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Posts Tagged ‘Felsen’

Sicher haben einige von euch bemerkt, dass ich lange nichts auf meinem Blog veröffentlicht habe. Dafür gibt es eine Menge „gute“ Gründe. Ich habe in den letzten Wochen gefühlte 1000 Seiten Tagebuch geschrieben, um meine Gefühle wegzuschreiben. Immer mit dem Gedanken im Kopf, wann geh es weiter? Wann kommt endlich wieder die Lust eine Geschichte zu schreiben? Ich bin mir nicht sicher, dass sie schon wieder da ist, auch wenn die verschiedenen Ideen arbeiten.

Ein Gedanke, der mich aus meiner Erschöpfung aufgescheucht hat, kam gestern von meiner mittleren Tochter. Sie ist 21 und schreibt. Es ging um das Thema Freizeitbeschäftigung. Auf meinen Kommentar, dass sie ja auch in ihrer Freizeit schreibe, sagte sie: „Das Schreiben ist für mich keine Freizeitbeschäftigung. Ich muss das tun. Ohne geht es nicht.“ Eine Aussage, die ich genauso sehe.

Und so hier meine Überlegungen zu meinem 365-Tage-Projekt (nein, ich habe es nicht aufgegeben, nur etwas verschoben) über Tier und Farbe.

Wenn ich in diesem Moment ein Tier wäre, dann ein Chamäleon. Zugegeben schön finde ich es nicht gerade (ich wäre gerne ein süßes Felltier mit großen Knopfaugen), aber es ist faszinierend, wie es die Farbe wechseln kann. Und da mein innerer Zustand zurzeit zu dunkelgrau neigt, wäre ich ein dunkelgraues Chamäleon auf einem kahlen Felsen. Ich habe den Eindruck die Anziehungskraft des Felsens ist so stark, dass ich mich nicht vorwärts bewegen kann. Mir ist klar, ich kann nicht einfach liegen bleiben. Irgendwann werde ich auf diesem Felsen vertrocknen. Die Elastizität meiner Haut lässt nach und eines schönen Tages, in einer weit entfernten Zukunft, wird man mich als Fossil auf diesem Stein finden. Eine Vorstellung, die mir überhaupt nicht gefällt. Es ist also notwendig diesen Ort zu verlassen, damit ich endlich wieder eine andere Farbe annehmen kann. Frühlingsgrün würde mir gefallen, mit einigen Tupfern weiß, lila, rot, gelb, rosa.

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Linda rannte hinter ihm her.

„Sander! Warte!“, ihre Stimme hallte geisterhaft zwischen den Bäumen wieder.

Im Laufschritt stampfte sie über den schmalen Bohlweg. Sie musste sich konzentrieren nicht daneben zu treten. Ein falscher Schritt und sie landete ihm Sumpf. Atemlos erreichte sie die Treppe, die auf den befestigten Waldweg führte. Sander dieser Blödmann war schon soweit entfernt, dass sie ihn nur noch schemenhaft wahrnahm. Warum hatte sie sich nur auf diesen Mist eingelassen? Linda kannte die Antwort. Sander war der coolste Typ der Schule. Wenn er einen einlud, dann ging man mit. Ohne wenn und aber.

„Sander!“, rief sie zaghaft.

Linda hatte ihn endgültig aus den Augen verloren. Nicht einmal den Lichtkegel seiner Taschenlampe konnte sie erkennen. Dann hörte sie plötzlich wie ein Motor ansprang und der Wagen losfuhr. Sander hatte sie tatsächlich ausgesetzt. In dieser Wildnis. Lindas Herzschlag beschleunigte sich. Sie war eigentlich kein Angsthase, aber mitten in der Nacht in fremdem Gebiet, allein ohne Orientierung, dass war ein guter Grund um ängstlich zu sein. In der kanadischen Wildnis gab es Bären, Wölfe und andere Raubtiere. Ganz zu schweigen von Bärenfallen, Sümpfen und anderen furchteinflössenden Dingen, an die Linda jetzt lieber nicht denken wollte.

