bis ich bebend und atemlos in seinen Armen lag.

„Oh, Justin“, flüsterte ich, „ich liebe dich so sehr.“

„Ich weiß mein Liebling und ich werde dir beweisen, wie sehr ich dich liebe. Jeden Tag und jede Nacht. Alles was ich mir je von einer Frau gewünscht habe, bist du. Ich will deine Liebe, deinen Geist und deinen schönen Körper.“

Ich errötete. Justin küsste mich so leidenschaftlich, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Es existierte nur noch er und ich, nichts anderes hatte Bedeutung.

„Du wirst mir gehören und ich werde sehr eifersüchtig darüber wachen, dass dir kein Mann zu nahe kommt.“

Liebevoll lächelte er mich an und ich wusste, dass es das war, was ich wollte, seine Frau sein.

„Also? Wirst du mich heiraten?“

Sein Atem strich über meine Haut und ich erzitterte. Er lächelte. Ich wusste woran er dachte.

„Ja. Ich gehöre dir doch schon!“

„So etwas kannst nur du sagen“, er schmunzelte. „Mein Vater hatte Recht!“

„Womit?“

„Das du mich liebst.“

Ich nickte.

„Du wirst eine bezaubernde Braut sein und ich kann es kaum erwarten dich ganz zu besitzen“, sagte er mit rauer Stimme.

„Bitte, Justin, du machst mich verlegen.“

Er lachte leise und sein schönes Gesicht strahlte.

„Hab keine Angst, niemand hört unser Liebesgeflüster. Und wenn du erst meine Frau bist, werde ich dir noch viel zärtlichere Dinge sagen.“

Das Verlangen in seinen Augen entging mir nicht. Glücklich lehnte ich meinen Kopf an seine Brust und schloss die Augen. Ich hörte sein Herz schlagen, wie gestern Nacht. Das war kein Traum. Justin hielt mich in seinen Armen.

                                                                9

Die Hochzeitsfeier war vorüber. Die Trauung hatte im kleinsten Kreis stattgefunden. Anna hatte sich sehr über mein Glück gefreut, besonders da William ihr ebenfalls einen Antrag gemacht hatte.

Justin schloss die Tür.

„Nun mein Liebling, endlich sind wir allein!“

Er kam zu mir und sah über mich hinweg aus dem Fenster. Vor uns lag eine fantastische Aussicht aufs Meer. Ich lehnte seine Schulter. Justin umfing mich mit beiden Armen. Seine Nähe gab mir Sicherheit und erregte mich gleichzeitig.

„Bist du glücklich?“, fragte ich leise.

„Was für eine Frage? Ich werde es dir sofort beweisen!“

Justin drehte mich zu sich herum und sein Lächeln war Antwort genug. Er hob mich hoch und trug mich zum Bett. Ich drückte mein Gesicht in seine Halsbeuge und sog seinen Duft ein.

„Du riechst nach Wind und Meer“, flüsterte ich.

„Und du duftest nach Liebe.“

Ganz zart küsste er mich und ließ seine weichen Lippen an meinem Hals hinunter gleiten, ´        „Oh, Justin!“,  seufzte ich „Ich habe solche Sehnsucht nach dir! Bitte verlass mich nie. Ich liebe dich!“

„Ich verspreche es!“ Er sah mich feierlich an. „Du bist der Teil meines Lebens, der mir fehlte. Ohne dich bin ich nur unvollständig. Ich werde aufpassen, dass du mir niemals verloren gehst. Ich liebe dich!“

Sein feuriger Kuss löschte jeden Zweifel und alle Angst aus. Es waren keine Worte nötig, unsere Körper sprachen von Liebe, Sehnsucht und Verlangen. Seine Zärtlichkeit  löste meine Scheu in Luft auf. Ich gab mich ihm ganz und gar. Dafür schenkte er mir den Himmel auf Erden und weckte ein unlöschbares Feuer in mir.

Ende

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Aufgabe: Schreibe einen „Schlangentext“.

 

Ende

 

„Falsche Schlange!“

John sprang auf, sein Stuhl kippte nach hinten.

Elisa blieb seelenruhig sitzen.

„Du hast es die ganze Zeit gewusst, ich bin wieder der Letzte, der etwas erfährt!“

Seine Hände ballten sich zu Fäusten. In seinem Kopf herrschte Chaos. Elisas Ankündigung traf ihn bis ins Mark. Heimlich regelte sie alles hinter seinem Rücken und überging ihn.

Elisa gab keine Regung von sich. Kein Wimpernschlag, kein Muskelzucken. War sie so gleichgültig, so kalt geworden? Und er hatte es nicht bemerkt.

„Hast du mir sonst noch etwas zu sagen!“, er spukte die Worte aus, wie Gift.