Zuerst überlegte Linda einfach dort stehen zu bleiben, wo sie gerade war und auf den Morgen zu warten. Aber nachdem ein leichter Regen einsetzte, beschloss sie weiter zu gehen. Auf dem Weg in das Naturschutzgebiet war Sander an einer kleinen Pension vorbei gefahren. Linda hatte Licht gesehen und naiv dran gedacht, dass er dort mit ihr die Nacht verbringen würde, wenn sie seine Mutprobe bestanden hätte. Jetzt war ihre einzige Chance es bis dorthin zu schaffen. Vorsichtig tastete sie sich zwischen den Bäumen entlang. Linda konnte nicht erkennen, ob sie sich noch auf dem ausgewiesenen Weg befand. Nur die Tatsache, dass der Pfad relativ eben war, bestärkte sie in ihrer Zuversicht.

Linda hatte jedes Zeitgefühl verloren. Sie bemühte sich so gerade zu gehen, wie es in der Dunkelheit möglich war. Sie wusste, dass sie an zwei riesigen Felsbrocken vorbei kam, wenn sie das Naturschutzgebiet verließ, aber bis jetzt waren sie noch nicht in Sicht. Der Wald wurde immer dichter, wo er lichter werden sollte. Linda wollte sich nicht eingestehen, dass sie den Weg verloren hatte und in die Irre ging.

Müde lehnte sie sich gegen einen dicken Baumstamm. Ihre Füße schmerzten und ihr war kalt. Der monotone Regen durchdrang inzwischen an einigen Stellen ihre dicke Daunenjacke. Zum hundertsten Mal fragte sich Linda, warum Sander ihr diesen miesen Streich spielte. Sie hatte ihm nichts getan – sich wirklich nichts zu Schulden kommen lassen. Und während sie dort stand, völlig erschöpft, fiel es ihr plötzlich ein. Susan! Sie war in Sanders Clique. Sie hatte Susan nicht beim Schummeln in der Mathe Klausur geholfen. Es war das erste Mal, dass Linda ihr etwas abschlug und das war ihr jetzt zum Verhängnis geworden.

Da ein Geräusch! Linda drückte sich enger an den Baum. Sie kauerte sich dicht an seine verknorpelten Wurzeln. Überraschend ertastete sie ein Loch, das große genug war, um sie aufzunehmen und ihr ein Versteck zu bieten. Drin war es trocken. Der Geruch von modrigem Holz stieg ihr in die Nase. Linda hörte Äste knacken, Laub rascheln und dann plötzlich eine Stille, die ihr Angst machte. Noch mehr, als sie eine Stimme hörte, die sie nur zu gut kannte.

„Wo kann das Miststück sein? Wir müssten sie längst aufgespürt haben!“

„Keine Ahnung. Ich bin mir sicher, sie ist in diese Richtung gegangen.“

„Ich dachte, du bist der große Jäger!“

„Mensch Sander halt die Klappe. Die Jagd ist doch das Spannendes an der Sache. Sie kann uns nicht entkommen. Entweder finden wir sie, oder die anderen und dann … .“

Der Sprecher ahmte das Geräusch eines Schusses nach.

„Ich hoffe, du triffst wenigstens, wenn wir sie haben.“

Sanders Stimme triefte vor Verachtung. Lena presste sich die Hand vor den Mund, um nicht aufzuschreien. Eiskalt lief es ihr den Rücken herunter. Sie drückte sich immer tiefer in das morsche Baumloch. In diesem Moment wünschte Lena sich einen hungrigen Grizzly, der sich auf die beiden jungen Männer stürzte und sie zu Gejagten machte. So gab es niemand, der ihr beistand und sie aus dieser ausweglosen Situation befreite.

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