„Wenn du mich so fragst“, Elisa erhob sich gemächlich. Ihr schlanker, biegsamer Körper hatte auch nach zwanzig Jahren noch die Anmut einer Tänzerin. „ich möchte, dass du morgen mein Haus verlässt.“

Langsam ging sie um den Tisch herum, legte ein schmales Büchlein neben seinen verschmähten Teller.

„Hier, deine Abfindung“, ein spöttischer Unterton hatte sich in ihre Stimme geschlichen. „Ich denke, du kannst zufrieden sein.“

Sie drehte sich um, nahm ihr halbvolles Weinglas und ging ins Wohnzimmer. Einen Augenblick später hörte John die Stimme des BBC-Moderators, der einen Krimi ansagte. John stand nur da, konnte sich nicht rühren, es nicht fassen. Die Gedanken rasten durch sein Hirn, ohne anzuhalten. John vermochte nicht zu begreifen, was Elisa ihm mitteilte. Die Worte waren zu ihm hindurchgedrungen, aber er konnte ihnen keine Bedeutung zuordnen.

Abfindung, sagte sie. Eine Abfindung wovon? Ihr Haus verlassen, hatte sie gesagt. Aber es war doch auch sein Haus. Zwanzig Jahre hatte er hier gewohnt, gearbeitet, Kinder aufwachsen sehen, und hier hatte er Elisa geliebt.

Was war geschehen? Der Tag begann, wie so viele Tage in den letzten Jahren. Nichts hatte auf dieses Desaster hingedeutet. So gar die Sonne schien, an diesem Januarmorgen. Es gab keinen Stau auf der Autobahn und im Büro war alles glattgegangen.

Johns Anspannung ließ abrupt nach. Er sank vor dem Tisch auf den Boden. Ab morgen gab es kein Büro mehr, keine Firma, kein zu Hause. War es das, was Elisa damit sagen wollte?

John fiel aus seinem ausgefüllten Leben in eine schwarze tiefe Leere. Kein Geld der Welt konnte ihn darüber hinweg trösten. Der Schmerz in seinem Inneren zog sich zusammen wie ein riesiges unentwirrbares Knäul aus tausend Fäden, die er nicht gesponnen und die ihn doch zu Fall gebrachten.

John raffte sich auf. Für ihn gab es nur einen Ausweg. Er griff nach seinen Autoschlüsseln und ging.

 

Aufgabe: Satzassoziationen zu:

 

John fiel aus seinem ausgefüllten Leben in eine schwarze tiefe Leere.

 

Voll, Universum, hoch, Sturz, Hochhaus, hell dunkel, Film Noir, Stress, laufen, stolpern, einsam, Trauer, schwarzes Loch, Geburt, Ende, Lauf der Dinge, fliegen, Absturz, Zerstörung, Krypta, Gruft, Schmerz, endlos, bersten, Bewusstlosigkeit, Aufprall,

 

Ausgewählte Worte für den nächsten Text: Tod, Stress, allein, Jahre, Feuer, bodenlos

 

I am legend

 

Karim sah Selina immer noch. Er konnte sich nicht erinnern, wie viele Jahre vergangen waren. Am Anfang zählte er die Stunden, die Tage, Wochen, Monate. Aber er war nun schon so lange allein, dass Zeit keine Bedeutung mehr hatte.

Zeit – welch seltsames Ding. Damals, vor Selinas Tod, war sie angefüllt bis an den Rand und doch so schnell vergangen, als verschüttete man ein Glas. Nach Selinas Tod gab es kaum noch etwas zu tun, und die Stunden krochen dahin, langsam und quälend, nie enden wollend.

Karim erhob sich. Es wurde Zeit auf die Suche nach etwas Essbarem zu gehen. Hätte er die Ruinenstadt verlassen, wäre es vielleicht einfacher, immer genug Nahrung zu finden. Und möglicherweise begegnete er anderen, die das große Feuer überlebt hatten. Karim konnte nicht gehen. Er hätte den Ort verlassen, an dem seine letzten glücklichen Erinnerungen wohnten.

Karim verließ sein Haus, nicht ohne die Tür zu verschließen. Es gab niemand, der etwas genommen hätte, aber die Rituale halfen ihm, nicht völlig verrückt zu werden. Oder war dies schon das Verrückte? Der Stress des Alleinseins. Lächerlich. Stress der Einsamkeit.

Karim wanderte durch die Straßen. Um etwas zu Essen zu finden, musste er immer weitere Kreise ziehen. Anfangs hatte er nur in den Nachbarhäusern nach Nahrung gesucht. Inzwischen waren die Vorräte verbraucht und die Wanderungen wurden länger. Manchmal schaffte er es vor Einbruch der Nacht nicht nach Hause. Dann kampierte er in unwirtlichen Gebäuden voller Schutt und Unrat. Dort konnte er nicht schlafen. Wenn ihn die Müdigkeit trotzdem übermannte, hatte er Albträume, die ihn tagelang verfolgten.

Und überall begleitete ihn Selina. Er redete mit ihr, auch wenn sie ihm nicht antwortete. Sie hielt ihn davon ab ins Bodenlose zu stürzen. Selina, seine wunderschöne Selina. Am Ende der Zeit stand sie. Er hatte sie bald erreicht.

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Das Essen verlief auf angenehme Art und Weise. Meine Gastgeberin und ihre Gäste interessierten sich sehr für mich, aber ich hielt mich soweit es ging bedeckt. Ich erzählte nichts davon, dass ich ein verlorenes Kind war. Lady Shelley schien ein ausgesprochen großes Interesse an der Wissenschaft zu haben, denn die meisten der anwesenden Herren waren Ärzte, Physiker oder Chemiker. Der Einzige, der wohltuend anders war, war John. Er saß neben mir und versuchte mich, so gut es ging, von den hochtrabenden Gesprächen abzulenken. Er flüsterte mir kleine Anekdoten der gelehrten Herren ins Ohr und ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen.

Nach dem Abendessen teilt sich die Gesellschaft. Die Damen werden in den blauen Salon geführt, wo Sherry gereicht werden soll. Unterdessen begeben sich die Herren ins Raucherzimmer, um sich einen Zigarre zu genehmigen und zu fachsimpeln.

Ich trödele etwas herum und es gelingt mir, der langweiligen Damenrunde zu entwischen und in die Bibliothek zu gelangen. Leise schließe ich die Tür hinter mir. In dem großen Kamin brennt ein hell loderndes Feuer, das Buchenholz knistert leise und erfüllt den Raum mit einem angenehmen Duft. Ich schreite die langen Regalreihen entlang und kann kaum glauben, was für Klassiker sich hier verbergen. Jeder Sammler würde sich glücklich schätzen so eine Bibliothek zu besitzen. Ich nehme hier und da eines der kostbaren in weiches Leder gebundenen Bücher in die Hand. Viele sind echte Erstausgaben, aus dem Jahr, in dem sie das erste Mal gedruckt wurden. Wer auch immer diese Bücher gekauft hatte, muss eine Menge dafür ausgegeben haben. Immer weiter wandere ich in dem Regallabyrinth umher. Eins ist sicher, hier wird mich niemand so schnell finden. In der Mitte des Labyrinths steht ein Buchständer von gigantischen Ausmaßen. Darauf liegt ein ungewöhnlich großes Buch. Neugierig trete ich näher und schaue mir den Einband an. Es ist aus dunkelbraunem Leder und mit goldenen Lettern beschrieben. Die Buchstaben sind in Latein und italienisch geschrieben. Ich kann ein paar Brocken und lese etwas über Anatomie und Mensch, und einen Namen. Vor Ehrfurcht bleibt mir die Luft weg. Leonardo Da Vinci. Ich sehe mich ängstlich um, kein Laut ist zu hören. Dann schlage ich das Buch auf. Die Seiten sind aus dickem Pergament. Jede Seite ist mit detaillierten Zeichnungen der menschlichen Anatomie gefüllt. Der Mensch an sich, der Mensch ohne Haut mit Sehnen und Muskeln, nur das Skelett, die inneren Organe, Herz, Nieren usw, Augen, Zunge, Hirn und das von allen Seiten. Faszinierend zu sehen, wie genau Leonardo war, aber ich weiß, wie er zu seinen Zeichnungen kam und das ist keine angenehme Sache. Leichen sezieren, gut muss wohl sein, aber Leichen stehlen, oder frisch getöteten Verbrechern die Haut von den Knochen ziehen, ich weiß nicht, das kann nicht gut gewesen sein. Aber andererseits musste Leonardo so vorgehen, da ihn die Kirche sonst als Ketzer verurteilt hätte und vermutlich wäre er auf dem Scheiterhaufen gelandet. Wenn ich mich nicht irre, haben sie sogar Jagd auf ihn gemacht. Schade, dass die wirklich genialen Geister immer solche Probleme hatten.

„Oh, sie scheinen eine vielseitig interessierte junge Dame zu sein!“

Ich schrecke zusammen, und als ich mich umdrehe, fängt der Buchständer an zu wackeln. John kann ihn gerade noch abfangen, bevor er umkippt.

„John haben sie mich erschreckt. Mein Herz ist fast stehen geblieben.“

John lacht und nimmt meine Hand.

„So schnell bleiben Herzen nicht stehen. – Wie kommt es, dass sie aus der ehrenwerten Damengesellschaft geflüchtet sind?“

„Ich hatte keine Lust auf Gespräche über Sticken und Kinder“, sage ich und zwinkere ihm zu, „ich liebe Bücher und musste sie mir unbedingt einmal ansehen. Ich habe recht daran getan. Sie sind wundervoll. Haben sie sich die Bände schon einmal richtig angesehen? – Bestimmt. – Aber wie kommen sie eigentlich hier her? Und wie haben sie mich in dem Labyrinth gefunden?“

„Also erstens habe ich mir die Bücher angesehen, ich habe viele davon gesammelt.“

Ich schaue ihn mit großen Augen an. Wann hat er diese Bücher gesammelt und wo hat er sie aufgetrieben. Er ist kaum dreißig Jahre alt.

„Und“, fährt er fort, „ich kenne die Bibliothek wie meine Westentasche und wer sich für Bücher interessiert, der landet früher oder später bei Leonardo.“

„Donnerwetter, das ist ja ungeheuerlich.“

„Finde ich auch. Was ich besonders bedenklich finde ist, dass ein so schönes Mädchen, wie sie, diese wundervolle Nacht in einer dunklen Bibliothek verbringt. Was halten sie davon, wenn wir zum Strand hinunter gehen?“

„Das wäre wundervoll“, stimme ich begeistert zu.

Wie lange habe ich das Meer nicht mehr gesehen. Eine wilde Sehnsucht beginnt in mir zu schlagen. Das Meer.

„Komm, wir nehmen den Weg durch die Küche. Die anderen müssen nicht mitkriegen, dass wir fort sind.“

Ich kann vor Aufregung nicht sprechen und nicke nur. John sieht mich mit einem zärtlichen Blick an, schnell beugt er sich vor und küsst mich auf die Wange. Auf meinen tadelnden Blick hin sagt er entschuldigend:

„Verzeih, sie sehen so hinreißend aus, ich konnte einfach nicht anders.“

„Na, gut, ihnen sei verziehen. Komm, last uns jetzt ans Meer gehen.“

John lacht leise.

„Dann schnell, bevor sie mich auch noch vermissen.“

„Haben sie mich vermisst?“

„Was denken sie, warum ich sie gesucht habe?“

John öffnet eine geheime Tür in einer der Regalreihen. Der geheime Mechanismus ist, mich wundert gar nichts mehr, hinter Robinson Crusoe versteckt. John führt mich durch einen dunklen engen Gang, dann höre ich ein Klicken, eine weitere Geheimtür springt auf und wir stehen in der Küche. Zum Glück sind die Bediensteten schon fertig mit Aufräumen und niemand sieht wie wir das Haus durch den Dienstboteneingang verlassen. John durchquert den Garten, bis zu einer kleinen schmiedeeisernen Tür, die er mit einem Schlüssel, den aus seiner Jackentasche zaubert, öffnet. Von dort aus führt eine Steintreppe den Hügel hinab zum Strand. Ich ziehe die Schuhe aus und bohre meine Zehen in den warmen Sand. Die Wellen rollen sanft an den Strand. Ein dünner weißer Saum aus Gischt schmückt den feinen Sandstrand, wie eine Spitzenbordüre. Der riesige Mond wirft eine verschwenderische Fülle von Diamantsplittern auf das Wasser. Ich kann mich nicht sattsehen.

„Gefällt es ihnen?“, fragt John.

„Und wie! Danke! Vielen Dank! Es ist wundervoll!“

Ich umarme ihn begeistert und er legt seine Arme mich. Mein Kopf lehnt an seiner Schulter und John vergräbt seine Nase in meinem Haar. Ich spüre seine Wärme, seinen verführerischen Duft, sein Atem streicht sanft über meine Haut und ich habe plötzlich ein völlig zwiespältiges Gefühl. Ich schwanke zwischen Sicherheit, Wehmut, Liebe, Traurigkeit, Nostalgie, Deja-vu, Illusion und Realität. Ich rühre mich nicht vom Fleck und auch John hält mich ganz still in seinen starken Armen. Ich kann durch den teuren Stoff sein Muskelspiel spüren. Am liebsten würde ich die Augen schließen, mich ganz diesem Augenblick und ihm hingeben. Es kostet mich große Anstrengung es nicht zu tun, aber der Gedanke an Raoul, lässt nicht zu, dass ich mich verliere.

„Wo bist du nur so lange gewesen“, flüstert John und drückt mir einen Kuss auf die Locken.

„Ich weiß es nicht“, antworte ich leise.

„Solange habe ich auf dich gewartet und nun muss ich feststellen, dass dir ein anderer Mann begegnet ist, der dein Herz für sich eingenommen hat.“

„John“, versuche ich eine Erklärung, aber er unterbricht mich und legt mir einen Finger auf die Lippen.

„Psst! Sag nichts. Lass uns einfach hier stehen und den Augenblick genießen. Heute ist heute und morgen ist morgen.“

Ich schließe meine Arme noch fester um ihn und schmiege mich an ihn. Die Zeit hat plötzlich ihre Bedeutung verloren. Immer höher steigt der Mond und wird immer kleiner.

„Wir müssen langsam zurückgehen“, flüstert John und drückt einen Kuss auf meine Stirn.

„Müssen wir wirklich? Können wir nicht hier am Strand bleiben?“

„Du zitterst schon. Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn du krank wirst.“

„John.“

„Ja?“

„Ich habe Angst in dem großen Zimmer, ganz allein in einem fremden Haus.“

„Musst du nicht. Ich sagte dir doch, dass du dich auf mich verlassen kannst. Außerdem schlafe ich in dem Zimmer neben an, wenn du mich rufst, werde ich sofort zu deiner Hilfe eilen.“

„Höre ich da etwas Spott in deiner Stimme?“, frage ich und sehe zu ihm auf.

Ein Lächeln liegt auf seinem schönen Gesicht. Johns Augen sind dunkel, wie das nächtliche Meer und halten meinem Blick stand.

„Nein“, sagt er zärtlich, „nur ein ganz kleines Bisschen. Aber ich schwöre dir, dass ich mein Leben dafür geben werde, dich zu beschützen.“

„So etwas darfst du nicht sagen“, erwidere ich erschrocken.

„Es ist mein Leben und ich gebe es, wem ich will.“

Ich sehe ihn ängstlich an.

„Hab keine Angst, Noelle, alles wird gut.“

Er fasst in mein Haar, zieht meinen Kopf in den Nacken und küsst mich unendlich sanft. Schwer atmend lehne ich meinen Kopf an seine Brust. Ich muss zugeben, dass mich dieser Kuss durcheinander bringt. John nimmt meine Hand.

„Komm, lass uns gehen.“

Schweigend gehen wir zurück zum Haus. Dort ist inzwischen alles still. Scheinbar hat sich die Gesellschaft schon in ihre Gemächer zurückgezogen. Wir schleichen die Treppe hinauf und John begleitet mich zu meinem Zimmer.

„Schließ deine Tür und sollte etwas sein, klopf einfach an die Wand hinter deinem Spiegeltisch. Dort liegt mein Zimmer. Ich nicke und sehe ihn mit großen Augen an. Die kleinen Lampen in den Gängen geben nur wenig Licht, aber ich kann in seinen Augen lesen und was ich sehe macht mich verlegen.

„Du bist wunderschön“, flüstert John, „dieser andere Mann – ich hoffe, er ist dich wert.“

Er zieht meine Hände an seine Lippen, ohne meinen Blick loszulassen und drück zärtliche Küsse auf meine Handflächen. Zögernd gehe ich in mein Zimmer und verschließe die Tür hinter mir, so wie John es mir geraten hat. Verwirrt von diesem Haus, seinen Bewohnern und besonders von diesem außergewöhnlichen Mann, ziehe ich mir das Nachthemd über, dass Jenny mir auf dem Bett bereitgelegt hat. Im Kamin verglühen langsam die Holzscheite. Ich nehme einen Kienspan, entzünde ihn an der Glut und zünde mir ein paar Kerzen an. Ich bin zwar erschöpft, aber in meinem Kopf rasen die Gedanken kreuz und quer. Dieses Haus ist geschmackvoll eingerichtet, seine Bewohner sind in teure Stoffe gehüllt, die Speisen sind auserlesen und doch, etwas stimmt nicht. Dabei ist es noch nicht einmal die antiquierte Art zu leben, sondern die geheimnisvolle Aura, die alles hier umweht, wie ein undurchdringlicher Nebel. Ich kann mich nur schrittweise vortasten. Wenn ich den Blick auf das nächste Bild werfen kann, dann ist das Vorherige schon wieder so verschwommen, dass nichts von allem zu einem Ganzen wird. Wie ein Puzzelspiel von dem man ein paar passende Teile zusammensteckt und sobald man einige weitere findet, jemand kommt und die Ersten böswillig wieder auseinanderreißt. Nichts erscheint vollständig, nur winzige Teilstücke sind zu entziffern.

Um wenigstens etwas Ruhe zu finden, hole ich die Notizbücher von Herrn Grimm aus meinem Rucksack und blättere darin herum. Aber auch mit ihnen stimmt hier etwas nicht. Die Buchstaben ähneln willkürlich hingeworfenen Kritzeln und ergeben keinen Sinn, geschweige denn ein vernünftiges Wort. Ich will die Bücher gerade wieder weglegen, als auf einer Seite Linien erscheinen, wie vor Kurzem, als das Buch mir Raouls Gesicht zeigte. Gebannt blicke ich auf die Seite, als vor meinen Augen eine schreckliche schmerzverzerrte Fratze erscheint. Ein Gesicht mit weit aufgerissenem Maul, scharfe Zähne blitzen daraus hervor, die Haare hängen wirr in dem gequälten Gesicht. Einzig seine Augen haben etwas Menschliches. Ich kann meinen Blick nicht von dem Gesicht abwenden. Hin und her gerissen von Mitleid und Grauen. Langsam verschwimmen die Linien wieder und nur ein grauer Schleier bleibt auf der Seite zurück. Ich klappe das Buch zu und verpacke die Bücher hastig in meinem Rucksack.

„Geh!“, höre ich eine warnende Stimme.

Ängstlich sehe ich mich um. Vermutlich werde ich jetzt verrückt.

„Geh, Noelle. Verlier keine Zeit.“

Atemlos springe ich auf. Es ist Raouls Stimme, also habe ich mich doch nicht geirrt. Hastig packe ich meine Sachen, ziehe mir bequeme Reisekleidung an und lösche alle Lichter. Dann öffne ich vorsichtig meine Zimmertür, versichere mich besorgt, ob auch niemand meine Flucht bemerken wird, und husche den Gang entlang zur Treppe. Die Eingangshalle ist leer. So lautlos wie möglich schleiche ich die Treppe hinunter, als ich plötzlich ein lautes Schreien höre. Mein Herz krampft sich zusammen. Das ist der Schrei eines Menschen, dem etwas Schreckliches angetan wird. Ich bin schon fast an der Tür, als wieder ein Schrei durch das Haus hallt. Es sind nur noch ein paar Schritte und ich bin frei.

„Lauf fort Noelle!“, höre ich wieder eine besorgte Stimme aus den Schatten.

„John“, durchzuckt es mich.

Für einen Moment zögere ich, dann stelle ich meinen Koffer neben die Tür, und gehe dem Schreien nach. Ich gelange zu einer Tür, die mich rohe Steinstufen hinab, in einen dunklen Kellergang, führt. Das Klischee aus einem Horrorfilm. Tu genau das, was kein normal denkender Mensch tun würde. Ich kann nicht anders. Mein Verstand schimpft wie ein Rohrspatz, um mich von diesem Wahnsinn abzuhalten, aber mein Herz sagt mir, dass ich meine Augen nicht vor dem Unglück eines anderen verschließen darf.

Die Schreie werden immer lauter. Mein Herz zerspringt fast vor Angst. Ich muss weiter gehen. Welche Kreatur hat es verdient solche Schmerzen zu erdulden? Jäh bricht das Schreien ab. Abrupt bleibe ich stehen. Was ist passiert? Ich befürchte, dass der Gefolterte entweder bewusstlos oder tot ist. Ich lausche in die Dunkelheit. Nicht weit entfernt höre ich Schritte und Stimmen. Ich raffe all meinen Mut zusammen und taste mich weiter an den rauen Wänden entlang. Da sehe ich einen Schimmer Licht. Die Stimmen werden lauter. Ich halte den Atem an und versuche einen Blick auf den Raum vor mir zu erhaschen.

Der Anblick, der sich mir bietet, lässt mich an meinem Verstand zweifeln. Unter dem englischen Landhaus erstreckt sich eine Art Krypta. An den marmornen Säulen hängen Fackeln, die der unterirdischen Gruft ein gespenstisches Aussehen geben. An den Wänden stehen Sarkophage, die auf ihren Deckeln Reliefe der Menschen tragen, die in ihnen bestattet wurden. In der Mitte des Raumes, unter einer Art Baldachin, steht ein Holzgestell, auf dem eine Kreatur festgeschnallt ist. Halb Mensch, halb Bestie. Lady Shelley und drei der Männer, die ich beim Dinner gesehen habe, stehen vor dem Holzgestell und streiten sich. Der Baldachin ist mir Symbolen bestickt, die mir nicht fremd sind. Ich habe sie auf einigen Seiten von Leonardos Buch gesehen. Lady Shelley trägt Handschuhe und hat ein Skalpell in der Hand.

„Sie Dummkopf“, schreit sie einen der Männer an, „sehen sie was sie angerichtet haben! Statt sich zu verwandeln, ist er ein Hybride. Halb Mensch, halb Monster. So war das nicht gedacht.“

Sie schlägt den Mann mit der flachen Hand ins Gesicht. Der gibt nur ein leises Stöhnen von sich, ohne Mary etwas entgegenzusetzen.

„Wir brauchen noch einen Katalysator. Er ist einfach zu sehr Mensch, als dass er sich freiwillig verwandeln würde“, wirft ein anderer Mann ein.

„Was soll denn das heißen? Wir haben alles so gemacht, wie Leonardo es beschrieben hat. Wir haben ihn infiziert und haben ihn einem hohen Stresspegel ausgesetzt. Das Adrenalin müsste bewirken, dass der Virus sich rasend schnelle vermehrt und die Verwandlung in Gang setzt.“

Lady Shelley ballt die Fäuste und nähert sich dem Mann, der ängstlich zurückweicht.

„Ja, aber“, stammelt er, „er ist stark. Sein Wille ist ungebrochen. Alles in ihm wehrt sich dagegen sich zu verwandeln.“

„Und was jetzt?“, Lady Shelleys Stimme schnappt über, „tun sie was, verdammt!“

Dann versetzt sie dem Mann einen heftigen Stoß gegen die Brust, die ihn taumeln lässt. Im letzten Moment kann er sich an einer Säule festhalten.

„Holen sie das Mädchen“, schlägt der erste Mann vor, „um sie zu beschützen, wird John sich verwandeln.“

Ich presse die Hände vor meinen Mund, um nicht zu schreien. Es ist John. Das Gesicht in meinem Buch, ich sehe wieder die Augen des Monsters vor mir. Es sind seine Augen. Flehende Augen. Oh, John, wie kann ich dir nur helfen? Fieberhaft überlege ich, was ich tun kann.

„Gute Idee! Los, machen sie schon!“, befiehlt Lady Shelley gereizt, „sie sind allesamt Stümper. Wenn das nicht klappt, dann Gnade ihnen Gott“, ein böses Lachen hallt durch die Krypta, „Gott, es gibt keinen Gott!“

Die drei Männer setzen sich hastig in Bewegung und ein wilder Schreck durchzuckt mein Gehirn. Sie suchen mich. Die Lady ist eine Art Frankenstein, besessen von Leonardos Forschungen. Aber das Leonardo solche perversen Forschungen angestrebt hat, ist mir neu. Allerdings war er, der Meister der Erfindung, wohl selten in der Lage, seine Erfindungen auch zu verwirklichen. Ein Genie auf dem Papier. Ich stehe hinter einer Säule und halte den Atem an. Was jetzt. Die drei Männer hasten an mir vorbei. Mir bleiben nur wenige Minuten, bis sie unverrichteter Dinge zurückkehren werden. Lady Shelley ist allein. Ich muss die Gelegenheit ergreifen und John helfen. Ich taste mich nach vorne, nehme eine Fackel aus ihrem Halter und trete hinter meiner Säule hervor.

„Sie sind ein kranker Mensch, Lady Shelley.“

Ich versuche meiner Stimme einen festen Klang zu geben, kann aber nicht verhindern, dass sie zittert. Mary fährt herum und ein teuflisches Lächeln spielt um ihre Lippen.

„Ich würde mich eher als Genie bezeichnen“, erwidert sie gelassen, „denn sehen sie, eigentlich wollte ich sie verwandeln, immerhin ist mir John lieb und teuer. Aber er hat mir sein Leben für ihrs gegeben.“

Bei diesen Worten geht mir ein Stich durchs Herz und Tränen treten mir in die Augen. Jetzt bloß nicht weinen, ermahne ich mich.

„Und welch glückliche Fügung! Dadurch werde ich tatsächlich erreichen, dass Leonardos Forschungen wahr werden. Ihren Willen hätte ich vielleicht nicht brechen können, aber John liebt sie und er wird alles tun, um sie zu verteidigen.“

Ich bin wie gelähmt. Der Plan ist tatsächlich perfide und gleichzeitig brillant. Meine Liebe gilt Raoul und hätte, statt mich zu schwächen, gestärkt. Johns Liebe zu mir wird ihn dazu bringen, alles zu tun mich vor dem Übel zu beschützen, dass mir Lady Shelley zu gedacht hat.

„Warum?“, ich bin verzweifelt.

„Forschung, meine Liebe. Ich werde das Leben neu erschaffen. Eine bessere, stärkere Kreatur hervorbringen.“

„Das ist ein Sakrileg!“

„Nein, Herzchen, das ist Genie.“

Sie nähert sich mir, als plötzlich ein Stöhnen zu hören ist.

„Lass sie!“

Johns Bewusstsein ist zurückgekehrt. Er atmet schwer. Mary fährt herum und mit ein paar Schritten ist sie neben ihm.

„Dann lass los und verwandele dich.“

„Nein, John, bitte nicht!“, rufe ich voller Angst.

„Ich muss es tun, sie wird dich sonst töten.“

Seine Augen sind auf mich gerichtet und ich sehe in seine Seele. Reine Liebe strömt mir entgegen.

„Nein!“, höre ich mich schreien.

Ich stürze auf ihn zu, werfe mich auf John und lege schützend meine Arme um ihn. Das darf nicht sein.

„Ihr seid so niedlich, aber die Verwandlung wird stattfinden. Er hat sich schon entschieden, sieh hin!“

Ein hysterisches Lachen erfüllt den Raum. Grauen erfüllt mich.

„Lancelot, wo bist du?“, flüstere ich.

„Hier, meine Herrin. Du hast mich gerufen.“

Lancelot tritt aus den Schatten. Er trägt einen Kampfanzug aus Leder, mit silbernen Nieten beschlagen, die in den flackernden Flammen der Fackeln aufblitzen. In seiner Hand hält er ein Schwert mit einem großen Namen: Flammenzunge.

„Oh, Verstärkung“, höhnt Lady Shelley, „du armer Junge. Liebst du sie etwa auch? Sie wird dich heute in den Abgrund  stoßen.“

Lancelot ignoriert ihre Tirade und tritt neben mich. Mitleidig blickt er auf John, der sich in Schmerzen windet und immer mehr zu der Bestie mutiert, die Mary aus ihm machen will.

„Bitte, hilf ihm“, flehe ich Lancelot an, „er wollte mich beschützen.“

Wortlos nickt Lancelot. Er steckt ihm einen Ring an den Finger.

„Nein!“

Lady Shelley schreit wie eine Furie und stürzt auf Lancelot zu. Aber es ist zu spät. Lancelot hat an dem Ring gedreht und John löst sich vor unseren Augen in Luft auf.

„Das wirst du büßen!“, tob Mary und stößt einen schrillen Ruf aus.

Plötzlich sind schnelle Schritte zuhören und Männer mit Masken bevölkern den Raum.

„Lauf“, flüstert Lancelot mir zu, „ich komme nach!“

Er hebt sein Schwert, und als die Maskierten angreifen, stürzt Lancelot der Menge entgegen. Ich kann nichts tun, um ihm zu helfen. Also gehorche ich seinem Rat und laufe dem Ausgang entgegen, aber Lady Shelley stellt sich mir in den Weg.

„Das hast du dir so gedacht?! Aber mir entkommst du nicht.“

Was ich sehe lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Für den Bruchteil einer Sekunde schließt sie die Augen und als sie sie wieder öffnet, sind sie rot wie Blut. Mary öffnet ihren Mund und entblößt zwei spitze Eckzähne.

„Sie sind ein Vampir! Nein, das ist unmöglich.“

„Nichts ist unmöglich“, lacht sie kalt und kommt näher, „John sah dich in seinen Träumen und ich habe dich gerufen. Und wie du siehst hat mein Plan funktioniert.“

„Nur fast!“, stoße ich hervor.

Ich reiße eine Fackel aus ihrer Halterung und senke sie ihr mit einer schnellen Bewegung entgegen. Ehe Lady Shelley sich in Sicherheit bringen kann, hat ihr kostbares Kleid Feuer gefangen. Ihr gellender Schrei lässt die Maskierten innehalten. Als sie sehen, wie ihre Gebieterin in Flammen steht, strecken sie die Waffen und verschwinden in der Dunkelheit, aus der sie kamen. Immer höher lodert das Feuer, immer schriller dröhnt das Geschrei durch die Krypta. Es ist nicht auszuhalten und ich presse mir verzweifelt die Hände auf die Ohren. Lancelot packt mich am Arm und zieht mich hastig hinter sich her.

„Raus hier“, keucht er.

Vor dem Haus steht die Kutsche, angespannt und bereit loszufahren.

„Lancelot“, stammele ich.

„Frag nicht, geh“, sein eindringlicher Blick mahnt mich zur Eile, „schnell. Sieh nicht zurück!“

Ich umarme ihn, dann steige ich ein und Lancelot gibt dem Kutscher ein Zeichen. Ein leises Schnalzen und das Pferd setzt sich in Bewegung. Das Letzte, was ich von Lancelot sehe, ist das Aufblitzen von Flammenzunge im Licht der ersten Sonnenstrahlen.

Die Kutsche fährt auf den kleinen Platz vor dem Bahnhof. Die Morgensonne scheint warm und in dem kleinen Cafe sitzen die alten Männer, rauchen und trinken Kaffee. Der junge Kutscher reicht mir die Hand und hilft mir auszusteigen. Er stellt mir meinen Koffer und meinen Rucksack auf die Eingangstufen zum Bahnhof, lüpft zum Abschied das Hütchen und fährt davon.

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